Wie das Dresdner DEFA-Trickfilmstudio Welten erschuf, verlor und wiederfand

Dresden. Als Trickfilmer ist man Gott. Zumindest für die Dauer eines Wimpernschlags, wenn auf einem weißen Stück Papier aus dem Nichts eine Welt entsteht, die eigenen Gesetzen gehorcht. Über drei Jahrzehnte lang war das Dresdner DEFA-Trickfilmstudio genau dieser Olymp für rund 240 Mitarbeiter: Ein Ort, an dem Knete philosophisch wurde, Silhouetten Charakter bekamen und Drahtgestelle politische Parabeln erzählten. Doch wie viele Geschichten der DDR endet auch diese nicht mit einem klassischen Happy End, sondern mit einem harten Schnitt – und einer langsamen Blende in eine neue Zeit.

Die Insel der Glückseligkeit
Gegründet 1955 als Außenstelle der Babelsberger Filmstudios, entwickelte sich Dresden schnell zu einer der bedeutendsten Adressen für Animationsfilm in Europa. Hier entstanden Klassiker wie „Die fliegende Windmühle“ oder die legendären Drahtfiguren „Filopat und Patafil“. Während draußen die Planwirtschaft den Takt vorgab, herrschte drinnen ein anderer Rhythmus. „Eine Insel der Glückseligkeit“ nennt es der Regisseur Ralf Kukula. Man arbeitete im Team, oft generationenübergreifend. Die Alten, die noch das Handwerk der Vorkriegszeit kannten, gaben ihr Wissen an die Jungen weiter – Learning by Doing, lange bevor es diesen Begriff gab.

Doch die Insel war nicht unbemannt. Jeder Film, ob Märchen oder Satire, musste durch die Mühlen der Zensur. Sollte ein brennendes Haus gelöscht werden, durfte keine Demonstration den Weg versperren – das passte nicht ins Bild der sozialistischen Ordnung. Und doch fanden die Künstler ihre Nischen. Sie versteckten Systemkritik in Fabeln oder nutzten abstrakte Formen, um das Sagbare zu dehnen. Der Film „Das Monument“ von Klaus Georgi und Lutz Stützner, in dem ein erstarrtes Denkmal kurz zum Leben erwacht, nur um auf einen Telefonbefehl hin die Position zu wechseln und wieder zu versteinern, lag zwölf Jahre auf Eis. Er wurde erst 1988 fertiggestellt – eine prophetische Parabel auf die Agonie der späten DDR.

Der Sturz in die Realität
Mit dem Fall der Mauer 1989 verbanden viele Trickfilmer die Hoffnung auf kreative Freiheit und internationale Kooperationen. Stattdessen folgte der freie Fall. Eine Übernahme fand nicht statt; das Studio wurde abgewickelt. 1991 rollte die erste Entlassungswelle: Regisseure, Schnittmeister, Dramaturgen. 1993 war das Studio Geschichte.

Die wohl bitterste Szene dieses Dramas spielte sich auf dem Hof des Studios in Dresden-Gorbitz ab. In Containern landeten nicht nur alte Büromöbel, sondern das Herzblut von Jahrzehnten: Filmrollen, Puppen, Kulissen. Dass heute überhaupt noch ein Erbe existiert, ist dem Geistesgegenwart einiger Mitarbeiter zu verdanken, die buchstäblich in die Container stiegen, um das kulturelle Gedächtnis des Studios zu retten. Aus dieser Rettungsaktion entstand das DIAF, das Deutsche Institut für Animationsfilm, das heute Tausende von Artefakten bewahrt.

Auferstanden aus Ruinen
Der Geist des Studios ließ sich jedoch nicht verschrotten. Die, die damals jung waren, machten weiter. Ralf Kukula gründete „BalanceFilm“, Tony Loeser baute „MotionWorks“ in Halle auf. Sie mussten lernen, dass nun nicht mehr der Zensor der Feind war, sondern die Finanzierung. Doch der Erfolg gab ihnen Recht: Filme wie „Fritzi – eine Wendewundergeschichte“ oder Serien wie „Die Abenteuer des jungen Marco Polo“ beweisen, dass die Dresdner Schule – die Liebe zum Detail, das handwerkliche Können und die erzählerische Tiefe – den Systemwechsel überlebt hat.

Heute sitzen die Animatoren oft allein in dunklen Räumen vor Bildschirmen, verbunden über Zoom und Skype. Die haptische Magie der Puppenwerkstatt ist der digitalen Effizienz gewichen. Doch der Kern bleibt derselbe: Der Wunsch, einer toten Materie Leben einzuhauchen. Und im Studio Fantasia geben die Veteranen ihr Wissen nun an Kinder weiter. Wenn dort ein kleiner Baum aus Knete im Stop-Motion-Verfahren umfällt, schließt sich der Kreis. Der Gottkomplex des Trickfilmers lebt weiter – Frame für Frame.

Egon Krenz und die Legende vom verratenen Staat

MASTER-PROMPT HOOK - Profil Egon Krenz und die Deutung der Geschichte Ein älterer Herr im dunklen Anzug tritt ans Mikrofon, die Hände fest am Pult, der Blick fest in den Saal gerichtet, wo Menschen sitzen, die auf ein bestätigendes Wort warten. Er spricht von 1989, von Entscheidungen im Zentralkomitee und von einer Ordnung, die seiner Meinung nach nicht von innen zerbrach, sondern von außen zerstört wurde. MASTER-PROMPT Teaser JP (Reflective) Erinnerung an den Herbst 1989 Wenn ich die Stimme von Egon Krenz heute höre, vermischen sich die Bilder des aktuellen Auftritts mit den verblassten Fernsehaufnahmen jenes Abends im November vor vielen Jahren. Damals herrschte eine Ungewissheit, die sich in den Gesichtern meiner Eltern spiegelte, während auf dem Bildschirm Weltgeschichte geschrieben wurde. Egon Krenz spricht auf dem "Nationalen Denkfest" über seine Sicht auf die Wende, verteidigt die Rolle der Sicherheitsorgane und zieht Parallelen zur heutigen Russlandpolitik, die mich irritieren. Für mich klingt das nicht nach der Befreiung, die ich damals als Kind in der Euphorie der Erwachsenen zu spüren glaubte. MASTER-PROMPT Teaser Coolis (Neutral) Egon Krenz äußert sich zur DDR-Geschichte Der ehemalige SED-Generalsekretär Egon Krenz hat auf dem "Nationalen Denkfest" eine Rede zur Geschichte der DDR und den Ereignissen von 1989 gehalten. Vor dem Publikum verteidigte er die politischen Entscheidungen der damaligen Führung und wies die Verantwortung für den Zusammenbruch des Staates externen Faktoren zu. Krenz thematisierte in seinem Vortrag auch den aktuellen Konflikt in der Ukraine und kritisierte die Rolle der NATO, wobei er für eine Annäherung an Russland plädierte. Er betonte die seiner Ansicht nach friedenssichernde Funktion der DDR-Sicherheitskräfte während der friedlichen Revolution im November 1989.