Der neue Arbeitsplatz war da…

…nur die eigene Vergangenheit schien plötzlich nicht mehr dazuzugehören.

Als Anfang der 1990er Jahre viele Ostdeutsche ihre Bewerbungsunterlagen in den Händen hielten, standen dort dieselben Abschlüsse wie noch wenige Monate zuvor. Doch was in der DDR als Qualifikation gegolten hatte, musste nun oft neu erklärt werden. Berufserfahrung, Ausbildungswege und Fachkenntnisse trafen auf Personalabteilungen, denen diese Lebensläufe fremd waren.

In vielen Fällen begann die Unsicherheit bereits bei der Ausbildung. Junge Menschen, die ihre Lehre in der DDR begonnen hatten, konnten sie nicht immer ohne Weiteres fortsetzen. Andere wurden in Umschulungsprogramme geschickt oder mussten zusätzliche Nachweise erbringen. Aus einem geradlinigen Berufsweg wurde eine Zeit des Wartens, Prüfens und Neuorientierens.

Besonders spürbar war der Unterschied in den Betrieben. Viele Facharbeiter aus der DDR waren gewohnt, verschiedene Aufgaben zu übernehmen. Wer an einer Maschine arbeitete, kannte oft auch deren Wartung, konnte kleinere Störungen beheben und wusste, wie die Abläufe im gesamten Betrieb zusammenhingen. In den Unternehmen der Bundesrepublik waren Tätigkeiten häufig stärker aufgeteilt. Zuständigkeiten waren klar geregelt, Qualifikationen präzise definiert. Fähigkeiten, die zuvor selbstverständlich gewesen waren, ließen sich in den neuen Kategorien nicht immer einordnen.

Davon waren nicht nur Facharbeiter betroffen. Auch Techniker und Ingenieure erlebten, dass ihre Abschlüsse Fragen aufwarfen. Vorstellungsgespräche wurden für manche zu Gesprächen über die eigene Vergangenheit. Nicht selten mussten Bewerber zunächst erklären, welche Inhalte ihre Ausbildung überhaupt umfasst hatte.

Hinzu kamen neue Anforderungen. Wer in der DDR Russisch gelernt hatte, verfügte über Kenntnisse, die über Jahre gefragt gewesen waren. Nun suchten viele Unternehmen Mitarbeiter mit Englischkenntnissen. Fähigkeiten verloren nicht ihren Wert, aber ihre Nachfrage hatte sich verändert.

Viele fanden schließlich ihren Platz im neuen Arbeitsmarkt. Doch der Weg dorthin verlief oft anders, als sie es erwartet hatten. Hinter zahlreichen Lebensläufen stehen Jahre der Anpassung, der Nachqualifizierung und des Neuanfangs.

In den Statistiken tauchen diese Erfahrungen meist nur am Rand auf. In den Erinnerungen vieler Betroffener sind sie bis heute präsent: das Gefühl, wieder bei null anfangen zu müssen, obwohl man seinen Beruf längst beherrschte.

Drill und Gewalt im System der DDR-Jugendhäuser

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Wenn die Tür ins Schloss fiel, endete die Kindheit und es begann eine Zeitrechnung, die sich nicht nach Stunden, sondern nach dem Grad der Erschöpfung bemaß. Teaser: In den Jugendhäusern der DDR, wie jenem in Halle an der Saale, trafen politische Häftlinge auf kriminelle Jugendliche. Was sie einte, war die Auslieferung an ein System, das offiziell der Erziehung dienen sollte, faktisch aber auf die Brechung der Persönlichkeit abzielte. Der Alltag war von einer brutalen Hierarchie geprägt, die vom Personal nicht nur hingenommen, sondern strategisch genutzt wurde. Wer unten stand, erlebte Gewalt von Mithäftlingen und Willkür von Wärtern. Ehemalige Insassen berichten von Zwangsarbeit im Schichtsystem, oft ohne ausreichenden Schutz, um Devisen für den Staat zu erwirtschaften. Die Produktion für westliche Konzerne war wichtiger als die Unversehrtheit der Jugendlichen. Wer wegen versuchter Republikflucht einsaß, fand sich in einem Umfeld wieder, in dem Schwäche gnadenlos ausgenutzt wurde. Die physischen Narben verheilten irgendwann, doch das tiefsitzende Misstrauen und die Traumata blieben bestehen. Auch Jahrzehnte später fällt es schwer, eine Brücke zu schlagen zwischen den Erinnerungen der Betroffenen und der Sichtweise ehemaliger Justizangestellter, die sich auf geltendes Recht berufen. Die Aufarbeitung dieser Biografien ist ein langsamer Prozess, der oft im Privaten stattfindet und selten die große öffentliche Bühne erreicht. Viele tragen die Erfahrung der absoluten Machtlosigkeit still mit sich weiter. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Die Jugendhäuser der DDR unterstanden dem Innenministerium und waren, anders als die Jugendwerkhöfe, reguläre Haftanstalten mit militärischem Drill. Teaser: Das Strafrecht der DDR behandelte Jugendliche in diesen Einrichtungen oft wie Erwachsene. Nach der Verschärfung der Gesetze Ende der sechziger Jahre füllten sich die Zellen nicht nur mit Straftätern, sondern auch mit jungen Menschen, deren Vergehen politischer Natur waren. Der bloße Versuch, das Land zu verlassen, führte oft direkt in den geschlossenen Vollzug. Hinter den Mauern etablierte sich eine Ökonomie der Gewalt. Unter dem Begriff der Selbsterziehung herrschte das Recht des Stärkeren. Gleichzeitig waren die Gefängnisse fest in die Planwirtschaft integriert. Die Zwangsarbeit der Inhaftierten, etwa für den Export in den Westen, war ein fest einkalkulierter Wirtschaftsfaktor. Internationale Abkommen wie die Schlussakte von Helsinki, die eigentlich Menschenrechte garantieren sollten, fanden in der Praxis dieser Anstalten kaum Anwendung. Die Diskrepanz zwischen staatlichem Anspruch und der Realität im Vollzug blieb bis zum Ende der DDR bestehen. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Es war ein System, das darauf baute, dass die Insassen sich gegenseitig disziplinierten, während der Staat von ihrer Arbeitskraft profitierte. Teaser: Die Geschichte der DDR-Jugendhäuser ist auch eine Geschichte der ökonomischen Ausbeutung von Minderjährigen. Ob in der Produktion für IKEA oder in anderen Industriebetrieben – der Strafvollzug diente der Devisenbeschaffung. Die harte Arbeit und der militärische Drill sollten die Jugendlichen formen, hinterließen aber oft gebrochene Biografien. Die Verantwortung für die Zustände wird bis heute oft diffus gehalten. Während die Betroffenen von Willkür und Gewalt berichten, verweisen ehemalige Verantwortliche auf die Einhaltung damaliger Gesetze. Eine gemeinsame Sprache für das Geschehene zu finden, bleibt schwierig. Die Schatten dieser Orte liegen noch immer über den Lebenswegen vieler ehemaliger Insassen. Quelle: ZDF Terra X History, „Die brutalen Jugend-Gefängnisse der DDR“, YouTube.