Dies ist die Geschichte der Agfa/ORWO Werke in Wolfen

Das Filmwerk Wolfen, ursprünglich als „Filmfabrik Wolfen“ bekannt, wurde 1909 in der Stadt Wolfen in Sachsen-Anhalt gegründet und entwickelte sich schnell zu einem der weltweit führenden Produktionsstätten für fotografische Filme. Die Anlage wurde von der Agfa, einer der bekanntesten Marken für fotografische Produkte, betrieben und erlangte vor allem durch die Produktion von Schwarz-Weiß- und Farbfilmen internationale Bedeutung.

Eines der bedeutendsten Produkte, das im Filmwerk Wolfen entwickelt wurde, ist der Agfacolor-Film, der 1936 auf den Markt kam und den Durchbruch in der Farbfotografie markierte. Dieser Film zeichnete sich durch seine hohe Qualität und Farbtreue aus und wurde weltweit in der Fotografie und Filmproduktion eingesetzt. Während des Zweiten Weltkriegs spielte die Filmfabrik auch eine Rolle in der militärischen Aufklärung durch die Produktion spezieller Filme.

Nach dem Krieg, mit der Teilung Deutschlands, wurde das Werk in Wolfen zu einem Teil der DDR und firmierte unter dem Namen „ORWO“ (Original Wolfen). Unter dieser Marke setzte das Werk die Produktion von fotografischen Filmen und anderen lichtempfindlichen Materialien fort und blieb ein bedeutender Akteur in der Branche, auch wenn es zunehmend mit der Konkurrenz aus dem Westen zu kämpfen hatte.

Mit der Wende und der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 begann ein schwieriger Transformationsprozess für das Werk. Die Konkurrenz durch digitale Fotografie und andere moderne Technologien führte zu einem Rückgang der Nachfrage nach traditionellen fotografischen Filmen. Trotz verschiedener Versuche, das Werk zu modernisieren und neue Geschäftsfelder zu erschließen, musste die Produktion schließlich stark reduziert werden.

Heute erinnert das Industrie- und Filmmuseum Wolfen an die glorreiche Vergangenheit der Filmproduktion in Wolfen und bietet Einblicke in die technische und industrielle Geschichte der Fotografie. Das Filmwerk Wolfen bleibt ein bedeutender Teil der deutschen Industriegeschichte und ein Symbol für die Innovation und den Wandel in der Fototechnologie.

Der „Blüm-Abschlag“ 1991: Pharma-Preise und die Ökonomie der Einheit

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: „Was sie in Frankreich, Spanien kann, das muss sie auch in Deutschland können.“ Teaser: Mit diesem Satz setzte Arbeitsminister Norbert Blüm im Winter 1990 die westdeutsche Pharmaindustrie unter Druck. Die Situation war paradox: Die politische Einheit war vollzogen, doch die ökonomische Realität im Gesundheitswesen klaffte weit auseinander. Während ostdeutsche Arbeitnehmer noch Löhne von etwa 40 Prozent des Westniveaus bezogen, sollten ihre Krankenkassen bereits die vollen westdeutschen Preise für Medikamente zahlen. Das System drohte zu kollabieren, bevor es richtig begonnen hatte. Blüms Antwort war der sogenannte „Blüm-Abschlag“ – eine Forderung nach 55 Prozent Preisnachlass für Arzneimittel in den neuen Bundesländern. Er argumentierte nicht nur mit moralischer Solidarität, sondern nutzte geschickt den europäischen Vergleich. Wenn Konzerne in Südeuropa günstiger verkaufen konnten, warum dann nicht auch im wirtschaftlich schwächeren Osten Deutschlands? Es folgte ein Machtkampf mit Boykottdrohungen und harten Verhandlungen, der zeigte, wie fragil die Balance zwischen Marktprinzipien und sozialer Notwendigkeit in der Transformationszeit war. Diese Episode erzählt viel darüber, wie die Kosten der Einheit verteilt wurden und welche Kompromisse nötig waren, um das System zu stabilisieren. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Westliche Preise treffen auf ostdeutsche Löhne – das finanzielle Dilemma der Einheit 1990. Teaser: Um den sofortigen Bankrott der neu gegründeten Krankenkassen in den neuen Bundesländern zu verhindern, griff die Bundesregierung 1991 zu einem drastischen Mittel: Sie verordnete der Pharmaindustrie per Gesetz einen Zwangsrabatt von bis zu 55 Prozent für den Ost-Markt. Arbeitsminister Norbert Blüm begründete dies mit der Diskrepanz zwischen den Einnahmen der Ost-Kassen und den Preisen westlicher Medikamente. Er verwies dabei explizit auf die Preisgestaltung im europäischen Ausland, wo deutsche Medikamente oft deutlich günstiger waren als im Mutterland. Der „Blüm-Abschlag“ blieb bis Ende 1993 in Kraft und gilt als eines der deutlichsten Beispiele für staatlichen Interventionismus in der Nachwendezeit, um die soziale Symmetrie zu wahren. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Solidarität per Gesetzblatt. Teaser: Der „Blüm-Abschlag“ zwang die Pharmaindustrie ab 1991, ihre Preise in Ostdeutschland an die dortige Kaufkraft anzupassen. Die simple Formel lautete: Wo die Löhne nur halb so hoch sind, dürfen die Pillen nicht das Doppelte kosten. Ein früher Konflikt der Einheit, der zeigte, dass Marktpreise durchaus verhandelbar sind, wenn der politische Druck groß genug ist. QUELLE Neue Zeit, Mo. 31.12.1990; Archivmaterial Bundestag & BVerfG (1990/1991)