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Autos in der DDR: Eine Reise durch den ostdeutschen Fuhrpark

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Der Straßenverkehr der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wird oft als grau und eintönig wahrgenommen, dominiert von den bekannten Trabanten und Wartburgs. Doch die Realität war weitaus vielfältiger und faszinierender, wie ein Blick auf die Fahrzeuggeschichte zeigt. Von heimischen Kleinwagen über Importe aus befreundeten sozialistischen Staaten bis hin zu westlichen Luxuslimousinen – die DDR-Bürger und ihre Funktionäre bewegten sich in einem erstaunlich breiten Spektrum von Fahrzeugen.

Die Ikonen aus heimischer Produktion: Trabant und Wartburg
Das wohl bekannteste Geräusch des DDR-Straßenverkehrs war das Knattern des Trabant 601 mit seinem 26 PS starken Zweitaktmotor. Der Trabant, liebevoll auch „Kugelporsche“ genannt, entwickelte sich über die Jahre zum wohl bekanntesten DDR-Pkw. Seine Geschichte begann mit Übergangslösungen wie dem P70, der bereits Mitte der 50er Jahre bis zu 100 km/h schnell war und als Coupé, Kombi oder Limousine erhältlich war. Nachfolgemodelle wie der P50 (anfänglich 18 PS, später 20 PS) und der P60 (23 PS) ebneten den Weg für den kantigeren und moderner aussehenden Trabant 601, der ab Juli 1964 in Serie ging. Obwohl die Produktion 1991 mit dem Trabant 1.1 mit Viertaktmotor eingestellt wurde, sind die robusten Zweitakter dank zahlreicher Liebhaber und sparsamer Gemeinden wie Lohmen immer noch auf den Straßen unterwegs. Eine Besonderheit war der „Hycomat“, eine elektrohydraulische Kupplung, die seit 1965 vor allem für Behinderte produziert wurde.

Der Wartburg, benannt nach dem Eisenacher Wahrzeichen, stand im DDR-Fahrzeugbau für „etwas mehr Luxus“. Die Produktion des Wartburg 311 startete 1956 in den Automobilwerken Eisenach, wo zuvor BMW- und F9-Modelle gefertigt wurden. Der Dreizylinder-Zweitaktmotor des 311 erzeugte 37 PS und erreichte Höchstgeschwindigkeiten jenseits der 100 km/h. Besonders bekannt ist der geräumige Wartburg 311 Camping, auch „Schneewittchen Sarg“ genannt. Bis Mitte der 60er Jahre wurde der 311 stetig weiterentwickelt, wobei überarbeitete Motoren bis zu 50 PS leisteten. Ein praktischer Trick zur Schonung der Kupplung war der Freilauf. Ab den frühen 60er Jahren wurden Wartburgs, einschließlich der Nachfolger 353er, auch nach England exportiert und erfreuten sich großer Beliebtheit. Der Wartburg 353 kam ab 1967 mit einer völlig neuen, kantigeren Karosserie und vollsynchronisiertem Getriebe daher, spätere Modelle verfügten über Knüppelschaltung und Scheibenbremsen.

Ein wahres Universalgenie im DDR-Fahrzeugbau war der Barkas B1000. Angetrieben vom Wartburg-Motor, musste dieser jedoch wesentlich höhere Lasten bewegen (bis zu 750 kg erlaubte Nutzlast). Der Motor war so nah am Fahrer platziert, dass sogar während der Fahrt Feinheiten der Zündungseinstellung vorgenommen werden konnten. Auch die Produktion des Barkas endete 1991, da ein Viertaktmotor (B1000-1) das Überleben auf dem gesamtdeutschen Automarkt nicht sichern konnte.

Importe aus dem „Bruderstaat“: Vielfalt aus Osteuropa
Neben den heimischen Produktionen prägten zahlreiche Importfahrzeuge aus anderen sozialistischen Ländern das Straßenbild der DDR:

• Skoda (Tschechoslowakei): Ab 1964 begann in Mladá Boleslav die Ära der Heckmotor-Modelle von Skoda. Der Skoda 1000 MB war der erste, der serienmäßig in die DDR exportiert wurde, insgesamt etwa 60.000 Stück. Er galt als zuverlässiger Reisebegleiter mit leichtgängiger Lenkung. Nachfolger wie der S100 (ab 1969) und später die Modelle S105 und S120 (bis Ende der DDR importiert) behielten den Heckmotor bei, wodurch der Kofferraum vorn platziert war. Ein Unterschied bei den späteren Modellen war die links angeschlagene Kofferraumklappe, die ein Hochschlagen während der Fahrt verhinderte.

• Lada (Sowjetunion): Der russische Lada, ein Lizenzbau des Fiat 124, wurde zum heimlichen Star der DDR-Kriminalserie „Polizeiruf 110“ und kam größtenteils „von der Stange“. Für die harten russischen Winter wurde die Konstruktion modifiziert, unter anderem mit einer besseren Heizung. Ab 1972 wurden Ladas in die DDR exportiert und waren sehr begehrt, da sie westlichem Standard nahe kamen. Ab 1976 punktete Lada auch mit dem Geländewagen Niva, der jedoch Privatpersonen vorenthalten blieb und vor allem in der Forstwirtschaft und bei der Volkspolizei zum Einsatz kam.

• Polski Fiat 125 P (Polen): Ebenfalls eine Fiat-Lizenzproduktion, teilte er viele Gemeinsamkeiten mit dem Lada 1500, zeigte aber auch Unterschiede in Front, Heck und Motor.

• Zastava (Jugoslawien): Basierend auf dem Fiat 128, galt der jugoslawische Fiat als Geheimtipp in Sachen Verarbeitungsqualität. Aufgrund geringer Importzahlen war er jedoch sehr selten auf den Straßen der DDR anzutreffen und dementsprechend begehrt.

• Dacia (Rumänien): Seit Mitte der 70er Jahre wurde der rumänische Dacia 1300 in die DDR exportiert. Die Fabrik in Pitești wurde in Kooperation mit Renault ausgebaut. Der Dacia 1300 war spartanisch ausgestattet, aber dennoch ein Oberklasse-Auto. Er galt als sehr reparaturanfällig, mit Schwächen wie müden Hinterfedern und Vergaservereisung, was zu kreativen Bastellösungen wie Bierdeckeln als Kälteschutz führte. Der Nachfolger Dacia 1310 bot etwas mehr Komfort und ein moderneres Aussehen.

• Moskwitsch (Sowjetunion): Der „Moskauer Pkw“, dessen Produktion 1947 startete, fand 1963 seinen Weg in die DDR und war vor allem als Firmenwagen oder Taxi unterwegs. Sein 1500 Kubikzentimeter Motor mit 75 PS machte ihn attraktiv. Ein großer Nachteil war jedoch die „minderere Blech Qualität“, die schnell zu Rost führte. Trotz seiner Beliebtheit wurde der Export in die DDR ab 1979 eingestellt.

• Zaporozhets (Ukraine): Der winzige Ukrainer, nur 3,70 m lang und 1,30 m breit, war extrem preiswert, bot aber kaum Komfort. Er bekam zahlreiche Spitznamen wie „Russenpanzer“, „Taiga Trommel“ oder „Zappelfrosch“. Sein luftgekühlter V4-Motor wurde stetig weiterentwickelt und erreichte 45 PS. Eine kuriose Besonderheit war die Möglichkeit, ihn mit einer Kurbel zu starten. Der Kofferraum befand sich vorn und war meist mit Werkzeug statt Gepäck gefüllt.

• Tatra (Tschechoslowakei): Die luxuriösen Pkw von Tatra, benannt nach dem höchsten slowakischen Gebirge, gehörten zu den ältesten Automarken der Welt. Modelle wie der kantige Tatra 613 und sein Vorgänger 603 waren mit luftgekühlten V8-Heckmotoren ausgestattet, die 160 PS leisteten. Nur knapp 3000 Stück des Modells 603 wurden in die DDR exportiert, weshalb der Tatra fast ausschließlich der sozialistischen Elite aus Politik und Wirtschaft vorbehalten war – ein wahrer „Funktionärsschlitten“. Er wird nicht umsonst als „Ferrari des Ostens“ bezeichnet.

• Wolga (Sowjetunion): Seit 1932 wurden in Nischni Nowgorod Autos unter dem Namen GAS gebaut, später ergänzt um den Zusatz Wolga. Der erste echte Wolga, der M21, war bekannt für seine Dreigang-Lenkradschaltung, durchgehende vordere Sitzbank und viel Chrom. Trotz seines Gewichts von 1,4 Tonnen erreichte er bis zu 135 km/h. Er galt als „Spritfresser“ (12-14 Liter/100km). Später wurde der Wolga GAS 24 eingeführt, der bis zu 150 km/h schnell war und einen noch höheren Benzinverbrauch hatte, weshalb einige Modelle auf Gasbetrieb umgerüstet wurden. Wolgas wurden in der DDR hauptsächlich als Taxis, Behördenfahrzeuge und Einsatzfahrzeuge der Volkspolizei eingesetzt.

• Chaika (Sowjetunion): Der Chaika, was auf Russisch „Möwe“ bedeutet, war das chromblitzende Regierungsfahrzeug der DDR. Diese Luxuskarossen waren extrem selten (nur sehr wenige Exemplare in der DDR) und den Normalbürgern nur bei offiziellen Anlässen zu Gesicht. Mit über zwei Tonnen Leergewicht und einem kräftigen 5,8-Liter-V8-Motor (195 PS) war der Chaika eine imposante Erscheinung, aber auch extrem durstig (geschätzte 20-25 Liter/100km). Es gab ihn in verschiedenen Varianten, darunter als Limousine, gepanzertes Fahrzeug, Kombi und Krankenwagen.

Exoten aus dem Westen: Wenn der Klassenfeind chauffiert
Die Rohstoffknappheit und neue Bedürfnisse führten dazu, dass ab den 80er Jahren auch Fahrzeuge des „Klassenfeindes“ ihren Weg in die DDR-Führungsriege fanden. Ein Beispiel hierfür ist der Volvo 760 GLE, der im Auftrag des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) als Regierungsfahrzeug eingesetzt wurde. Diese Volvos waren für die besonderen Bedürfnisse der Funktionäre umgebaut und 30 cm länger als die Serienmodelle, ausgestattet mit Features wie einer Klimatronic (im Jahr 1984 eine Seltenheit) und Sonderbeschleunigung. Die abenteuerliche Erklärung für diesen Import war, dass der Kauf von Tatras aus der Tschechoslowakei aufgrund hoher Entwicklungskosten zu teuer gewesen wäre, während die Volvos aus Schweden wesentlich günstiger zu erwerben waren. Neben Volvo fanden auch andere westliche Importfahrzeuge wie einige Tausend Citroën, VW Busse (für Selbstständige), Mazda (im Rahmen eines Joint Ventures mit Japan) und wenige Peugeot ihren Weg in die DDR.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der DDR-Straßenverkehr keineswegs nur „grau und trist“ war. Unzählige Sammler sind auch heute noch von der Vielfalt und der Geschichte des Pkw-Baus in den ehemaligen sozialistischen Bruderländern begeistert. Und so mancher Trabant, Wartburg oder Lada rollt auch heute noch, ein lebendiges Zeugnis einer vergangenen Ära.

Der Schinkelplatz in Berlin: Geschichte und Wiederaufbau

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Berlin birgt viele Orte, die Geschichten erzählen, und der Schinkelplatz ist zweifellos einer davon. Südwestlich der Schlossbrücke, hinter der Alten Kommandantur gelegen, ist dieser Platz ein Zeugnis tiefgreifender städtebaulicher und gesellschaftlicher Transformationen vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Begrenzt von Wohn- und Geschäftshäusern im Westen, dem Spreekanal im Osten und dem Bereich für den Wiederaufbau der Bauakademie im Süden, präsentiert sich der Schinkelplatz heute als eine sorgfältig rekonstruierte historische Fläche.

Von Packhof zu Prachtplatz: Die Anfänge
Ursprünglich befand sich an dieser Stelle der Alte Packhof, Berlins Hauptzollstelle für den Schiffsverkehr, ausgestattet mit einer Bucht als Anlegestelle für Frachtschiffe. Seine zentrale Bedeutung für die Berliner Wirtschaft war immens, da hier alle Waren für den Import nach oder Export aus Berlin entladen, zwischengelagert und behördlich kontrolliert wurden. Um 1830 wurden die Packhof-Gebäude abgerissen, nachdem der Neue Packhof auf der Museumsinsel nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel modernisiert und ausgebaut worden war.

An der Stelle des Alten Packhofs entstand bis 1832, ebenfalls nach Schinkels Entwürfen, die Berliner Bauakademie. Schon in einer Entwurfszeichnung von 1831 war Schinkels Vision eines von Bäumen umstandenen Platzes vor der nördlichen Fassade der Bauakademie erkennbar. Tatsächlich wurde der Platz 1837 nach Plänen von Peter Josef Lenné in Form eines schmalen Dreiecks als Schmuckplatz angelegt und „Platz an der Bauakademie“ genannt.

Helden ohne Degen: Das Denkmal-Ensemble
Eine entscheidende Wende erlebte der Platz in den 1860er Jahren mit der Aufstellung von Denkmälern für Albrecht Daniel Thaer (1860), Peter Christian Wilhelm Beuth (1861) und Karl Friedrich Schinkel (1869). Dieses Denkmalensemble, ein Werk der Berliner Bildhauerschule, genauer der Rauchschule, war ein Novum in der Geschichte Berlins. Christian Daniel Rauch selbst entwarf das Thaer-Denkmal, sein spätestes Werk, das jedoch erst nach seinem Tod im Jahr 1857 vollendet wurde.

Die Aufstellung dieser Denkmäler spiegelte das erstarkte Selbstbewusstsein des preußischen Bürgertums wider, da es sich hierbei erstmals nicht um Vertreter des Königshauses oder des Militärs handelte. Christian Daniel Rauch bezeichnete sie als „die ersten Helden auf öffentlichem Platze ohne Degen“. König Friedrich Wilhelm IV. stimmte der Aufstellung zu, da alle drei Männer maßgeblich zur Entwicklung und Modernisierung Preußens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beigetragen hatten.

• Albrecht Daniel Thaer gilt als Begründer der wissenschaftlichen Landwirtschaft in Deutschland. Seine Theorien zur Bodennutzung, zum Pflanzenanbau und zur Tierhaltung führten zu einer erheblichen Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität.

• Peter Christian Wilhelm Beuth war 25 Jahre lang der leitende Beamte für die Gewerbepolitik in Preußen und spielte eine entscheidende Rolle beim Wandel Preußens von einem militärisch-feudalen Agrarstaat zu einem modern organisierten bürgerlichen Industriestaat.

• Karl Friedrich Schinkel, zweifellos der bekannteste der drei, war preußischer Baubeamter, Baumeister, Architekt, Stadtplaner, Denkmalpfleger, Maler, Grafiker und Bühnenbildner. Sein Wirken prägte die Stadtplanung und das Bauen in Berlin und Preußen weit über seine Lebenszeit hinaus, und zahlreiche seiner Bauten, wie das Alte Museum, die Schlossbrücke, die Neue Wache, die Bauakademie, die Friedrichswerdersche Kirche und das Schauspielhaus am Gendarmenmarkt, befinden sich rund um den Schinkelplatz.

Zerstörung und Wiederaufbau: Eine wechselvolle Geschichte
In den Jahren 1886/1887 wurde der Platz erneut umgestaltet: Die Fläche vor den Denkmälern erhielt ein farbig ornamentiertes Mosaikpflaster und einen Springbrunnen, während hinter den Denkmälern eine 18 Meter lange, halbrunde Sitzbank aus poliertem Granit aufgestellt wurde.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt der Schinkelplatz, wie auch die umliegenden Gebäude, schwere Beschädigungen. Die Schinkel-Statue stürzte vom Sockel, und die Denkmäler von Beuth und Thaer trugen Einschüsse und Splitterschäden davon. Nach dem Krieg, im Jahr 1949, wurden die vier Karyatiden vom Sockel des Schinkel-Denkmals sowie fünf Reliefs vom Thaer-Denkmal gestohlen.

Die Bauakademie wurde 1962 abgerissen, und die drei Denkmäler wurden an Standorte innerhalb der Humboldt-Universität und an andere Stellen im Stadtgebiet gebracht. Auf der Fläche des Schinkelplatzes entstand ein Neubau des DDR-Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten. Dieses Gebäude wurde jedoch bereits 1996, keine 30 Jahre später, aus städtebaulichen Gründen wieder abgerissen, um den historischen Stadtgrundriss rekonstruieren zu können.

Die Rekonstruktion und die Zukunft
Der Schinkelplatz wurde zunächst als Rasenfläche neu angelegt, und Schinkel kehrte auf seinen angestammten Platz zurück. 1999 folgten Beuth und Thaer, letzterer allerdings nur als Kopie, da die Landwirtschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität das Original nicht wieder herausgeben wollte.

In den Jahren 2007 und 2008 erfolgte unter maßgeblicher Mitwirkung des Berliner Bildhauers Hans Starcke eine umfassende Rekonstruktion des Platzes in der Form von 1887. Es dauerte jedoch noch einige Jahre, bis die verschollenen und beschädigten Sockelreliefs an den Denkmälern für Thaer und Beuth sowie die Karyatiden am Sockel des Schinkel-Denkmals nachgebildet und angebracht worden waren.

Bei der Einweihung des Platzes hofften die Senatsverantwortlichen, dass die aufwendige gartendenkmalpflegerische Wiederherstellung des Schinkelplatzes in der historischen Mitte Berlins sich positiv auf die Gestaltung des umliegenden Bereichs auswirken würde. Der Platz bewirkt zumindest eine größere Geschlossenheit und bietet einen Blick auf das wiederhergestellte Eosander-Portal des Berliner Schlosses.

Was noch fehlt, ist die Bauakademie. Ob, wann und wie der vom Bund bereits 2016 beschlossene Wiederaufbau erfolgt, ist leider immer noch nicht klar. Der Schinkelplatz bleibt somit ein lebendiges Denkmal, das die tiefen Narben der Geschichte trägt, aber auch die unermüdliche Kraft des Wiederaufbaus und die Ehrung wegweisender Persönlichkeiten Berlins verkörpert.

Top-Ökonom Professor Sinn warnt vor Strukturbruch und fordert radikale Kehrtwende

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Die deutsche Wirtschaft steckt in der längsten Rezession seit 20 Jahren, doch für Professor Hans-Werner Sinn, Deutschlands Top-Ökonom, ist dies mehr als eine gewöhnliche Konjunkturflaute. Im Gespräch mit BÖRSE ONLINE spricht Sinn von einem und einem schleichenden Niedergang seit 2018. Seine Analyse ist eine scharfe Kritik an der aktuellen Politik und dem mangelnden ökonomischen Verständnis in weiten Teilen der Bevölkerung und den Medien.

Mangelndes Verständnis und Investitionsaversion Professor Sinn diagnostiziert Deutschland als „Land der ökonomischen Analphabeten“ im Vergleich zur angelsächsischen Welt, wo wirtschaftliches Grundwissen stärker verbreitet sei. Diese mangelnde Einsicht trage dazu bei, dass notwendige Kehrtwenden in der Politik nicht rechtzeitig eingeleitet werden. Seit 2018 sei ein „großer Adventismus der privaten Investoren in Deutschland“ zu verzeichnen, da Wirtschaftsbosse Deutschland auf dem falschen Weg sehen. Dieser Investitionsrückgang erkläre den wirtschaftlichen Abstieg.

Kritik an Energie- und Sozialpolitik Als Hauptursachen für diesen Strukturbruch nennt Sinn politische Weichenstellungen, allen voran die Energiepolitik. Er kritisiert eine „verheerende Verbotspolitik“ im Bereich Energie und Klima, die alles abwürge und unrealistische Hoffnungen auf Wachstum zulasse. Als Beispiel führt er das Verbrennerverbot an, das er schon früh als Fehlentwicklung bezeichnete und dessen negative Auswirkungen auf die Autoindustrie sich nun bestätigen. Laut Sinn werde der Umstieg auf E-Autos in Europa durch Flottenverbrauchsformeln der EU erzwungen, die E-Autos mit einem CO2-Ausstoß von Null ansetzten – eine „aberwitzige Schummelei“, da die Stromproduktion überwiegend noch auf fossiler Energie basiere. Die Folgen sind bereits spürbar: Nach Volkswagen sieht Sinn auch die Chemieindustrie, wie BASF, auf dem Abzug begriffen, da Unternehmen kein Interesse mehr hätten, in einer zunehmend „dirigistischen“ und regulierten Welt zu investieren.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der Sozialstaat, der in den Merkel-Jahren die Schröder’schen Reformen rückabgewickelt habe. Sinn kritisiert insbesondere das Bürgergeld, das Menschen ohne Arbeitsleistung unterstütze. Er betont, dass jeder Mensch arbeiten müsse, um Wohlstand zu finanzieren, und schlägt vor, das Bürgergeld in einen „Lohn für Arbeit“ umzuwandeln, eventuell auch für einfache Tätigkeiten in den Gemeinden.

Demografische Zeitbombe und Rentensystem Das Versäumnis, auf den langfristigen Trend der Alterung der Bevölkerung und die „Kinderarmut“ zu reagieren, sei ebenfalls gravierend. Die Babyboomer-Generation, die kurz vor dem Renteneintritt stehe, wolle Renten von Kindern, die nicht da seien – eine Rechnung, die „schiefgeht“. Sinn warnt davor, dass die Sozialsysteme bei Beibehaltung des Status quo nur noch wenige Jahre aufrechterhalten werden können. Er fordert, dass die Menschen länger arbeiten und das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung geknüpft werden müsse.

Das aktuelle Umlagesystem der Rente sei nicht nachhaltig. Sinn kritisiert Bismarcks Einführung der Rentenversicherung 1889, die zwar das Los alter Menschen ohne Kinder verbesserte, aber auch einen Bewusstseinswandel einleitete, der das Kinderkriegen weniger notwendig erscheinen ließ. Er sieht darin eine „Versicherung gegen Kinderlosigkeit“, die die Investition der Eltern in ihre Kinder „sozialisiert“ und somit die Anstrengung zur Familiengründung vermindert habe. Sinn plädiert für weniger Staatseingriffe in dieser Hinsicht, anstatt eine „doppelte Intervention“ durch Kindergeld und Kitas zu betreiben.

Vorschläge für eine Kehrtwende Für eine potenzielle neue Bundesregierung formuliert Sinn klare Forderungen:
• Stopp der Energiewende, bis andere Länder ebenfalls mitziehen, und Konzentration auf Maßnahmen, die unilateral wirken, wie die Abscheidung und Speicherung von CO2 (Sequestrierung) und der Verzicht auf den Abbau eigener fossiler Brennstoffe. Er plädiert für eine Wiederbelebung der Atomkraft, deren Comeback weltweit zu beobachten sei.
• Mobilisierung der 3 Millionen Bürgergeld-Bezieher durch Umwandlung des Bürgergeldes in einen „Lohn der Kommunen für kommunale Arbeit“.
• Sofortiges Angehen des Rententhemas durch Abschaffung frühzeitiger Verrentungsmöglichkeiten und die Einführung eines flexiblen Rentensystems, das längeres Arbeiten belohnt. Sinn warnt zudem davor, die Wirtschaft durch weitere Schulden zu beleben, da Deutschland keine freien Kapazitäten, sondern Fachkräftemangel und zu wenig Energie habe, was nur die Inflation anheizen würde.

Globale Einflüsse und ein Funken Hoffnung Die Politik der USA unter Donald Trump, die auf Zölle und die Stärkung des Dollars abzielt, werde Deutschland und Europa weiter unter Druck setzen. Sinn prognostiziert, dass Trumps Politik, die auch eine Rückkehr zu traditionellen Werten und eine Abkehr von Konzepten wie „Work-Life-Balance“ oder „Wokeness“ bedeute, auf Europa ausstrahlen werde. Deutschland müsse sich nach alternativen Märkten umschauen und Freihandelsabkommen abseits der USA entwickeln, um sich zu behaupten.

Trotz seiner pessimistischen Einschätzung äußert Professor Sinn einen Funken Hoffnung. Er sieht einen „allmählichen Bewusstseinswandel“ in der deutschen Bevölkerung, der sich auch im Aufkommen neuer, „rechtsradikaler“ Parteien am politischen Rand zeige. Dies zwinge die etablierten Parteien der Mitte, ihre Programme zu ändern und sich wieder stärker an der Realität zu orientieren. Die Rückbesinnung auf Eigentumsrechte und das Verständnis einer Nation als „Club“, in den man nicht einfach so einwandern könne, seien notwendige Schritte für eine funktionierende Gesellschaft.

Skandal oder Fortschritt? Der Amazon Tower spaltet Berlin!

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Ein fast 150 Meter hohes Hochhaus ragt seit Kurzem in den Berliner Himmel und verändert die Skyline der Hauptstadt nachhaltig. Der Edge Eastside Tower ist nicht nur das höchste Gebäude im Osten Berlins, sondern auch das höchste Bürohaus der Stadt, direkt am Ostbahnhof gelegen. Dieses architektonische Wahrzeichen setzt neue Maßstäbe: klimaneutral, digital vernetzt und effizienter als jeder herkömmliche Büroturm. Doch seine Ankunft wird nicht von allen Seiten bejubelt, insbesondere wegen seines prominentesten Mieters: Amazon.

Ein Hochhaus der Zukunft: Nachhaltigkeit trifft Technologie
Der Edge Eastside Tower wurde als Symbol für die Zukunft des Bauens konzipiert und vom niederländischen Unternehmen Edge entwickelt, das für seine nachhaltigen Hochhäuser bekannt ist. Sein klares Ziel: maximale Effizienz bei minimalem Energieverbrauch. Das Gebäude verbraucht bis zu 60% weniger Energie als vergleichbare Gebäude.

Dies wird durch eine Reihe innovativer Merkmale erreicht:

• Intelligente Fassade: Die Glasfront besteht aus hochisolierenden, intelligenten Glaspaneelen, die den Wärmeverlust minimieren und gleichzeitig das Tageslicht optimal nutzen. Dadurch wird der Bedarf an künstlichem Licht und somit der Stromverbrauch drastisch gesenkt.

• Vernetzte Infrastruktur: Im Inneren erfassen Sensoren Temperatur, Luftqualität und Lichtverhältnisse in Echtzeit und passen die Gebäudetechnik automatisch an. Das bedeutet weniger Energieverbrauch und mehr Komfort für die Nutzer.

• Automatisierte Steuerung: Bei Nichtnutzung eines Raumes werden Lichter und Heizung heruntergefahren, um Energie zu sparen. Ein intelligentes Belüftungssystem sorgt zudem immer für frische, saubere Luft.

• Tageslichtgesteuerte Beleuchtung: Das System passt sich dem natürlichen Sonnenverlauf an, was nicht nur den Stromverbrauch reduziert, sondern auch das Wohlbefinden, die Produktivität und Konzentration der Menschen fördert.

• Autonomes Notfallsystem: Selbst bei Stromausfällen oder technischen Problemen ist die Sicherheit gewährleistet.

Auch die Bauweise ist revolutionär: Der Tower wurde so konstruiert, dass er seinen CO2-Fußabdruck minimiert und sich nahezu selbst mit Energie versorgt. Dies ist einer Hybridbauweise zu verdanken, bei der neben Stahlbeton auch nachhaltiges Holz und wiederverwendbare Materialien verwendet wurden, um den Materialverbrauch drastisch zu senken. Besonders innovativ ist, dass selbst die Innenwände so konzipiert sind, dass sie bei Bedarf leicht ausgetauscht oder recycelt werden können, anstatt aufwendig abgerissen zu werden. Für die Planung wurde ein digitales Zwillingsystem genutzt, bei dem das Gebäude vor der Fertigung virtuell in 3D erschaffen wurde, um Probleme frühzeitig zu erkennen und die Bauzeit zu verkürzen.

Amazon als Hauptmieter: Ein Signal für Berlin als Tech-Metropole
Der größte Mieter im Edge Eastside Tower ist niemand Geringeres als das US-amerikanische Tech-Unternehmen Amazon, das das Hochhaus als neuen deutschen Hauptsitz nutzt und hier Tausende Arbeitsplätze schafft. Diese Entscheidung ist mehr als nur ein wirtschaftlicher Schritt; sie ist ein starkes Signal für den Technologiestandort Berlin. Mit diesem höchsten Bürohaus der Stadt setzt Amazon ein klares Zeichen: Berlin gehört zu den wichtigsten Tech-Metropolen Europas.

Die Lage direkt am Ostbahnhof, einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte, ist ideal für Amazon, das Innovation, schnelle Erreichbarkeit und eine hochmoderne Arbeitsumgebung verbinden will. Das Konzept des Smart Buildings passt zudem ideal zur Firmenphilosophie von Amazon, das zunehmend auf nachhaltige Technologien setzt. Von hier aus will der Konzern seine Deutschlandstrategie steuern und neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Kontroverse und Kritik: Schattenseiten des Fortschritts
Doch nicht jeder ist begeistert über den neuen prominenten Mieter und das futuristische Gebäude. Kritiker befürchten, dass Amazon die Mieten in der Umgebung weiter in die Höhe treiben und die Gentrifizierung im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg beschleunigen könnte. Schon jetzt ist das Viertel eines der begehrtesten in Berlin, und die Ansiedlung eines globalen Tech-Konzerns könnte den Druck auf den Wohnungsmarkt weiter erhöhen.

Zudem sehen einige in der wachsenden Präsenz von Tech-Giganten eine Gefahr für lokale Unternehmen, die sich gegen solche Riesen kaum behaupten können.

Ein Leuchtturmprojekt mit prägender Wirkung
Trotz dieser Kritik sehen viele Experten die Entscheidung Amazons als einen wichtigen Schritt für Berlins Wirtschaft. Die Stadt entwickelt sich zunehmend zu einem europäischen Zentrum für Technologie und Innovation, und die Präsenz eines Unternehmens dieser Größenordnung erhöht die Chancen auf weitere Investitionen in der Region.

Der Edge Eastside Tower ist mehr als nur ein weiteres Hochhaus; er ist ein Symbol für moderne Nachhaltigkeit und technologische Innovation. Mit seiner hochentwickelten Smart-Building-Technologie, der umweltfreundlichen Bauweise und seiner zentralen Lage markiert er einen Wendepunkt in der Berliner Architektur. Er könnte ein Vorbild für kommende Hochhausprojekte werden und beweisen, dass nachhaltiges und intelligentes Bauen in einer Metropole wie Berlin funktioniert. Andererseits könnte der Einfluss großer Tech-Konzerne wie Amazon das Stadtbild und die soziale Struktur Berlins nachhaltig verändern.

Fest steht: Der Edge Eastside Tower wird das Stadtbild der Hauptstadt für Jahrzehnte prägen. Er ist nicht nur eine neue Arbeitsstätte für Tausende von Menschen, sondern auch ein Leuchtturmprojekt für die Zukunft des Bauens – ein Gebäude, das sich selbst reguliert, Energie spart und den Komfort seiner Nutzer in den Mittelpunkt stellt. Berlin hat ein neues Wahrzeichen bekommen, und es weist den Weg in die Zukunft.

IC Falkenberg: Vom Popstar der DDR zum unabhängigen Liedermacher

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Er war wie kein anderer männlicher Popstar in der DDR und schaffte es, die jungen Menschen vergessen zu lassen, wo sie waren. Mit seinem schrillen Aussehen und seinen unverschämt großen Gesten war er ein Exot, ein bunter Vogel, der die sozialistische Musiklandschaft ordentlich aufmischte. Heute, mit 60 Jahren, ist Ralf Schmidt, besser bekannt als IC Falkenberg, zwar vielleicht kein Popstar mehr, aber dafür ein unabhängiger und erfolgreicher Liedermacher.

Die frühen Jahre in Halle und erste musikalische Schritte Geboren im Herbst 1960 als Ralf Schmidt in Halle an der Saale, wuchs er in einer Stadt auf, die abseits des Marktes fast noch mittelalterlich wirkte, eingezwängt zwischen Verfall und dem Rauch der Chemieindustrie. Schon als Kind war er lebhaft, und seine Lehrer wurden nicht müde, dies zu betonen. Mit nur acht Jahren spielte er zum ersten Mal Orgel in einer Kirche. Seine musikalische Karriere begann, als eine Zeitungsannonce des Stadtsingechors zu Halle seine Aufmerksamkeit weckte. Obwohl seiner Familie das Geld für neue schwarze Anzüge fehlte, bestand er die Aufnahmeprüfung und wurde Teil des Chores und der zugehörigen Schule auf dem Gelände der Franckeschen Stiftungen. Hier probte er drei Jahre lang fast täglich unter einem „straffen Regime“. Er trat als Solist auf und sogar als Kinderdarsteller am Theater Halle. In der Schule hingegen gab es Probleme; er geriet regelmäßig mit Lehrern aneinander und wurde schließlich von der Schule verwiesen, weil er als zu „aufmüpfig“ galt und sich gegen „alte Nazi-Überbleibsel“ in der Lehrerschaft zur Wehr setzte. Schon damals wollte er sich von denen unterscheiden, die „ihr Leben schon längst gelebt hatten und einfach komplett in Lethargie verschwunden sind“. Er war kein aktiver Oppositioneller, doch sein Auftreten, das er selbst als „Rüstung“ beschrieb, konnte bei anderen „Aggressionen auslösen“, gab ihm aber auch Kraft.

Der Aufstieg mit Stern Meißen und die Geburt des IC Sein ursprünglicher Plan, Liedermacher zu werden, scheiterte zunächst, da seine Texte über das Leben in der DDR nicht dem sozialistischen Leitbild entsprachen. Doch 1983 bot ihm ausgerechnet eine erfolgreiche Band der älteren Generation, Stern Meißen, eine große Chance. Die Band wollte sich musikalisch verjüngen und suchte nach einem neuen Sound, der dem Zeitgeist der Neuen Deutschen Welle entsprach. Als Ralf Schmidt mit Springerstiefeln und bunten Haaren auf die Bühne trat, wussten die Leute nicht, was auf sie zukam. Die anfängliche Reaktion war katastrophal: Er wurde ausgebuht und sogar mit Würstchen beworfen, und auch die Bandkollegen empfanden es als „extrem peinlich“. Doch der Zeitgeist war auf seiner Seite. Er bewies sein Gespür für die richtigen Melodien zur richtigen Zeit, und seine Texte trafen ins Herz einer jungen Generation. Er brachte junge Menschen „für einen Moment lang an einen anderen Ort“.

Anfang der 80er-Jahre verabschiedete sich der Musiker aus der ostdeutschen Provinz und zog nach Berlin (Ost), wo er sich der Freiheit am nächsten fühlte. Dort gab es einen regen Austausch mit West-Berlinern, und man bekam Platten aus dem Westen. Berlin fühlte sich für ihn wie die „große weite Welt“ an. Mit Stern Meißen kletterte er die Hitparaden hinauf und wurde zum Publikumsliebling, insbesondere bei den weiblichen Fans. Er verzauberte die Leute wie in einer Manege und war mit keinem anderen Kollegen vergleichbar. Seine Eigenkompositionen für Stern Meißen waren „was ganz eigenes“.

Mitte der 80er-Jahre, noch während seiner Zeit bei Stern Meißen, entschloss er sich, unter dem Namen IC (Abkürzung für „integrierter Schaltkreis“, ein Name, der damals nach Zukunft klang) erste elektronische, ultramoderne Songs aufzunehmen. Das Ergebnis beeindruckte sogar Musikkritiker, die sagten, „so was gibt’s ja noch nicht mal im Westen“. Sein „geiler“ und „anderer“ Klang resultierte auch daraus, dass er sich über die in der DDR existierende „0 dB Regel“ hinwegsetzte, die eine Kontrolle der Pegelstände durch die Deutsche Post vorsah und dafür sorgte, dass Schlagzeuge in DDR-Produktionen „komisch“ klangen. 1987 wurde sein Song „Mann im Mond“, ursprünglich als Kinderlied geschrieben, zum Superhit im DDR-Fernsehen und machte ihn zum Popstar der DDR. Er verkaufte Hunderttausende von Alben und war Gast in jeder Jugendsendung.

Der Preis des Erfolgs und die Wende Trotz des immensen Erfolgs war er nicht wirklich glücklich. Es schien, als schlugen „zwei Herzen in seiner Brust“, und er selbst war ambivalent. Er brauchte Anerkennung und hatte einen Motor, der sich davon nährte, aber er empfand auch, dass er „enttäuschte“. Die Zeit für seine Familie war knapp; er war nicht dabei, als seine beiden Söhne geboren wurden und als sein Vater starb, was er bis heute bedauert. Die Beschränkung, als Musiker „zwischen Suhl und Rostock“ agieren zu müssen, war frustrierend. Trotz Einladungen von westlichen Labels wie Warner oder Sony konnte er nicht reisen, was internationale Tourneen und Promotion unmöglich machte.

Es war, als würde man „immer gegen so eine Wand rennen, so eine Glaswand“, man sah, was möglich wäre, konnte es aber nicht erreichen.
Im November 1989 fiel die Mauer. IC Falkenberg war einer der ersten Kollegen, die einen Deal im Westen unterschreiben konnten. Doch schnell stellte sich heraus, dass seine Art, Musik zu machen und Songs zu schreiben, nicht in die westlichen Fernseh- und Radioformate passte. Man versuchte, ihn „auf Linie zu bringen“, und er fand sich zuweilen in Schlagersendungen wieder. Der Übergang war schwer, da die ostdeutschen Künstler über Nacht an Relevanz verloren, als die „Musiklandschaft sich so verändert hat und man auf einmal quasi legal alles aus dem Westen konsumieren konnte“.

Der Liedermacher heute: Unabhängig und erfüllt Heute hat IC Falkenberg sein eigenes Label, produziert und vertreibt seine Musik selbst und bucht seine eigenen Touren. Er ist vielleicht kein Popstar mehr, aber dafür unabhängig und nach wie vor erfolgreich. Obwohl Corona seine Tourpläne durchkreuzte, macht er sich nicht nur Sorgen um die Spielstätten, sondern auch um junge Musiker am Beginn ihrer Karriere.
Mit 60 Jahren sind seine Bühnen kleiner als vor 35 Jahren. Doch er tut das, was er eigentlich immer tun wollte: Er ist ein Liedermacher.

Seine Musik ist oft politisch, kämpferisch und doch immer noch mit großem Pop-Appeal versehen. Er ist stolz darauf, mit 60 noch auf der Bühne zu stehen und „sein eigenes Ding durchzuziehen“. Er hat seine Mitte gefunden und es ist ihm „scheiß egal, was andere von ihm halten“. Wenn er die Zeit zurückdrehen könnte, würde er seinem 14-jährigen Ich raten: „Du willst Liedermacher sein, also sei es dann“. Das, was er heute tut, hat für ihn eine „heilende“ Wirkung, weil er damit Menschen erreicht und seine Arbeit eine Bedeutung hat. Er empfindet sein Leben heute als „schönes Leben“.

Berlins bekanntestes unbekanntes Gebäude birgt faszinierende Geheimnisse

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Tagtäglich passieren Tausende Berlinerinnen und Berliner das Alte Stadthaus im Herzen der Stadt, oft ohne zu ahnen, welche Geschichte sich hinter seinen monumentalen Mauern verbirgt. Dieses prächtige Gebäude vis-à-vis dem Roten Rathaus und dem Berliner Fernsehturm, einst ein Tempel der kommunalen Selbstverwaltung, ist heute der Sitz des Landesdenkmalamtes und birgt vier zentrale Geheimnisse aus der Geschichte Berlins. Christoph Rauhut, der Direktor des Landesdenkmalamtes, der das Gebäude seit Herbst 2018 täglich betritt und verlässt, nimmt uns mit auf eine Reise durch diese verborgenen Schichten.

Ein zweites Rathaus für eine wachsende Metropole
Das Alte Stadthaus, das man normalerweise nicht besichtigen kann, wurde notwendig, weil das Rote Rathaus nach seiner neunjährigen Bauzeit und der ersten Stadtverordnetenversammlung im Jahr 1870 bereits zu klein war. Berlin war damals eine enorm wachsende, moderne Millionenstadt und die Verwaltung benötigte dringend mehr Platz. Der Stadtbaurat Ludwig Hoffmann wurde beauftragt, einen repräsentativen Verwaltungssitz zu errichten, der mit knapp 13.000 Quadratmetern und Platz für rund 1000 städtische Beamte das Rote Rathaus (9000 Quadratmeter, 317 Arbeitsplätze) bei Weitem übertraf.

Hoffmanns Ziel war eine nach außen hin ruhige und kräftige Wirkung, inspiriert von italienischen Renaissancepalästen, die er auf Reisen in Florenz, Rom und Neapel studierte. Das Innere sollte bürgerlich-schlicht und dennoch großzügig sein, um Berlins Selbstverständnis als moderne Metropole auszudrücken. Dazu gehörte auch der 80 Meter hohe Turm, der rein zu Repräsentationszwecken diente und dessen Bau selbst der Stadtkämmerer angesichts der guten Finanzlage nicht beanstandete. Die Atmosphäre im Inneren wurde bewusst so gestaltet, dass sie einfach, schlicht und feierlich wirkte, wobei Hoffmann sogar auf zu viel Tageslicht verzichtete, um die Ausstattungselemente besser zur Geltung zu bringen.

Symbole der Stadt und Spuren der Geschichte
Ein prägendes Element der Innenausstattung sind die vier Bärensäulen, originale Ausstattungsgegenstände, die heute besonders wertvoll sind. Sie zeigen den Berliner Bär und die Berolina, die männlichen und weiblichen Symbole der Stadt, und verweisen im Kern auf die Säulen des Tempels von Jerusalem, indem sie jüdische, christliche und römische Symbole zitieren. Interessanterweise ließ die DDR-Regierung die Säulen nach dem Krieg entfernen, die Bären wurden ins Museum gebracht. Nach der Wiedervereinigung forschte das Denkmalamt intensiv und konnte wichtige Teile der Säulen in einem Privatgarten in Potsdam finden, sodass sie wieder aufgestellt werden konnten.

Der sogenannte Festsaal, heute Bärensaal genannt, liegt im Inneren des Baus und war als „Stadthalle für ernste Feiern“ konzipiert. Er sollte dem Inneren des Gebäudes architektonischen Halt geben und war pompöser als vom Magistrat verlangt. Im Gegensatz zum Roten Rathaus hatte das Alte Stadthaus eine solche Halle. Der namensgebende Bär des Saales stammt von Georg Wrba, einem bedeutenden Künstler des frühen 20. Jahrhunderts, der ihn bewusst auf einen hohen Sockel stellte, um eine angemessene Würde durch Distanz zu schaffen.

Das Stadthaus wurde im Zweiten Weltkrieg durch Luftbomben schwer beschädigt, die Mansardendächer brannten ab. Doch das Dach über der Festhalle und der Turm hielten stand, und auch der Bär überlebte. Nach dem Krieg wurde das Gebäude zum Sitz des Ministerrates der DDR. In dieser Zeit fanden umfangreiche Umbauarbeiten statt, da die ostberliner Politiker und Architekten eine Abneigung gegen alles „Wilhelminische“ hatten. Das pompöse Design des Stadthauses wich einem sozialistischen Regierungssitz. Die alte Festhalle wurde zu einem „modernen Konferenzsaal“ umgebaut, mit einer Zwischendecke und holzvertäfelten Wänden, nur noch für Betriebsversammlungen und Auszeichnungszeremonien genutzt. Doch ausgerechnet hier fanden bis 1990 die entscheidenden Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR zur Wiedervereinigung statt. Nach der Wiedervereinigung wurde die Festhalle behutsam restauriert, wobei man sich entschied, nicht nur die ursprüngliche Pracht wiederherzustellen, sondern auch die Spuren der wechselhaften Geschichte wie abgehauene Steine und Schlitze in den Wänden zu erhalten. Im Jahr 2001 kehrte der Bär an seinen angestammten Platz zurück.

Dunkle Kapitel und archäologische Schätze
Das Stadthaus war auch während des Dritten Reiches Verwaltungssitz. Es gibt noch „dunkle Flecken“ in der Geschichte des Gebäudes, die weiterer Untersuchung bedürfen. Eine besonders bewegende Zeitzeugengeschichte stammt von Waltraud Mehling, die in den 1930er Jahren als Kind mit ihren Eltern, einem Elektro- und Schlossermeister des Hauses, in einer Dienstwohnung des Stadthauses lebte. Sie berichtete, wie ihre Eltern im Keller mehrere jüdische Mitbürger versteckten und sie als kleines Mädchen ihnen versteckt in einem Puppenkörbchen Essen brachte. Als der Hausmeister die Gestapo auf die Familie aufmerksam machte, mussten die versteckten Personen in einen Tiefkeller des Stadthauses verlegt werden. Glücklicherweise ging alles gut aus.

Im ehemaligen Heizkeller des Gebäudes befindet sich heute das Archiv des Landesdenkmalamtes und das archäologische Eingangsmagazin, geleitet von Restauratorin Mercedes Gransow. Hier kommen alle archäologischen Funde an, die in Berlin geborgen werden, von der Ur- und Frühgeschichte bis zur Moderne. Zu den modernsten Funden zählen Kontexte aus dem Zweiten Weltkrieg und sogar Mauerfunde. Zu den außergewöhnlichsten Funden gehören ein Telefon aus einem Bombenkrater, eine mittelalterliche Katze, deren Pfoten nach ihrem Tod abgetrennt und deren Fell über den Kopf gezogen wurde, was auf eine besondere Behandlung hindeutet, und sogar ein „Berliner Krokodil“ vom Armenfriedhof in der Pufendorfstraße. Isotopenanalysen bestätigten, dass es in Berlin geboren und aufgewachsen war. Diese Funde erzählen viel über die Alltagsgeschichte Berlins, von den Zwangsarbeiterlagern bis zur Entwicklung der Stadt am Molkenmarkt.

Vom Ministerpräsidentenbüro zur Senatsverwaltung
Von ganz unten geht es in den Sicherheitsbereich des Alten Stadthauses, wo früher das Büro des DDR-Ministerpräsidenten und sein engster Führungszirkel saßen. Hier wirkten Jahrzehnte lang Willi Stoph, Hans Modrow und zuletzt Lothar de Maizière. Lothar de Maizière beschrieb den Raum als typische DDR-Dienststelle mit großformatigen Tapeten, Sicherheitstelefonen und Stahlschränken. Heute ist dieser Bereich der Sitz des Berliner Innensenators Andreas Geisel, der auch andere Behörden wie die Innenverwaltung (Polizei, Feuerwehr), Sportverwaltung, IKT (Digitalisierung der Verwaltung) und den Verfassungsschutz beherbergt. Der Bärensaal wird weiterhin regelmäßig für große Veranstaltungen, Konferenzen und Empfänge genutzt. Senator Geisel selbst hat eine Kindheitserinnerung an den Bären, auf dem er als Kind im Tierpark Berlin herumkletterte.

Vom Turm des Stadthauses aus, dessen Spitze noch nicht einmal der regeltreue Innensenator erklommen hat, bietet sich ein beeindruckender Blick über die Stadt. Direkt vor dem Gebäude liegt der historische Molkenmarkt, einst ein wichtiges Handelszentrum. Der Bau des Stadthauses und des Roten Rathauses waren massive Eingriffe in die mittelalterliche Stadtstruktur, für die ganze Häuserblöcke abgerissen wurden, was vom Turm aus beim Blick auf das Nikolaiviertel besonders deutlich wird.

Das Alte Stadthaus ist somit weit mehr als nur ein Verwaltungsgebäude – es ist ein lebendiges Denkmal, das die wechselvolle Geschichte Berlins in seinen Mauern festhält und immer wieder neue, faszinierende Geheimnisse preisgibt.

Alt-Oberbürgermeister Reiner Eichhorn zu 35 Jahre Deutsche Einheit

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Zwickau. Reiner Eichhorn, der ehemalige Oberbürgermeister von Zwickau, blickt auf ein bewegtes Leben zurück und engagiert sich aktiv dafür, dass die Erinnerung an die Deutsche Einheit und die damit verbundenen Umwälzungen nicht in Vergessenheit gerät. Anlässlich des 35. Jahrestages der Deutschen Einheit in diesem Jahr ist es ihm ein Herzensanliegen, besonders die junge Generation für diese prägende Phase der deutschen Geschichte zu sensibilisieren.

Zwickaus erster frei gewählter Oberbürgermeister
Reiner Eichhorn war der erste frei gewählte Oberbürgermeister von Zwickau im Jahr 1990. Er und sein Team traten ihr Amt bereits im Juni 1990 an und waren damit die ersten, die nach den Wahlen auf der Basis von Wahlen in Verantwortung gerufen wurden, noch vor dem offiziellen Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober. Angesichts der vielen schwierigen Entscheidungen, die anstanden, gelang es ihm, eine große Koalition aus FDP, CDU und SPD zu bilden, um schnell Mehrheiten zu erzielen.

Ein besonderes persönliches Erlebnis war für Eichhorn die Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 3. Oktober 1990 in Berlin. Er war nach eigenen Angaben der einzige ostdeutsche Bürgermeister, der vom damaligen Bundespräsidenten, Bundeskanzler Helmut Kohl und dem Ministerpräsidenten der DDR, Lothar de Maizière, eingeladen wurde, dabei zu sein. Ein Foto, das ihn auf den Stufen des Deutschen Reichstags hinter Helmut Kohl zeigt, konnte er erst Jahre später durch Zufall im Internet finden, nachdem er lange erfolglos in Sammlungen der Bundesrepublik danach gesucht hatte.

Die Erinnerung bewahren: Junge Menschen erreichen
Reiner Eichhorn hat sich zur Aufgabe gemacht, dass die Ereignisse vor 35 Jahren nicht in Vergessenheit geraten. Er stellt fest, dass die Gefahr besteht, dass nach 35 Jahren die Verbindung zu den damaligen Ereignissen schwindet. Aus diesem Grund hat er sich bewusst entschieden, in diesem Jahr Zwickauer Gymnasien – das Larawiegy Gymnasium, das Kette Kolbits Gymnasium und das Peter Breuer Gymnasium – zu besuchen, um jungen Menschen zu erzählen, wie der Übergang von der DDR zur Bundesrepublik verlief und wie Zwickau in dieser Zeit umgestaltet wurde.

Er berichtet, dass die Schüler trotz einer gewissen Vorinformation aus dem Geschichtsunterricht oft nur wenig Detailwissen aus den Elternhäusern mitbrachten. Die Reaktionen der jungen Menschen waren jedoch durchweg positiv: Sie zeigten großes Interesse und stellten konkrete Fragen zu den Problemen der damaligen Zeit und den Entscheidungen, die getroffen werden mussten. Dies zeigte Eichhorn, dass sich die jungen Menschen sehr wohl für ihre Stadt interessieren.

Künftige Veranstaltungen und die Bedeutung der Erinnerungskultur
Das Engagement von Reiner Eichhorn geht weiter. Gemeinsam mit dem Verein aktiv ab 50 und der Seniorenvertretung der Stadt Zwickau wird am 24. September um 15 Uhr in der Kopernikusstraße eine Veranstaltung zum Thema „35 Jahre Deutsche Einheit“ stattfinden. Als Redner sind die Stadträtin Ute Brückner und Reiner Eichhorn selbst geplant, moderiert wird die Veranstaltung von der ehemaligen Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß. Interessierte werden gebeten, sich bei der Seniorenvertretung oder dem Verein aktiv ab 50 anzumelden.

Zudem wird am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, zusammen mit dem Bündnis für Demokratie und Toleranz eine kleine Erinnerungsveranstaltung am Einheitsdenkmal stattfinden, um diesen wichtigen Tag nicht unbeachtet vorüberziehen zu lassen. Eichhorn betont die Wichtigkeit einer Erinnerungskultur, insbesondere im Hinblick auf 80 Jahre Frieden in Deutschland und die 35 Jahre des gemeinsamen Aufbaus eines neuen Deutschlands mit den alten Bundesländern. Er unterstreicht dies mit dem Verweis auf jüngste Erfahrungen bei Gedenkstätten für Opfer des Zweiten Weltkriegs, jüdische Opfer und aktuelle Kriegsopfer, wo die Erkenntnis „dass es Opfer gibt und dass man die nicht vergessen darf“, für ihn eine zentrale Motivation ist.

Das Wismut-Erbe: Eine Bundesaufgabe
Ein weiteres wichtiges Kapitel, das untrennbar mit der Nachwendezeit verbunden ist, ist das Erbe des Uranbergbaus der Wismut. Schon wenige Tage nach Amtsantritt erhielt Eichhorn im Juni 1990 Besuch vom damaligen Bundesumweltminister Töpfer aus Bonn, der sich über den Umgang mit dem Wismut-Erbe informierte. Töpfer sicherte zu, dass dieses gewaltige Erbe, das kein Bundesland oder gar eine Kommune stemmen könnte, von der Bundesrepublik übernommen würde. Diese Zusage wurde im Einigungsvertrag festgeschrieben, und die Sanierungen in Sachsen und Thüringen sind heute weitestgehend abgeschlossen. Eichhorn freut sich, dass dieses Thema auch in der aktuellen Wismut-Kunstausstellung als Zwickauer Beitrag zur Kulturhauptstadt Europas aufgegriffen wird, um zu zeigen, was die Bundesrepublik hier geleistet hat.

Reiner Eichhorn ist auch im Rentenalter weiterhin agil und appelliert an andere Zwickauer, sich ebenfalls aktiv einzubringen, um die vielen Aufgaben zu lösen, die noch vor uns liegen.

Hans Modrow – Der bescheidene Staatsmann, der die DDR zusammenhielt

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Im Jahr 2023 wirkten die Worte des Philosophen Hegel, dass Völker nichts aus der Geschichte lernen, beängstigend aktuell, auch für den letzten Ministerratsvorsitzenden der DDR, Hans Modrow. Die Erinnerung an brennende Häuser und verzweifelt fliehende Menschen prägte Modrow tief, die „Narben sind geblieben“, wie es heißt. Doch Modrow selbst bleibt in Erinnerung als eine maßgebende Figur auf der politischen Bühne der DDR, die in einer Zeit des Umbruchs entscheidend dazu beitrug, dass kein Chaos ausbrach.

Hans Modrow, der Sohn eines Schuhmachers aus einem pommerschen Dorf, hat nie vergessen, woher er kam. Seine Bodenständigkeit und Bescheidenheit waren bemerkenswert. So lebte er in Dresden in einer Mietwohnung und beteiligte sich dort, wie zu DDR-Zeiten üblich, am gemeinschaftlichen Kehren des Treppenhauses. Diese Haltung spiegelte sich auch in seinem Auftreten wider: Während ein Politbüromitglied sich hupend im Volvo durch eine Menschenmenge zu einer Kundgebung bahnte, kam Hans Modrow im Citroën, verließ das Fahrzeug und bahnte sich zu Fuß seinen Weg durch die Menge, wobei er sich Zeit nahm, mit den jungen Leuten zu sprechen, die ihn erkannten und ansprachen. Seine Gelassenheit im Angesicht der Ungeduld des wartenden Politbüromitglieds, weil sich die Eröffnung der Kundgebung verzögerte, war bemerkenswert und gefiel.

Als im November 1989 die Volkskammer ihn zum neuen Regierungschef der DDR wählte, übernahm er eine immense Verantwortung. Seine größte Leistung war es, in einer Zeit des radikalen Wandels das Land vor dem Kollaps zu bewahren. Unter seiner Führung brach weder die Justiz noch die Polizei noch die Versorgung zusammen. Dies hat er als Ministerpräsident geregelt. Noch 20 Jahre später dankten ihm Menschen für die von ihm gemachten Gesetze, die es ihnen ermöglichten, ihr kleines Häuschen am Rande von Berlin zu behalten – die sogenannten „Modrow-Gesetze“.

Die Erinnerung an Hans Modrow bleibt die an einen „wunderbaren Menschen“, der sich selbst nie wichtiger oder größer machte, als er war. Er war neugierig auf die Welt und besaß ein hohes Maß an Verständnis für Menschen, die anders dachten als er. Seine Konsequenz und Ausdauer im Verfolgen politischer Ziele sowie seine Treue zu sich selbst prägten seine Persönlichkeit. Hans Modrow, der Mann, der sich weigerte, abgehoben zu sein, bleibt unvergesslich.

Meilenstein für Rostock: Grundsteinlegung für modernes Rathaus am Neuen Markt

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Ein bedeutender Tag für Rostocks Innenstadtarchitektur: Am Neuen Markt wurde heute der Grundstein für die Erweiterung des Rathauses gelegt. Dieses ambitionierte Projekt, das rund 80 Millionen Euro kosten wird, markiert einen entscheidenden Schritt in der Modernisierung der städtischen Verwaltung und der Belebung des Stadtzentrums.

Die Idee, das Rostocker Rathaus zu erweitern, ist nicht neu, sie tauchte bereits in den 90er Jahren auf. Das Ziel war es schon damals, die Bürgerfreundlichkeit zu erhöhen, Funktionen zu bündeln und die Innenstadt attraktiver zu gestalten, indem Wege für Bürgerinnen und Bürger verkürzt werden. Nun wird diese langjährige Vision endlich Realität.

Zwei moderne Neubauten im Fokus Das Erweiterungsprojekt umfasst zwei markante Neubauten: das sogenannte Doppelgiebelhaus (Haus C) und ein weiteres Verwaltungsgebäude (Haus D). Haus C soll mit seinem Doppelgiebel an die hanseatische Baugeschichte anknüpfen und wird unter anderem einen neuen Bürgerschaftssaal beherbergen. Zusammen bieten die neuen Gebäude Platz für über 400 Mitarbeitende und sind auf modernes Arbeiten ausgelegt, inklusive Open-Space-Flächen, Beratungsräumen und Dachterrassen.

Finanzierung und Nachhaltigkeit Von den Gesamtkosten in Höhe von etwa 80 Millionen Euro stammen 15,5 Millionen Euro aus Städtebaufördermitteln. Die Städtebauförderung folgt einem bewährten Drittelfinanzierungsprinzip, bei dem sich Bund, Land und die Kommune die Kosten teilen. Ein Sprecher betonte die Bedeutung dieser Förderung, da sie gleichwertige Lebensverhältnisse sichert und den Bürgerinnen und Bürgern eine handlungsfähige Kommune garantiert.

Besonderes Augenmerk liegt auch auf der Nachhaltigkeit und der Integration in das historische Stadtbild. Mit dem Neubau werden neue Grünflächen, Fahrradstellplätze, eine Tiefgarage und eine Photovoltaikanlage geschaffen. Gleichzeitig soll das Projekt an die bestehende Bebauung des historischen Quartiers anknüpfen.

Vorteile für Bürger und Verwaltung Das neue Rathaus ist darauf ausgelegt, modernste Bedingungen zu bieten, mit kurzen Wegen, digitaler Infrastruktur und barrierefreiem Zugang. Ein Rostocker, der als Sprecher auftrat, zeigte sich erfreut darüber, dass am Neuen Markt ein moderner Komplex entsteht, wo die Bürgerinnen und Bürger schnell und gut ihren Service erhalten werden.

Die Bauarbeiten laufen unter der Regie des städtischen Eigenbetriebs KOE. Die Fertigstellung des neuen Rostocker Rathauses ist für das Jahr 2028 geplant. Ab dann sollen nicht nur die Mitarbeitenden der Verwaltung, sondern vor allem auch die Bürgerinnen und Bürger Rostocks von diesem zukunftsweisenden Projekt profitieren.

Berlin wächst in die Höhe: Der Estrel Tower als neues Wahrzeichen und Vorreiter

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Berlin, eine Metropole, die sich im internationalen Vergleich bisher eher durch eine geringe Anzahl an Wolkenkratzern auszeichnete, steht vor einem Wandel. Während Städte wie Dubai mit dem unglaublichen 828 Meter hohen Burj Khalifa oder New York mit dem 542 Meter hohen One World Trade Center für ihre beeindruckenden Skylines bekannt sind, hinkt die deutsche Hauptstadt in dieser Hinsicht hinterher. Doch mit dem Bau des Estrel Towers könnte sich dies ändern.

Warum Berlin bisher ein „Hochhausproblem“ hatte
Wer sich mit Städteplanung in Deutschland beschäftigt, stellt fest, dass Gebäude in Ballungszentren wie München oder Berlin vergleichsweise niedrig sind. Dies liegt an mehreren Faktoren:

• Morastiger Boden: Berlin ist von viel Wasser geprägt, was den Boden morastig macht. Dies stellt eine große Herausforderung für hohe Bauwerke dar, wie sich jüngst an Rissen in U-Bahnhöfen am Alexanderplatz zeigte.

• Historische Vorliebe für niedrige Bebauung: Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg galt eine niedrige Bebauung als Ausdruck von Offenheit und Freiheit.

• Ästhetische Bedenken: Die Angst vor der Beeinträchtigung historischer Gebäude, Bedenken hinsichtlich des Stadtbildes und der Schattenwirkung haben dazu geführt, dass Berliner Bauprojekte bisher nicht die Höhen anderer internationaler Städte erreichten.

Einzig Frankfurt sticht als deutsche Ausnahme hervor, wo Wolkenkratzer die Skyline dominieren. Dennoch wurden auch in Berlin bereits in den 60er Jahren höhere Gebäude wie der 120 Meter hohe Steglitzer Kreisel oder das 125 Meter hohe Park Inn am Alexanderplatz gebaut, gefolgt von den Triptower Twin Towers und dem Atrium Tower in den 90ern. Mit dem Fernsehturm besitzt Berlin zudem das höchste Gebäude, auch wenn es kein Wolkenkratzer ist, mit rund 368 Metern.

Der Estrel Tower: Ein gigantisches Projekt auf morastigem Grund
Trotz dieser Herausforderungen hat Berlin begonnen, Gebäude größerer Dimensionen zu akzeptieren und zu integrieren. Der Estrel Tower, der 176 Meter hoch werden und 45 Stockwerke umfassen soll, ist das erste „wirkliche“ Hochhaus Berlins und wird voraussichtlich für die kommenden Jahre das höchste Gebäude der Stadt sein. Ein Gebäude gilt übrigens erst ab einer Höhe von 100 Metern als Wolkenkratzer.

Das Projekt wird von Eckart Streletzki, einem ehemaligen Bauingenieur und Firmeninhaber, vorangetrieben, dem auch das bestehende Estrel Hotel gehört – Europas größtes Hotel mit 2000 Zimmern. Streletzki hegte den Wunsch, nicht nur das größte Hotel, sondern auch das höchste Gebäude Berlins zu errichten.

Vielseitige Nutzung und innovative Lösungen:
Der Estrel Tower bietet eine Mischung aus Nutzungen, die weit über ein reines Hotel hinausgehen:

• Hotel und Wohnen: Eine Erweiterung des Estrel Hotels mit 552 Zimmern und Suiten sowie 90 Service Apartments, die durch einen Tunnel mit dem bestehenden Hotel verbunden sind.

• Arbeiten und Events: 9000 Quadratmeter Bürofläche für Coworking Spaces und Offices sowie 3000 Quadratmeter Veranstaltungsfläche in den obersten drei Etagen.

• Öffentliche Bereiche: Eine öffentlich zugängliche Skybar und Dachterrasse, die einen der besten Blicke über Berlin bieten sollen. Im Erdgeschoss ist ein begrüntes Atrium mit einem Startup-Inkubator, einer Kunstgalerie, einem Café und einer Bäckerei geplant.

• Fitness und Wellness: Eine ganze Etage ist einem Fitness- und Wellnessbereich gewidmet.

Der Entwurf für den Tower stammt vom deutsch-amerikanischen Architekturbüro Barkow Leibinger und wurde ganze zehn Jahre lang geplant. Eine der größten Herausforderungen war der unberechenbare Berliner Boden. Hier kam eine innovative kombinierte Pfahl-Plattengründung zum Einsatz: Über 50 Betonpfähle mit 1,8 Metern Durchmesser wurden 20 Meter tief in den Boden getrieben, darauf wurde eine 3,6 Meter dicke Betonplatte gegossen. Für diese massive Gründung wurden 800 LKW-Ladungen Beton verbaut, und fast alle Betonlieferanten Berlins waren beteiligt. Eine eigene Betonmischanlage auf dem Gelände sicherte den Regelbetrieb.

Nachhaltigkeit und Stadtentwicklung im Fokus
Das über 260 Millionen Euro teure Projekt (Grundstück nicht inbegriffen) ist nicht nur gigantisch, sondern auch auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Da sich auf dem Grundstück früher ein Parkplatz befand, wird durch den Bau des Towers und eines neuen Parks am Ufer des Neuköllner Schifffahrtskanals mehr Fläche entsiegelt, was die Versickerung von Wasser verbessert.

Weitere Nachhaltigkeitsaspekte sind:

• Ein „Farm-to-Table“-Restaurant in den oberen Etagen, das regionale Lebensmittel von einem extra dafür gekauften Bauernhof in Brandenburg bezieht.

• Ein CO2-sparendes Energiekonzept unter Einsatz von Wasserstoff als Energiespeicher, entwickelt in einem Forschungsprojekt mit der RWTH Aachen.

• Eine Photovoltaikanlage zur teilweisen Energieversorgung.

• Begrünte Dächer und Wildblumenwiesen auf dem Parkgelände zur Förderung der Biodiversität.

• Verwendung von regionalen Hölzern und recycelten Materialien im Innenausbau.

Der Estrel Tower entsteht an einem zentralen Verkehrsknotenpunkt mit guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, den neuen Berliner Flughafen und die Autobahn. Zukünftig soll hier außerdem eine Radschnellverbindung gebaut werden.

Die Eröffnung des Estrel Towers ist für 2025 geplant, und der Rohbau ist bereits zu fast 50 Prozent fertig. Bemerkenswert ist, dass das Projekt aktuell sogar vor dem Zeitplan liegt. Der Estrel Tower wird zweifellos ein neues Symbol der Berliner Skyline sein und die Akzeptanz von Hochhäusern in der Hauptstadt vorantreiben.

Trotz des Estrel Towers sind andere geplante Hochhausprojekte in Berlin, wie der Kaufhof-Turm der Signa-Gruppe, das Hochhausprojekt der Heinz-Gruppe und der Bau des Alexander Towers, aufgrund geopolitischer und wirtschaftlicher Entwicklungen ins Stocken geraten. Dennoch entstehen auch in anderen deutschen Städten wie Hamburg (Elbtower) oder Frankfurt (Millennium Tower) weitere beeindruckende Hochhäuser, was den allgemeinen Trend zum Bau in die Höhe unterstreicht.