Dessau-Roßlau im Rampenlicht: Themenabend zur Stadtentwicklung

Am Mittwoch, den 27. November 2024, steht Dessau-Roßlau im Mittelpunkt eines Themenabends zur Stadtentwicklung und Baukultur. Die Veranstaltung, die in der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund in Berlin stattfindet, beleuchtet die vielseitigen Ansätze, mit denen sich die Stadt an Elbe und Mulde den Herausforderungen moderner Stadtplanung stellt. Unter dem Motto „Dessau-Roßlau denkt modern: Beleben. Erleben. Stadt eben!“ präsentieren Vertreter der Stadt ihre innovativen Projekte und Visionen für eine nachhaltige, lebenswerte und attraktive Stadt.

Baukultur und Welterbestätten als Fundament

Als Heimat der Welterbestätten Bauhaus und Gartenreich Dessau-Wörlitz ist Dessau-Roßlau ein kultureller Magnet, der jährlich tausende Touristen aus aller Welt anzieht. Diese ikonischen Stätten, die weltweit als Meilensteine der Architektur- und Landschaftskultur geschätzt werden, bilden das historische und kulturelle Fundament der Stadt. Gleichzeitig steht Dessau-Roßlau vor der Aufgabe, den Anforderungen der Gegenwart gerecht zu werden. Es gilt, das Erbe mit modernen Stadtentwicklungsprojekten in Einklang zu bringen, um sowohl für die Bewohner als auch für Besucher eine hohe Lebens- und Aufenthaltsqualität zu schaffen.

Innovative Stadtentwicklungsprojekte im Fokus

Ein zentraler Bestandteil des Abends sind die aktuellen und geplanten Projekte transformativer Stadtentwicklung, die Dessau-Roßlau als zukunftsorientierten Lebensraum präsentieren. Dazu zählen unter anderem:

  • „Gartenträume-Lounge“: Dieses Projekt, das es bis in die engere Auswahl des STADTUMBAU AWARD Sachsen-Anhalt 2022 schaffte, verbindet Elemente der historischen Gartenkunst mit zeitgemäßen Nutzungsmöglichkeiten. Es zeigt, wie Grünflächen und urbane Räume synergetisch gestaltet werden können, um Erholungs- und Begegnungsorte zu schaffen.
  • „NeuSTADT-Meile“: Mit diesem Vorhaben zielt Dessau-Roßlau darauf ab, die Innenstadt zu einem multifunktionalen Zentrum zu transformieren. Wohnen, Handel, Gastronomie, Freizeit und Arbeiten sollen in einem harmonischen Konzept vereint werden, um die Innenstadt als lebendigen und pulsierenden Ort zu revitalisieren.
  • Zukunftsvision „Bundesgartenschau 2035“: Dessau-Roßlau bewirbt sich um die Ausrichtung der Bundesgartenschau 2035. Diese langfristige Planung zeigt das Bestreben der Stadt, durch innovative Landschafts- und Stadtgestaltung neue Akzente zu setzen und die Region nachhaltig zu stärken.

Bürgerschaftliches Engagement als treibende Kraft

Ein wichtiger Aspekt der vorgestellten Projekte ist das Engagement der Bürgerschaft. Initiativen aus der Bevölkerung spielen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Zukunft der Stadt. Der Themenabend bietet Raum, um diese Aktivitäten zu würdigen und zu zeigen, wie Bürgerbeteiligung die Stadtentwicklung bereichern kann. Beispiele hierfür sind bürgergetragenen Initiativen, die die kulturelle Identität und das soziale Gefüge stärken.

Realisierte Bauprojekte als Beispiele

Neben den Zukunftsvisionen werden auch bereits realisierte Bauprojekte vorgestellt, darunter die Neue Synagoge. Dieses Bauwerk steht als Symbol für eine weltoffene und lebendige Stadtgesellschaft, die sich ihrer Geschichte bewusst ist und gleichzeitig nach vorne blickt. Es ist ein Beispiel dafür, wie architektonische Qualität und gesellschaftliche Bedeutung in Einklang gebracht werden können.

Stadtentwicklung als ganzheitlicher Prozess

Der Themenabend macht deutlich, dass Dessau-Roßlau die Stadtentwicklung als ganzheitlichen Prozess versteht, der weit über den rein städtebaulichen Aspekt hinausgeht. Es geht um die Schaffung eines attraktiven Lebensraums, der Geschichte, Kultur, moderne Architektur und soziale Teilhabe miteinander verbindet. Protagonisten der Projekte teilen ihre Erfahrungen und Erkenntnisse, wie zukunftsorientierte Stadtentwicklung gelingen kann, und geben Einblicke in die Herausforderungen und Chancen, denen sich Dessau-Roßlau stellt.

Perspektiven für die Zukunft

Mit der Kombination aus kulturellem Erbe, modernen Ansätzen und einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit zeigt Dessau-Roßlau, wie eine mittlere Stadt in Deutschland ihren Platz in einer globalisierten Welt behaupten kann. Der Abend in Berlin bietet eine Plattform, um diese Bemühungen in den nationalen Diskurs einzubringen und die Strahlkraft der Stadt über die Landesgrenzen hinaus zu stärken.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl