Das Monobanksystem der DDR: Wenn der Kredit im Plan stand


Wenn in einem volkseigenen Betrieb eine neue Maschine angeschafft werden sollte oder zusätzliche Mittel für die Produktion benötigt wurden, führte der Weg nicht zu einer Bank, die über Chancen und Risiken entschied. Stattdessen war der Kredit Teil eines größeren Plans. Geld war in der DDR weniger ein Instrument unternehmerischer Entscheidungen als ein Baustein der staatlichen Wirtschaftslenkung.

Seit dem 1. Januar 1968 stand die Staatsbank der DDR im Zentrum dieses Systems. Aus der Deutschen Notenbank hervorgegangen, war sie weit mehr als eine klassische Zentralbank. Sie verwaltete nicht nur die Währung, sondern überwachte zugleich den Zahlungsverkehr und die Finanzierung der Betriebe. Damit bündelte sie Aufgaben, die in anderen Ländern auf verschiedene Banken verteilt waren.

Für die Beschäftigten in den volkseigenen Betrieben blieb das meist unsichtbar. Monat für Monat wurde der Lohn ausgezahlt, Rechnungen wurden beglichen, Produktionsmaterial bestellt. Hinter den Kulissen jedoch liefen die Geldströme über ein engmaschiges System staatlicher Kontrolle. Jeder VEB war verpflichtet, seine Konten bei den zuständigen Staatsbanken zu führen. Vorübergehend nicht benötigte Mittel blieben dort liegen. Der Zahlungsverkehr zwischen den Betrieben erfolgte fast vollständig bargeldlos.

Auch Kredite wurden nicht nach den Aussichten auf Gewinn oder Wachstum vergeben. Grundlage waren staatliche Kreditpläne, die festlegten, welche Betriebe Mittel erhielten und in welcher Höhe. Die Finanzierung orientierte sich an den Vorgaben der Wirtschaftsplanung. Parallel dazu regelten sogenannte Kassenpläne den Bargeldumlauf im Land – vom Geld für die Lohnzahlungen bis zu den Summen, die für den privaten Konsum benötigt wurden.

Die Staatsbank prüfte regelmäßig, ob die finanziellen Vorgaben eingehalten wurden. Konten, Zahlungsströme und Kreditmittel dienten dabei nicht nur der Finanzierung, sondern auch der Kontrolle. Zinsen spielten im Alltag der Planwirtschaft eine untergeordnete Rolle. Wichtiger war die Frage, ob die geplanten Produktionsziele erreicht wurden.

Erst in den letzten Monaten der DDR begann sich dieses System aufzulösen. Im Frühjahr 1990 wurden die Funktionen von Zentralbank und Geschäftsbanken getrennt. Damit verschwand eine Institution, die über Jahrzehnte den Geldkreislauf der DDR geprägt hatte – von den Konten der Großbetriebe bis hin zu den Lohntüten der Beschäftigten.