Geplante IC-Streichungen: Ostthüringen bangt um Fernverkehrsanbindung

Die Deutsche Bahn plant, schlecht ausgelastete Fernzugverbindungen durch den Regionalverkehr zu ersetzen. Diese Ankündigung von Bahnvorstand Michael Peterson hat vor allem in Ostthüringen für Unruhe gesorgt. Insbesondere Kunden, die regelmäßig auf den Intercity- oder ICE-Verkehr angewiesen sind, könnten von den geplanten Veränderungen betroffen sein. Peterson erklärte in der vergangenen Woche, dass die Deutsche Bahn plane, Intercity- und ICE-Verbindungen, die eine geringe Auslastung aufweisen, durch Regionalzüge zu ersetzen. Dies soll in Abstimmung mit den betroffenen Bundesländern erfolgen.

In Ostthüringen betrifft diese Diskussion vor allem die Intercity-Verbindungen auf der Saalbahn, die derzeit von Leipzig über Jena, Rudolstadt und Saalfeld nach Nürnberg und Karlsruhe führt. Täglich verkehren fünf Züge pro Richtung, jedoch ist die Auslastung seit der Einführung dieser Linie noch relativ gering. Die Region stellt hohe Anforderungen an den Betrieb dieser Strecke, da der Wechsel zwischen den verschiedenen Lokomotiven für zusätzlichen Aufwand sorgt. Da es auf bestimmten Abschnitten der Strecke keine durchgehende Elektrifizierung gibt, muss zwischen Diesel- und Elektrolokomotiven gewechselt werden, was den Betrieb der Fernzüge zusätzlich erschwert und anfällig für Verspätungen macht.

Eine weitere wichtige Intercity-Linie, die ebenfalls im Fokus steht, verbindet die Städte Gera, Jena und Erfurt mit den westdeutschen Großstädten Düsseldorf und Köln. Diese Linie erfreut sich insbesondere zwischen Gera und Erfurt einer hohen Auslastung, was auch darauf zurückzuführen ist, dass das Land Thüringen die Mitfahrt mit Nahverkehrstickets finanziell unterstützt. Pendler schätzen diese Möglichkeit, beklagen sich jedoch über häufige Verspätungen und Zugausfälle. Grund für die Verspätungen ist auch hier der aufwändige Lokwechsel in Gotha, da der Abschnitt zwischen Weimar und Gera nicht elektrifiziert ist.

Bahnvorstand Peterson kündigte an, dass die Deutsche Bahn nun prüfen werde, welche Fernzüge in direkter Konkurrenz zum Regionalverkehr stehen. Ein zentraler Unterschied zwischen Fern- und Regionalverkehr ist, dass der Fernverkehr eigenwirtschaftlich betrieben wird, während der Regionalverkehr durch die Bundesländer bestellt und subventioniert werden muss. Das bedeutet, dass die Bundesländer für jeden gefahrenen Regionalzug Zuschüsse zahlen. Diese Zuschüsse werden in Form von sogenannten Linienpaketen im Rahmen von europaweiten Ausschreibungen vergeben, bei denen die Deutsche Bahn in Thüringen in der Vergangenheit oft den Kürzeren zog.

Die Ankündigungen der Deutschen Bahn werfen auch die Frage auf, inwieweit das Thüringer Infrastrukturministerium bereits in die Planungen eingebunden ist. Auf Nachfrage erklärte die Sprecherin des Ministeriums, Konstanze Gerling, dass im aktuellen Fahrplan für 2025 die Intercity-Linien 51 und 61 in ihrem bisherigen Umfang vorgesehen seien. „Bislang ist die DB Fernverkehr nicht mit der Absicht an uns herangetreten, diese Linien zum Fahrplanwechsel 2026 einzustellen oder zu reduzieren“, sagte Gerling. Das Infrastrukturministerium habe gegenüber der Deutschen Bahn bereits mehrfach deutlich gemacht, dass Thüringen als kleinteilig strukturiertes Bundesland auf eine gute Anbindung an die großen Metropolregionen in Deutschland angewiesen sei.

Insbesondere Ostthüringen, das als wichtiger Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort gilt, müsse über schnelle Intercity-Verbindungen erreichbar bleiben, so die Sprecherin weiter. „Ein Ersatz des IC-Fernverkehrs durch Angebote im Regionalverkehr ist dafür grundsätzlich ungeeignet“, betonte sie. Eine deutliche Reduzierung oder gar Einstellung der Intercity-Verbindungen würde den Standort Ostthüringen schwächen und die Anbindung an wichtige Wirtschaftszentren wie Nürnberg, Düsseldorf oder Köln erheblich erschweren.

Fazit: Die geplanten Änderungen der Deutschen Bahn könnten die Mobilität in Ostthüringen erheblich beeinträchtigen. Die Landesregierung steht der Idee kritisch gegenüber und fordert eine starke Anbindung über den Fernverkehr, um den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Ostthüringen langfristig zu sichern. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Verhandlungen zwischen der Deutschen Bahn und den betroffenen Bundesländern entwickeln und ob die Intercity-Verbindungen tatsächlich durch Regionalzüge ersetzt werden.

Wie das Dresdner DEFA-Trickfilmstudio Welten erschuf, verlor und wiederfand

Drei Teaser 1. Persönlich Heimatverlust. Stell dir vor, dein Arbeitsplatz ist mehr als nur ein Büro – er ist eine Familie, eine kreative Trutzburg gegen die graue Realität draußen. Für die Mitarbeiter des DEFA-Trickfilmstudios war genau das Alltag. Sie erschufen Welten aus Papier und Draht, während um sie herum ein Staat zerbröckelte. Doch dann kam die Wende, und mit ihr nicht die erhoffte Freiheit, sondern der Rauswurf. Wir begleiten ehemalige Regisseure und Puppenbauer, die mit Tränen in den Augen erzählen, wie sie ihre Lebenswerke buchstäblich aus dem Müllcontainer fischen mussten. Eine Geschichte über gebrochene Biografien, unbändige Leidenschaft und die schmerzhafte Frage: Was bleibt von mir, wenn mein Studio stirbt? 2. Sachlich-Redaktionell Trickfilmgeschichte. Über 35 Jahre lang war Dresden das Zentrum des ostdeutschen Animationsfilms. Von 1955 bis zur Abwicklung 1992 produzierten hier rund 240 Angestellte hunderte Filme für Kino und Fernsehen – vom Sandmännchen-Vorprogramm bis zur regimekritischen Parabel. Die Dokumentation „Kaspar, Mäxchen Pfiffig und Teddy Plüsch“ zeichnet den Aufstieg und Fall des DEFA-Studios für Trickfilme präzise nach. Sie beleuchtet die Produktionsbedingungen unter sozialistischer Planwirtschaft, die Zensurmechanismen und die drastischen Folgen der Treuhand-Abwicklung. Zugleich dokumentiert sie die erfolgreiche Gründung des Deutschen Instituts für Animationsfilm (DIAF), das heute das kulturelle Erbe verwaltet und für die Nachwelt sichert. 3. Analytisch und Atmosphärisch Schattenriss. Zwischen Propaganda und Poesie: Der DDR-Trickfilm war stets ein Balanceakt. In den Dresdner Studios entstand eine Ästhetik des Subtilen, geboren aus der Notwendigkeit, zwischen den Zeilen zu erzählen. Die Dokumentation legt die Mechanismen einer „Insel der Glückseligkeit“ frei, die paradoxerweise streng bewacht war. Atmosphärisch dicht verwebt der Film die melancholische Schönheit alter Silhouetten-Animationen mit der brutalen Nüchternheit der Nachwendezeit. Es ist eine Analyse der Macht von Bildern – wie man mit einer einfachen Drahtfigur politische Systeme hinterfragen kann und wie fragil künstlerische Freiräume sind, wenn sie plötzlich den Marktkräften ausgesetzt werden. Ein Abgesang auf das Analoge im digitalen Zeitalter.