Kritik an Tesla und Landesregierung: Bündnis ruft zum Widerstand auf

Am 23. November 2024 fand eine Pressekonferenz des Bündnisses „Tesla den Hahn abdrehen“ statt, um die Ereignisse rund um die Räumung des Protestcamps „Wasserbesetzung Tesla stoppen“ durch die Polizei einzuordnen und auf zukünftige Protestaktionen aufmerksam zu machen. Das Protestcamp, das seit Februar 2024 mit Versammlungsstatus bestand, war ein zentraler Ort des Widerstands gegen die Erweiterung der Tesla-Fabrik in Grünheide. Die Polizei hatte das Camp mit der Begründung geräumt, dass eine Kampfmittelsondierung auf dem Gelände notwendig sei. Vertreter:innen des Bündnisses und weitere Sprecher:innen bezeichneten diese Argumentation jedoch als Vorwand, um den Protest gezielt zu unterdrücken.

Marco Simon vom Bündnis „Tesla den Hahn abdrehen“ eröffnete die Konferenz mit dem Hinweis, dass die Räumung zwar einen wichtigen Ort des Protests beseitigt habe, die Bewegung insgesamt jedoch ungebrochen sei. Caro Weber, Sprecherin der Wasserbesetzung, betonte, dass die zunehmende Kriminalisierung des Protests wütend mache, jedoch nicht überraschend sei. Der Widerstand sei in den letzten Monaten gezielt behindert worden, und die Räumung des Camps sei der bisherige Höhepunkt dieser Entwicklungen. Weber hob hervor, dass das Protestcamp nicht nur lokal verankert, sondern auch international wahrgenommen wurde. Es habe eine Plattform geschaffen, um auf die Bedeutung von Wassergerechtigkeit und die Auswirkungen der Klimakrise aufmerksam zu machen. Statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, habe die Politik jedoch erneut die Interessen eines Großkonzerns über die der Bevölkerung gestellt. Sie kritisierte, dass Tesla von der Landesregierung bevorzugt werde und die öffentliche Hand die Kosten trage, während die Profite letztlich bei einem privaten Unternehmen landeten. Besonders empörend sei die Rolle des Innenministeriums, das die Räumung veranlasst habe, obwohl Umweltfragen eigentlich in die Zuständigkeit anderer Ministerien fielen.

Pfarrer Dr. Jens Brutschek von der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Löcknitz und Spree beleuchtete die Ereignisse aus theologischer Perspektive. Wasser sei ein zentrales Thema für die Kirchengemeinde, da die Region durch die Tesla-Erweiterung eine zunehmende Gefährdung der Wasserversorgung erlebe. Brutschek betonte, dass die Bewahrung der Schöpfung, insbesondere der Schutz von Wasserressourcen, eine der zentralen Aufgaben der Kirche sei. Gleichzeitig äußerte er Zweifel an der Notwendigkeit der Räumung des Camps. Der Protest sei friedlich gewesen und habe Raum für einen dringend benötigten kritischen Diskurs geschaffen. Die Frage, warum ein solcher Protest unterbunden werden müsse, sei berechtigt. Zudem kritisierte er die Arbeitsbedingungen bei Tesla und den Umgang mit Mitarbeitenden, der aus seiner Sicht nicht mit dem Prinzip der Menschenwürde vereinbar sei. Auch das Verhalten der Behörden während der Räumung sei kritisch zu hinterfragen. Brutschek erklärte, dass die Kirche den Widerstand unterstütze und sich gegen eine Erweiterung der Tesla-Fabrik ausspreche, da diese nicht mit den Zielen des Umweltschutzes und einer nachhaltigen Entwicklung vereinbar sei.

Mareike Lessing vom Bündnis „Tesla den Hahn abdrehen“ legte dar, warum der geplante Vertrag zwischen Tesla und dem Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) nicht akzeptabel sei. Dieser Vertrag solle am 4. Dezember 2024 zur Abstimmung kommen und enthalte mehrere problematische Punkte. Erstens würden die Abwassergrenzwerte für Tesla angehoben, wodurch bestehende Überschreitungen nachträglich legalisiert würden. Dies stelle eine Gefahr für die Gewässerqualität dar, da Schadstoffe unzureichend gereinigt ins Wasser geleitet würden. Zweitens würde Tesla bei der Wasserversorgung Haushalten gleichgestellt, was in Dürreperioden bedeuten könnte, dass private Haushalte eingeschränkt werden, um die Versorgung des Unternehmens sicherzustellen. Drittens sei vorgesehen, dass Tesla faktisch unkündbar werde, selbst wenn es wiederholt gegen Umweltvorgaben verstoße. Viertens solle der Wasserverband eine Betriebshaftpflichtversicherung für Tesla abschließen, was die Kosten von Schäden auf die Allgemeinheit abwälzen würde. Besonders kritisch sei zudem die Geheimhaltung des Vertrags, obwohl es um ein öffentliches Gut wie Trinkwasser gehe.

Lessing rief die Bevölkerung auf, sich gegen diesen Vertrag zu stellen. Am 4. Dezember werde eine Kundgebung vor der Sitzung des WSE organisiert, und es laufe bereits eine Postkartenaktion, um Bürgermeister:innen der betroffenen Gemeinden zur Ablehnung des Vertrags zu bewegen. Sie betonte, dass der Widerstand gegen die Tesla-Erweiterung trotz der Räumung des Camps fortgesetzt werde. Der Protest sei in Grünheide verwurzelt und werde von der lokalen Bevölkerung sowie internationalen Unterstützer:innen getragen. Ziel bleibe es, den Schutz des Wassers und des Waldes sicherzustellen und auf die Gefahren der Klimakrise aufmerksam zu machen.

Die Pressekonferenz machte deutlich, dass die Räumung des Protestcamps nicht als Ende des Widerstands gesehen wird. Vielmehr verstehen die Beteiligten sie als Ansporn, den Protest gegen die Tesla-Erweiterung zu intensivieren. Das Bündnis kündigte weitere Aktionen an und appellierte an die Zivilgesellschaft, sich aktiv für Umwelt- und Wasserschutz einzusetzen.

Schokoladentradition in Dresden zwischen VEB Elbflorenz und Neuanfang

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Wenn Werner Mühle von früher erzählt, kann er die Temperatur der Schokolade noch immer an der Oberlippe spüren. Teaser: Fast vierzig Jahre lang stand er in den Hallen des VEB Elbflorenz, erst als Lehrling, später als Obermeister. Seine Biografie ist typisch für eine Generation, die ihre Bestätigung nicht im politischen System, sondern in der Qualität ihrer Hände Arbeit fand. Sie produzierten Pralinen für den Export, "Weltniveau" nannten sie das, während die eigene Bevölkerung oft mit einem eingeschränkten Sortiment vorliebnehmen musste. Der Stolz auf das geleistete Handwerk war echt, unabhängig von den Mängeln der Planwirtschaft. Dann kam das Jahr 1990. Über Nacht stornierten die Händler die Verträge, die Produktion stand still, die Maschinen verstummten. Für Mühle und seine Kollegen bedeutete das nicht nur Arbeitslosigkeit, sondern den Verlust eines sozialen Gefüges, das über Jahrzehnte gewachsen war. Dass heute wieder alte DDR-Maschinen in Dresden laufen, diesmal in kleinen Manufakturen, ist eine späte Pointe der Geschichte. Der Geruch von gerösteten Kakaobohnen zieht wieder durch die Stadt, anders als früher, aber die Erinnerung an die alten Werkhallen bleibt bestehen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Dresden war einst die Schokoladenhauptstadt Deutschlands, bevor Enteignung und Planwirtschaft die Strukturen veränderten. Teaser: Die Geschichte der Dresdner Süßwarenindustrie ist ein Lehrstück über den industriellen Wandel in Ostdeutschland. Nach der Verstaatlichungswelle 1972 verschwanden traditionsreiche Familienunternehmen im VEB Elbflorenz. Was folgte, war eine Zeit der Widersprüche: Einerseits technischer Erfindergeist und hochwertige Exportware, andererseits Rohstoffknappheit und "Bückware" für den Binnenmarkt. Der radikale Bruch erfolgte 1990. Anders als in anderen Branchen, die sich langsam transformierten, traf die Marktwirtschaft die ostdeutsche Schokoladenindustrie mit voller Härte. Die Insolvenz des VEB Elbflorenz steht exemplarisch für die Deindustrialisierung der frühen 90er Jahre. Dass Marken wie Nudossi heute wieder erfolgreich sind, war damals nicht absehbar und ist eher dem Eigensinn einzelner Unternehmer zu verdanken als politischer Planung. Die alten Rezepturen haben überlebt, die industriellen Großstrukturen von einst sind jedoch Geschichte. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die alten Maschinen des VEB Nagema heute wieder begehrt sind. Teaser: Jahrzehntelang galten die massiven DDR-Anlagen als veraltet, laut und ineffizient im Vergleich zur westlichen Hochtechnologie. Doch in der Nische zeigt sich ein anderes Bild. Die Langlebigkeit und die spezifische Art, wie diese Walzwerke die Schokoladenmasse verarbeiten, werden heute von Manufakturen wieder geschätzt. Es wirft ein interessantes Licht auf das industrielle Erbe der DDR: Was wurde zu schnell verschrottet? Die Wertschätzung für die technische Substanz kommt spät, oft erst, nachdem die ursprünglichen Betriebe längst abgewickelt wurden. Die Qualität war da, sie konnte sich unter den Bedingungen der Mangelwirtschaft und des abrupten Systemwechsels nur schwer behaupten. Vielleicht liegt in dieser späten Rückbesinnung auf die Technik eine Art Versöhnung mit der eigenen Industriegeschichte.

Visuelles Gedächtnis der DDR zwischen Kohlegeruch und stummen Straßen

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Es gibt diese Momente, in denen ein einziges Bild den Geruch einer ganzen Epoche zurückbringt, wie den von Braunkohle an einem feuchten Novembermorgen. Teaser: Beim Sichten alter Amateuraufnahmen aus der DDR, die jetzt digitalisiert vorliegen, fällt mir immer wieder auf, wie stark sich das visuelle Gedächtnis von den offiziellen Geschichtsbüchern unterscheidet. Wir sehen keine Helden der Arbeit und keine jubelnden Massen, sondern den ungeschminkten Alltag. Da ist der bröckelnde Putz der Altbauten in Leipzig, die noch rußenden Dampfloks und die fast rührende Improvisationskunst der Menschen. Es ist eine Welt in verblassten Farben, die seltsam still wirkt. Die Aufnahmen zeigen eine Gesellschaft im Dazwischen. Einerseits die staatliche Omnipräsenz durch Plakate und Parolen, die zum visuellen Hintergrundrauschen wurden. Andererseits die privaten Nischen, in denen gelacht, gespielt und gelebt wurde. Diese Ambivalenz ist schwer zu greifen, wenn man nur in Schwarz-Weiß-Kategorien denkt. Die Menschen arrangierten sich mit den Umständen, sie bauten sich ihr Leben in den Fugen des Systems. Das begleitende Lied im Video spricht von „Worten, die man besser nicht laut gesagt hat“. Diese Zeile korrespondiert eindrücklich mit den Bildern der Passanten, die oft in sich gekehrt wirken, fokussiert auf den Weg zur Arbeit oder den Einkauf. Es war eine Choreografie der Notwendigkeit, die den öffentlichen Raum prägte. Und doch blitzt in den Gesichtern immer wieder eine Resilienz auf, die sich nicht verordnen lässt. Die Digitalisierung solcher privaten Filmrollen ist mehr als Archivarbeit; sie gibt der Geschichte ihre Textur zurück. Die Bilder bleiben stehen, als stille Zeugen einer Zeit, die sich langsam im Nebel der Jahre auflöst. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Die private Filmkamera war in der DDR oft das einzige Instrument, das die Realität so festhielt, wie sie war – ungeschönt und jenseits der staatlichen Propaganda. Teaser: Eine Analyse neu digitalisierter Amateuraufnahmen der „Nostalgie Garage Sachsen“ zeigt eindrücklich, wie der ostdeutsche Alltag wirklich aussah. Fernab der ideologischen Überhöhung offenbart sich in den Straßen von Berlin und Leipzig eine Welt der Kontraste: Moderne Plattenbauten wachsen neben verfallenden Altbaufassaden empor, während Losungen an Schaufenstern um Stimmen werben, die es real kaum zu vergeben gab. Diese visuellen Dokumente sind wichtig, weil sie die sensorische Ebene der Erinnerung ansprechen. Der Texturen von Kohle, Beton und der allgegenwärtigen Mangelwirtschaft werden hier greifbar. Sie zeigen aber auch, dass das Leben im Privaten stattfand und funktionierte, oft als Gegenentwurf zur staatlichen Härte. Die Bewahrung dieser Filme verhindert, dass die DDR-Geschichte zu einer rein abstrakten Abhandlung verkommt. Sie erdet die Debatte und lenkt den Blick auf die Menschen, die ihren Alltag unter oft schwierigen Bedingungen meisterten. Ein Blick zurück, der die Komplexität der ostdeutschen Erfahrung wahrt. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Manchmal erzählt das Schweigen auf alten Filmaufnahmen mehr über eine Gesellschaft als tausend geschriebene Worte. Teaser: In den digitalisierten Straßenszenen der DDR-Vergangenheit sehen wir eine Welt, die von einer merkwürdigen Stille durchzogen scheint. Es ist das Bild einer Gesellschaft, in der das Unausgesprochene den Raum zwischen den Menschen füllte, während das Leben dennoch seine Bahnen suchte. Die Aufnahmen fangen genau diese Spannung zwischen staatlicher Norm und menschlicher Nische ein, die bis heute in den Biografien nachwirkt.