Der Absturz von Königs Wusterhausen 1972


Am Morgen des 14. August 1972 herrschte am Flughafen Berlin-Schönefeld Urlaubsstimmung. Familien, Ehepaare und Einzelreisende warteten auf den Flug an die bulgarische Schwarzmeerküste. Für viele war es die schönste Zeit des Jahres, auf die sie lange gespart hatten.

Kurz nach dem Start der Interflug-Maschine vom Typ Iljuschin Il-62 änderte sich alles. Nur wenige Minuten später geriet das Flugzeug in Schwierigkeiten. Die Besatzung bemerkte Probleme mit der Steuerung und entschied sich zur Rückkehr nach Schönefeld. Im Cockpit wusste jedoch niemand, dass im Heck der Maschine bereits ein Feuer brannte.

Aus einer undichten Leitung war heiße Luft ausgetreten. Kabel und technische Anlagen wurden beschädigt, Flammen breiteten sich aus. Da dieser Bereich weder überwacht noch vom Cockpit aus einsehbar war, blieb die eigentliche Ursache zunächst verborgen. Während die Piloten versuchten, die Maschine unter Kontrolle zu halten, fraß sich das Feuer durch wichtige Bauteile.

Über den Dörfern und Feldern südöstlich von Berlin spielte sich ein dramatischer Kampf gegen die Zeit ab. Schließlich versagte das Leitwerk. Die Il-62 wurde unsteuerbar, geriet ins Trudeln und zerbrach noch in der Luft. Das Wrack stürzte bei Königs Wusterhausen auf ein Feld. Alle 156 Menschen an Bord kamen ums Leben.

Augenzeugen berichteten später von Rauch am Himmel und Trümmerteilen, die über eine große Fläche verstreut lagen. Für viele Einwohner der Umgebung blieb dieser Tag unvergessen. Zahlreiche Angehörige warteten vergeblich auf Nachrichten von ihren Familienmitgliedern.

Die Untersuchungen begannen unmittelbar nach dem Unglück. Fachleute rekonstruierten die letzten Minuten des Fluges und fanden Hinweise auf technische Mängel im Flugzeugtyp. Öffentlich wurde darüber jedoch nur wenig bekannt. Die genauen Ursachen gelangten erst nach und nach an die Öffentlichkeit.

Bis heute erinnern Gedenksteine und Tafeln an die Opfer. In Königs Wusterhausen trägt seit 2024 eine Straße den Namen des Piloten Heinz Pfaff. Viele Menschen verbinden mit dem Unglück nicht nur die Erinnerung an die schwerste Flugkatastrophe auf deutschem Boden, sondern auch an 156 Lebensgeschichten, die an diesem Sommertag ein plötzliches Ende fanden.