6. Stolpersteinlauf in Gera: Sport und Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus

Am 29. September 2024 fand der 6. Stolpersteinlauf in Gera statt, eine Veranstaltung, die nicht nur zum Sport einlud, sondern auch zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Nach einem herzlichen Grußwort des Oberbürgermeisters Kurt Dannenberg versammelten sich zahlreiche Teilnehmer, um in Gedenken an die in Gera lebenden Menschen zu laufen und zu radeln, die während der NS-Zeit vertrieben, deportiert und ermordet wurden.

Die Veranstaltung bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Strecken zu wählen, sei es zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Diese flexiblen Optionen ermöglichten es Menschen jeden Alters und Fitnesslevels, an dem wichtigen Gedenken teilzunehmen. Die Stolpersteine, die in vielen Straßen Gera’s verlegt sind, dienen als Mahnmale und erinnern an die Geschichten der Menschen, die hier lebten und litten. Sie sind nicht nur einfache Steine, sondern lebendige Erinnerungen an die dunkle Vergangenheit, die uns dazu anregen, über die Folgen von Diskriminierung und Ausgrenzung nachzudenken.

Der Stolpersteinlauf ist mehr als nur eine sportliche Veranstaltung; er ist ein Symbol des „bewegten Erinnerns“. Die Teilnehmer wurden ermutigt, innezuhalten, zu gedenken und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Initiativgruppe „Stolpersteine in Gera“, die diese Veranstaltung organisiert hat, setzt sich aktiv dafür ein, dass das Bewusstsein für die Geschichte und die Bedeutung der Stolpersteine lebendig bleibt. Die Vielfalt der Teilnehmenden und die unterschiedlichen Möglichkeiten der Teilnahme verdeutlichten, dass Erinnern in vielen Formen stattfinden kann.

In den Vorjahren zeigten sich immer wieder inspirierende Beispiele für das „bewegt Erinnern“: von persönlichen Geschichten, die ausgetauscht wurden, bis hin zu stillen Momenten des Gedenkens an den Stolpersteinen. Der Stolpersteinlauf ist somit ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur in Gera und ein Aufruf, sich aktiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Die Veranstaltung vermittelt den wertvollen Gedanken, dass das Erinnern nicht nur eine individuelle, sondern auch eine gemeinschaftliche Aufgabe ist. In diesem Sinne war der 6. Stolpersteinlauf ein Erfolg und ein weiteres Zeichen für die Bedeutung der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus in der heutigen Zeit.

Der Entwurf für ein freies Mediengesetz im Dezember 1989

Journalistischer Text - Profil Zehn Thesen für eine neue Medienordnung der DDR Am 21. Dezember 1989 wird ein Text öffentlich, in dem Journalisten und Künstler gemeinsam formulieren, wie eine freie Presse in Zukunft rechtlich abgesichert werden soll. Wenn ich heute diesen Entwurf lese, sehe ich darin den Versuch jener Generation, die Deutungshoheit über die eigene Wirklichkeit zurückzugewinnen. Man spürt beim Betrachten der Punkte, dass es einigen Akteuren nicht nur um Reformen ging, sondern um eine fundamentale Neudefinition des Verhältnisses zwischen Staat und Öffentlichkeit, getragen von der Erfahrung jahrelanger Gängelung. Es scheint, als hätten viele Beteiligte in diesen Wochen die seltene historische Lücke erkannt, in der man Strukturen schaffen wollte, die immun gegen Machtmissbrauch sind. Für den heutigen Betrachter wirkt der Text wie ein Dokument des Übergangs, in dem die Hoffnung auf eine selbstbestimmte, demokratische DDR-Gesellschaft noch greifbar ist. Journalistischer Text - Seite 1 Das Ende der staatlichen Informationskontrolle Der Gesetzentwurf postuliert eine gerichtliche Einklagbarkeit von behördlichen Informationen und verbietet jegliche staatliche Einmischung in die redaktionelle Arbeit der Medien. Ich stelle mir vor, wie befreiend diese Forderung für jene gewirkt haben muss, die jahrelang gegen Wände aus Schweigen und Propaganda angelaufen sind. Es wirkt in der Rückschau so, als wollte man mit diesen Paragrafen ein für alle Mal verhindern, dass Informationen jemals wieder als Herrschaftswissen missbraucht werden können. Journalistischer Text - Seite 2 Mitbestimmung in den Redaktionen Die Thesen verlangen, dass Chefredakteure und Intendanten nur durch eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Mitarbeiter und nur auf Zeit in ihr Amt berufen werden dürfen. Beim Lesen dieses Abschnitts denke ich an die tiefgreifende Skepsis gegenüber Autoritäten, die viele Medienschaffende in jener Zeit geprägt haben muss. Dieser Passus zeugt von dem Wunsch einiger, die Demokratisierung nicht an der Pforte des Betriebes enden zu lassen, sondern sie direkt in die Hierarchien der Redaktionen hineinzutragen. Weitere Überschriften Verfassungsrang für die Informationsfreiheit Quellenschutz und Gewissensfreiheit für Autoren Öffentliche Kontrolle statt staatlicher Zensur Der Weg zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk Medienvielfalt als Spiegel der Gesellschaft Unabhängiger Medienrat als Kontrollinstanz

Hermann Henselmann: Der Architekt, der Ideologie in Stein meißelte

Persönlicher Teaser Er baute Kulissen für die Ewigkeit. Hermann Henselmann war kein einfacher Architekt, er war ein Verwandlungskünstler zwischen den Fronten der Weltgeschichte. Ich finde es faszinierend, wie ein Mann, der in der klaren Ästhetik des Bauhauses startete, zum Schöpfer der pompösen DDR-Prachtmeilen wurde, nur um am Ende von grauen Betonplatten an den Rand gedrängt zu werden. Seine Geschichte ist für mich der Beweis, dass Talent allein nicht reicht – man muss den Zeitgeist nicht nur verstehen, sondern ihn formen wollen, selbst wenn der Preis dafür die eigene künstlerische Seele ist. Ein Leben wie ein Roman aus Stein. 3 Vorschläge für Überschriften Vom Bauhaus zum Zuckerbäcker: Die zwei Leben des Hermann Henselmann Architekt der Macht: Wie Henselmann Ostberlin erfand Glanz, Elend und Platte: Das steinerne Erbe der DDR