Revolution im Stundenplan: Der freie Samstag kommt im März

Es ist ein Paukenschlag für Schüler, Eltern und Lehrer in der DDR: Das Ministerium für Bildung hat offiziell das Ende der Sechs-Tage-Schulwoche verkündet. Einem aktuellen Beschluss des Ministerrates zufolge bleiben die Schulen ab dem 5. März 1990 an Samstagen geschlossen. Die Entscheidung markiert eine der weitreichendsten Änderungen im DDR-Bildungssystem seit Jahrzehnten und ist eine direkte Reaktion auf die gesellschaftlichen Umbrüche der letzten Wochen.

Nach den Winterferien können Schüler in der ganzen Republik aufatmen: Der Wecker wird am Samstagmorgen nicht mehr klingeln. Wie das Ministerium für Bildung unter Berufung auf den Beschluss vom 23. November 1989 mitteilt, wird der unterrichtsfreie Sonnabend ab dem zweiten Schulhalbjahr eingeführt. Damit erfüllt die Führung eine langjährige Forderung vieler Eltern, die durch die Doppelbelastung von Arbeit und sechs Tagen Schule kaum Zeit für das Familienleben fanden.

„Mut zur Lücke“ im Lehrplan
Die gewonnene Freizeit hat jedoch einen organisatorischen Preis. Da ein kompletter Unterrichtstag wegfällt, müssen die Lehrpläne kurzfristig angepasst werden. Das Ministerium kündigte an, dass dies mit „Kürzungen in der Stundentafel“ und „Streichungen von Unterrichtsstoffen“ verbunden sein werde.

Pädagogen und Eltern warten nun gespannt auf Mitte Dezember: Dann sollen konkrete Vorschläge auf den Tisch kommen, welche Fächer gekürzt und welche Stoffgebiete gestrichen werden. Klar ist bereits, dass diese Regelung flächendeckend gilt – von den Erweiterten Oberschulen (EOS) über Sonderschulen bis hin zu den Schulen in den zweisprachigen Gebieten der Bezirke Dresden und Cottbus.

Ferien bleiben unberührt – Planungssicherheit für Eltern
Trotz der radikalen Umstellung des Wochenrhythmus beweist das Ministerium Pragmatismus bei der Urlaubsplanung. Die Sorge vieler Familien, dass mit der neuen Schulwoche auch die Ferienzeiten verschoben würden, wurde zerstreut.

Es wird ausdrücklich daran festgehalten, die für das Schuljahr 1989/90 festgelegte Ferienregelung nicht zu verändern. Die Begründung ist bürgernah: Man wolle den Eltern die Möglichkeit geben, bereits gebuchte Urlaubsreisen wie geplant anzutreten. Dies dürfte besonders für Familien, die Plätze in den begehrten FDGB-Ferienheimen oder auf Campingplätzen ergattert haben, eine Erleichterung sein.

Der Weg zur Normalität
Die Einführung des freien Samstags im März ist nur der erste Schritt. Das Ziel ist die Etablierung einer durchgängigen 5-Tage-Unterrichtswoche ab dem neuen Schuljahr am 1. September 1990, inklusive einer dann variablen Ferienregelung.

Bis dahin bleibt es bei Einzelfallentscheidungen: Wer sein Kind an einzelnen Tagen vom Unterricht freistellen lassen möchte, muss dies weiterhin beim Klassenleiter oder Direktor beantragen. Doch die Richtung ist klar: Die starren Strukturen des DDR-Schulwesens weichen auf – und das Wochenende gehört bald wieder der Familie.

Der teuerste Umzug der Geschichte: Als die Rote Armee ging

MASTER-PROMPT HOOK - Profil Rückzug einer Supermacht: Das Ende der Westgruppe Am Fährhafen Mukran rollten Panzer auf Schiffe, während Offiziere in Wünsdorf ihren Hausrat verkauften. Der Abzug von 500.000 Sowjetsoldaten war ein logistischer Kraftakt zwischen Demütigung und Diplomatie. MASTER-PROMPT Teaser JP (Reflective) Der letzte Appell in Wünsdorf Ein verlassenes Hauptquartier, in dem noch das Echo der Befehle hallt, und Offiziere, die ihre Orden gegen D-Mark tauschen. Die Stimmung schwankte zwischen der Erleichterung über den Frieden und der tiefen Verunsicherung vor der Rückkehr in ein zerfallendes Reich. Es war das Ende einer Ära, das sich weniger in großen Gesten als in der Stille leerer Kasernen manifestierte. Man spürte die Zäsur, die diesen Moment begleitete, als eine Weltmacht ihre Koffer packte und eine Lücke hinterließ, die politisch wie menschlich nur schwer zu füllen war. MASTER-PROMPT Teaser Coolis (Neutral) Bilanz eines historischen Abzugs: 1994 verließ die Rote Armee Deutschland Mit dem Start der letzten Iljuschin in Sperenberg endete im September 1994 die fast 50-jährige sowjetische Militärpräsenz auf deutschem Boden. Zurück blieben ökologische Altlasten und eine neu geordnete geopolitische Landkarte. Am 31. August 1994 verabschiedeten Helmut Kohl und Boris Jelzin in Berlin offiziell die letzten russischen Truppen. Nach dem Zwei-plus-Vier-Vertrag verließen rund 500.000 Soldaten und zivile Angestellte der Westgruppe die ehemaligen DDR-Gebiete. Deutschland finanzierte den Rückzug und den Wohnungsbau in der Heimat mit Milliardenbeträgen, während die ökologische Sanierung der militärischen Liegenschaften bis heute andauert.