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Skandal oder Fortschritt? Der Amazon Tower spaltet Berlin!

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Ein fast 150 Meter hohes Hochhaus ragt seit Kurzem in den Berliner Himmel und verändert die Skyline der Hauptstadt nachhaltig. Der Edge Eastside Tower ist nicht nur das höchste Gebäude im Osten Berlins, sondern auch das höchste Bürohaus der Stadt, direkt am Ostbahnhof gelegen. Dieses architektonische Wahrzeichen setzt neue Maßstäbe: klimaneutral, digital vernetzt und effizienter als jeder herkömmliche Büroturm. Doch seine Ankunft wird nicht von allen Seiten bejubelt, insbesondere wegen seines prominentesten Mieters: Amazon.

Ein Hochhaus der Zukunft: Nachhaltigkeit trifft Technologie
Der Edge Eastside Tower wurde als Symbol für die Zukunft des Bauens konzipiert und vom niederländischen Unternehmen Edge entwickelt, das für seine nachhaltigen Hochhäuser bekannt ist. Sein klares Ziel: maximale Effizienz bei minimalem Energieverbrauch. Das Gebäude verbraucht bis zu 60% weniger Energie als vergleichbare Gebäude.

Dies wird durch eine Reihe innovativer Merkmale erreicht:

• Intelligente Fassade: Die Glasfront besteht aus hochisolierenden, intelligenten Glaspaneelen, die den Wärmeverlust minimieren und gleichzeitig das Tageslicht optimal nutzen. Dadurch wird der Bedarf an künstlichem Licht und somit der Stromverbrauch drastisch gesenkt.

• Vernetzte Infrastruktur: Im Inneren erfassen Sensoren Temperatur, Luftqualität und Lichtverhältnisse in Echtzeit und passen die Gebäudetechnik automatisch an. Das bedeutet weniger Energieverbrauch und mehr Komfort für die Nutzer.

• Automatisierte Steuerung: Bei Nichtnutzung eines Raumes werden Lichter und Heizung heruntergefahren, um Energie zu sparen. Ein intelligentes Belüftungssystem sorgt zudem immer für frische, saubere Luft.

• Tageslichtgesteuerte Beleuchtung: Das System passt sich dem natürlichen Sonnenverlauf an, was nicht nur den Stromverbrauch reduziert, sondern auch das Wohlbefinden, die Produktivität und Konzentration der Menschen fördert.

• Autonomes Notfallsystem: Selbst bei Stromausfällen oder technischen Problemen ist die Sicherheit gewährleistet.

Auch die Bauweise ist revolutionär: Der Tower wurde so konstruiert, dass er seinen CO2-Fußabdruck minimiert und sich nahezu selbst mit Energie versorgt. Dies ist einer Hybridbauweise zu verdanken, bei der neben Stahlbeton auch nachhaltiges Holz und wiederverwendbare Materialien verwendet wurden, um den Materialverbrauch drastisch zu senken. Besonders innovativ ist, dass selbst die Innenwände so konzipiert sind, dass sie bei Bedarf leicht ausgetauscht oder recycelt werden können, anstatt aufwendig abgerissen zu werden. Für die Planung wurde ein digitales Zwillingsystem genutzt, bei dem das Gebäude vor der Fertigung virtuell in 3D erschaffen wurde, um Probleme frühzeitig zu erkennen und die Bauzeit zu verkürzen.

Amazon als Hauptmieter: Ein Signal für Berlin als Tech-Metropole
Der größte Mieter im Edge Eastside Tower ist niemand Geringeres als das US-amerikanische Tech-Unternehmen Amazon, das das Hochhaus als neuen deutschen Hauptsitz nutzt und hier Tausende Arbeitsplätze schafft. Diese Entscheidung ist mehr als nur ein wirtschaftlicher Schritt; sie ist ein starkes Signal für den Technologiestandort Berlin. Mit diesem höchsten Bürohaus der Stadt setzt Amazon ein klares Zeichen: Berlin gehört zu den wichtigsten Tech-Metropolen Europas.

Die Lage direkt am Ostbahnhof, einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte, ist ideal für Amazon, das Innovation, schnelle Erreichbarkeit und eine hochmoderne Arbeitsumgebung verbinden will. Das Konzept des Smart Buildings passt zudem ideal zur Firmenphilosophie von Amazon, das zunehmend auf nachhaltige Technologien setzt. Von hier aus will der Konzern seine Deutschlandstrategie steuern und neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Kontroverse und Kritik: Schattenseiten des Fortschritts
Doch nicht jeder ist begeistert über den neuen prominenten Mieter und das futuristische Gebäude. Kritiker befürchten, dass Amazon die Mieten in der Umgebung weiter in die Höhe treiben und die Gentrifizierung im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg beschleunigen könnte. Schon jetzt ist das Viertel eines der begehrtesten in Berlin, und die Ansiedlung eines globalen Tech-Konzerns könnte den Druck auf den Wohnungsmarkt weiter erhöhen.

Zudem sehen einige in der wachsenden Präsenz von Tech-Giganten eine Gefahr für lokale Unternehmen, die sich gegen solche Riesen kaum behaupten können.

Ein Leuchtturmprojekt mit prägender Wirkung
Trotz dieser Kritik sehen viele Experten die Entscheidung Amazons als einen wichtigen Schritt für Berlins Wirtschaft. Die Stadt entwickelt sich zunehmend zu einem europäischen Zentrum für Technologie und Innovation, und die Präsenz eines Unternehmens dieser Größenordnung erhöht die Chancen auf weitere Investitionen in der Region.

Der Edge Eastside Tower ist mehr als nur ein weiteres Hochhaus; er ist ein Symbol für moderne Nachhaltigkeit und technologische Innovation. Mit seiner hochentwickelten Smart-Building-Technologie, der umweltfreundlichen Bauweise und seiner zentralen Lage markiert er einen Wendepunkt in der Berliner Architektur. Er könnte ein Vorbild für kommende Hochhausprojekte werden und beweisen, dass nachhaltiges und intelligentes Bauen in einer Metropole wie Berlin funktioniert. Andererseits könnte der Einfluss großer Tech-Konzerne wie Amazon das Stadtbild und die soziale Struktur Berlins nachhaltig verändern.

Fest steht: Der Edge Eastside Tower wird das Stadtbild der Hauptstadt für Jahrzehnte prägen. Er ist nicht nur eine neue Arbeitsstätte für Tausende von Menschen, sondern auch ein Leuchtturmprojekt für die Zukunft des Bauens – ein Gebäude, das sich selbst reguliert, Energie spart und den Komfort seiner Nutzer in den Mittelpunkt stellt. Berlin hat ein neues Wahrzeichen bekommen, und es weist den Weg in die Zukunft.

IC Falkenberg: Vom Popstar der DDR zum unabhängigen Liedermacher

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Er war wie kein anderer männlicher Popstar in der DDR und schaffte es, die jungen Menschen vergessen zu lassen, wo sie waren. Mit seinem schrillen Aussehen und seinen unverschämt großen Gesten war er ein Exot, ein bunter Vogel, der die sozialistische Musiklandschaft ordentlich aufmischte. Heute, mit 60 Jahren, ist Ralf Schmidt, besser bekannt als IC Falkenberg, zwar vielleicht kein Popstar mehr, aber dafür ein unabhängiger und erfolgreicher Liedermacher.

Die frühen Jahre in Halle und erste musikalische Schritte Geboren im Herbst 1960 als Ralf Schmidt in Halle an der Saale, wuchs er in einer Stadt auf, die abseits des Marktes fast noch mittelalterlich wirkte, eingezwängt zwischen Verfall und dem Rauch der Chemieindustrie. Schon als Kind war er lebhaft, und seine Lehrer wurden nicht müde, dies zu betonen. Mit nur acht Jahren spielte er zum ersten Mal Orgel in einer Kirche. Seine musikalische Karriere begann, als eine Zeitungsannonce des Stadtsingechors zu Halle seine Aufmerksamkeit weckte. Obwohl seiner Familie das Geld für neue schwarze Anzüge fehlte, bestand er die Aufnahmeprüfung und wurde Teil des Chores und der zugehörigen Schule auf dem Gelände der Franckeschen Stiftungen. Hier probte er drei Jahre lang fast täglich unter einem „straffen Regime“. Er trat als Solist auf und sogar als Kinderdarsteller am Theater Halle. In der Schule hingegen gab es Probleme; er geriet regelmäßig mit Lehrern aneinander und wurde schließlich von der Schule verwiesen, weil er als zu „aufmüpfig“ galt und sich gegen „alte Nazi-Überbleibsel“ in der Lehrerschaft zur Wehr setzte. Schon damals wollte er sich von denen unterscheiden, die „ihr Leben schon längst gelebt hatten und einfach komplett in Lethargie verschwunden sind“. Er war kein aktiver Oppositioneller, doch sein Auftreten, das er selbst als „Rüstung“ beschrieb, konnte bei anderen „Aggressionen auslösen“, gab ihm aber auch Kraft.

Der Aufstieg mit Stern Meißen und die Geburt des IC Sein ursprünglicher Plan, Liedermacher zu werden, scheiterte zunächst, da seine Texte über das Leben in der DDR nicht dem sozialistischen Leitbild entsprachen. Doch 1983 bot ihm ausgerechnet eine erfolgreiche Band der älteren Generation, Stern Meißen, eine große Chance. Die Band wollte sich musikalisch verjüngen und suchte nach einem neuen Sound, der dem Zeitgeist der Neuen Deutschen Welle entsprach. Als Ralf Schmidt mit Springerstiefeln und bunten Haaren auf die Bühne trat, wussten die Leute nicht, was auf sie zukam. Die anfängliche Reaktion war katastrophal: Er wurde ausgebuht und sogar mit Würstchen beworfen, und auch die Bandkollegen empfanden es als „extrem peinlich“. Doch der Zeitgeist war auf seiner Seite. Er bewies sein Gespür für die richtigen Melodien zur richtigen Zeit, und seine Texte trafen ins Herz einer jungen Generation. Er brachte junge Menschen „für einen Moment lang an einen anderen Ort“.

Anfang der 80er-Jahre verabschiedete sich der Musiker aus der ostdeutschen Provinz und zog nach Berlin (Ost), wo er sich der Freiheit am nächsten fühlte. Dort gab es einen regen Austausch mit West-Berlinern, und man bekam Platten aus dem Westen. Berlin fühlte sich für ihn wie die „große weite Welt“ an. Mit Stern Meißen kletterte er die Hitparaden hinauf und wurde zum Publikumsliebling, insbesondere bei den weiblichen Fans. Er verzauberte die Leute wie in einer Manege und war mit keinem anderen Kollegen vergleichbar. Seine Eigenkompositionen für Stern Meißen waren „was ganz eigenes“.

Mitte der 80er-Jahre, noch während seiner Zeit bei Stern Meißen, entschloss er sich, unter dem Namen IC (Abkürzung für „integrierter Schaltkreis“, ein Name, der damals nach Zukunft klang) erste elektronische, ultramoderne Songs aufzunehmen. Das Ergebnis beeindruckte sogar Musikkritiker, die sagten, „so was gibt’s ja noch nicht mal im Westen“. Sein „geiler“ und „anderer“ Klang resultierte auch daraus, dass er sich über die in der DDR existierende „0 dB Regel“ hinwegsetzte, die eine Kontrolle der Pegelstände durch die Deutsche Post vorsah und dafür sorgte, dass Schlagzeuge in DDR-Produktionen „komisch“ klangen. 1987 wurde sein Song „Mann im Mond“, ursprünglich als Kinderlied geschrieben, zum Superhit im DDR-Fernsehen und machte ihn zum Popstar der DDR. Er verkaufte Hunderttausende von Alben und war Gast in jeder Jugendsendung.

Der Preis des Erfolgs und die Wende Trotz des immensen Erfolgs war er nicht wirklich glücklich. Es schien, als schlugen „zwei Herzen in seiner Brust“, und er selbst war ambivalent. Er brauchte Anerkennung und hatte einen Motor, der sich davon nährte, aber er empfand auch, dass er „enttäuschte“. Die Zeit für seine Familie war knapp; er war nicht dabei, als seine beiden Söhne geboren wurden und als sein Vater starb, was er bis heute bedauert. Die Beschränkung, als Musiker „zwischen Suhl und Rostock“ agieren zu müssen, war frustrierend. Trotz Einladungen von westlichen Labels wie Warner oder Sony konnte er nicht reisen, was internationale Tourneen und Promotion unmöglich machte.

Es war, als würde man „immer gegen so eine Wand rennen, so eine Glaswand“, man sah, was möglich wäre, konnte es aber nicht erreichen.
Im November 1989 fiel die Mauer. IC Falkenberg war einer der ersten Kollegen, die einen Deal im Westen unterschreiben konnten. Doch schnell stellte sich heraus, dass seine Art, Musik zu machen und Songs zu schreiben, nicht in die westlichen Fernseh- und Radioformate passte. Man versuchte, ihn „auf Linie zu bringen“, und er fand sich zuweilen in Schlagersendungen wieder. Der Übergang war schwer, da die ostdeutschen Künstler über Nacht an Relevanz verloren, als die „Musiklandschaft sich so verändert hat und man auf einmal quasi legal alles aus dem Westen konsumieren konnte“.

Der Liedermacher heute: Unabhängig und erfüllt Heute hat IC Falkenberg sein eigenes Label, produziert und vertreibt seine Musik selbst und bucht seine eigenen Touren. Er ist vielleicht kein Popstar mehr, aber dafür unabhängig und nach wie vor erfolgreich. Obwohl Corona seine Tourpläne durchkreuzte, macht er sich nicht nur Sorgen um die Spielstätten, sondern auch um junge Musiker am Beginn ihrer Karriere.
Mit 60 Jahren sind seine Bühnen kleiner als vor 35 Jahren. Doch er tut das, was er eigentlich immer tun wollte: Er ist ein Liedermacher.

Seine Musik ist oft politisch, kämpferisch und doch immer noch mit großem Pop-Appeal versehen. Er ist stolz darauf, mit 60 noch auf der Bühne zu stehen und „sein eigenes Ding durchzuziehen“. Er hat seine Mitte gefunden und es ist ihm „scheiß egal, was andere von ihm halten“. Wenn er die Zeit zurückdrehen könnte, würde er seinem 14-jährigen Ich raten: „Du willst Liedermacher sein, also sei es dann“. Das, was er heute tut, hat für ihn eine „heilende“ Wirkung, weil er damit Menschen erreicht und seine Arbeit eine Bedeutung hat. Er empfindet sein Leben heute als „schönes Leben“.

Berlins bekanntestes unbekanntes Gebäude birgt faszinierende Geheimnisse

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Tagtäglich passieren Tausende Berlinerinnen und Berliner das Alte Stadthaus im Herzen der Stadt, oft ohne zu ahnen, welche Geschichte sich hinter seinen monumentalen Mauern verbirgt. Dieses prächtige Gebäude vis-à-vis dem Roten Rathaus und dem Berliner Fernsehturm, einst ein Tempel der kommunalen Selbstverwaltung, ist heute der Sitz des Landesdenkmalamtes und birgt vier zentrale Geheimnisse aus der Geschichte Berlins. Christoph Rauhut, der Direktor des Landesdenkmalamtes, der das Gebäude seit Herbst 2018 täglich betritt und verlässt, nimmt uns mit auf eine Reise durch diese verborgenen Schichten.

Ein zweites Rathaus für eine wachsende Metropole
Das Alte Stadthaus, das man normalerweise nicht besichtigen kann, wurde notwendig, weil das Rote Rathaus nach seiner neunjährigen Bauzeit und der ersten Stadtverordnetenversammlung im Jahr 1870 bereits zu klein war. Berlin war damals eine enorm wachsende, moderne Millionenstadt und die Verwaltung benötigte dringend mehr Platz. Der Stadtbaurat Ludwig Hoffmann wurde beauftragt, einen repräsentativen Verwaltungssitz zu errichten, der mit knapp 13.000 Quadratmetern und Platz für rund 1000 städtische Beamte das Rote Rathaus (9000 Quadratmeter, 317 Arbeitsplätze) bei Weitem übertraf.

Hoffmanns Ziel war eine nach außen hin ruhige und kräftige Wirkung, inspiriert von italienischen Renaissancepalästen, die er auf Reisen in Florenz, Rom und Neapel studierte. Das Innere sollte bürgerlich-schlicht und dennoch großzügig sein, um Berlins Selbstverständnis als moderne Metropole auszudrücken. Dazu gehörte auch der 80 Meter hohe Turm, der rein zu Repräsentationszwecken diente und dessen Bau selbst der Stadtkämmerer angesichts der guten Finanzlage nicht beanstandete. Die Atmosphäre im Inneren wurde bewusst so gestaltet, dass sie einfach, schlicht und feierlich wirkte, wobei Hoffmann sogar auf zu viel Tageslicht verzichtete, um die Ausstattungselemente besser zur Geltung zu bringen.

Symbole der Stadt und Spuren der Geschichte
Ein prägendes Element der Innenausstattung sind die vier Bärensäulen, originale Ausstattungsgegenstände, die heute besonders wertvoll sind. Sie zeigen den Berliner Bär und die Berolina, die männlichen und weiblichen Symbole der Stadt, und verweisen im Kern auf die Säulen des Tempels von Jerusalem, indem sie jüdische, christliche und römische Symbole zitieren. Interessanterweise ließ die DDR-Regierung die Säulen nach dem Krieg entfernen, die Bären wurden ins Museum gebracht. Nach der Wiedervereinigung forschte das Denkmalamt intensiv und konnte wichtige Teile der Säulen in einem Privatgarten in Potsdam finden, sodass sie wieder aufgestellt werden konnten.

Der sogenannte Festsaal, heute Bärensaal genannt, liegt im Inneren des Baus und war als „Stadthalle für ernste Feiern“ konzipiert. Er sollte dem Inneren des Gebäudes architektonischen Halt geben und war pompöser als vom Magistrat verlangt. Im Gegensatz zum Roten Rathaus hatte das Alte Stadthaus eine solche Halle. Der namensgebende Bär des Saales stammt von Georg Wrba, einem bedeutenden Künstler des frühen 20. Jahrhunderts, der ihn bewusst auf einen hohen Sockel stellte, um eine angemessene Würde durch Distanz zu schaffen.

Das Stadthaus wurde im Zweiten Weltkrieg durch Luftbomben schwer beschädigt, die Mansardendächer brannten ab. Doch das Dach über der Festhalle und der Turm hielten stand, und auch der Bär überlebte. Nach dem Krieg wurde das Gebäude zum Sitz des Ministerrates der DDR. In dieser Zeit fanden umfangreiche Umbauarbeiten statt, da die ostberliner Politiker und Architekten eine Abneigung gegen alles „Wilhelminische“ hatten. Das pompöse Design des Stadthauses wich einem sozialistischen Regierungssitz. Die alte Festhalle wurde zu einem „modernen Konferenzsaal“ umgebaut, mit einer Zwischendecke und holzvertäfelten Wänden, nur noch für Betriebsversammlungen und Auszeichnungszeremonien genutzt. Doch ausgerechnet hier fanden bis 1990 die entscheidenden Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR zur Wiedervereinigung statt. Nach der Wiedervereinigung wurde die Festhalle behutsam restauriert, wobei man sich entschied, nicht nur die ursprüngliche Pracht wiederherzustellen, sondern auch die Spuren der wechselhaften Geschichte wie abgehauene Steine und Schlitze in den Wänden zu erhalten. Im Jahr 2001 kehrte der Bär an seinen angestammten Platz zurück.

Dunkle Kapitel und archäologische Schätze
Das Stadthaus war auch während des Dritten Reiches Verwaltungssitz. Es gibt noch „dunkle Flecken“ in der Geschichte des Gebäudes, die weiterer Untersuchung bedürfen. Eine besonders bewegende Zeitzeugengeschichte stammt von Waltraud Mehling, die in den 1930er Jahren als Kind mit ihren Eltern, einem Elektro- und Schlossermeister des Hauses, in einer Dienstwohnung des Stadthauses lebte. Sie berichtete, wie ihre Eltern im Keller mehrere jüdische Mitbürger versteckten und sie als kleines Mädchen ihnen versteckt in einem Puppenkörbchen Essen brachte. Als der Hausmeister die Gestapo auf die Familie aufmerksam machte, mussten die versteckten Personen in einen Tiefkeller des Stadthauses verlegt werden. Glücklicherweise ging alles gut aus.

Im ehemaligen Heizkeller des Gebäudes befindet sich heute das Archiv des Landesdenkmalamtes und das archäologische Eingangsmagazin, geleitet von Restauratorin Mercedes Gransow. Hier kommen alle archäologischen Funde an, die in Berlin geborgen werden, von der Ur- und Frühgeschichte bis zur Moderne. Zu den modernsten Funden zählen Kontexte aus dem Zweiten Weltkrieg und sogar Mauerfunde. Zu den außergewöhnlichsten Funden gehören ein Telefon aus einem Bombenkrater, eine mittelalterliche Katze, deren Pfoten nach ihrem Tod abgetrennt und deren Fell über den Kopf gezogen wurde, was auf eine besondere Behandlung hindeutet, und sogar ein „Berliner Krokodil“ vom Armenfriedhof in der Pufendorfstraße. Isotopenanalysen bestätigten, dass es in Berlin geboren und aufgewachsen war. Diese Funde erzählen viel über die Alltagsgeschichte Berlins, von den Zwangsarbeiterlagern bis zur Entwicklung der Stadt am Molkenmarkt.

Vom Ministerpräsidentenbüro zur Senatsverwaltung
Von ganz unten geht es in den Sicherheitsbereich des Alten Stadthauses, wo früher das Büro des DDR-Ministerpräsidenten und sein engster Führungszirkel saßen. Hier wirkten Jahrzehnte lang Willi Stoph, Hans Modrow und zuletzt Lothar de Maizière. Lothar de Maizière beschrieb den Raum als typische DDR-Dienststelle mit großformatigen Tapeten, Sicherheitstelefonen und Stahlschränken. Heute ist dieser Bereich der Sitz des Berliner Innensenators Andreas Geisel, der auch andere Behörden wie die Innenverwaltung (Polizei, Feuerwehr), Sportverwaltung, IKT (Digitalisierung der Verwaltung) und den Verfassungsschutz beherbergt. Der Bärensaal wird weiterhin regelmäßig für große Veranstaltungen, Konferenzen und Empfänge genutzt. Senator Geisel selbst hat eine Kindheitserinnerung an den Bären, auf dem er als Kind im Tierpark Berlin herumkletterte.

Vom Turm des Stadthauses aus, dessen Spitze noch nicht einmal der regeltreue Innensenator erklommen hat, bietet sich ein beeindruckender Blick über die Stadt. Direkt vor dem Gebäude liegt der historische Molkenmarkt, einst ein wichtiges Handelszentrum. Der Bau des Stadthauses und des Roten Rathauses waren massive Eingriffe in die mittelalterliche Stadtstruktur, für die ganze Häuserblöcke abgerissen wurden, was vom Turm aus beim Blick auf das Nikolaiviertel besonders deutlich wird.

Das Alte Stadthaus ist somit weit mehr als nur ein Verwaltungsgebäude – es ist ein lebendiges Denkmal, das die wechselvolle Geschichte Berlins in seinen Mauern festhält und immer wieder neue, faszinierende Geheimnisse preisgibt.

Alt-Oberbürgermeister Reiner Eichhorn zu 35 Jahre Deutsche Einheit

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Zwickau. Reiner Eichhorn, der ehemalige Oberbürgermeister von Zwickau, blickt auf ein bewegtes Leben zurück und engagiert sich aktiv dafür, dass die Erinnerung an die Deutsche Einheit und die damit verbundenen Umwälzungen nicht in Vergessenheit gerät. Anlässlich des 35. Jahrestages der Deutschen Einheit in diesem Jahr ist es ihm ein Herzensanliegen, besonders die junge Generation für diese prägende Phase der deutschen Geschichte zu sensibilisieren.

Zwickaus erster frei gewählter Oberbürgermeister
Reiner Eichhorn war der erste frei gewählte Oberbürgermeister von Zwickau im Jahr 1990. Er und sein Team traten ihr Amt bereits im Juni 1990 an und waren damit die ersten, die nach den Wahlen auf der Basis von Wahlen in Verantwortung gerufen wurden, noch vor dem offiziellen Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober. Angesichts der vielen schwierigen Entscheidungen, die anstanden, gelang es ihm, eine große Koalition aus FDP, CDU und SPD zu bilden, um schnell Mehrheiten zu erzielen.

Ein besonderes persönliches Erlebnis war für Eichhorn die Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 3. Oktober 1990 in Berlin. Er war nach eigenen Angaben der einzige ostdeutsche Bürgermeister, der vom damaligen Bundespräsidenten, Bundeskanzler Helmut Kohl und dem Ministerpräsidenten der DDR, Lothar de Maizière, eingeladen wurde, dabei zu sein. Ein Foto, das ihn auf den Stufen des Deutschen Reichstags hinter Helmut Kohl zeigt, konnte er erst Jahre später durch Zufall im Internet finden, nachdem er lange erfolglos in Sammlungen der Bundesrepublik danach gesucht hatte.

Die Erinnerung bewahren: Junge Menschen erreichen
Reiner Eichhorn hat sich zur Aufgabe gemacht, dass die Ereignisse vor 35 Jahren nicht in Vergessenheit geraten. Er stellt fest, dass die Gefahr besteht, dass nach 35 Jahren die Verbindung zu den damaligen Ereignissen schwindet. Aus diesem Grund hat er sich bewusst entschieden, in diesem Jahr Zwickauer Gymnasien – das Larawiegy Gymnasium, das Kette Kolbits Gymnasium und das Peter Breuer Gymnasium – zu besuchen, um jungen Menschen zu erzählen, wie der Übergang von der DDR zur Bundesrepublik verlief und wie Zwickau in dieser Zeit umgestaltet wurde.

Er berichtet, dass die Schüler trotz einer gewissen Vorinformation aus dem Geschichtsunterricht oft nur wenig Detailwissen aus den Elternhäusern mitbrachten. Die Reaktionen der jungen Menschen waren jedoch durchweg positiv: Sie zeigten großes Interesse und stellten konkrete Fragen zu den Problemen der damaligen Zeit und den Entscheidungen, die getroffen werden mussten. Dies zeigte Eichhorn, dass sich die jungen Menschen sehr wohl für ihre Stadt interessieren.

Künftige Veranstaltungen und die Bedeutung der Erinnerungskultur
Das Engagement von Reiner Eichhorn geht weiter. Gemeinsam mit dem Verein aktiv ab 50 und der Seniorenvertretung der Stadt Zwickau wird am 24. September um 15 Uhr in der Kopernikusstraße eine Veranstaltung zum Thema „35 Jahre Deutsche Einheit“ stattfinden. Als Redner sind die Stadträtin Ute Brückner und Reiner Eichhorn selbst geplant, moderiert wird die Veranstaltung von der ehemaligen Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß. Interessierte werden gebeten, sich bei der Seniorenvertretung oder dem Verein aktiv ab 50 anzumelden.

Zudem wird am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, zusammen mit dem Bündnis für Demokratie und Toleranz eine kleine Erinnerungsveranstaltung am Einheitsdenkmal stattfinden, um diesen wichtigen Tag nicht unbeachtet vorüberziehen zu lassen. Eichhorn betont die Wichtigkeit einer Erinnerungskultur, insbesondere im Hinblick auf 80 Jahre Frieden in Deutschland und die 35 Jahre des gemeinsamen Aufbaus eines neuen Deutschlands mit den alten Bundesländern. Er unterstreicht dies mit dem Verweis auf jüngste Erfahrungen bei Gedenkstätten für Opfer des Zweiten Weltkriegs, jüdische Opfer und aktuelle Kriegsopfer, wo die Erkenntnis „dass es Opfer gibt und dass man die nicht vergessen darf“, für ihn eine zentrale Motivation ist.

Das Wismut-Erbe: Eine Bundesaufgabe
Ein weiteres wichtiges Kapitel, das untrennbar mit der Nachwendezeit verbunden ist, ist das Erbe des Uranbergbaus der Wismut. Schon wenige Tage nach Amtsantritt erhielt Eichhorn im Juni 1990 Besuch vom damaligen Bundesumweltminister Töpfer aus Bonn, der sich über den Umgang mit dem Wismut-Erbe informierte. Töpfer sicherte zu, dass dieses gewaltige Erbe, das kein Bundesland oder gar eine Kommune stemmen könnte, von der Bundesrepublik übernommen würde. Diese Zusage wurde im Einigungsvertrag festgeschrieben, und die Sanierungen in Sachsen und Thüringen sind heute weitestgehend abgeschlossen. Eichhorn freut sich, dass dieses Thema auch in der aktuellen Wismut-Kunstausstellung als Zwickauer Beitrag zur Kulturhauptstadt Europas aufgegriffen wird, um zu zeigen, was die Bundesrepublik hier geleistet hat.

Reiner Eichhorn ist auch im Rentenalter weiterhin agil und appelliert an andere Zwickauer, sich ebenfalls aktiv einzubringen, um die vielen Aufgaben zu lösen, die noch vor uns liegen.

Hans Modrow – Der bescheidene Staatsmann, der die DDR zusammenhielt

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Im Jahr 2023 wirkten die Worte des Philosophen Hegel, dass Völker nichts aus der Geschichte lernen, beängstigend aktuell, auch für den letzten Ministerratsvorsitzenden der DDR, Hans Modrow. Die Erinnerung an brennende Häuser und verzweifelt fliehende Menschen prägte Modrow tief, die „Narben sind geblieben“, wie es heißt. Doch Modrow selbst bleibt in Erinnerung als eine maßgebende Figur auf der politischen Bühne der DDR, die in einer Zeit des Umbruchs entscheidend dazu beitrug, dass kein Chaos ausbrach.

Hans Modrow, der Sohn eines Schuhmachers aus einem pommerschen Dorf, hat nie vergessen, woher er kam. Seine Bodenständigkeit und Bescheidenheit waren bemerkenswert. So lebte er in Dresden in einer Mietwohnung und beteiligte sich dort, wie zu DDR-Zeiten üblich, am gemeinschaftlichen Kehren des Treppenhauses. Diese Haltung spiegelte sich auch in seinem Auftreten wider: Während ein Politbüromitglied sich hupend im Volvo durch eine Menschenmenge zu einer Kundgebung bahnte, kam Hans Modrow im Citroën, verließ das Fahrzeug und bahnte sich zu Fuß seinen Weg durch die Menge, wobei er sich Zeit nahm, mit den jungen Leuten zu sprechen, die ihn erkannten und ansprachen. Seine Gelassenheit im Angesicht der Ungeduld des wartenden Politbüromitglieds, weil sich die Eröffnung der Kundgebung verzögerte, war bemerkenswert und gefiel.

Als im November 1989 die Volkskammer ihn zum neuen Regierungschef der DDR wählte, übernahm er eine immense Verantwortung. Seine größte Leistung war es, in einer Zeit des radikalen Wandels das Land vor dem Kollaps zu bewahren. Unter seiner Führung brach weder die Justiz noch die Polizei noch die Versorgung zusammen. Dies hat er als Ministerpräsident geregelt. Noch 20 Jahre später dankten ihm Menschen für die von ihm gemachten Gesetze, die es ihnen ermöglichten, ihr kleines Häuschen am Rande von Berlin zu behalten – die sogenannten „Modrow-Gesetze“.

Die Erinnerung an Hans Modrow bleibt die an einen „wunderbaren Menschen“, der sich selbst nie wichtiger oder größer machte, als er war. Er war neugierig auf die Welt und besaß ein hohes Maß an Verständnis für Menschen, die anders dachten als er. Seine Konsequenz und Ausdauer im Verfolgen politischer Ziele sowie seine Treue zu sich selbst prägten seine Persönlichkeit. Hans Modrow, der Mann, der sich weigerte, abgehoben zu sein, bleibt unvergesslich.

Meilenstein für Rostock: Grundsteinlegung für modernes Rathaus am Neuen Markt

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Ein bedeutender Tag für Rostocks Innenstadtarchitektur: Am Neuen Markt wurde heute der Grundstein für die Erweiterung des Rathauses gelegt. Dieses ambitionierte Projekt, das rund 80 Millionen Euro kosten wird, markiert einen entscheidenden Schritt in der Modernisierung der städtischen Verwaltung und der Belebung des Stadtzentrums.

Die Idee, das Rostocker Rathaus zu erweitern, ist nicht neu, sie tauchte bereits in den 90er Jahren auf. Das Ziel war es schon damals, die Bürgerfreundlichkeit zu erhöhen, Funktionen zu bündeln und die Innenstadt attraktiver zu gestalten, indem Wege für Bürgerinnen und Bürger verkürzt werden. Nun wird diese langjährige Vision endlich Realität.

Zwei moderne Neubauten im Fokus Das Erweiterungsprojekt umfasst zwei markante Neubauten: das sogenannte Doppelgiebelhaus (Haus C) und ein weiteres Verwaltungsgebäude (Haus D). Haus C soll mit seinem Doppelgiebel an die hanseatische Baugeschichte anknüpfen und wird unter anderem einen neuen Bürgerschaftssaal beherbergen. Zusammen bieten die neuen Gebäude Platz für über 400 Mitarbeitende und sind auf modernes Arbeiten ausgelegt, inklusive Open-Space-Flächen, Beratungsräumen und Dachterrassen.

Finanzierung und Nachhaltigkeit Von den Gesamtkosten in Höhe von etwa 80 Millionen Euro stammen 15,5 Millionen Euro aus Städtebaufördermitteln. Die Städtebauförderung folgt einem bewährten Drittelfinanzierungsprinzip, bei dem sich Bund, Land und die Kommune die Kosten teilen. Ein Sprecher betonte die Bedeutung dieser Förderung, da sie gleichwertige Lebensverhältnisse sichert und den Bürgerinnen und Bürgern eine handlungsfähige Kommune garantiert.

Besonderes Augenmerk liegt auch auf der Nachhaltigkeit und der Integration in das historische Stadtbild. Mit dem Neubau werden neue Grünflächen, Fahrradstellplätze, eine Tiefgarage und eine Photovoltaikanlage geschaffen. Gleichzeitig soll das Projekt an die bestehende Bebauung des historischen Quartiers anknüpfen.

Vorteile für Bürger und Verwaltung Das neue Rathaus ist darauf ausgelegt, modernste Bedingungen zu bieten, mit kurzen Wegen, digitaler Infrastruktur und barrierefreiem Zugang. Ein Rostocker, der als Sprecher auftrat, zeigte sich erfreut darüber, dass am Neuen Markt ein moderner Komplex entsteht, wo die Bürgerinnen und Bürger schnell und gut ihren Service erhalten werden.

Die Bauarbeiten laufen unter der Regie des städtischen Eigenbetriebs KOE. Die Fertigstellung des neuen Rostocker Rathauses ist für das Jahr 2028 geplant. Ab dann sollen nicht nur die Mitarbeitenden der Verwaltung, sondern vor allem auch die Bürgerinnen und Bürger Rostocks von diesem zukunftsweisenden Projekt profitieren.

Berlin wächst in die Höhe: Der Estrel Tower als neues Wahrzeichen und Vorreiter

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Berlin, eine Metropole, die sich im internationalen Vergleich bisher eher durch eine geringe Anzahl an Wolkenkratzern auszeichnete, steht vor einem Wandel. Während Städte wie Dubai mit dem unglaublichen 828 Meter hohen Burj Khalifa oder New York mit dem 542 Meter hohen One World Trade Center für ihre beeindruckenden Skylines bekannt sind, hinkt die deutsche Hauptstadt in dieser Hinsicht hinterher. Doch mit dem Bau des Estrel Towers könnte sich dies ändern.

Warum Berlin bisher ein „Hochhausproblem“ hatte
Wer sich mit Städteplanung in Deutschland beschäftigt, stellt fest, dass Gebäude in Ballungszentren wie München oder Berlin vergleichsweise niedrig sind. Dies liegt an mehreren Faktoren:

• Morastiger Boden: Berlin ist von viel Wasser geprägt, was den Boden morastig macht. Dies stellt eine große Herausforderung für hohe Bauwerke dar, wie sich jüngst an Rissen in U-Bahnhöfen am Alexanderplatz zeigte.

• Historische Vorliebe für niedrige Bebauung: Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg galt eine niedrige Bebauung als Ausdruck von Offenheit und Freiheit.

• Ästhetische Bedenken: Die Angst vor der Beeinträchtigung historischer Gebäude, Bedenken hinsichtlich des Stadtbildes und der Schattenwirkung haben dazu geführt, dass Berliner Bauprojekte bisher nicht die Höhen anderer internationaler Städte erreichten.

Einzig Frankfurt sticht als deutsche Ausnahme hervor, wo Wolkenkratzer die Skyline dominieren. Dennoch wurden auch in Berlin bereits in den 60er Jahren höhere Gebäude wie der 120 Meter hohe Steglitzer Kreisel oder das 125 Meter hohe Park Inn am Alexanderplatz gebaut, gefolgt von den Triptower Twin Towers und dem Atrium Tower in den 90ern. Mit dem Fernsehturm besitzt Berlin zudem das höchste Gebäude, auch wenn es kein Wolkenkratzer ist, mit rund 368 Metern.

Der Estrel Tower: Ein gigantisches Projekt auf morastigem Grund
Trotz dieser Herausforderungen hat Berlin begonnen, Gebäude größerer Dimensionen zu akzeptieren und zu integrieren. Der Estrel Tower, der 176 Meter hoch werden und 45 Stockwerke umfassen soll, ist das erste „wirkliche“ Hochhaus Berlins und wird voraussichtlich für die kommenden Jahre das höchste Gebäude der Stadt sein. Ein Gebäude gilt übrigens erst ab einer Höhe von 100 Metern als Wolkenkratzer.

Das Projekt wird von Eckart Streletzki, einem ehemaligen Bauingenieur und Firmeninhaber, vorangetrieben, dem auch das bestehende Estrel Hotel gehört – Europas größtes Hotel mit 2000 Zimmern. Streletzki hegte den Wunsch, nicht nur das größte Hotel, sondern auch das höchste Gebäude Berlins zu errichten.

Vielseitige Nutzung und innovative Lösungen:
Der Estrel Tower bietet eine Mischung aus Nutzungen, die weit über ein reines Hotel hinausgehen:

• Hotel und Wohnen: Eine Erweiterung des Estrel Hotels mit 552 Zimmern und Suiten sowie 90 Service Apartments, die durch einen Tunnel mit dem bestehenden Hotel verbunden sind.

• Arbeiten und Events: 9000 Quadratmeter Bürofläche für Coworking Spaces und Offices sowie 3000 Quadratmeter Veranstaltungsfläche in den obersten drei Etagen.

• Öffentliche Bereiche: Eine öffentlich zugängliche Skybar und Dachterrasse, die einen der besten Blicke über Berlin bieten sollen. Im Erdgeschoss ist ein begrüntes Atrium mit einem Startup-Inkubator, einer Kunstgalerie, einem Café und einer Bäckerei geplant.

• Fitness und Wellness: Eine ganze Etage ist einem Fitness- und Wellnessbereich gewidmet.

Der Entwurf für den Tower stammt vom deutsch-amerikanischen Architekturbüro Barkow Leibinger und wurde ganze zehn Jahre lang geplant. Eine der größten Herausforderungen war der unberechenbare Berliner Boden. Hier kam eine innovative kombinierte Pfahl-Plattengründung zum Einsatz: Über 50 Betonpfähle mit 1,8 Metern Durchmesser wurden 20 Meter tief in den Boden getrieben, darauf wurde eine 3,6 Meter dicke Betonplatte gegossen. Für diese massive Gründung wurden 800 LKW-Ladungen Beton verbaut, und fast alle Betonlieferanten Berlins waren beteiligt. Eine eigene Betonmischanlage auf dem Gelände sicherte den Regelbetrieb.

Nachhaltigkeit und Stadtentwicklung im Fokus
Das über 260 Millionen Euro teure Projekt (Grundstück nicht inbegriffen) ist nicht nur gigantisch, sondern auch auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Da sich auf dem Grundstück früher ein Parkplatz befand, wird durch den Bau des Towers und eines neuen Parks am Ufer des Neuköllner Schifffahrtskanals mehr Fläche entsiegelt, was die Versickerung von Wasser verbessert.

Weitere Nachhaltigkeitsaspekte sind:

• Ein „Farm-to-Table“-Restaurant in den oberen Etagen, das regionale Lebensmittel von einem extra dafür gekauften Bauernhof in Brandenburg bezieht.

• Ein CO2-sparendes Energiekonzept unter Einsatz von Wasserstoff als Energiespeicher, entwickelt in einem Forschungsprojekt mit der RWTH Aachen.

• Eine Photovoltaikanlage zur teilweisen Energieversorgung.

• Begrünte Dächer und Wildblumenwiesen auf dem Parkgelände zur Förderung der Biodiversität.

• Verwendung von regionalen Hölzern und recycelten Materialien im Innenausbau.

Der Estrel Tower entsteht an einem zentralen Verkehrsknotenpunkt mit guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, den neuen Berliner Flughafen und die Autobahn. Zukünftig soll hier außerdem eine Radschnellverbindung gebaut werden.

Die Eröffnung des Estrel Towers ist für 2025 geplant, und der Rohbau ist bereits zu fast 50 Prozent fertig. Bemerkenswert ist, dass das Projekt aktuell sogar vor dem Zeitplan liegt. Der Estrel Tower wird zweifellos ein neues Symbol der Berliner Skyline sein und die Akzeptanz von Hochhäusern in der Hauptstadt vorantreiben.

Trotz des Estrel Towers sind andere geplante Hochhausprojekte in Berlin, wie der Kaufhof-Turm der Signa-Gruppe, das Hochhausprojekt der Heinz-Gruppe und der Bau des Alexander Towers, aufgrund geopolitischer und wirtschaftlicher Entwicklungen ins Stocken geraten. Dennoch entstehen auch in anderen deutschen Städten wie Hamburg (Elbtower) oder Frankfurt (Millennium Tower) weitere beeindruckende Hochhäuser, was den allgemeinen Trend zum Bau in die Höhe unterstreicht.

Rostocker Rätsel am Neuen Markt: Ein historisches Foto sucht seinen Termin

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Rostock, Neuer Markt. Eine Reise in die Vergangenheit Rostocks, geführt von dem Historiker Gerhard Weber, dreht sich in einer aktuellen Episode des „Rostocker Stadtspaziergangs“ um ein rätselhaftes historisches Foto und die tiefgreifenden Veränderungen eines zentralen Stadtplatzes. Im Fokus steht der Neue Markt, einst pulsierendes Herz der Hansestadt, heute nur noch in Fragmenten seiner ursprünglichen Bebauung erhalten.

Der Neue Markt vor der Zerstörung Gerhard Weber lädt die Zuschauer zu einem Standort vor den „Resten der ursprünglichen Bebauung“ am Neuen Markt ein. Eine historische Karte von 1939 zeigt Rostock innerhalb der Stadtmauer als „komplett bebaute Fläche“. Von dieser einst dichten Bebauung sei nach dem Bombenkrieg und späteren Abrissen nur noch wenig übrig.

Ein Originalfoto aus der Zeit um 1910 präsentiert den Neuen Markt in voller Lebendigkeit: Man sieht die Nordseite mit historischer Bebauung, darunter ein „großartiges Ensemble Ecke Ortshof“ – ein Haus, das aus drei Häusern zusammengewachsen war, mit einer einheitlichen Fassade und einem riesigen Dach. Das Bild zeigt reges Markttreiben, eine Droschke mit Pferd, das einen Heusack vor sich hat, und detaillierte Einblicke in das damalige Alltagsleben. Auch die nahegelegene Kronenstraße, einst eine enge Gasse, die im Mittelalter sogar den ungewöhnlichen Namen „Arschkerbe“ trug, wird erwähnt.

Krieg und Trümmerfelder Die Idylle wich mit dem Zweiten Weltkrieg. Aufnahmen aus dem Jahr 1942 zeigen den Neuen Markt bereits als Trümmerfeld: „Die ganzen Häuser sind zerstört“. Später im Krieg wurden sogar noch Fassaden abgestützt. Nach dem Krieg prägten Schutthaufen das Bild, die mit einer „Feldbahn“ abtransportiert wurden.

Das rätselhafte Foto: Eine Suche nach der Zeit Im Zentrum der aktuellen Folge steht ein Foto, das Gerhard Weber vor zwei Jahren von einer Dame geschenkt bekam, welche es wiederum von einem Werkzeugmacher namens Kieß erhalten hatte. Kieß hatte das Bild wahrscheinlich selbst abgezogen. Das Foto zeigt Menschenmassen, die aus der Wollenweberstraße über die Fischbank Kronenstraße Richtung Neuer Markt strömen, umgeben von erheblichen Schuttmengen. Ein junges Mädchen sitzt auf einem Trümmerrest.

Das größte Rätsel: Wann wurde dieses Bild aufgenommen? Es ist definitiv nach dem Krieg, aber laut Weber „nicht 1945 – das ist zu früh“. Er vermutet, es könnte eventuell „schon 1946 sein“. Ein entscheidender Anhaltspunkt zur Datierung wäre das „Notdach“ an der Petrikirche, das auf dem Foto zu sehen ist. Weber selbst hat dieses Notdach später nie mehr gesehen, sondern nur das hohle Kirchenschiff. Wüsste man, wann dieses Notdach entfernt wurde – sei es durch Sturm, Beschädigung oder gezielten Abbau zur Materialgewinnung für den Aufbau der Seitenschiffe – ließe sich der Aufnahmezeitpunkt des Fotos eingrenzen.

Weber schließt aus, dass es sich um eine politische Demonstration (z.B. zum 1. Mai) handelt, da keine roten Transparente zu sehen sind, die zu dieser Zeit schnell verfügbar gewesen wären. Stattdessen spekuliert er, dass es sich um einen Pfingstmarkt handeln könnte, da zwei Buden sichtbar sind, an denen etwas verkauft wird.

Der Aufruf an die Zeitzeugen Die Hauptintention dieser Episode des Stadtspaziergangs ist es, Zeitzeugen zu finden, die sich melden und genau wissen, wann dieses Foto gemacht wurde. Gerhard Weber, bekannt für seine akribische Detailverliebtheit beim Betrachten historischer Bilder, hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung, um dieses Stück Rostocker Geschichte zu datieren. Die Suche nach der genauen Entstehungszeit des rätselhaften Fotos geht weiter.

Ulrich „Ed“ Swillms: Das unsterbliche Erbe des Karat-Genies

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„Die Seele ist die Brücke, die zu Unsterblichkeit führt“ – diese Worte des Dichters Rabindranath Tagore, den er sein Leben lang verehrte, scheinen perfekt auf Ulrich Swillms zuzutreffen. Obwohl sein Name vielen nicht sofort bekannt sein mag, prägte er als Keyboarder und Komponist die deutsche Rockband Karat wie kein anderer. Ed, wie er liebevoll genannt wurde, schuf unsterbliche Kompositionen, deren zarte Klänge bis heute unsere Welt tanzen lassen.

Die frühen Jahre und der Ursprung eines Spitznamens Seine Karriere nahm entscheidende Fahrt auf, als er bei seiner ersten Profiband, den Alexanders, auf Herbert Dreilich und Henning Protzmann traf. Es war auch in dieser Zeit, genauer gesagt im Jahr 1970, dass seine erste Komposition, „Klosterkorin“, entstand. Sein charakteristischer Spitzname „Ed“ leitet sich ebenfalls aus dieser Phase ab: Er spielte damals einen Flügel der Marke „Edition Seiler“, und die Abkürzung „Ed“ wurde zu seinem Markenzeichen.

Das kreative Herz von Karat Walter Cikan, Produzent beim DDR-Rundfunk, beschreibt Ed Swillms als den „kreativsten“ und „genialsten Komponisten von Popmusik“ in Deutschland. Trotz seiner Rolle als Keyboarder, bei der er nie das Rampenlicht suchte, war er „der Pol, um den sich alles drehte“ innerhalb der Band. Ed Swillms war bekannt für seine extreme Selbstkritik und seine Detailverliebtheit. Er arbeitete akribisch und rastete nicht, bis ein Song für ihn perfekt war, indem er stets „ganz viele Feinheiten“ und „kleine Überraschungen“ einbaute.

Diese Arbeitsweise sorgte dafür, dass man jeden seiner Songs „hundertmal hören [kann], ohne dass es einem langweilig wird“. Er konnte auch „durchaus unbequem“ sein, besonders wenn er mit dem Ergebnis, wie der Aufnahme von „Über sieben Brücken musst du gehen“, nicht zufrieden war – sei es wegen technischer Mängel oder der Stimme von Herbert Dreilich, die ihm zu weich klang.

Unvergängliche Meisterwerke Aus seiner schöpferischsten und als genial bezeichneten Schaffensperiode bei Karat stammen alle Titel, die bis heute die Live-Konzerte der Band bestimmen. Zu seinen bedeutendsten Kompositionen gehören:

• „König der Welt“
• „Über sieben Brücken musst du gehen“: Dieser Titel, oft verbunden mit „sieben dunkle Jahre“, ist ein herausragendes Beispiel seines Schaffens.
• „Der blaue Planet“: Dieses Werk markierte eine Wende hin zu einem rockigeren und poppigeren Sound, der Karat ihre größten Erfolge und die meisten Plattenverkäufe einbrachte. Holger Krebs, der Autor des YouTube-Transkripts, bezeichnet „Der blaue Planet“ als ein „geniales Werk“ und betont seine erschreckende Aktualität angesichts der Tatsache, dass sich „eigentlich auf der Welt nichts geändert hat“.
• „Jede Stunde“

Ein Vermächtnis, das Grenzen überwindet Die Musik von Karat und insbesondere die Kompositionen von Ed Swillms haben es geschafft, „über Grenzen hinweg“ zu gehen und wurden sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland geliebt. Dies ist für Holger Krebs „der größte Preis, den man bekommen kann“, wenn man als Künstler von seinen Zuhörern geliebt wird. Selbst heute noch bestehen 80 bis 90 Prozent der Titel, die Karat live spielt, aus Swillms‘ Werken. Es ist bemerkenswert, dass die Konzerte der Band immer wieder neue und auch jüngere Gesichter anziehen, die sich für diese Musik begeistern. Dies nährt die Hoffnung, dass seine Musik noch lange gehört werden und Ed Swillms auf diese Weise „irgendwie auch immer noch bei uns bleibt“. Seine Musik tanzt mit unserer Welt, und Ed Swillms, der „hochmusikalische“ und „ganz besondere Mensch“, bleibt in den Erinnerungen vieler.

Rostock ringt um August-Bebel-Straße 1: Kulturzentrum vor dem Aus – oder Neuanfang?

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Rostock – Ein denkmalgeschütztes Gebäude, das tiefe Wurzeln in der Rostocker Kulturgeschichte hat, steht im Mittelpunkt einer hitzigen Debatte: die August-Bebel-Straße 1. Wo einst die erste Kunst- und kunstgeschichtliche Sammlung der Hansestadt gegründet wurde und später das Kunst- und Altertumsmuseum seine Türen öffnete, bröckelt heute nicht nur der Putz, sondern auch die Zukunftssicherheit eines lebendigen Kulturortes. Die Stadt Rostock hat dem Verein „Sozietät Rostock Maritim“, der das Haus seit 2008 mit Ausstellungen, Konzerten und Lesungen belebt, gekündigt, was auf breiten Widerstand stößt.

Das Gebäude in der August-Bebel-Straße 1 wurde 1859 von Rostocker Bürgern gegründet und öffnete 1903 als Kunst- und Altertumsmuseum seine Türen, direkt neben dem ehemaligen Stadttheater, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Obwohl das Haus unter Denkmalschutz steht, wurde es jahrzehntelang von der Stadt vernachlässigt, was zu einem besorgniserregenden Zustand geführt hat, bei dem Putz von den Wänden fällt und ein Schutzgerüst den Gehweg sichert.

Die Stadt Rostock verteidigt die Kündigung des Mietvertrags mit dem Verein „Sozietät Rostock Maritim“ mit Verweis auf ein Baugutachten. Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger erklärt, das Gutachten besage, dass das Gebäude marode sei und absacke, was auf ein „großes Stabilitätsproblem“ in der Grundstruktur hindeute. Aus diesem Grund seien zusätzlich Tragwerksplaner beauftragt worden, um noch mehr Gewissheit über die Statik zu erhalten. Die Stadt plant, am 23. Juli 2025 in der Rostocker Bürgerschaft über die Zukunft des Hauses zu beraten: Sanierung, Umnutzung oder Abriss.

Jochen Pfeifer von der Sozietät Rostock Maritim wehrt sich jedoch mit Unterstützung aus Politik und Zivilgesellschaft gegen die Kündigung. Er zweifelt die Akutheit der im Gutachten beschriebenen Mängel an und betont, dass sich der Boden in angeblich zu sperrenden Räumen „nicht 1 mm bewegt hat“. Pfeifer kritisiert, dass ein städtisches Gutachten zwar Mängel aufliste, aber keine akute Nutzungsuntersagung ausspreche. Er verweist zudem darauf, dass die Stadt zunächst mit einem statischen Gutachten gekündigt habe, welches angeblich ein Absacken des Hauses belege, dies jedoch bei genauerer Lektüre nicht zutreffe. Eine zweite Kündigung ziehe das Gutachten dann nicht mehr heran und sei lediglich eine „normale Kündigung“.

Pfeifer und seine Unterstützer sehen die Kündigung als ein „ganz schlechtes Signal“ für ehrenamtliches Engagement und die von Vereinen getragene Kultur in der Stadt. Das Gebäude habe durch den Verein und andere Veranstalter „offen gehalten“ werden können. Eine vom Verein gestartete Petition wurde bereits von über 2.300 Menschen unterzeichnet, davon mehr als 1.500 aus Rostock, was ausreichend ist, um das Thema in der Bürgerschaft behandeln zu lassen.

Für Bewegung in der festgefahrenen Situation sorgt Jochen Pfeifer selbst: Sein Verein plant, das Gebäude gemeinsam mit einem Investor zu kaufen und zu sanieren. Der Plan sieht vor, dass die Sozietät Rostock Maritim weiterhin im Haus bleibt. Die Außenfassade soll erhalten und repariert werden, während im Inneren mehr Räumlichkeiten für Kunst genutzt werden sollen, um dem großen Bedarf an Ausstellungsflächen in Rostock gerecht zu werden. Es schwebe ihnen vor, das Haus zu einem „Haus für Vereine“ zu machen, wo sich auch andere Vereine einmieten können. Pfeifer meint, dass die Kündigung des Vereins in diesem Sinne auch etwas Gutes gehabt habe, da sie endlich Bewegung in das Thema August-Bebel-Straße 1 bringe.

Die Debatte um die August-Bebel-Straße 1 verdeutlicht, dass es hier um mehr geht als nur um einen Altbau. Es geht um ein „Stück Identität und Geschichte dieser Stadt“ und um die Frage, wie Rostock mit seinem kulturellen Erbe und dem ehrenamtlichen Engagement seiner Bürger umgeht. Die Entscheidung der Bürgerschaft am 23. Juli 2025 wird wegweisend sein.