Die Zerschlagung der Länder – als die DDR ihre Regionen neu ordnete


Als die DDR 1949 gegründet wurde, war die Landkarte zunächst vertraut. Mecklenburg, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen bestanden weiter, jedes Land mit einem eigenen Parlament. Für viele Menschen änderte sich im Alltag zunächst wenig. Wer in Erfurt, Schwerin oder Dresden lebte, fühlte sich weiterhin als Thüringer, Mecklenburger oder Sachse.

Doch hinter den Kulissen wurde bereits an einer neuen Verwaltungsordnung gearbeitet. Am 23. Juli 1952 verabschiedete die Volkskammer ein Gesetz, das den Staatsaufbau grundlegend veränderte. Die Länder verloren ihre Aufgaben. An ihre Stelle traten 14 Bezirke, darunter Rostock, Schwerin, Neubrandenburg, Potsdam, Erfurt, Gera, Dresden und Leipzig.

Für die Bürger zeigte sich die Veränderung oft ganz praktisch. Zuständige Behörden saßen plötzlich an anderen Orten, Kreisgrenzen wurden neu gezogen, Verwaltungswege neu organisiert. Wer früher mit Landesbehörden zu tun hatte, musste sich nun an die Bezirksverwaltung wenden. Neue Stempel, neue Formulare und neue Zuständigkeiten hielten Einzug in den Alltag.

Die historischen Länder verschwanden damit jedoch nicht aus dem Bewusstsein der Menschen. In Familiengesprächen, auf Bahnhöfen oder beim Plausch über den Gartenzaun sprach man weiterhin von Thüringen, Sachsen oder Mecklenburg. Die Namen blieben lebendig, auch wenn sie auf den offiziellen Verwaltungskarten kaum noch eine Rolle spielten.

Mit der Neuordnung verloren die Landtage ihre Funktion. Ende 1952 wurde auch die Länderkammer aufgelöst. Die Entscheidungen liefen nun über die Bezirke und die zentralen Stellen in Ost-Berlin.

Fast vier Jahrzehnte lang bestimmten die Bezirke den Verwaltungsalltag in der DDR. Auf Briefköpfen, Landkarten und Behördenschildern standen ihre Namen. Erst 1990 kehrten die Länder zurück. Für viele ältere Ostdeutsche war das mehr als eine Verwaltungsfrage. Plötzlich tauchten Bezeichnungen wieder auf, die sie nie vergessen hatten und die für viele immer Teil ihrer regionalen Identität geblieben waren.

Bärbel Bohley und die Entstehung der Opposition in der DDR

Journalistischer Text - Seite (Teaser) Die Entscheidung zur Rückkehr in ein geschlossenes System Ein schmuckloses Dokument und der Wille einer einzelnen Frau standen gegen den Apparat eines ganzen Staates. Ich betrachte diesen Lebensweg und sehe, wie Bärbel Bohley im August 1988 eine Entscheidung traf, die für viele Außenstehende kaum nachvollziehbar war. Anstatt im sicheren Westen zu bleiben, kehrte sie in die DDR zurück, wohlwissend, dass dort erneute Überwachung und Gängelung auf sie warteten. Diese individuelle Haltung, im Land zu bleiben, um es zu verändern, erscheint mir als der eigentliche Kern des späteren Umbruchs. Es fällt auf, dass die Gründung des Neuen Forums im Herbst 1989 kein spontaner Akt war, sondern die Folge dieser beharrlichen Vorarbeit. Wenn ich auf den 9. November blicke, sehe ich nicht nur die jubelnde Masse an der Grenze, sondern auch die Pressekonferenz in einem Hinterhof, bei der Bohley die Legalität der Opposition verkündete. Es waren diese kleinen, fast unsichtbaren Momente der Organisation, die das Fundament für die friedliche Revolution legten.