Anklam feiert „Rennpappe“: Das 30. Internationale Trabant Treffen

Anklam war einmal mehr der Treffpunkt für Trabant-Fans aus nah und fern. Das legendäre Trabanttreffen in Anklam, das zum 30. Mal stattfand, zog vom 28. Mai bis zum 1. Juni 2025 zahlreiche Liebhaber des Kultautos aus Zwickau auf das Gelände des Flugplatzes. Es war ein Fest für Trabant-Fans, ihre Eigentümer und Freunde, aber auch für Partywillige und Ostalgiker.

Das Treffen erstreckte sich über mehrere unvergessliche Tage und bot ein buntes Rahmenprogramm, spannende Wettbewerbe und jede Menge Party. Bereits am Samstag, dem 24. Mai, begann die Einstimmung mit einer Airport Dance Night.

Ein detailliertes Programm für das 30. Treffen war angekündigt, beginnend mit der offiziellen Eröffnung im beheizten Festzelt am Mittwochabend, bei der die Miss & Mister Trabant-Treffen 2025 gewählt wurden, gefolgt von Auftritten des Tanzsportclubs Altentreptow e.V. und einer Schlagerparty.

Am Donnerstag stand das Kultprogramm im Mittelpunkt, mit Frühstück im Festzelt, einer Fahrzeugbewertung in 7 Kategorien, einem Herrentagsfrühschoppen mit Freibier für Teilnehmer am Herrentagskostümwettbewerb sowie Wettbewerben wie der Wahl des Bierkönigs, Bierdosenstapeln, Trabiziehen auf Zeit, Getriebeweitwurf und Mannschaftstauziehen, bevor der Abend mit der Siegerehrung und einer Ostblockparty endete.

Der Freitag drehte sich um Geschwindigkeit & Spektakel. Nach dem gemeinsamen Frühstück fanden Beschleunigungsrennen über 1/8 Meile in 10 Kategorien statt. Weitere Höhepunkte waren ein Sexy Carwash, die Deutsche Meisterschaft im Kinderwagenrennen und Klappradrennen, das 1/8-Meilen-Showfinale, der Boom-Car-Wettbewerb und eine spektakuläre Burnout-Show. Der Abend bot weitere Auftritte des Tanzsportvereins Altentreptow e.V., die Siegerehrung und eine Ostblockparty.

Der Samstag stand im Zeichen von Rallye, Pokalen & Höhenfeuerwerk. Neben Frühstück und Fahrzeugbewertung gab es einen IFA-Stammtisch. Höhepunkte waren der Start der Marcus-Bönik-Gedächtnis-Rallye 2025 und eine Rundfahrt durch den Altkreis Anklam. Am Abend folgten eine weitere Siegerehrung und ein Live-Konzert, bevor ein Großes Höhenfeuerwerk mit Musik den Himmel erhellte.

Der Sonntag, der 1. Juni, diente der Verabschiedung mit einem gemeinsamen Frühstück als Ausklang.

Gemeinschaft, Leidenschaft und Organisation
Das Treffen wurde vom Trabbi Buggy Club Quilow in Vorpommern organisiert. Es ist ein kleiner Verein mit nur 12 Mitgliedern, der Großes stemmte. Der harte Kern des Vereins bereitete sich tagelang auf das Treffen vor. Jens Rüberg war der Chef des Vereins, und seine Mutter, Ilona Rüberg, hatte das Zepter bei der Planung und beim Packen in der Hand. Die Organisation erforderte viel Arbeit, und obwohl es Personalmangel gab, zog der Verein das Treffen durch.

Die Teilnehmer, zu denen fast 620 Trabis gehörten, ihre Eigentümer und Fans, teils über 1200 Teilnehmer und 3200 Tagesbesucher, bildeten eine große Familie. Man kannte sich über Jahre und freute sich auf das Wiedersehen. Die Leidenschaft für Trabis verband die Menschen. Es ging ums Schrauben, Fachsimpeln und Zeigen, was über das Jahr gebaut wurde. Frauen waren dabei, es war längst kein reines Männerthema mehr. Der Hobbyfotograf Ronny Heim hielt die Ereignisse Jahr für Jahr im Bild fest.

Unterstützt wurde das Treffen von 52 Freiwilligen, die rund um die Uhr arbeiteten. Respektloses Verhalten wurde nicht toleriert; wer nicht nett war, musste gehen. Die Veranstalter machten das für die Leute, die dankbar und zufrieden waren.

Höhepunkte und Herausforderungen
Ein wiederkehrender Höhepunkt war das Beschleunigungsrennen über die 1/8 Meile. Hier fuhren die Teilnehmer gegen die Uhr, um zu sehen, was ihre Technik noch konnte. Auch Fahrzeuge wie der Barkas, der als „VW-Bus des Ostens“ bezeichnet wurde, waren Teil des Treffens.

Ein besonderer Versuch war der Weltrekordversuch, wie viele junge Männer in einen Trabant passten. Beim Treffen in Anklam schafften es 15 Männer, was einen neuen Rekord für Anklam darstellte. Das Ziel, 16 Personen zu quetschen, wurde knapp verfehlt. Zuvor war die Technik aus dem Kofferraum ausgebaut worden.

Leider gab es auch negative Vorfälle. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag (29. auf 30. Mai 2025), während des 30. Treffens, kam es zu einer Diebstahlserie auf dem Gelände. Ein oder mehrere unbekannte Täter entwendeten Bargeld aus Wohnwagen, Vorzelten und Fahrzeugen schlafender Gäste. Das Polizeihauptrevier Anklam nahm mindestens 13 Strafanzeigen auf, der Schaden wurde auf mehrere Tausend Euro geschätzt. Die Polizei riet den Besuchern, Bargeld und Wertgegenstände zu sichern und Hinweise zu melden. Es gab auch einen Vorfall mit einer Schlägerei in der Nacht und Probleme mit der Stromversorgung, verursacht durch unsachgemäße Nutzung von Verlängerungskabeln und Heizlüftern.

Trotz dieser Herausforderungen blieb das Internationale Trabant Treffen in Anklam ein wichtiger Treffpunkt für die Gemeinschaft und eine Feier der DDR-Fahrzeugkultur. Es war ein Ort, an dem Geschichte gelebt, geschraubt und getanzt wurde. Die Geschichte der Rennpappe schien noch lange nicht zu Ende erzählt.

Blut an der Strumpfhose – Der hohe Preis der DDR-Billigware

A) PROFIL AP: Der Blick auf die deutsch-deutsche Wirtschaftsgeschichte offenbart oft pragmatische Verflechtungen, die im Alltag der damaligen Zeit kaum sichtbar waren. Konsumenten erwarben Möbel oder Kleidung im niedrigen Preissegment, ohne die Herkunft der Waren im Detail zu hinterfragen oder die Produktionsbedingungen in der DDR zu kennen. Es war ein Handel, der auf einer klaren ökonomischen Logik basierte: Devisen gegen günstige Produkte. Für die Menschen, die in den Haftanstalten der DDR, wie etwa in Hoheneck, an der Herstellung dieser Güter beteiligt waren, stellt sich die Situation gänzlich anders dar. Ihre Biografien sind eng mit den Produkten verknüpft, die im Westen als Schnäppchen galten. Die Berichte von Zeitzeugen über die Arbeitsnormen und den Druck in den Fabriken innerhalb der Gefängnismauern zeichnen ein Bild, das im Kontrast zur bunten Werbewelt der westdeutschen Prospekte steht. Die heutige Auseinandersetzung mit diesem Thema zeigt, wie unterschiedlich Unternehmen mit ihrer eigenen Vergangenheit umgehen. Während einige Konzerne den Dialog suchen und Verantwortung übernehmen, ziehen sich andere auf juristische Positionen zurück. Für die Betroffenen ist diese Haltung oft schwer verständlich, da die Anerkennung des Erlebten eine wichtige Rolle im Verarbeitungsprozess spielt. Die Geschichte der deutsch-deutschen Ökonomie ist somit nicht nur eine Geschichte von Zahlen und Verträgen, sondern auch eine von individuellen Schicksalen, die bis in die Gegenwart hineinwirken. Das Schweigen mancher Akteure überdauert die politische Wende. B) SEITE AP: Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR waren dichter, als es die politische Rhetorik des Kalten Krieges oft vermuten ließ. Ein wesentlicher Aspekt dieser Beziehungen war die sogenannte Gestattungsproduktion, bei der westdeutsche Unternehmen in der DDR fertigen ließen. Dies geschah nicht selten unter Einbeziehung von Häftlingen in Strafvollzugsanstalten. Organisiert durch die Kommerzielle Koordinierung und das Ministerium für Staatssicherheit, entstand ein System, von dem schätzungsweise 6.000 westliche Firmen profitierten. Das Ziel war rein ökonomisch: Die DDR benötigte dringend konvertierbare Währung, westdeutsche Handelsketten und Versandhäuser suchten nach Möglichkeiten zur Kostensenkung. Die Bedingungen, unter denen die Häftlinge arbeiteten, spielten in den Geschäftsbeziehungen meist keine dokumentierte Rolle. In der aktuellen Debatte um Unternehmensverantwortung wird deutlich, dass dieses Kapitel noch nicht geschlossen ist. Der unterschiedliche Umgang der beteiligten Firmen mit ihrer Historie – von der Einrichtung von Entschädigungsfonds bis hin zur strikten Ablehnung jeglicher Verantwortung – prägt die Diskussion. Historische Aufarbeitung erweist sich hier als ein langwieriger Prozess, der über die reine Akteneinsicht hinausgeht. C) SEITE JP: Die Produktion von Konsumgütern für den westdeutschen Markt in DDR-Gefängnissen ist ein historisches Faktum, das lange Zeit wenig Beachtung fand. Um Devisen zu erwirtschaften, setzte die DDR-Führung gezielt Häftlinge ein, um Lieferverträge mit westlichen Konzernen zu erfüllen. Betroffene berichten von hohem Arbeitsdruck und gesundheitlichen Folgen, während die Produkte in westdeutschen Regalen landeten. Die Reaktionen der heute noch existierenden Unternehmen auf diese Vergangenheit variieren stark. Während Schritte wie die Einrichtung von Härtefallfonds als positive Beispiele der Aufarbeitung gelten, verweisen andere Firmen auf Verjährung oder fehlende direkte Zuständigkeit. Diese Diskrepanz zwischen historischer Realität und unternehmerischer Aufarbeitung belastet das Verhältnis zwischen den ehemaligen Opfern und den profitierenden Strukturen bis heute. Die Geschichte zeigt, dass ökonomische Entscheidungen auch Jahrzehnte später noch eine moralische Dimension besitzen.