Der Fußball und das KZ Buchenwald

Blick auf den westlichen Teil des Appellplatzes mit der 1941 errichteten Häftlingskantine, Jahresende 1943. In diesem Bereich lag 1939 der erste improvisierte Fußballplatz. Foto: Erkennungsdienst der SS (Musée de la Résistance et de la Déportation, Besançon)

Outdoor-Ausstellung und Blog

Weimar. In diesem Sommer findet in Deutschland die UEFA EURO 2024, die Fußball-Europameisterschaft der Männer, statt. Die Gedenkstätte Buchenwald nimmt dies zum Anlass, mit einer eigens dafür erarbeiteten Outdoor-Ausstellung erstmals die Verbindungen zwischen dem europäischen Fußball und der Geschichte des Konzentrationslagers Buchenwald zu beleuchten.

Die Ausstellung und der sie begleitende Blog werfen ausgewählte Schlaglichter auf inhaftierte Spieler und Vereinsfunktionäre unter anderem aus Frankreich, den Niederlanden, Ungarn, Österreich und dem damaligen Deutschen Reich. Vorgestellt wird etwa Josef Gerö. Der spätere Vizepräsident der UEFA war 1938/39 in Buchenwald inhaftiert. Nach ihm wurde 1955 bis 1960 der Vorläufer der heutigen Europameisterschaft, der Europapokal der Nationalmannschaften, benannt. Berühmte ehemalige Nationalspieler aus Frankreich oder Ungarn wie Eugène Maës und Henrik Nádler kehrten aus dem Konzentrationslager nicht mehr zurück.

Mit Fritz Förderer, deutscher Nationalspieler und zusammen mit Julius Hirsch Mitglied der Meistermannschaft des Karlsruher FV von 1910, verbindet sich eine ganz andere Geschichte: Als damaliger Weimarer Sportlehrer trainierte er ab 1939 zeitweise auch die Fußballmannschaft der Buchenwalder SS. 1948 führte er dann die SG Weimar-Ost (heute: SC 1903 Weimar) ins Halbfinale der Ostzonenmeisterschaft.

Zeitweise gestattete die SS manchen Häftlingen, im Konzentrationslager Fußball zu spielen. Der Appellplatz diente als Spielstätte. Für die Häftlinge – als Spieler und als Zuschauer – bot der Sport die Möglichkeit, dem Lageralltag und seinen Gefahren – wenn auch nur kurz – zu entfliehen.

Insgesamt umfasst die Ausstellung 14 Stelen, der Blog bietet weitere Fallgeschichten. Beginnend im ehemaligen Bereich der SS, am sog. Carachoweg, führen die Stelen ab dem 14. Juni 2024 über den Appellplatz in das Häftlingslager.

In ihren sozialen Kanälen wird die Gedenkstätte die UEFA EURO 2024 mit den Inhalten der Ausstellung und weiteren Geschichten ab nächster Woche begleiten.

Ein entsprechendes Dossier finden Sie auch online unter: https://www.buchenwald.de/geschichte/themen/dossiers/fussball

Alle Recherchen, die Bildauswahl und die Textproduktion erfolgten in den letzten Monaten durch den Kustoden für den Bereich des Konzentrationslagers Buchenwald, Dr. Michael Löffelsender, und die wissenschaftliche Volontärin Maëlle Lepitre.

Die Outdoor-Ausstellung wird ab 14. Juni 2024 in der Gedenkstätte Buchenwald gezeigt, der Eintritt ist frei.

Die Kolleg:innen der Bildungsabteilung bieten zu „Fußball und das KZ Buchenwald“ während der UEFA EURO 024 Themen-Rundgänge an, jeweils am Sonntag ab 11 Uhr am 16., 23., 30. Juni, 7. und 14. Juli 2024.

(Die Themen-Rundgänge entlang der Ausstellung setzen ein Grundwissen über die Zeit des Nationalsozialismus und das Konzentrationslager Buchenwald voraus. Das empfohlene Mindestalter beträgt 15 Jahre. Die Gruppengröße ist auf 30 Teilnehmer:innen begrenzt. | Dauer: ca. 2,5 Stunden | Tickets: 7 Euro, ermäßigt 3 Euro | Tickets sind an der Information am Parkplatz erhältlich. Bitte kaufen Sie Ihr Ticket mindestens 15 Minuten vor Beginn des Rundgangs. Eine vorherige Reservierung ist telefonisch möglich unter 03643/745 500 oder per E-Mail an buchenwaldinfo-weimar@buchenwald.de. | Sportvereine können Gruppenführungen unter 0172/311 93 50 (Herr Holger Obbarius) anfragen.)

Darüber hinaus ist die Gedenkstätte Buchenwald Partner des Projektes „Verspielte Freiheit“ (verspieltefreiheit.de) in Weimar, in dem ein breites sportliches und kulturelles Programm sein Publikum im Fritz-Löhner-Beda-Stadion (Hermann-Brill-Platz) erwartet. Das eigens dafür errichtete Pop-Up-Kleinfeld-Stadion ist nach dem Librettisten und Präsidenten von Hakoah Wien, dem ersten österreichischen Meister im Profifußball, benannt. Im KZ Buchenwald dichtete er den Text des Buchenwaldliedes:

„O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen,
weil du mein Schicksal bist,
Wer dich verließ, der kann es erst ermessen,
wie wundervoll die Freiheit ist!“

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