Mit Jan und Tini auf Reisen – Der Hund als aktiver Sozialist

In der beliebten DDR-Kindersendung „Mit Jan und Tini auf Reisen“ wurden Kinder nicht nur unterhalten, sondern vor allem belehrt – pädagogisch durchdacht, praktisch orientiert und stets mit einem Hauch Abenteuer. In der Folge über die Hundezucht erleben die beiden neugierigen Reisenden eine Welt, in der Erziehung, Verantwortung und sozialistische Werte auch auf vier Pfoten vermittelt wurden.

Von Welpenspiel bis Abrichteplatz
Die Reise beginnt auf einem Bauernhof, auf dem Hunde nicht nur Spielgefährten sind, sondern Teil eines strukturierten Zucht- und Erziehungsprogramms. Schon die Kleinsten, erklärt der Züchter, bekommen mehrere kleine Mahlzeiten am Tag – bestehend aus tierischem Eiweiß, Haferflocken und gelegentlich sogar einem rohen Ei. Das Futter ist ebenso durchdacht wie der Tagesablauf der jungen Hunde. Früh übt sich, wer ein guter Begleiter werden will.

Datscha, ein zehn Wochen alter Welpe, steht beispielhaft für die Disziplin, die in der DDR auch von Haustieren erwartet wurde. Angeleint laufen, auf Zuruf kommen, das Kommando „Pfui“ verstehen – all das gehört zum Kanon der Grunderziehung, die nicht dem Zufall überlassen wird. Erziehung, so lernt Tini, sei kein Wechselspiel von Strenge und Nachsicht, sondern müsse vor allem konsequent und durchdacht sein.

Der Hund als aktiver Sozialist
Doch der Hund in der DDR war mehr als nur ein Haustier. Im Abrichteverein lernen Jan und Tini die ganze Bandbreite seiner Aufgaben kennen: als Diensthund der bewaffneten Organe, als Spürhund beim Grenzschutz oder zur Kriminalitätsbekämpfung, als Jagdgebrauchshund, der angeschossenes Wild aufspürt, oder als Blindenführhund, der Menschen sicher durch den Straßenverkehr geleitet. Jeder dieser Hunde wird nach festgelegten Prüfungsordnungen ausgebildet – ein Spiegelbild der DDR-typischen Systematik und Institutionalisierung, selbst im Bereich der Haustiere.

Von Möpsen bis Schäferhunden: Die Rasseschau als Volksfest
Der Ausflug endet bei einer Rassehundeschau. Dort geht es turbulent zu, wie Tini feststellt. Über 100 Rassen werden präsentiert – vom Chihuahua bis zum Bernhardiner. Der „Zuchtrichter“ nimmt es genau: Haltung, Gebiss, Gangart, Haarkleid – alles wird begutachtet. Denn der Hund ist nicht nur Freund des Menschen, sondern auch ein Repräsentant der züchterischen Leistung im Sozialismus.

Dass auch Kinder in den Ring dürfen und bei „Kind und Hund“ ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen, zeigt: Der Hund in der DDR war eine Sache für die ganze Familie – solange diese sich der Verantwortung bewusst war, die mit dem Tier einherging.

Disziplin, Gemeinschaft und Verantwortung – auf vier Beinen
Die Folge „Hundezucht“ ist mehr als ein Ausflug zu knuddeligen Welpen. Sie ist ein Spiegelbild der DDR-Gesellschaft, in der selbst der Umgang mit Haustieren pädagogisch durchdrungen und gesellschaftlich eingebunden war. Jan und Tini lernen: Ein Hund ist kein Spielzeug, sondern ein Partner – einer, den man pflegen, erziehen und achten muss. Auch wenn die DDR längst Geschichte ist, bleibt diese Botschaft zeitlos aktuell.

Tips, Hinweise oder Anregungen an Arne Petrich

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