
Wenn Kinder und Jugendliche in der DDR nach dem Unterricht Insekten sammelten, Pflanzen bestimmten oder an technischen Modellen tüftelten, geschah das oft in den Stationen der Jungen Naturforscher, Techniker und Touristen. Was für viele Teilnehmer wie ein spannendes Freizeitangebot wirkte, war im Hintergrund genau geregelt.
Eine Verordnung des Ministeriums für Volksbildung vom 19. Juli 1955 legte fest, wie diese Einrichtungen aufgebaut sein sollten. Dabei entstand ein System mit zwei unterschiedlichen Stationstypen.
In größeren Städten wurden Stationen des Typs 1 eingerichtet. Dort standen meist mehrere Fachräume, Laborplätze und Werkstätten zur Verfügung. Neben dem Leiter arbeiteten weitere Mitarbeiter in den verschiedenen Fachbereichen. Für die Kinder bedeutete das oft eine größere Auswahl an Arbeitsgemeinschaften. Sie konnten mikroskopieren, technische Versuche durchführen oder sich mit Tierzucht und Pflanzenkunde beschäftigen.
Anders sah es vielerorts in kleineren Städten und auf dem Land aus. Die Stationen des Typs 2 verfügten meist über weniger Personal und einfachere Ausstattung. Häufig mussten wenige Mitarbeiter ein breites Angebot organisieren. Dennoch entstanden auch hier Arbeitsgemeinschaften, in denen Kinder ihre Freizeit verbrachten und praktische Erfahrungen sammelten.
Um fehlende Fachkräfte zu ersetzen, suchten die Stationen Unterstützung außerhalb der Schulen. Mitarbeiter von Volkseigenen Gütern (VEG), Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) oder staatlichen Forstbetrieben übernahmen oft ehrenamtlich die Betreuung von Zirkeln. So erklärte ein Agronom den Umgang mit Versuchsfeldern, während ein Forstfachmann mit Kindern Baumarten bestimmte oder Wildspuren im Wald deutete.
Für viele Teilnehmer war entscheidend, dass sie hier Menschen trafen, die aus ihrem Berufsalltag berichteten. Die Stationen wurden dadurch zu Orten, an denen Unterricht, Freizeit und praktische Erfahrungen ineinander übergingen. Hinter den Experimenten im Labor, den Exkursionen in die Natur und den Arbeitsgemeinschaften stand ein organisatorisches Netz, das von staatlichen Vorgaben ebenso lebte wie vom Engagement zahlreicher Fachleute vor Ort.