Thüringer AfD-Spitze wegen Werbung für Nationalsozialismus angezeigt

Der Grünen-Politiker Bernhard Stengele hat als Privatperson Anzeige gegen die beiden Thüringer AfD-Landessprecher Björn Höcke und Stefan Möller wegen des Verdachts auf Volksverhetzung erstattet. Die Anzeige wurde über eine Anwaltskanzlei eingereicht und ging an die Staatsanwaltschaft Erfurt. Hintergrund der Anzeige ist ein Gedicht des Lyrikers Franz Langheinrich, das im Wahlprogramm der AfD Thüringen verwendet wurde. Langheinrich, der dem nationalistischen Milieu zugeordnet wird, war Mitglied der „Deutschen Kunstgesellschaft“, einer völkisch-nationalistischen Gruppierung.

Stengele, der auch Umweltminister ist, sieht in der Verwendung dieser 21 Zeilen eine bewusste Anknüpfung an die NS-Ideologie, was er als erneute Grenzüberschreitung der AfD einstuft. Er wirft der Partei vor, zunehmend völkisch-nationalistische und antisemitische Ideologie in die Denkweise ihrer Anhängerschaft zu integrieren, was die Demokratie in Deutschland gefährde.

Die AfD reagierte auf die Anzeige und warf Stengele vor, die Justiz zu missbrauchen, um sich selbst in den Medien zu profilieren. Der AfD-Landesverband bezeichnete die Vorwürfe als unbegründet und argumentierte, dass das Gedicht keinerlei verwerfliche oder volksverhetzende Inhalte aufweise. Möller fügte hinzu, dass die Interpretation als Volksverhetzung abwegig sei und nur dem Ziel diene, Aufmerksamkeit zu erlangen.

Stengele hingegen betont, dass seine Anzeige ein Zeichen gegen die zunehmende Verharmlosung nationalsozialistischen Gedankenguts setzen soll. Er sieht in der Verwendung solcher Inhalte durch die AfD eine bewusste Strategie, die demokratischen Grundwerte zu untergraben.

Stengele argumentierte weiter, dass das scheinbar unverfängliche Gedicht durch den „Gesamtzusammenhang“ in einen Bezug zum Nationalsozialismus gestellt wird. Dieser Zusammenhang ergebe sich insbesondere durch die Nennung des Autors Franz Langheinrich sowie dessen Lebensdaten, die eine klare Verbindung zum Dritten Reich herstellen.

Anfang Juli musste sich Björn Höcke zum zweiten Mal vor Gericht in Halle verantworten, diesmal wegen der Verwendung einer verbotenen Nazi-Parole. Auch in diesem Verfahren wurde er erneut zu einer Geldstrafe verurteilt. In beiden Fällen legte er Revision ein.

Wie das Dresdner DEFA-Trickfilmstudio Welten erschuf, verlor und wiederfand

Drei Teaser 1. Persönlich Heimatverlust. Stell dir vor, dein Arbeitsplatz ist mehr als nur ein Büro – er ist eine Familie, eine kreative Trutzburg gegen die graue Realität draußen. Für die Mitarbeiter des DEFA-Trickfilmstudios war genau das Alltag. Sie erschufen Welten aus Papier und Draht, während um sie herum ein Staat zerbröckelte. Doch dann kam die Wende, und mit ihr nicht die erhoffte Freiheit, sondern der Rauswurf. Wir begleiten ehemalige Regisseure und Puppenbauer, die mit Tränen in den Augen erzählen, wie sie ihre Lebenswerke buchstäblich aus dem Müllcontainer fischen mussten. Eine Geschichte über gebrochene Biografien, unbändige Leidenschaft und die schmerzhafte Frage: Was bleibt von mir, wenn mein Studio stirbt? 2. Sachlich-Redaktionell Trickfilmgeschichte. Über 35 Jahre lang war Dresden das Zentrum des ostdeutschen Animationsfilms. Von 1955 bis zur Abwicklung 1992 produzierten hier rund 240 Angestellte hunderte Filme für Kino und Fernsehen – vom Sandmännchen-Vorprogramm bis zur regimekritischen Parabel. Die Dokumentation „Kaspar, Mäxchen Pfiffig und Teddy Plüsch“ zeichnet den Aufstieg und Fall des DEFA-Studios für Trickfilme präzise nach. Sie beleuchtet die Produktionsbedingungen unter sozialistischer Planwirtschaft, die Zensurmechanismen und die drastischen Folgen der Treuhand-Abwicklung. Zugleich dokumentiert sie die erfolgreiche Gründung des Deutschen Instituts für Animationsfilm (DIAF), das heute das kulturelle Erbe verwaltet und für die Nachwelt sichert. 3. Analytisch und Atmosphärisch Schattenriss. Zwischen Propaganda und Poesie: Der DDR-Trickfilm war stets ein Balanceakt. In den Dresdner Studios entstand eine Ästhetik des Subtilen, geboren aus der Notwendigkeit, zwischen den Zeilen zu erzählen. Die Dokumentation legt die Mechanismen einer „Insel der Glückseligkeit“ frei, die paradoxerweise streng bewacht war. Atmosphärisch dicht verwebt der Film die melancholische Schönheit alter Silhouetten-Animationen mit der brutalen Nüchternheit der Nachwendezeit. Es ist eine Analyse der Macht von Bildern – wie man mit einer einfachen Drahtfigur politische Systeme hinterfragen kann und wie fragil künstlerische Freiräume sind, wenn sie plötzlich den Marktkräften ausgesetzt werden. Ein Abgesang auf das Analoge im digitalen Zeitalter.