Gesundheitsversorgung in der Lausitz: Gemeinsam neue Wege im Strukturwandel

Die Lausitz steht, insbesondere durch den Kohleausstieg, vor einem erneuten Strukturwandel, der auch das Gesundheitswesen der Region maßgeblich beeinflusst. Im Rahmen eines Revierstammtisches wurde über die Herausforderungen und Chancen bei der Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesundheitsregion diskutiert. Kernziel ist der Aufbau einer attraktiven und nachhaltigen Infrastruktur für die derzeitigen und zukünftigen Bürger.

Ein zentrales Thema ist die wachsende Diskrepanz zwischen einer älter werdenden Gesellschaft mit steigendem Gesundheitsbedarf und einer sinkenden Zahl junger Menschen in Gesundheitsberufen. Laut einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung, dem Lausitz Monitor, sehen die Menschen die Gesundheitsversorgung als wichtigen Punkt an, auch wenn sie bei den größten Sorgen nach Arbeitsplätzen, Wirtschaft und Zuwanderung an siebter Stelle rangiert. Die Wohnortnähe der medizinischen Versorgung ist für 75% der Befragten sehr wichtig.

Besorgniserregend ist die sinkende Zufriedenheit mit der wohnortnahen medizinischen Versorgung, die laut Lausitz Monitor auf 59% Unzufriedenheit gestiegen ist. Die Menschen wünschen sich vor allem mehr Ärzte, Fach- und Hausärzte, sowie eine bessere Verfügbarkeit von Terminen und ausreichend Personal. Sie fühlen sich zudem oft nicht ausreichend über Gesundheitsangebote informiert. Die Zufriedenheit variiert regional, wobei Menschen in Sachsen zufriedener sind als in Brandenburg, und im Landkreis Bautzen die Zufriedenheit höher ist als in Görlitz.

Als Lösungsansatz wird immer wieder das Stichwort „gemeinsam“ betont. Dies bedeutet die sektorübergreifende Zusammenarbeit (ambulant und stationär), sowie die Vernetzung über Kreis- und Landesgrenzen hinweg (Sachsen und Brandenburg).

Die Region setzt auf innovative Ansätze und Modellprojekte, um die Versorgung neu zu denken und „modellieren und nicht kopieren“ zu. Genannt werden Projekte wie OP-Roboter, Linksherzkatheteranlagen, Hybrid-OPs, sowie das Konzept des „Virtuell Smart Hospital“ zur Vernetzung regionaler Partner mit Universitätskliniken in Dresden und Cottbus. Neue Gesundheitsfachberufe und Ausbildungsgänge werden ebenfalls entwickelt.

Um dem Personalmangel zu begegnen, werden verschiedene Strategien verfolgt:

• Anziehung von Nachwuchs: Der Freistaat Sachsen unterstützt Medizinstudienprogramme im Ausland, gewährt Ausbildungsbeihilfen und nutzt ein Landarztgesetz, das die Vergabe von Studienplätzen unabhängig vom Numerus Clausus ermöglicht, um junge Menschen für den ländlichen Raum zu gewinnen.

• Neue Arbeitswelten: MVZ-Strukturen (Polikliniken) werden als Alternative zur Einzelpraxis gesehen, um jungen Medizinern eine geschützte Struktur zu bieten. Teamarbeit mit anderen Ärzten und nichtärztlichem Personal soll die Attraktivität erhöhen.

• Interprofessionalität und Delegation: Es wird die Notwendigkeit betont, ärztliche Leistungen stärker an qualifiziertes nichtärztliches Personal (Pflegekräfte, Physician Assistants) zu delegieren oder zu substituieren, um Ärzte zu entlasten. Hierfür müssen jedoch rechtliche und tarifliche Rahmenbedingungen angepasst werden.

• Internationales Recruiting: Unternehmen und Landkreise rekrutieren aktiv Pflegekräfte und Ärzte im Ausland (z.B. Vietnam, Brasilien, Mexiko, Kolumbien). Die Integration der internationalen Fachkräfte (sprachlich, sozial, in den Kommunen und Unternehmen) und die Schaffung von Communities sind dabei entscheidend für die Bindung an die Region. Auch bürokratische Hürden, wie die Anerkennung von Fahrerlaubnissen, müssen adressiert werden.

• Attraktivität des Pflegeberufs: Neben guter Bezahlung und Weiterbildungsmöglichkeiten soll eine Imagekampagne die Sinnhaftigkeit des Berufs hervorheben. Die Herausforderungen in der generalistischen Pflegeausbildung (Qualität, Abbrecherquoten) werden jedoch anerkannt.

• Telemedizin und Digitalisierung: Telemedizinische Netzwerke (z.B. Schlaganfall, Kinderintensivmedizin, Geburtshilfe, Dermatologie-Projekt) und Digitalisierung werden als wichtige Werkzeuge betrachtet, um die Versorgung, insbesondere in der Fläche, zu verbessern und ärztliche Ressourcen effizienter einzusetzen.

• Neue Versorgungsmodelle: Das Konzept der OLK Cube Struktur wird vorgestellt, das ambulante und OP-Zentren in die Fläche bringen soll, potenziell besetzt mit hochqualifiziertem Pflegepersonal und unterstützt durch Telemedizin.

Trotz vieler positiver Entwicklungen und umgesetzter Projekte, wie die Etablierung neuer Abteilungen (Geriatrie) und Zentren (Brustzentrum) sowie die Modernisierung von Technik (Herzkatheterlabore) in Kliniken, bleiben Hürden. Bürokratische Rahmenbedingungen, insbesondere bei der Finanzierung innovativer privater oder kommunaler Projekte, sowie komplexe Haftungs- und Vertragsfragen bremsen die Umsetzung guter Ideen aus. Die laufende Krankenhausreform wird die Versorgungslandschaft weiter verändern, was potenziell längere Wege für Patienten und Auswirkungen auf die Ausbildungskapazitäten haben kann. Es wird eine Auswirkungsanalyse gefordert.

Die Beteiligten sind sich einig, dass Mut zu Veränderungen notwendig ist, da die Versorgung in Zukunft nicht mehr so aussehen wird wie bisher. Es gibt viele engagierte Akteure, die daran arbeiten, Lösungen zu finden und umzusetzen. Die Hoffnung ist, dass durch die Schaffung neuer Arbeitswelten und die fortgesetzte Vernetzung ein Magnetismus entsteht, der junge Menschen für die Lausitz begeistert. Politik und Verwaltung sind gefordert, unterstützende Rahmenbedingungen zu schaffen und die finanzielle Basis des Systems zu sichern.

Insgesamt zeigt die Diskussion, dass die Gesundheitsversorgung in der Lausitz vor großen Herausforderungen steht, aber durch intensive Zusammenarbeit, Innovationsbereitschaft und konkrete Projekte versucht wird, eine lebendige und zukunftsfähige Gesundheitsregion zu gestalten.

Die Organisation der Kraftstoffversorgung in der DDR durch das Kombinat Minol

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL: Hook: Das System der Kraftstoffversorgung in der DDR funktionierte nach Regeln, die sich nicht an Marktkräften, sondern an Planvorgaben orientierten. Teaser: Wer heute an die rot-gelben Säulen zurückdenkt, erinnert sich oft an den spezifischen Geruch des Zweitaktgemischs und den obligatorischen Reservekanister im Kofferraum. Die Versorgungssicherheit war ein ständiges Thema in einer Gesellschaft, in der Mobilität zwar gewünscht, aber infrastrukturell oft limitiert war. Das Netz der Tankstellen war dünn, die Wege oft weit, und die Organisation des Tankens erforderte vorausschauendes Handeln. Die Marke Minol stand dabei symbolisch für den Versuch, innerhalb der Mangelwirtschaft eine verlässliche Struktur zu bieten. Lösungen wie die Nachttankbox zeugen von einem Pragmatismus, der notwendig war, um Lücken im System zu schließen. Gleichzeitig offenbarte die Existenz der Intertank-Stationen die wirtschaftliche Notwendigkeit, Devisen zu generieren. Nach 1989 vollzog sich der Wandel radikal. Die Privatisierung und der Verkauf der ostdeutschen Mineralölwirtschaft beendeten nicht nur ein staatliches Monopol, sondern veränderten auch die physische Landschaft entlang der Straßen nachhaltig. B) SEITE 1 und 2 (Kontext); Hook: Die staatlich fixierten Preise für Benzin blieben in der DDR über fast drei Jahrzehnte hinweg unverändert stabil. Teaser: Hinter dieser Preisstabilität stand ein komplexes Subventionssystem, das die realen Kosten der Energieversorgung verschleierte. Das Kombinat Minol verwaltete als Monopolist die gesamte Kette von der Raffinerie bis zum Endverbraucher. Mit nur etwa 1.300 Tankstellen für das gesamte Land war die Infrastruktur jedoch chronisch unterdimensioniert. Der Übergang in die Marktwirtschaft in den frühen neunziger Jahren offenbarte den massiven Investitionsstau und führte zur vollständigen Neuordnung des Marktes, in deren Folge die traditionelle Marke fast gänzlich verschwand.