Bleicherode: Eine Stadt im Herzen des Harzvorlandes

Bleicherode, eine charmante Kleinstadt in Nordthüringen, blickt auf eine beeindruckende 850-jährige Geschichte zurück und präsentiert sich heute als lebendiger Ort mit starkem Gemeinschaftsgeist und einem klaren Blick in die Zukunft. Eingebettet in die sanfte Landschaft des südlichen Vorharzes, bewahrt Bleicherode trotz wechselhafter Zeiten, geprägt von Kriegen, Seuchen und Feuersbrünsten, stets seinen Mut und sein einzigartiges Gesicht.

Historisches Erbe und technischer Pioniergeist
Die Stadt, traditionell dem Harz näher als dem Brocken verbunden, verdankte ihren einstigen Reichtum dem Kalibergbau, der fast ein Jahrhundert lang Kali-Salz unter der Erde förderte, beginnend um 1890. Neben der Textilindustrie, die hier bereits seit der Zeit Friedrichs des Großen florierte, prägte der Bergbau das Schicksal der Menschen. Die Zeugnisse dieser Ära sind noch heute in den Kalihalden sichtbar – einst ein „Berg von Arbeit“, der nun mit großem Aufwand und wissenschaftlicher Begleitung begrünt wird, um die Wunde in der Landschaft zu schließen und die Natur wieder aufleben zu lassen.

Bleicherode ist auch eng mit bedeutenden Persönlichkeiten verbunden. So wurde hier August Heinrich Petermann geboren, ein berühmter Geograph und Reformator der Kartografie, dessen Name heute Berge, Seen, Fjorde und Krater weltweit, sogar auf dem Mond, ziert. Ein weiteres wichtiges Kapitel der Stadtgeschichte schrieb Werner von Braun, der geniale Pionier der Raumfahrt. Im letzten Kriegsjahr lebte er in Bleicherode, und nach dem Krieg, von 1945 bis 1947, entstand im Rabe Institut für Raketenbau und Entwicklung – einst eine Bergbauinspektion, dann Forschungsstätte – die Grundlage für Raketentechnik. Hier wurden gemeinsam mit sowjetischen Forschern Antriebe und Steueraggregate entwickelt, die den Weg für die ersten Flüge ins Weltall ebneten und aus denen später die amerikanischen Mondraketen hervorgingen. Die Antriebe wurden sogar in einer Salzhalle gebaut.

Die lange Geschichte der Stadt ist auch in ihrem Rathaus zu finden, das seit 450 Jahren das Zentrum der Bleicheröder Welt bildet und früher auch als Kreisgericht diente. Eine besondere Anekdote ist der Spottname der Bleicheröder: „Schneckenhengst“. Dieser entstand in der Not des Dreißigjährigen Krieges, als die Einwohner Weinbergschnecken züchteten. Einem Händler, der sie nach Leipzig bringen wollte, liefen die von der Frühlingssonne geweckten Schnecken davon, was ihm und später der ganzen Stadt diesen Spitznamen einbrachte. Doch Bleicherode kann damit leben, denn „in Bleicherode lebt es sich gut“.

Eine Gemeinschaft, die zusammenhält und feiert
Der Zusammenhalt der Bleicheröder ist bemerkenswert. In der Stadt wird der Gemeinschaftsgeist großgeschrieben, sei es beim Hexenfahrrad oder in den Alltagsangelegenheiten. Dies zeigt sich nicht zuletzt in der überdurchschnittlich hohen Anzahl von Vereinen: „58 Vereine, so vielen wie sonst in keiner anderen Stadt in Deutschland“, was sogar das Fernsehen nach Bleicherode lockte. Von der Freiwilligen Feuerwehr über Jagd- und Bläsergruppen, Pilzfreunde, Schützenvereine mit 250-jähriger Tradition, Wandervereine, Musikgruppen, Kontakte der Vertriebenen (der mitgliederstärkste Verein), bis hin zu Frauenbunden, Anglervereinen und dem Bleicheröder Karnevalsclub, der seit 40 Jahren für Stimmung sorgt. „Feste feiern in Bleicherode heißt nicht nur zuschauen, sondern mitmachen – jeder mit dem, was er am besten kann“. Alte Traditionen wie das jährliche Bergmannsfest oder die einstigen Besuche der Kaiserfamilie leben in den heutigen Festen fort.

Wiederaufbau und Erholung
Nach dem Auslaufen des Kalibergbaus hat sich Bleicherode mit großem Engagement dem Wiederaufbau und der Neugestaltung verschrieben. Ähnlich wie Nehemia, der den Wiederaufbau der Stadtmauer vorantrieb, um Schutz zu bieten und Wirtschaft und Kultur aufblühen zu lassen, legt Bleicherode Wert darauf, eine wohnliche Heimatstadt zu bleiben. Dies zeigt sich in:

• Der Sanierung alter Ackerbürgerhäuser und Fachwerkhäuser, die das Gesicht der Stadt prägen.
• Einem völlig neuen Gewerbegebiet am Stadtrand, das neue Arbeitsplätze schafft.
• Einer neuen Wohnsiedlung im Nordwesten, die die Tradition der Villensiedlung vom Anfang des Jahrhunderts aufgreift.
• Dem modernisierten Bleicheröder Krankenhaus, das heute einen internationalen Ruf genießt.
• Dem völlig erneuerten Bleicheröder Schwimmbad mit Freibad, das sich zu einem Treffpunkt für 7.000 Einwohner und Urlaubsgäste entwickelt hat und als großer Schritt zur Wiederbelebung des Erholungsortes gilt – mit gutem Ruf, wie vor dem Krieg. Hier wurde „Neptun in eine Gegend geholt, in der es eigentlich keine Seen, keine natürlichen Bademöglichkeiten gibt“.

Natur und Tourismus
Die Umgebung Bleicherodes bietet Erholung pur. Die Bleicheröder Berge umfassen den größten Rotbuchenhain Europas, einen Ort der Ruhe für Mensch und Natur. Klare Quellen und Bäche, besonders im Bleichtal, sowie Wiesenblumen auf Lichtungen laden zum Verweilen ein. Auch die umliegenden Gemeinden wie Westhang, Kehmstedt, Kraja, Kleinbodungen, Etzelsrode, Friedrichstal, Ascherode und Gebra sind ideale Ziele für Entdeckungsfreudige. Die Villenkolonie im oberen Bleichbachtal, Anfang des Jahrhunderts mit billigem Bauland ins Leben gerufen, wurde für ein zweites Leben saniert.

Bleicherode ist eine Stadt, in der man „ankommen und gemeinsam eine Zukunft aufbauen will, weil es sich hier lohnt“. Wie der Heimatdichter Bäckermeister Daniel einst schrieb: „Der Frühling und die Jugend sind innig verwandt, sie kommen und gehen getreu Hand in Hand… doch glücklich wär trotzdem mit alterndem Haupt, aufs neu an den Frühling, den kommenden glaubt“. Bleicherode – eine Stadt, die nach jeder Frost- und Krisenzeit wieder aufgeblüht ist und ihre Besucher herzlich willkommen heißt.

Schokoladentradition in Dresden zwischen VEB Elbflorenz und Neuanfang

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Wenn Werner Mühle von früher erzählt, kann er die Temperatur der Schokolade noch immer an der Oberlippe spüren. Teaser: Fast vierzig Jahre lang stand er in den Hallen des VEB Elbflorenz, erst als Lehrling, später als Obermeister. Seine Biografie ist typisch für eine Generation, die ihre Bestätigung nicht im politischen System, sondern in der Qualität ihrer Hände Arbeit fand. Sie produzierten Pralinen für den Export, "Weltniveau" nannten sie das, während die eigene Bevölkerung oft mit einem eingeschränkten Sortiment vorliebnehmen musste. Der Stolz auf das geleistete Handwerk war echt, unabhängig von den Mängeln der Planwirtschaft. Dann kam das Jahr 1990. Über Nacht stornierten die Händler die Verträge, die Produktion stand still, die Maschinen verstummten. Für Mühle und seine Kollegen bedeutete das nicht nur Arbeitslosigkeit, sondern den Verlust eines sozialen Gefüges, das über Jahrzehnte gewachsen war. Dass heute wieder alte DDR-Maschinen in Dresden laufen, diesmal in kleinen Manufakturen, ist eine späte Pointe der Geschichte. Der Geruch von gerösteten Kakaobohnen zieht wieder durch die Stadt, anders als früher, aber die Erinnerung an die alten Werkhallen bleibt bestehen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Dresden war einst die Schokoladenhauptstadt Deutschlands, bevor Enteignung und Planwirtschaft die Strukturen veränderten. Teaser: Die Geschichte der Dresdner Süßwarenindustrie ist ein Lehrstück über den industriellen Wandel in Ostdeutschland. Nach der Verstaatlichungswelle 1972 verschwanden traditionsreiche Familienunternehmen im VEB Elbflorenz. Was folgte, war eine Zeit der Widersprüche: Einerseits technischer Erfindergeist und hochwertige Exportware, andererseits Rohstoffknappheit und "Bückware" für den Binnenmarkt. Der radikale Bruch erfolgte 1990. Anders als in anderen Branchen, die sich langsam transformierten, traf die Marktwirtschaft die ostdeutsche Schokoladenindustrie mit voller Härte. Die Insolvenz des VEB Elbflorenz steht exemplarisch für die Deindustrialisierung der frühen 90er Jahre. Dass Marken wie Nudossi heute wieder erfolgreich sind, war damals nicht absehbar und ist eher dem Eigensinn einzelner Unternehmer zu verdanken als politischer Planung. Die alten Rezepturen haben überlebt, die industriellen Großstrukturen von einst sind jedoch Geschichte. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die alten Maschinen des VEB Nagema heute wieder begehrt sind. Teaser: Jahrzehntelang galten die massiven DDR-Anlagen als veraltet, laut und ineffizient im Vergleich zur westlichen Hochtechnologie. Doch in der Nische zeigt sich ein anderes Bild. Die Langlebigkeit und die spezifische Art, wie diese Walzwerke die Schokoladenmasse verarbeiten, werden heute von Manufakturen wieder geschätzt. Es wirft ein interessantes Licht auf das industrielle Erbe der DDR: Was wurde zu schnell verschrottet? Die Wertschätzung für die technische Substanz kommt spät, oft erst, nachdem die ursprünglichen Betriebe längst abgewickelt wurden. Die Qualität war da, sie konnte sich unter den Bedingungen der Mangelwirtschaft und des abrupten Systemwechsels nur schwer behaupten. Vielleicht liegt in dieser späten Rückbesinnung auf die Technik eine Art Versöhnung mit der eigenen Industriegeschichte.