Die Mauer fällt: Stimmen und Wendepunkte der Friedlichen Revolution 1989

Deutschland, im Herbst 1989. Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) erlebt Tage beispielloser Unruhen und Hoffnungen. Auf den Straßen versammeln sich Bürgerinnen und Bürger, der Ruf nach Freiheit und Veränderung wird lauter und unüberhörbar.

Die Atmosphäre ist angespannt, geprägt von der ständigen Präsenz der Staatsmacht. „immer nur die Polizei als Gegenüber“ beschreibt ein Bürger die Situation, die selbst grundlegende Freiheiten einschränkt. Doch der Wunsch nach Selbstbestimmung lässt sich nicht unterdrücken. Im Geiste klingt das alte Lied: „Die Gedanken sind frei“. Dieser Freiheitsdrang manifestiert sich in klaren Forderungen: „wir wollen raus“ und immer wieder der mächtige Ruf: „Freiheit Freiheit Freiheit Freiheit“, sowie drängendes „raus raus raus raus“. Dabei sind die persönlichen Risiken hoch, wie die Sorge eines Vaters zeigt: „wenn sie mich einbucken ich habe drei kleine Kinder noch zu Hause“.

Zum 40. Jahrestag der DDR eskaliert die Situation. Ein Appell ergeht: „bitte helften Sie uns auf den 40 jahrestag der deutschen demokratischen Republik auf die Straße auf die Straße auf die Straße auf die Straße“. Trotz der emotionalen Ladung betonen die Demonstranten ihre friedlichen Absichten: „friedlich demonstrieren wir wollen nichts schlechtes“.

Parallel dazu versucht die Staatsführung, die Kontrolle zu behaupten. Offizielle Verlautbarungen wie das Ergebnis der Kommunalwahlen von angeblich „98,85%“ stehen im krassen Widerspruch zur Stimmung im Land. Zwar wird angekündigt, „mit der heutigen Tagung werden wir eine Wende einleiten“ und versuchen, die „politische und ideologische Offensive wieder erlangen“. Gleichzeitig signalisiert man, dass die sogenannte „chinesische Lösung“, ein gewaltsames Vorgehen gegen Proteste, „für die DDR nicht zur Debatte steht“. Die Forderung der Straße ist unmissverständlich: „demokratie jetzt oder nie demokratie jetzt oder nie“. Interessanterweise erklingt inmitten der Ausreisewünsche auch der Ruf „wir bleiben hier wir bleiben hier“, möglicherweise ein Ausdruck des Willens, das eigene Land zu verändern, anstatt es zu verlassen.

Ein plötzlicher Wendepunkt markiert die neuen Reiseregelungen: „privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse beantracht werden die Genehmigung werden kurzfristig erteilt“. Diese unerwartete Nachricht löst eine vielschichtige Reaktion aus, dokumentiert in einem fragmentarischen Ausruf: „wir kommen alle wieder was sollen wir in der Millionen V so bleibst“.

Der Druck der Straße und die verwirrende Informationslage führen schließlich zum historischen Moment. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer: „die Mauer ist weg die Mauer ist“. Ein System bricht zusammen, die symbolträchtigste Grenze des Kalten Krieges öffnet sich. Begleitend dazu das Ende einer ungeliebten Praxis: „die Staatsjag ist beendet“.

Die Friedliche Revolution von 1989, getragen von Mut, dem Ruf nach Freiheit und Demokratie und dem friedlichen Widerstand der Bürger, führte zum Fall der Berliner Mauer und markierte das Ende der Deutschen Demokratischen Republik. Die Stimmen von damals zeugen von den Ängsten, Hoffnungen und dem unaufhaltsamen Willen zur Veränderung.

Katharina Thalbach bei Gaus: Von der Utopie und der Fremdheit im Westen

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Sie musste sich nie emanzipieren, weil sie gar nicht wusste, dass sie unfrei sein sollte. Teaser: Wenn Katharina Thalbach über ihre Jahre in der DDR spricht, dann fehlt jeder Ton der Bitterkeit. Im Gespräch mit Günter Gaus, geführt 1996, beschreibt sie eine Jugend im Schatten des Berliner Ensembles, geprägt von der Strenge Helene Weigels und dem Geist Bertolt Brechts. Doch viel spannender ist ihr Blick auf das normale Leben: Für Thalbach war die Gleichberechtigung der Frau keine erkämpfte Errungenschaft, sondern gelebter Alltag. Arbeit, Kinder, Unabhängigkeit – das war die Basis, auf der sie stand. Der Kulturschock folgte erst mit dem Wechsel in den Westen im Jahr 1976. Plötzlich traf sie auf eine Gesellschaft, die Emanzipation erst theoretisch diskutieren musste. Thalbachs Beobachtungen sind dabei so scharf wie unaufgeregt. Sie beschreibt das westliche Theater als oft ich-bezogen, während die Kunst im Osten eine politische Dringlichkeit besaß, eine Art geheime Kommunikation zwischen Bühne und Publikum. Sie hat die DDR verlassen, aber die Utopie einer gerechten Gesellschaft, die ihr dort „anerzogen“ wurde, hat sie mitgenommen. Berlin ist für sie Mitte der Neunzigerjahre eine große Baustelle, und genau diesen Zustand liebt sie. Das Unfertige, das Offene ist ihr lieber als der satte Stillstand. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: War Kunst in der DDR wichtiger als im Westen? Teaser: Für Katharina Thalbach ist die Antwort eindeutig. Im Rückblick auf ihre Arbeit in Ost-Berlin und ihren Wechsel in die Bundesrepublik 1976 zeichnet sie einen interessanten Vergleich der Systeme. Im Osten war das Theater politisch aufgeladen, eine „Geheimsprache“, die von oben und unten verstanden wurde. Jedes Wort auf der Bühne hatte Gewicht, weil es Reibung erzeugte. Im Westen dagegen erlebte sie eine Kulturszene, die oft mehr mit sich selbst beschäftigt war als mit gesellschaftlichen Fragen. Die Relevanz, die Schwere der Kunst, sie fehlte ihr. Thalbachs Analyse aus dem Jahr 1996 ist keine Ostalgie, sondern eine kulturelle Bestandsaufnahme: Was geht verloren, wenn Kunst nicht mehr Reibungsfläche sein muss, sondern nur noch Ware sein darf? Die Schauspielerin bleibt skeptisch gegenüber einem System, das allein auf Verkäuflichkeit setzt. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Entmündigung gab es in beiden Systemen, nur die Methoden waren verschieden. Teaser: Katharina Thalbach macht es sich nicht leicht mit dem Urteil über die DDR und die Bundesrepublik. Dem Osten wirft sie vor, die Menschen zu ihrem Glück zwingen zu wollen – eine klare Entmündigung. Doch auch den Westen spricht sie nicht frei. Hier geschehe die Entmündigung subtiler, verdeckt durch Konsum und scheinbare Freiheit. Ihr Fazit ist das einer Beobachterin, die sich ihre Utopien nicht nehmen lässt, auch wenn die Realität sie selten einlöst.