Bildungsangebote des Stasi-Unterlagen-Archivs für Schulklassen, Studierende und Lehrkräfte

Das Stasi-Unterlagen-Archiv bietet ein breites Spektrum an Bildungsangeboten, die darauf abzielen, ein tiefgreifendes Verständnis der Arbeitsweisen und Auswirkungen der Staatssicherheit der DDR zu vermitteln. Die Programme sind speziell darauf ausgerichtet, historische Zusammenhänge greifbar zu machen, demokratische Werte zu stärken und ein Bewusstsein für die Bedeutung von Grundrechten und Freiheit zu fördern.

1. Angebote für Schulklassen

Für Schülerinnen und Schüler ab der Sekundarstufe I gibt es altersgerecht gestaltete Programme, die die Rolle der Stasi und deren Einfluss auf das Leben in der DDR beleuchten. Ziel ist es, jungen Menschen die Mechanismen der Überwachung und die Auswirkungen auf die individuelle Freiheit nahezubringen.

Workshops und Führungen:

  • Einführung in die Stasi-Geschichte: Interaktive Präsentationen über die Entstehung, Struktur und Arbeitsweise der Stasi.
  • Originalakten im Fokus: Die Schülerinnen und Schüler können ausgewählte Dokumente einsehen, darunter Berichte von inoffiziellen Mitarbeitern oder Überwachungsprotokolle. Dies ermöglicht einen direkten Zugang zu historischen Quellen.
  • Thematische Führungen: Ein Besuch in den Archivräumen gibt einen Einblick in die Arbeit mit den Akten und zeigt, wie diese aufbereitet werden.

Lernstationen und Rollenspiele:
Anhand von Rollenspielen können Schülerinnen und Schüler erleben, wie die Überwachung das Leben von Menschen beeinflusste. Sie schlüpfen dabei in die Rolle von Betroffenen, IMs oder Stasi-Mitarbeitern, um die Vielschichtigkeit der Thematik zu verstehen.

Zeitzeugengespräche:
Ehemalige Betroffene der Stasi berichten von ihren Erfahrungen. Solche Begegnungen machen die Geschichte greifbar und hinterlassen einen bleibenden Eindruck.

2. Bildungsangebote für Studierende

Für Studierende, insbesondere aus den Bereichen Geschichte, Politikwissenschaft, Soziologie und Pädagogik, bietet das Archiv vertiefende Seminare und Workshops an. Ziel ist eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit den Strukturen und Auswirkungen der Stasi.

Thematische Seminare:

  • Forschung mit Stasi-Unterlagen: Einführung in die Methodik der Arbeit mit Primärquellen und die Nutzung der Stasi-Unterlagen für wissenschaftliche Arbeiten.
  • Vergleich von Diktaturen: Analyse der DDR im Kontext anderer Überwachungsstaaten.
  • Der 17. Juni 1953 und die Maueröffnung: Besondere historische Ereignisse im Fokus.

Exkursionen und Archivbesuche:
Studierende können an Archivführungen teilnehmen, die auf die Bedürfnisse akademischer Zielgruppen zugeschnitten sind. Hier werden spezifische Dokumente oder Forschungsprojekte vorgestellt.

3. Fortbildung für Lehrkräfte

Lehrkräfte spielen eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung von DDR-Geschichte im Unterricht. Das Stasi-Unterlagen-Archiv bietet Fortbildungen an, um pädagogische Fachkräfte bei der Integration des Themas in den Schulalltag zu unterstützen.

Didaktische Workshops:

  • Arbeit mit Originalquellen: Lehrkräfte lernen, wie sie Aktenmaterial sinnvoll in den Unterricht integrieren können.
  • Entwicklung von Unterrichtseinheiten: Erstellung von Lehrmaterialien, die altersgerecht und fächerübergreifend einsetzbar sind.
  • Diskussion kontroverser Themen: Wie vermittelt man die Widersprüchlichkeit der DDR, ohne in einfache Schwarz-Weiß-Denken zu verfallen?

Bereitstellung von Lehrmaterialien:
Das Archiv stellt eine Vielzahl von Materialien bereit, darunter Arbeitsblätter, digitale Quellen und themenspezifische Handreichungen. Diese können sowohl für den Präsenzunterricht als auch für digitale Lernformate genutzt werden.

4. Digitale Bildungsangebote

Ergänzend zu den Vor-Ort-Angeboten bietet das Stasi-Unterlagen-Archiv auch digitale Formate an. Diese sind besonders geeignet für Schulen und Universitäten, die nicht in der Nähe einer Archivstelle liegen.

Virtuelle Führungen:
Durch digitale Plattformen können Klassen und Gruppen an virtuellen Archivführungen teilnehmen und ausgewählte Dokumente online einsehen.

Webinare und Online-Seminare:
In interaktiven Formaten können Schülerinnen und Schüler, Studierende und Lehrkräfte direkt mit Archivmitarbeitern und Historikern in Kontakt treten. Themen wie „Überwachung und Repression“ oder „Die Stasi und der Alltag in der DDR“ stehen im Fokus.

5. Ziel und Wirkung der Bildungsarbeit

Das zentrale Anliegen der Bildungsangebote des Stasi-Unterlagen-Archivs ist es, demokratische Werte und historische Kompetenz zu fördern. Die Auseinandersetzung mit der Stasi-Vergangenheit hilft jungen Menschen, die Bedeutung von Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit und dem Schutz der Privatsphäre zu verstehen.

Durch die Verbindung von historischem Wissen und persönlichen Geschichten schafft das Archiv einen Raum für Reflexion und Diskussion, der das Verständnis für die Herausforderungen und Errungenschaften der Demokratie stärkt.

weitere Informationen gibt es nach dem KLICK

Die Nacht der verpassten Chance: Walter Momper trifft Bärbel Bohley

Teaser für Social Media & Newsletter 1. Persönlich (Meinung/Kolumne) Haben Sie sich schon einmal gefragt, wann genau der Traum vom „Dritten Weg“ der DDR eigentlich starb? Ich glaube, es war an einem einzigen Abend in Schöneberg. Walter Momper flehte Bärbel Bohley fast an: „Regiert endlich! Sonst macht es Kohl.“ Ihre Absage rührt mich bis heute fast zu Tränen. Sie wollten rein bleiben, nur Opposition sein – und gaben damit, ohne es zu wollen, ihr Land aus der Hand. Ein Lehrstück darüber, dass Moral allein in der Politik manchmal nicht reicht. 2. Sachlich-Redaktionell (News-Flash) Historisches Dokument beleuchtet Schlüsselmoment der Wendezeit: Ende 1989 lud Berlins Regierender Bürgermeister Walter Momper Vertreter der DDR-Opposition ins Rathaus Schöneberg. Laut Mompers Aufzeichnungen in „Grenzfall“ drängte er Gruppen wie das „Neue Forum“ zur sofortigen Regierungsübernahme, um Helmut Kohl zuvorzukommen. Bärbel Bohley lehnte dies jedoch kategorisch ab („Wir sind und bleiben Opposition“). Eine Entscheidung, die den Weg zur schnellen Wiedervereinigung ebnete. 3. Analytisch und Atmosphärisch (Longread/Feature) Es war ein Aufeinandertreffen zweier Welten im Rathaus Schöneberg: Hier der westdeutsche Machtpragmatiker Walter Momper, dort die idealistischen Moralisten der DDR-Bürgerbewegung um Bärbel Bohley. Während Momper das Machtvakuum sah und vor einer Übernahme durch Bonn warnte, beharrte die Opposition auf ihrer Rolle als Kritiker. Dieser Abend illustriert das tragische Dilemma der Revolution von 1989: Wie der moralische Anspruch der Bürgerrechtler ihre politische Handlungsfähigkeit lähmte.