Gigantisches Puzzle in der Lausitz: Schipkau baut das höchste Windrad der Welt

zum Video einfach auf das Bild klickenInmitten der brandenburgischen Gemeinde Schipkau, im Herzen des Lausitzer Reviers, entsteht derzeit eines der ehrgeizigsten Windenergie-Projekte Deutschlands: das höchste Windrad der Welt. Auf einer Baustelle von der Größe zweieinhalb Fußballfeldern wächst eine Anlage heran, die mit einer Nabenhöhe von 300 Metern und einer Gesamthöhe von 365 Metern alle bisherigen Dimensionen sprengt. Damit wird es das zweithöchste Bauwerk Deutschlands sein, fast so hoch wie der Berliner Fernsehturm und mehr als doppelt so hoch wie der Kölner Dom.

Ein Ingenieurtechnisches Meisterwerk mit Herausforderungen
Die Ingenieure sprechen von einem „gewaltigen Puzzle“ aus Hunderten von Teilen, die präzise zusammenpassen müssen. Anders als herkömmliche Anlagen, die üblicherweise eine Höhe von etwa 200 Metern erreichen, wird der Höhenwindturm als Gittermast aus Stahl konstruiert, um hohe Stabilität bei gleichzeitig geringem Gewicht zu gewährleisten. Ein Spezialtrupp aus der Türkei ist für die Montage der Hunderten von Schrauben zuständig, deren Anzugsmoment und Drehwinkel genau protokolliert werden, um höchste Sicherheit zu gewährleisten.

Finanziert wird das Pilotprojekt mit geschätzten Kosten von rund 25 Millionen Euro aus Fördermitteln des Bundes. Realisiert wird es von der Dresdner GICON-Gruppe unter der Leitung von Jochen Großmann, der seit über 20 Jahren Windkraftanlagen plant. Eine der größten Herausforderungen ist die Montage selbst: Da kein Kran eine Höhe von über 300 Metern erreicht, wird der Turm aus zwei Teilen bestehen – einem festen Außenturm und einem verschiebbaren Innenturm. Der Einsatz eines 1.000-Tonnen-Spezialkrans, einer der größten in Deutschland, erfordert zudem eine aufwendige Untergrundvorbereitung mit Spezialmatten, um die enorme Last homogen zu verteilen. Trotz ambitionierter Pläne für eine frühere Inbetriebnahme gab es bereits Verzögerungen, wie der Abtransport eines gelieferten Stahlträgers zur Umarbeitung zeigt. Die Inbetriebnahme ist nun für Sommer 2026 geplant, mit einer geplanten Laufzeit von 20 Jahren.

Warum so hoch? Das Potenzial des Höhenwindes
Die treibende Kraft hinter diesem ambitionierten Projekt ist die Erkenntnis, dass der Wind in großer Höhe nicht nur stetiger, sondern auch stärker weht. Seit 2020 laufen die Planungen für das Projekt in Schipkau, und ein eigens errichteter 300 Meter hoher Messturm hat detaillierte Daten zu den Windverhältnissen geliefert. Diese Daten bestätigen: In der Höhe lässt sich ein deutlich höherer Windenergie-Ertrag erzielen als bei klassischen Windenergieanlagen, was den Bau dieser Anlagen per se attraktiv macht. Das erklärte Ziel des Projektes ist die marktfähige Serienproduktion von sehr hohen Windkraftanlagen.

Lehren aus der Vergangenheit und Blick in die Zukunft
Die Geschichte der Windenergie ist auch eine Geschichte gescheiterter Höhenwindprojekte. In den 1980er Jahren wurde in Schleswig-Holstein die Forschungsanlage Growian (Groß-Windenergieanlage) mit einer Gesamthöhe von 150 Metern gebaut, die aber wegen technischer Probleme die meiste Zeit stillstand und nach acht Jahren abgerissen wurde. Auch Growian 2 auf Helgoland scheiterte 1990 an Blitzschlägen. Diese Rückschläge gelten als größte Fehlschläge der Windenergiegeschichte.

Heute hat sich die Technik entscheidend weiterentwickelt, doch die Ingenieure betonen den Forschungscharakter des Vorhabens und plädieren für eine „Fehlerkultur“ in Deutschland, um Innovationen voranzutreiben. „Wenn wir das schaffen, ist das eine Innovation,“ so ein Projektbeteiligter, angesichts der Tatsache, dass seit 2010 weltweite Versuche im Höhenwindbereich gescheitert sind.

Wirtschaftlichkeit im Fokus: Skepsis trifft auf Optimismus
Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit ist zentral. Dirk Sudhaus von der Fachagentur „Wind und Solar“ äußert sich skeptisch. Er weist darauf hin, dass die Stromerzeugungskosten eines solchen Turmes einen bedeutenden Anteil am Preis einer Kilowattstunde Strom haben und geht davon aus, dass die Wirtschaftlichkeit für diese Anlage ein Problem darstellt.

Die Ingenieure von GICON hingegen sehen großes wirtschaftliches Potenzial. Projektleiter Adam argumentiert, dass die Höhenwindräder das Netz besser auslasten können und durch den Mehrertrag eine konstantere Einspeisung ins Netz ermöglichen, wodurch sich der Aufwand rechnet. Man bereite bereits die Serienproduktion von Höhenwindrädern vor.

Für die Gemeinde Schipkau, die sich als innovativer Energieort versteht und konsequent auf den Ausbau Erneuerbarer Energien setzt, ist das Projekt ein weiterer Schritt auf einem vielversprechenden Weg. Der Bürgermeister hofft auf weiter steigende Akzeptanz und eine Beteiligung der Bürger an der Windkraftanlage, was den Bau weiterer Höhenwindtürme nur noch zu einer Frage der Zeit machen würde. Der Höhenwindturm wird die bereits vorhandenen Windräder am Ortsrand von Schipkau bei weitem überragen und das Landschaftsbild prägen.

„Du bist nichts Besseres“: Wie die Stasi eine Kinderärztin brechen wollte

Persönlicher Teaser Gänsehaut. Wut. Tiefe Beklemmung. Wenn Renate Werwigk-Schneider spricht, wird Geschichte körperlich spürbar. Man riecht förmlich den Mief der überfüllten Zellen in Hoheneck, man spürt das Zittern des Taxifahrers an der bulgarischen Grenze und die Ohnmacht gegenüber einem System, das Menschen wie Ware gegen Devisen tauscht. Ihre Erzählung ist kein trockenes Geschichtskapitel, sondern ein emotionaler Weckruf. Sie zeigt auf schmerzhafte Weise, dass Freiheit kein Geschenk ist, sondern ein fragiles Gut, das jeden Tag neu verteidigt werden muss. Ein Text, der weh tut – und genau deshalb gelesen werden muss.

Der geschlossene Jugendwerkhof Torgau als Endstation der DDR-Heimerziehung

FERACEBOOK-TEAS A) PROFIL: Hook: Drei Stunden Fahrt genügten oft, um eine Biografie dauerhaft aus der Bahn zu werfen. Teaser: Wer sich mit der Geschichte der DDR-Heimerziehung beschäftigt, stößt unweigerlich auf den Namen Torgau. Es war ein Ort, über den in der Öffentlichkeit geschwiegen wurde, dessen bloße Erwähnung unter Jugendlichen in Spezialkinderheimen jedoch ausreichte, um Angst auszulösen. Über 4000 junge Menschen durchliefen diese Einrichtung, die offiziell der Anbahnung auf das Kollektiv diente, in der Praxis jedoch militärischen Drill und psychische Brechung bedeutete. Die Kriterien für eine Einweisung waren dabei fließend. Es bedurfte keiner Straftat. Oft reichte es aus, wenn ein Jugendlicher als unbequem galt, die Schule schwänzte oder mehrfach aus anderen Einrichtungen geflohen war. Die pädagogische Maxime, die hinter den Mauern in Torgau herrschte, sah im Individualismus eine Gefahr, die es durch Isolation und physische Erschöpfung zu beseitigen galt. Berichte von Zeitzeugen zeichnen das Bild eines Alltags, in dem selbst der Toilettengang reglementiert war und Privatsphäre als bürgerliches Relikt abgeschafft wurde. Für viele Betroffene endete die Erfahrung nicht mit der Entlassung. Die Zeit in Torgau hinterließ Spuren, die sich in die Körper und die Psyche einschrieben. Das Misstrauen gegenüber staatlichen Strukturen und die Erfahrung absoluter Ohnmacht prägen viele Lebensläufe bis in die Gegenwart. Es bleibt die Beobachtung einer Generation, die in Teilen eine Erfahrung teilt, die lange Zeit gesellschaftlich kaum wahrgenommen wurde. B) SEITE 1 und 2 (Kontext): Hook: Das System der Umerziehung kannte eine letzte Instanz, die ohne richterlichen Beschluss operierte. Teaser: Zwischen 1964 und 1989 fungierte der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau als Endstation im System der DDR-Jugendhilfe. Die Einweisung erfolgte auf rein administrativer Ebene und entzog sich weitgehend juristischer Kontrolle. Zielgruppe waren Jugendliche, die als schwer erziehbar klassifiziert wurden – ein Begriff, der im sozialistischen Kontext oft schlicht nonkonformes Verhalten oder den Wunsch nach individueller Freiheit bezeichnete. Historisch betrachtet setzte Torgau die Theorie des Pädagogen Eberhard Mannschatz in die Praxis um, wonach das Kollektiv über dem Einzelnen stand. Die Methoden vor Ort, von der anfänglichen Isolationshaft bis zum minutiös getakteten Tagesablauf, zielten auf eine komplette Neuformierung der Persönlichkeit ab. Die Einrichtung verdeutlicht, wie fließend die Grenzen zwischen Fürsorge und Repression in der staatlichen Struktur verlaufen konnten. Die Aufarbeitung dieser Geschichte ist ein wesentlicher Baustein zum Verständnis der ostdeutschen Sozialisation.