Die bunte Welt der DDR-Werbeikonen

Zwischen Konservengläsern, Waschmitteln und Tankstellenlogos blickten sie den Menschen überall entgegen: freundliche Vögel, pausbäckige Hausfrauen oder fröhliche Männchen mit breitem Lächeln. Während die Schaufenster vieler Geschäfte oft überschaubar bestückt waren, sorgten die Werbefiguren der DDR für Farbe und Wiedererkennung. Mehr als 440 von ihnen entstanden im Laufe der Jahrzehnte.

Wer mit dem Trabant oder Wartburg unterwegs war, kannte den „Minol-Pirol“. Der gelbe Vogel begrüßte Autofahrer an Tankstellen im ganzen Land. Sein Gesicht war oft präsenter als die Auswahl an Kraftstoffen. Ähnlich vertraut wirkte die „Fewa-Johanna“. Die rundliche Waschfrau war bereits vor dem Zweiten Weltkrieg für das Waschmittel Fewa entworfen worden und blieb auch in der DDR erhalten. In Werbesendungen und Ratgebern erklärte sie, wie Wäsche gepflegt werden sollte. Für viele Hausfrauen gehörte sie ebenso zum Alltag wie Waschbrett, Wäscheleine und der Geruch frisch gewaschener Bettwäsche im Hof.

Auch andere Figuren fanden ihren Platz im kollektiven Gedächtnis. Das Leipziger Messemännchen begrüßte Besucher der Leipziger Messe, der Tele-Lotto-Otto war aus den Fernsehlotterien bekannt, und „Kundi“ erinnerte Kinder und Erwachsene daran, regelmäßig die Zähne zu putzen.
Ende der 1950er Jahre richtete sich der Blick zunehmend auf die kleinen Dinge des Alltags. Im Rahmen des „Programms der 1000 kleinen Dinge“ sollten Artikel verfügbar werden, die oft fehlten oder nur schwer zu bekommen waren: Nähgarn, Dosenöffner, Rasierklingen oder Schuhpflegeartikel. Die Werbung griff diese Produkte mit überraschend modernen Gestaltungen auf. Für das Fußpflegemittel „Fußflott“ warb ein eingängiger Reim: „Wer stets viel geh’n und stehen muß, ist stets durch Fußflott flott zu Fuß.“

Werbung sollte jedoch nicht nur Produkte bekannt machen. In Sendungen wie „Jan und Tini“ besuchten Kinder Betriebe und schauten den Beschäftigten bei der Arbeit zu. In der Konsum-Bürstenfabrik im erzgebirgischen Stützengrün erfuhren sie, wie Bürsten hergestellt wurden. Der dort verwendete „Bürstenmann“ erinnerte bewusst an die Hausierer des Erzgebirges, die früher mit ihren Waren von Ort zu Ort zogen.

Viele dieser Figuren verschwanden mit der DDR. In den Erinnerungen zahlreicher Ostdeutscher leben sie jedoch weiter. Sie standen für vertraute Produkte, für Kindheitserinnerungen und für einen Alltag, in dem selbst eine Werbefigur manchmal mehr Beständigkeit ausstrahlte als das Warenangebot im Regal.

DDR-Alltag im Januar 1990 zwischen Wirtschaftsreform und Massenabwanderung

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Wenn man auf die erste Januarwoche des Jahres 1990 blickt, sieht man eine Gesellschaft, die versucht, in der Auflösung so etwas wie Normalität zu simulieren. Teaser: Die Zahlen, die das Bundesinnenministerium zu Jahresbeginn veröffentlicht, sind mehr als nur Statistik. Über 343.000 Menschen haben die DDR im Jahr 1989 verlassen. Das ist der Hintergrund, vor dem sich in diesen Tagen alles abspielt. Während die großen politischen Räder drehen – die SED zieht sich aus der Armee zurück, neue Parteien formieren sich für den Mai – versucht die Verwaltung, den Alltag zu organisieren. Es ist eine seltsame Mischung aus großer Geschichte und kleinteiliger Regulierung. Da wird einerseits ein Wechselkurs von 3:1 festgelegt, andererseits treten detaillierte Regeln für den ambulanten Handel in Kraft. Man darf jetzt Waldfrüchte ohne Genehmigung verkaufen, muss aber für selbstgebastelte Waren Preise beantragen. In Gransee gründen sich Mittelstandsverbände, während in Bitterfeld zum ersten Mal ein Umweltbeauftragter versucht, das Ausmaß der Schäden zu erfassen. Gleichzeitig endet in Berlin ein Stück der Nach-Mauerfall-Ausnahme: Die kostenlose Fahrt in Bus und Bahn für DDR-Bürger ist vorbei. Zwei Mark kostet das Ticket jetzt. Es sind diese kleinen Momente, in denen die neue Realität greifbar wird, jenseits der großen runden Tische. Reiseführer sind auf beiden Seiten ausverkauft. Die Menschen wollen wissen, wo sie eigentlich leben und wohin sie jetzt fahren können. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Der Januar 1990 markiert den Punkt, an dem aus dem politischen Protest des Vorjahres eine administrative Transformation wird. Teaser: Die Nachrichtenlage der ersten Januarwoche liest sich wie ein Inventarbericht eines Staates im Umbau. Mit der Einrichtung eines Ministeriums für Umwelt und Naturschutz und der Benennung von Umweltbeauftragten in Regionen wie Bitterfeld reagiert die Führung auf die offensichtlichen ökologischen Defizite. Es ist der Versuch, staatliche Strukturen an die Forderungen der Bürger anzupassen. Wirtschaftlich beginnt mit dem Kurs von 3:1 und neuen Handelsbestimmungen eine Phase der Monetarisierung. Der "Verband der mittelständischen privaten Betriebe", der sich in Gransee gründet, steht symbolisch für das Ende der reinen Planwirtschaft. Politisch ist der Rückzug der SED-Parteiorganisationen aus der NVA und den Grenztruppen das vielleicht wichtigste Signal dieser Tage. Die Entflechtung von Partei und bewaffneten Organen ist die Grundvoraussetzung für die anstehenden freien Wahlen. In den Buchhandlungen sind Reiseführer Mangelware. Das Interesse an der eigenen, nun offenen Geografie übersteigt das Angebot bei weitem. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Zwischen dem Ende der Gratis-Fahrten in Westberlin und den neuen Preisen für den ambulanten Handel kommt die Marktwirtschaft in kleinen Schritten an. Teaser: Während die Politik sich auf den Mai vorbereitet und Programme schreibt, schafft die Realität Fakten. 343.000 Menschen weniger in einem Jahr – diese Zahl steht über allem. Die Reaktion ist eine Mischung aus Liberalisierung und dem Versuch, die Kontrolle zu behalten. Jeder Schritt, von der Preisbewilligung für Handwerkswaren bis zum ersten Umweltbeauftragten in Bitterfeld, erzählt von der Suche nach neuen Regeln. Die alte Ordnung gilt nicht mehr, die neue ist noch nicht geschrieben.