Start Blog Seite 255

Jung, Ostdeutsch und im Widerstand: Jakobs Kampf gegen Rechts

0

Jakob ist jung und lebt im Osten Deutschlands, einem Gebiet, das für viele als politische Kampfzone gilt. Als Mitglied der Grünen und linker Aktivist setzt er sich gegen die extreme Rechte ein, die in seiner Heimat stark präsent ist. Aufgewachsen in Zwickau, einer Stadt, in der rechtes Denken weit verbreitet ist, entschied sich Jakob bewusst für den anderen Weg. Schon früh engagierte er sich, motiviert durch persönliche Erlebnisse, wie die Freundschaft zu einem geflüchteten Afghanen und die rassistischen Anfeindungen, die dieser erlebte.

Heute studiert Jakob Politik in Sachsen, einem Bundesland, das für seine rechtsextreme Szene bekannt ist. Doch genau hier will er etwas verändern. Für ihn bedeutet Ostdeutschland mehr als die rechtsextremen Klischees, die oft mit der Region verbunden werden. „Ostdeutschland ist vielfältig“, sagt er, „und auch linke Menschen wie ich gehören dazu.“

Jakob und seine Freunde sind oft gemeinsam unterwegs, um gegen rechte Strukturen zu protestieren. Besonders brisant ist es für sie, wenn sie ins sächsische Hinterland fahren, wo es oft gefährlich wird. Der Rechtsruck im Osten ist für sie allgegenwärtig, und sie haben miterlebt, wie die Montagsdemonstrationen in den Corona-Lockdowns von Querdenkern und schließlich von der AfD übernommen wurden.

Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, steht Jakob in Aue auf der Bühne. Die „Freien Sachsen“, eine rechtsextremistische Partei, versammelt sich ebenfalls in der Stadt. Jakob spricht vor der Antifa und den linken Demonstranten, während auf der anderen Seite Neonazis marschieren. Für Jakob ist es wichtig, Präsenz zu zeigen und dem rechten Gedankengut entgegenzutreten, auch wenn die Gefahr groß ist.

Der Aktivismus ist für Jakob mehr als ein Hobby, er ist zum Lebensmittelpunkt geworden. Obwohl er sein Studium nicht vernachlässigen will, steht für ihn aktuell der Kampf gegen die extreme Rechte im Vordergrund. Er ist oft in Berlin, um mit anderen jungen Ossis über ihre Erfahrungen zu sprechen und alternative Perspektiven zu bieten.

Doch der ständige Druck und die Gefahr, die mit seinem Engagement verbunden sind, fordern ihren Tribut. Jakobs Familie sorgt sich um seine Sicherheit, und auch er selbst spürt die psychische Belastung. Dennoch gibt er nicht auf. Für Jakob bedeutet jung sein im Osten, nicht wegzusehen, sondern aktiv gegen die Bedrohung durch die extreme Rechte zu kämpfen.

LNG-Terminal Mukran: Teurer Rohrkrepierer oder strategische Reserve?

0

Das LNG-Terminal Mukran auf Rügen, einst als wichtiges Projekt der Bundesregierung zur Bewältigung der russischen Gasmangellage angekündigt, steht zunehmend im Kreuzfeuer der Kritik. Was einst als schnelle Lösung in einer Krise geplant war, entwickelt sich nun zu einem kostspieligen Problemfall. Trotz hoher Investitionen und erheblicher Widerstände aus der Bevölkerung läuft der Betrieb des Terminals nur schleppend an.

Schleppende Auslastung und hohe Kosten
Die Auslastung des Mukraner Terminals bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Statt einer Kapazität von bis zu 13,5 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr werden deutlich weniger LNG-Tanker abgefertigt. Kritiker werfen dem Projekt mangelnde Wirtschaftlichkeit vor, da die Einnahmen aus den wenigen genutzten Kapazitäten weit unter den prognostizierten Werten liegen. Es entsteht der Eindruck, dass das Terminal nicht nur teuer in der Errichtung war, sondern auch in der laufenden Unterhaltung ein erheblicher Kostenfaktor bleibt.

Kritik von Umweltorganisationen
Besonders scharf kritisiert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) das LNG-Terminal in Mukran. Die DUH bezeichnet die Anlage als „teure und unnötige Investitionsruine“. Im Vergleich zu den effizienteren Anlagen in Wilhelmshaven und Brunsbüttel scheint Mukran nicht wettbewerbsfähig zu sein. Zudem verursachen die regelmäßigen Ausbaggerungen des Hafenbeckens hohe laufende Kosten, was die Wirtschaftlichkeit des Projekts weiter in Frage stellt.

Fragwürdige Notwendigkeit
Zunehmend stellen sich Experten die Frage, ob das LNG-Terminal in Mukran überhaupt notwendig war. Angesichts der gut gefüllten Gasspeicher in Deutschland und den vielen Alternativen zur Gasversorgung erscheint das Terminal für viele überflüssig. Stimmen, die eine gründliche Überprüfung der Genehmigung und sogar eine mögliche Stilllegung des Terminals fordern, werden lauter. Es mehren sich Zweifel daran, ob Mukran jemals das leisten kann, was sich die Regierung davon versprochen hat.

Spitzenrunde – Schicksalswahl für Thüringen – Der Talk in voller Länge

Im Format „Spitzenrunde – Schicksalswahl für Thüringen“ kommen Vertreter von AfD, BSW, CDU, FDP, Grünen, SPD und Linken zusammen, um vor der Landtagswahl wichtige Themen zu diskutieren. Hier sehen Sie die Talkrunde noch einmal in voller Länge.

Gänsehaut: 15.000 Jena-Fans lassen FCC-Hymne erklingen

0

Die Hymne des FC Carl Zeiss Jena, „Wir wollen Jena siegen sehen“, ist ein markantes Symbol der Begeisterung und Loyalität der Fans des Vereins. Die Fangesänge sind ein fester Bestandteil des Erlebnisses im Stadion und tragen maßgeblich zur Atmosphäre bei. Dieser Verein, tief verwurzelt in der Stadt Jena, ist bekannt für seine treuen Anhänger, die mit Leidenschaft und Herzblut ihre Mannschaft unterstützen.

Die Hymne „Wir wollen Jena siegen sehen“ ist besonders in den Momenten der Spannung und Dramatik eines Spiels präsent. Der Text, der einfach und eindringlich ist, drückt den ungebrochenen Willen der Fans aus, ihre Mannschaft zum Sieg zu treiben. Das wiederkehrende Motto „Wir wollen Jena siegen sehen“ spiegelt den kollektiven Wunsch nach Erfolg und den festen Glauben an die Stärke des Teams wider.

Im Refrain des Liedes lautet der zentrale Satz: „Wir wollen Jena siegen sehen, immer wieder Jena siegen sehen, in den Farben Blau und Weiß.“ Diese Zeilen sind nicht nur ein Ausdruck des Siegeswillens, sondern auch eine Hommage an die Vereinsfarben, die Blau und Weiß, die die Identität des Clubs prägen. Die Fans singen diese Worte bei jedem Heimspiel und jeder Auswärtspartie, um die Mannschaft zu motivieren und ihre Unterstützung zu zeigen.

Die Hymne wird oft von den Fans lautstark gesungen, begleitet von Fangesängen und Trommeln, die die Stimmung im Stadion aufheizen. Sie verkörpert die Essenz des Fan-Seins, das weit über das bloße Zuschauen hinausgeht. Es ist eine Form des aktiven Engagements, bei dem jeder gesungene Vers und jeder klatschende Rhythmus dazu beiträgt, das Team zu ermutigen und zu einem besseren Spiel zu inspirieren.

Durch ihre Einfachheit und Direktheit hat die Hymne „Wir wollen Jena siegen sehen“ eine besondere Bedeutung für den FC Carl Zeiss Jena und seine Anhänger. Sie symbolisiert die unerschütterliche Unterstützung und den unaufhörlichen Kampfgeist, die den Verein und seine Fans auszeichnen.

Ramelows Kampf gegen Höcke und die AfD in Thüringen

0

Wir befinden uns in einer beispiellosen Situation, die so in Deutschland noch nie dagewesen ist. Um das Jahr 1933 zu verstehen, muss man die Landtagswahlen von 1924 in Thüringen kennen. Adolf Hitler selbst schrieb in den 1930er Jahren: „Unser Aufstieg an die Macht begann 1924 in Thüringen.“ Heute ist Thüringen wieder im Fokus der politischen Aufmerksamkeit, jedoch unter völlig anderen Vorzeichen.

Bodo Ramelow, der erste Ministerpräsident aus den Reihen der Partei DIE LINKE, steht vor einer herausfordernden Landtagswahl. Mit Umfragewerten, die weit hinter der Alternative für Deutschland (AfD) zurückbleiben, kämpft er nicht nur um seine politische Zukunft, sondern auch um die Stabilität der Demokratie in Thüringen. Ramelow betont immer wieder, dass es ihm nicht nur um sein Vermächtnis geht, sondern darum, die AfD, die derzeit rund 30 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereint, deutlich zu schwächen.

Während der Wahlkampf hitzig geführt wird, zeigt sich, dass die AfD in Thüringen fest in der Hand ihres Landesvorsitzenden Björn Höcke ist. Innerhalb der AfD gibt es jedoch interne Spannungen, die sich in den jüngsten Auseinandersetzungen um Direktkandidaturen zeigen. Dennoch bleibt die AfD stark, während DIE LINKE, die einst mit Ramelow eine neue Ära in Thüringen einleitete, zunehmend an Bedeutung verliert.

Ramelow sieht sich nicht nur dem politischen Gegner, sondern auch einer internen Spaltung gegenüber. Die Abspaltung von Sahra Wagenknecht und ihren Anhängern hat DIE LINKE geschwächt, was Ramelow besonders schmerzt. In einem politischen Klima, das durch Unsicherheit und Misstrauen geprägt ist, stellt sich die Frage, wer in Thüringen künftig die Macht innehaben wird.

Die Geschichte Thüringens mahnt zur Vorsicht: 1933 kamen die Nazis nicht nur durch ihre Stärke an die Macht, sondern auch durch die Schwäche der Demokraten. Ramelow warnt vor einem Szenario, in dem die demokratischen Kräfte in Thüringen erpressbar werden könnten, sollte die AfD einen signifikanten Anteil der Landtagssitze erringen. Mit der Gefahr, dass mehr als 70 Prozent der Wähler, die gegen die AfD stimmen, durch eine Zersplitterung des demokratischen Lagers ihre Stimmen verlieren könnten, steht Thüringen vor einer möglichen politischen Katastrophe.

Ramelow kämpft nicht mehr nur um den Machterhalt, sondern versucht, das Schlimmste zu verhindern: ein Thüringen, in dem eine Partei wie die AfD, die offen rechtsextreme Positionen vertritt, die Kontrolle übernehmen könnte. Die Landtagswahl in Thüringen wird zeigen, ob es gelingt, den Aufstieg der AfD zu bremsen oder ob die Geschichte sich auf tragische Weise wiederholt.

Zwischenrufe bei Scholz-Rede über „irreguläre Migration“ in Jena

0

Nach seinem Treffen mit CDU-Chef Friedrich Merz hatte Olaf Scholz unter anderem einen Wahlkampfauftritt im thüringischen Jena. Dabei wurde er mehrfach von Buhrufen gestört.

111 Kilometer Akten – „Krank in Stasi-Haft“

0

In der DDR diente das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) als das zentrale Instrument zur Überwachung und Unterdrückung der Bevölkerung. In Berlin-Hohenschönhausen betrieb das MfS sein zentrales Untersuchungsgefängnis, eine Einrichtung, die für viele politisch Verfolgte zum Symbol des Terrors wurde. Innerhalb dieses abgeschotteten Sperrbezirks befand sich ein streng geheim gehaltenes Haftkrankenhaus, das kaum jemand außerhalb der Stasi kannte. Diese Krankenstation war kein Ort der Heilung, sondern ein weiteres Mittel, um politischen Druck und psychische Folter auf die Insassen auszuüben.

Der Politologe Tobias Voigt hat die Geschichte dieses Haftkrankenhauses erforscht, indem er zahlreiche Akten aus dem Stasi-Unterlagen-Archiv analysierte und Gespräche mit ehemaligen Insassen führte. Seine Untersuchungen bieten Einblicke in die Mechanismen der Repression, die innerhalb dieser Krankenstationen zum Einsatz kamen. Das Haftkrankenhaus war nicht nur ein Ort, an dem kranke Häftlinge medizinisch versorgt wurden. Vielmehr diente es dazu, kranke und schwache Insassen weiter unter Druck zu setzen und ihre Widerstandskraft zu brechen.

Die Krankenstationen der Stasi waren Orte, an denen die Grenzen zwischen medizinischer Versorgung und psychologischer Folter verwischt wurden. Viele Insassen berichteten von der grausamen Gleichgültigkeit des medizinischen Personals und von Behandlungen, die gezielt so gestaltet wurden, dass sie mehr schaden als heilen sollten. Medikamente wurden nicht selten verweigert oder bewusst falsch dosiert. Auch die Isolation von anderen Häftlingen und die ständige Überwachung trugen dazu bei, die psychische Belastung der Gefangenen zu maximieren.

Voigt beschreibt, wie das MfS gezielt den Gesundheitszustand von Häftlingen manipulierte, um Geständnisse zu erzwingen oder sie dazu zu bringen, ihre Widerstandsbereitschaft aufzugeben. Krankheit wurde zu einem Instrument der politischen Unterdrückung. Besonders perfide war die Praxis, den Insassen die notwendige medizinische Versorgung nur dann zukommen zu lassen, wenn sie bereit waren, mit der Stasi zu kooperieren. Diese Methode führte viele Häftlinge in ein Dilemma, in dem sie zwischen ihrer Gesundheit und ihrem Gewissen entscheiden mussten.

Für viele der ehemaligen Insassen, die Voigt interviewte, war die Erinnerung an das Haftkrankenhaus traumatisch. Sie beschrieben es als einen Ort, an dem sie sich hilflos und ausgeliefert fühlten, wo selbst die grundlegendsten Menschenrechte außer Kraft gesetzt waren. Ihre Geschichten werfen ein Schlaglicht auf die menschenverachtende Praxis des MfS, das Gesundheitssystem zu instrumentalisieren, um politische Ziele zu erreichen.

Voigts Forschung verdeutlicht, dass das Stasi-Haftkrankenhaus in Berlin-Hohenschönhausen ein bedeutendes, aber wenig beachtetes Kapitel in der Geschichte der DDR-Repression darstellt. Es zeigt, wie perfide und umfassend das Überwachungs- und Unterdrückungssystem der Stasi war und wie tiefgreifend die seelischen und körperlichen Wunden sind, die es bei den betroffenen Menschen hinterlassen hat.

Rügener LNG-Terminal: Gefahr für Naturparadies?

0

Das geplante LNG-Terminal auf der Insel Rügen ist ein bedeutendes Infrastrukturprojekt, das weitreichende Auswirkungen auf die Energieversorgung Deutschlands haben könnte. LNG, oder Flüssigerdgas, wird dabei als zentraler Bestandteil der Energiestrategie betrachtet, um die Abhängigkeit von russischem Erdgas zu reduzieren und eine diversifizierte Energieversorgung sicherzustellen.

Die Entscheidung, ein LNG-Terminal auf Rügen zu errichten, wurde in der Folge der Energiekrise 2022 getroffen. Diese Krise hat die Schwächen der bisherigen Energiepolitik offengelegt, insbesondere die starke Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus politisch unsicheren Regionen. Das Terminal soll nicht nur Erdgas importieren, sondern auch als Umschlagplatz für den Transport in andere Teile Deutschlands und Europas dienen.

Das Terminal, das in der Nähe von Mukran im Osten der Insel gebaut wird, soll eine zentrale Rolle bei der Versorgung der nordostdeutschen Region spielen. Mukran, bekannt für seinen Tiefwasserhafen und die Verbindung zur skandinavischen Schifffahrt, bietet ideale Voraussetzungen für ein solches Großprojekt. Mit dem Bau des Terminals wird eine wichtige Infrastruktur geschaffen, die in der Lage ist, große Mengen LNG aufzunehmen und weiter zu verteilen.

Das Projekt ist jedoch nicht ohne Kontroversen. Naturschützer und Teile der Bevölkerung äußern Bedenken hinsichtlich der ökologischen Auswirkungen des Terminals. Rügen ist bekannt für seine empfindlichen Küstenökosysteme, und der Bau eines LNG-Terminals könnte diese gefährden. Zudem wird argumentiert, dass der Fokus auf LNG eine Verlängerung der Nutzung fossiler Brennstoffe bedeutet, was den Übergang zu erneuerbaren Energien verzögern könnte.

Trotz dieser Bedenken schreitet das Projekt voran. Die Bundesregierung hat das Terminal als Teil der nationalen Energiesicherheitsstrategie priorisiert. Mit dem Bau wird in den kommenden Jahren gerechnet, und die Inbetriebnahme könnte bereits Mitte der 2020er Jahre erfolgen. Das Terminal auf Rügen wird somit zu einem Symbol für die Herausforderungen und Konflikte, die mit der Energiewende verbunden sind.

Wahlbeben im Osten: Von Rechtsruck bis zur Politikentfremdung

0

Die bevorstehenden Wahlen in Sachsen und Thüringen könnten einen historischen Ausgang nehmen. Laut aktuellen Umfragen stehen sowohl die AfD als auch die Gruppe um Sahra Wagenknecht, die sich von den Linken abgespalten hat, weit oben. Die etablierten Parteien stehen möglicherweise vor einer herben Wahlschlappe. Doch was sind die Gründe für diesen Wandel?

Unzufriedenheit und Rechtsruck im Osten

Die Unzufriedenheit, die in den östlichen Bundesländern stark ausgeprägt ist, hat mehrere Ursachen. Viele Menschen fühlen sich von der Politik abgehängt und sind frustriert über die mangelnde Beachtung ihrer alltäglichen Probleme. In Regionen, die sich nach der Wende wirtschaftlich schwerer getan haben oder in denen der Strukturwandel nicht vollständig gelungen ist, ist diese Unzufriedenheit besonders spürbar. Diese abgehängten Regionen sind oft von hoher Arbeitslosigkeit, demografischem Rückgang und stagnierenden Investitionen betroffen.

AfD und rechtsextreme Gruppen: Gemeinsamkeiten und Spannungen

Die AfD hat sich geschickt als Stimme des Widerstands gegen die etablierten Parteien positioniert und profitiert von der allgemeinen Politikverdrossenheit. Dabei wird die Partei oft von rechtsextremen Gruppen und Ideologien flankiert. Während die AfD versucht, sich als Bürgerpartei darzustellen, sind rechtsextreme Gruppen in vielen Fällen bei den gleichen Themen aktiv und nutzen ähnliche Ängste und Sorgen der Menschen. Diese Verflechtung zeigt sich in den gemeinsamen Narrativen und Zielen, auch wenn es Unterschiede in der Art der Ansprache und der Strategie gibt.

Politikverdrossenheit und die Rolle der etablierten Parteien

Die Politikverdrossenheit im Osten ist nicht nur ein Resultat der lokalen Unzufriedenheit, sondern auch eine Folge des allgemeinen Vertrauensverlustes in die Politik. Die etablierten Parteien, insbesondere CDU und die Ampel-Koalition, haben es schwer, überzeugende Antworten auf die konkreten Probleme der Menschen zu finden. Während die CDU traditionell im Osten stark verankert ist, hat sie Schwierigkeiten, sich an die veränderten politischen Bedingungen und die Bedürfnisse der Bevölkerung anzupassen. Die Ampel-Koalition, die als relativ neu und unerfahren gilt, wird oft nicht mit der nötigen Kompetenz und Verlässlichkeit in Verbindung gebracht.

Die SPIEGEL TV-Reporter haben sich auf eine Reise durch Sachsen und Thüringen begeben, um den Wahlkampf aus nächster Nähe zu verfolgen. Sie haben Ministerpräsidenten begleitet, Menschen in ihrem Alltag befragt und sich ein Bild von den lokalen Sorgen und Problemen gemacht. Besonders eindrucksvoll sind ihre Berichte von Jugendlichen, die sich auf Mopeds durch die Städte bewegen, und von der lebhaften Atmosphäre beim Christopher Street Day (CSD) in Bautzen, wo Neonazis versuchten, Unruhe zu stiften.

Durch diese Reportagen wird deutlich, wie die politische Stimmung vor Ort ist und welche Themen die Menschen bewegen. Die Berichte zeigen auch, dass die Sorgen der Bevölkerung vielfältig sind und dass die Politik oft nicht in der Lage ist, diese Sorgen effektiv zu adressieren. Dies trägt zur verstärkten Unterstützung für Alternativparteien bei und könnte zu einem dramatischen Wahlausgang führen.

Insgesamt stehen die Wahlen in Sachsen und Thüringen unter dem Zeichen eines tiefen Umbruchs, und es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird. Die Unzufriedenheit im Osten, gepaart mit dem Aufstieg neuer politischer Kräfte, könnte die politische Landschaft in Deutschland nachhaltig verändern.

Molly auf Schmalspur: 125 Jahre Bäderbahn im Dampflokzauber

0

Die Bäderbahn Molly, die seit 125 Jahren durch die malerische Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns dampft, ist ein echtes historisches Juwel. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1886 verbindet die Schmalspurbahn die Orte Kühlungsborn, Heiligendamm, Bad Doberan und Bad Berka. Die charmante Bahn, liebevoll „Molly“ genannt, ist besonders für ihre enge Streckenführung bekannt, bei der der Zug an einigen Stellen nur wenige Meter von den Hauswänden entfernt vorbeifährt.

Der Höhepunkt jeder Fahrt ist der Weg durch Bad Doberan, wo die Strecke mitten durch die Stadt verläuft. Dies verleiht der Fahrt einen besonderen Reiz und bietet eine einzigartige Perspektive auf die historischen Gebäude und engen Gassen. Die Lokomotiven der Molly, darunter eine Nachbildung der 1924 erbauten Lokomotiven von Orenstein & Koppel, sind ein wahres Highlight. Seit 2009 ist eine neue Dampflok im Einsatz, gebaut vom Dampflokwerk Meiningen, und sorgt für ein unvergessliches Dampferlebnis. Diese Lokomotive zieht den „Hundertjährigen Zug“, der aus historischen Personenwagen aus den Jahren 1911 bis 1926 besteht und nur bei besonderen Anlässen unterwegs ist.

Die Bäderbahn fährt auf einer Spurweite von 900 mm und ist damit eine der einzigartigen Schmalspurbahnen in Deutschland. Besonders bemerkenswert ist die Steigung ab Kühlungsborn Ost, die eine Neigung von 16,6 Promille aufweist. Die Züge erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h und rollen entlang der Ostseeküste, oft nur wenige Meter vom Strand entfernt.

Das 125-jährige Bestehen der Bahn wurde 2011 feierlich begangen. Neben der festlich geschmückten Lokomotive 99 2322, die Führerstandsmitfahrten anbietet, und der nicht mehr betriebsfähigen Lok 99 332, die als historisches Exponat dient, wurden zahlreiche Aktivitäten organisiert. Die Strecke von 15,4 km wird täglich von mehreren Zügen befahren, und die Streckenführung durch Bad Doberan, quasi als „Stadtbahn“, ist ein weiteres Highlight.

Der historische Güterzug, der als „GMP“ (Güterzug mit Personenbeförderung) unterwegs ist, bietet einen nostalgischen Einblick in die Zeit des Gütertransports, der 1969 endete. Der liebevoll restaurierte Zug zieht durch die Landschaft und erinnert an die Anfänge der Bäderbahn.

Trotz der Herausforderungen wie Wetterkapriolen und der teils schwierigen Steigungen zeigt die Bäderbahn Molly auch nach 125 Jahren keine Ermüdungserscheinungen. Mit gut gewarteten Lokomotiven und einem bestens gepflegten Wagenpark bleibt die Molly eine feste Größe im deutschen Schienenverkehr und erfreut sowohl Eisenbahnfans als auch Touristen mit ihrem historischen Charme.