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Wilhelm Domke-Schulz: Wenn ich den Begriff WIEDERVEREINIGUNG schon höre!

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Wilhelm Domke-Schulz, geboren 1956, hat sich in der deutschen Film- und Medienlandschaft einen festen Namen gemacht. Er wuchs in einer Zeit auf, in der das Kino eine bedeutende Rolle in der Gesellschaft spielte, und entwickelte früh eine Leidenschaft für die Dramaturgie des Films. Diese Leidenschaft führte ihn an die renommierte Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg, wo er Dramaturgie studierte. Diese Hochschule, die heute die Filmuniversität Babelsberg trägt, gilt als eine der wichtigsten Ausbildungsstätten für den deutschen Filmnachwuchs. Hier legte Domke-Schulz den Grundstein für seine spätere Karriere als Dramaturg, Filmemacher und Produzent.

Nach seinem Studium begann er seine Karriere als freier Dramaturg und arbeitete für verschiedene Filmprojekte in Berlin, Potsdam und Leipzig. In dieser Zeit sammelte er umfassende Erfahrungen sowohl im Bereich des Spielfilms als auch des Dokumentarfilms. Domke-Schulz war von Anfang an fasziniert von der Kunst, Geschichten auf der Leinwand zum Leben zu erwecken, sei es in fiktiven Erzählungen oder in der Darstellung realer historischer Ereignisse. Besonders im Dokumentarfilm fand er ein Medium, das es ihm ermöglichte, tief in historische und gesellschaftliche Themen einzutauchen.

1991, in den Umbruchjahren nach der Wiedervereinigung Deutschlands, entschied sich Domke-Schulz, einen neuen Weg einzuschlagen. Er gründete seine eigene Produktionsfirma, die unter dem Namen domke-schulz-film bekannt ist. Dieser Schritt in die Selbstständigkeit ermöglichte ihm, unabhängig zu arbeiten und seine kreativen Visionen eigenständig umzusetzen. Seitdem produzierte er über siebzig Filme, wobei er sich auf Reportagen, historische Dokumentationen und künstlerische Dokumentarfilme spezialisierte. Seine Werke zeichnen sich durch eine intensive Auseinandersetzung mit Geschichte, Gesellschaft und Kultur aus, und sie finden regelmäßig ihren Weg in das Programm des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Zu seinen bedeutendsten Werken zählt der Dokumentarfilm Life at a Standstill: A Middle East Diary aus dem Jahr 2003. Diese preisgekrönte Produktion, die in Chicago ausgezeichnet wurde, zeigt Domke-Schulz‘ tiefes Interesse an globalen politischen Themen und humanitären Fragestellungen. Der Film beleuchtet das Leben im Nahen Osten und setzt sich mit den politischen und sozialen Spannungen in der Region auseinander. Dabei gelingt es ihm, die komplizierten Verhältnisse aus einer menschlichen Perspektive zu zeigen und den Zuschauern einen Einblick in das alltägliche Leben der Menschen in einer von Konflikten geprägten Region zu geben.

Ein weiteres herausragendes Werk ist der Dokumentarfilm Krimreise aus dem Jahr 2018, der in St. Petersburg ausgezeichnet wurde. In diesem Film widmet sich Domke-Schulz der wechselhaften Geschichte der Krim und ihrer Bedeutung für die Menschen, die dort leben. Er zeigt, wie diese Region im Laufe der Jahrhunderte von verschiedenen politischen Mächten beeinflusst wurde und wie sich die Kultur und Identität der Krim-Bewohner im Laufe der Zeit entwickelt haben. Die filmische Reise über die Halbinsel verbindet eindrucksvoll historische Fakten mit persönlichen Schicksalen und erzählt die Geschichte der Krim auf eine Weise, die sowohl informativ als auch emotional berührend ist.

Neben seiner Tätigkeit als Filmemacher ist Wilhelm Domke-Schulz auch als Hochschuldozent für Medienwissenschaft tätig. In dieser Funktion gibt er seine langjährigen Erfahrungen an die nächste Generation von Filmemachern und Medienwissenschaftlern weiter. Seine Lehrtätigkeit ist geprägt von seiner Leidenschaft für das Medium Film und seinem tiefen Verständnis für die gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung von Film und Fernsehen. Er vermittelt seinen Studierenden nicht nur technisches Wissen, sondern auch die Fähigkeit, Geschichten auf eine Weise zu erzählen, die das Publikum berührt und zum Nachdenken anregt.

Domke-Schulz’ filmisches Schaffen zeigt eine beeindruckende Bandbreite. Er bewegt sich gekonnt zwischen den verschiedenen Genres und Formaten des Films und versteht es, sowohl anspruchsvolle historische Dokumentationen als auch persönliche, künstlerische Projekte zu realisieren. Dabei bleibt er stets seinem Ziel treu, durch den Film Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen und dem Zuschauer die Möglichkeit zu geben, Geschichte und Gesellschaft aus neuen Perspektiven zu betrachten.

Seine Arbeiten für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, darunter zahlreiche Reportagen und Geschichtsdokumentationen, haben ihm eine breite Zuschauerbasis verschafft. Diese Filme zeichnen sich durch eine präzise Recherche und eine anschauliche Darstellung historischer Ereignisse aus. Domke-Schulz ist es wichtig, die Zuschauer nicht nur zu informieren, sondern auch emotional zu involvieren. Seine Filme regen dazu an, sich intensiver mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und die Lehren, die aus historischen Ereignissen gezogen werden können, auf die Gegenwart anzuwenden.

Mit über 70 Produktionen in Eigenregie ist Wilhelm Domke-Schulz ein erfahrener und vielseitiger Filmemacher, der sowohl in der akademischen Welt als auch in der Filmbranche anerkannt ist. Seine Filme, insbesondere die preisgekrönten Werke Life at a Standstill und Krimreise, haben nicht nur in Deutschland, sondern auch international Anerkennung gefunden. Als Produzent, Regisseur und Hochschuldozent bleibt er eine treibende Kraft im deutschen Dokumentarfilm und eine inspirierende Figur für zukünftige Generationen von Filmemachern.

Harte Arbeit auf hoher See: Die Hochseefischerei der DDR im Jahr 1978

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Im Jahr 1978 befand sich die Hochseefischerei der DDR auf einem Höhepunkt ihrer Entwicklung. Die Fischereiflotte der DDR, eine der leistungsfähigsten der sozialistischen Länder, spielte eine entscheidende Rolle bei der Versorgung der Bevölkerung mit Fisch und Meeresfrüchten. Gleichzeitig war die Hochseefischerei ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und trug zur Devisenbeschaffung des Staates bei. Die DDR-Flotte war in nahezu allen Weltmeeren unterwegs, von der Nordsee bis zum Atlantik, von der Arktis bis zu den Küsten Afrikas und Südamerikas.

In den 1970er Jahren war Fisch ein unverzichtbarer Bestandteil der Lebensmittelversorgung der DDR. Neben der Binnenfischerei und dem Küstenfischfang stellte die Hochseefischerei die wichtigste Quelle für Fischprodukte dar. Besonders Kabeljau, Hering, Makrele und Rotbarsch waren beliebte Fische, die in den Haushalten der DDR auf den Tisch kamen. Die Hochseefischerei sicherte einen erheblichen Teil dieser Versorgung und war gleichzeitig ein Symbol für die Leistungsfähigkeit und den technischen Fortschritt der DDR. Die Fischereiflotte war modern ausgestattet. Schiffe wie die „Fritz Heckert“ oder die „Johannes R. Becher“ gehörten zu den Flaggschiffen der Flotte, die von Rostock und Saßnitz aus auf große Fangreisen aufbrachen. Die Flotte bestand aus Trawlern, Fabrikschiffen und Kühlfrachtern, die teilweise mehrere Monate auf See blieben und in den entlegensten Gebieten der Weltmeere operierten.

Die Arbeit an Bord der Fangflotte war hart, gefährlich und verlangte den Seeleuten viel ab. Die Besatzungen waren oft für Monate von ihren Familien getrennt und den extremen Wetterbedingungen sowie der rauen See ausgesetzt. Besonders in den nördlichen Fanggebieten, wie vor der Küste Grönlands oder in der Barentssee, konnten die klimatischen Verhältnisse brutal sein. Eis, Sturm und eiskalte Temperaturen machten das Einholen der Netze zu einer gefährlichen Aufgabe. Die Schichtarbeit an Bord war anstrengend und monoton. Die Seeleute arbeiteten in Zwölf-Stunden-Schichten, oft unter extremen Bedingungen. Während der Fangzeiten mussten große Netze ausgebracht, eingeholt und der Fang an Bord verarbeitet werden. Auf den Fabrikschiffen wurde der Fisch sofort nach dem Fang gesäubert, filetiert, verpackt und tiefgefroren. Diese harte Arbeit erforderte nicht nur körperliche Ausdauer, sondern auch technisches Geschick, um die komplexen Maschinen an Bord zu bedienen.

Trotz der extremen Bedingungen gab es unter den Seeleuten einen starken Zusammenhalt. Kameradschaft und Solidarität waren unverzichtbar, um die langen Zeiten auf See zu überstehen und die Herausforderungen des Alltags zu meistern. Viele Fischer waren stolz auf ihre Arbeit und betrachteten die Hochseefischerei als eine wichtige Aufgabe für die Versorgung der Bevölkerung. Gleichzeitig gab es aber auch immer wieder Berichte über Unzufriedenheit, vor allem aufgrund der langen Trennung von den Familien und der harten körperlichen Arbeit.

Die Hochseefischerei war nicht nur für die Nahrungsmittelversorgung der DDR von Bedeutung, sondern spielte auch eine wichtige Rolle im außenwirtschaftlichen Kontext. Ein großer Teil des gefangenen Fisches wurde exportiert, vor allem in die Sowjetunion, aber auch in andere sozialistische Staaten und den Westen. Fisch war ein begehrtes Exportgut, das der DDR Devisen einbrachte, die dringend für den Import von Rohstoffen und anderen Waren benötigt wurden. In den 1970er Jahren führte die DDR eine expansive Wirtschaftspolitik, die darauf abzielte, die Devisenreserven durch den Export von Waren und Dienstleistungen zu steigern. Die Hochseefischerei trug dazu bei, indem sie nicht nur Fischprodukte lieferte, sondern auch durch den Betrieb der Fischereiflotte selbst Einnahmen generierte. Neben den Fangreisen gab es auch Kooperationen mit anderen Ländern, bei denen die DDR-Fangflotte gegen Entgelt Fischereirechte in ausländischen Gewässern erhielt.

Allerdings standen die DDR-Fischereibetriebe unter zunehmendem Druck, effizienter zu arbeiten und die Fangquoten zu erfüllen. Der internationale Wettbewerb, insbesondere durch westliche Fischereinationen wie Norwegen, Island und Großbritannien, stellte eine Herausforderung dar. Zudem wurden in den 1970er Jahren zunehmend internationale Fischereiverträge abgeschlossen, die den Zugang zu bestimmten Fanggebieten reglementierten oder stark einschränkten. So führte die Einführung von 200-Meilen-Wirtschaftszonen durch viele Küstenstaaten dazu, dass die DDR-Fischereiflotte den Zugang zu traditionellen Fanggründen verlor.

Das Leben an Bord eines Hochseefischereischiffes der DDR in den 1970er Jahren war hart, aber strukturiert. Die Besatzung bestand in der Regel aus etwa 30 bis 50 Männern, je nach Größe des Schiffes. Der Tagesablauf war streng durchorganisiert, um die Arbeitseinsätze effizient zu gestalten. Die Männer arbeiteten oft in zwei Schichten: zwölf Stunden Arbeit, zwölf Stunden Ruhe. Während der Arbeitsschicht wurde der Fischfang durchgeführt, die Netze eingeholt und der Fang verarbeitet. In der Ruhephase konnten sich die Seeleute ausruhen, obwohl die engen Kabinen und die oft rauen Seeverhältnisse keine wirkliche Erholung boten.

Auf den modernen Fabrikschiffen gab es zumindest einige Annehmlichkeiten. Die Besatzungen hatten Zugang zu Fernsehgeräten, Büchern und Sportgeräten, um die langen Monate auf See erträglicher zu machen. Zudem wurde an Bord für das leibliche Wohl gesorgt, denn eine ausgewogene Ernährung war für die harte Arbeit an Deck unerlässlich. Doch die Härte der Arbeit und die extremen Bedingungen prägten den Alltag auf See.

Im Jahr 1978 befand sich die Hochseefischerei der DDR in einer Phase des Umbruchs. Die zunehmenden Einschränkungen durch internationale Fischereirechte und der steigende Kostendruck machten deutlich, dass das Modell der Hochseefischerei in seiner bisherigen Form an Grenzen stieß. In den folgenden Jahren sollte sich diese Entwicklung weiter verschärfen, was letztlich zur schrittweisen Reduzierung der DDR-Fischereiflotte führte.

Doch im Jahr 1978 blickten die Fischer noch optimistisch in die Zukunft. Neue Technologien, wie verbesserte Fangmethoden und modernisierte Schiffe, sollten helfen, den Herausforderungen der Fischereiindustrie zu begegnen. Zudem hofften viele, dass die internationalen Verhandlungen über Fischereirechte der DDR weiterhin Zugang zu den wichtigsten Fanggebieten sichern würden. Die Hochseefischerei der DDR war ein prägender Wirtschaftszweig, der nicht nur zur Versorgung der Bevölkerung beitrug, sondern auch ein Symbol für den technischen Fortschritt und die Leistungsfähigkeit des Landes war. Doch hinter der Fassade der modernen Flotte verbarg sich der harte und oft gefährliche Alltag der Fischer, die auf den Weltmeeren unterwegs waren, um den Bedarf an Fisch zu decken.

Die Erfahrungen von Wolfgang „Wolle“ Förster im DDR-Staatssicherheitsapparat

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Im Spätherbst der DDR erlebte Wolfgang „Wolle“ Förster eine Zeit tiefgreifender persönlicher und politischer Umwälzungen. Dieser Bericht beleuchtet die Erfahrungen und Herausforderungen, denen er gegenüberstand, und bietet einen Einblick in die Brutalität und Ungerechtigkeit des DDR-Überwachungsapparates.

Förster nutzte sein eigenes Geld, um Dinge zu finanzieren, die anderen Freude bereiten sollten. Als engagierter Videodiskotheker in der DDR war er oft damit beauftragt, Veranstaltungen zu dokumentieren und zu bereichern. Besonders erinnerte er sich an seine Arbeit beim Schloss Eckbert, dessen Renovierung und Eröffnung er mit seiner Kamera festhielt. Die Technik, die er benutzte, war in der DDR nicht erhältlich und musste illegal eingeführt werden, da Videotechnik in der DDR verboten war. Diese illegalen Aktivitäten standen im Kontrast zu seinem eigentlichen Ziel, Freude zu verbreiten und zur kulturellen Bereicherung beizutragen.

Nach einem halben Jahr harter Arbeit wurde Förster plötzlich verhaftet. Er wurde inhaftiert und unter Verbrechern eingesperrt, was für ihn unvorstellbar war, da er nur versuchte, durch den Einsatz von Videotechnik positive Impulse zu setzen. Seine Verhaftung war das Ergebnis des repressiven politischen Systems der DDR, das jegliche westliche Technologie streng kontrollierte und kriminalisierte.

Um die benötigte Technik zu beschaffen, hatte Förster einen ungarischen Diplomaten kontaktiert, der ihm half, Ostgeld gegen Westgeld zu tauschen und die Technik im Westen zu erwerben. Diese Technik wurde nicht nur für seine eigene Diskothek verwendet, sondern auch, um Freunden in ähnlicher Not zu helfen. Der finanzielle Vorteil war dabei gering, doch die politischen Repressalien waren enorm. Förster wurde der Zollhehlerei beschuldigt und zu drei Jahren Haft verurteilt.

Die Verhaftung und die folgenden Monate in Untersuchungshaft führten zu erheblichem emotionalem und psychologischem Stress. Die Vernehmungen bei der Staatssicherheit waren besonders belastend. Förster musste sich gegen die Vorwürfe verteidigen und wurde gezwungen, seine Vergehen zu gestehen. Das Gefühl der Demütigung und des Unrechts war überwältigend, insbesondere da er lediglich mit seinem eigenen Geld und Engagement arbeitete und keinen tatsächlichen Vorteil aus den illegalen Aktivitäten zog.

Die Verhaftung hatte auch gravierende Auswirkungen auf die Familie von Förster. Es wurde ihm mitgeteilt, dass sich seine Eltern von ihm distanziert hätten, was ihn zutiefst verletzte. Die Staatssicherheit nutzte diese Taktik, um zusätzlichen Druck auf ihn auszuüben. Es wurde behauptet, dass seine Eltern sich von ihm losgesagt hätten, obwohl dies nicht der Wahrheit entsprach. Die Manipulation der Familie war eine weitere Methode, um Förster zu isolieren und zu brechen.

Die Verurteilung und die Monate in Untersuchungshaft waren für Förster und seine Familie besonders belastend. Seine Eltern hatten auf eine milde Entscheidung des Gerichts gehofft, doch die harte Realität traf sie mit voller Wucht. Die Verurteilung zu drei Jahren Haft und die Aussicht auf weitere Monate in Untersuchungshaft waren ein schwerer Schlag für die Familie. Der emotionale Stress und die Belastungen trugen möglicherweise zum frühen Tod seines Vaters bei, der an Magenkrebs starb. Förster empfand eine tiefe Traurigkeit und Wut darüber, dass sein Engagement letztlich zu solchem Leid geführt hatte.

Trotz der schweren Zeiten und der Belastungen hat sich Förster nie für sein Handeln geschämt. Er hatte stets nur versucht, anderen Freude zu bereiten und etwas Positives beizutragen. Die schwere Last der Verhaftung und der politische Druck führten jedoch zu einem tiefen Gefühl der persönlichen Verantwortung und des Versagens. Das Unverständnis darüber, warum er verfolgt wurde, während andere, die in größerem Stil handelten, ungeschoren blieben, blieb ein ständiger Begleiter.

Zusammenfassend zeigt der Bericht die brutale Realität und die tiefgreifenden persönlichen Auswirkungen der politischen Verfolgung in der DDR auf. Wolfgang „Wolle“ Förster war ein Beispiel für die vielen Menschen, die unter einem repressiven System litten, das jede Form von westlicher Technologie und individuellem Engagement mit härtesten Mitteln bestrafte.

PVC-Werk Schkopau: Der Kalte Krieg als Bauprojekt

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Die Baustelle des PVC-Werks im Buna-Komplex nahe Schkopau, errichtet zwischen 1976 und 1980, war eine der beeindruckendsten Industriebauprojekte der DDR und gleichzeitig die größte Investition des DDR-Außenhandels. Mit einem Kreditvolumen von 1,3 Milliarden D-Mark aus dem Westen war dieses Projekt ein Paradebeispiel für internationale Wirtschaftskooperation im Kalten Krieg.

Der Bau des modernsten PVC-Werks Europas wurde vollständig von der Uhde GmbH aus Dortmund, einer Tochtergesellschaft der Hoechst AG, realisiert. Uhde, ein Unternehmen der westdeutschen Industrie, übernahm die komplette Errichtung der Anlage und stellte sicher, dass sie schlüsselfertig übergeben wurde. Dieser Deal spiegelte ein innovatives Modell der wirtschaftlichen Zusammenarbeit wider: Die westdeutschen Firmen bauten die hochmoderne Anlage, während die DDR ihre Schulden durch zukünftige PVC-Lieferungen tilgen sollte. Dies ermöglichte es der DDR, ihre technologischen Rückstände aufzuholen und gleichzeitig der Westwirtschaft einen verlässlichen Abnehmer für den hochwertigen Kunststoff zu bieten.

Der Hintergrund dieses Projekts war die Notwendigkeit der DDR, ihre chemische Industrie zu modernisieren. Die ostdeutsche Chemieindustrie war technologisch und produktionstechnisch am Limit angekommen. Der steigende Bedarf an PVC, dem vielseitigen Rohstoff für Kunststoffprodukte, überforderte die bestehenden Kapazitäten. Durch die Errichtung des neuen Werks konnte die DDR die Nachfrage effizienter bedienen und gleichzeitig ihre Produktionskapazitäten erheblich erweitern.

Das PVC-Werk in Schkopau stellte nicht nur einen wirtschaftlichen Erfolg für die DDR dar, sondern auch ein bedeutendes Beispiel für die pragmatische und zielgerichtete Zusammenarbeit zwischen Ost und West. Die DDR konnte durch dieses Projekt ihre wirtschaftlichen Probleme lindern und sich gleichzeitig technologisch auf den neuesten Stand bringen. Im Gegenzug profitierte die Westwirtschaft von den zukünftigen PVC-Lieferungen, die einen wertvollen Beitrag zu ihrer Produktionskette leisteten.

Dieses große Bauvorhaben symbolisierte nicht nur den wirtschaftlichen Fortschritt in der DDR, sondern auch die Möglichkeiten und Herausforderungen des internationalen Handels während des Kalten Krieges. Es war ein deutliches Zeichen dafür, wie durch Kooperation und innovative Lösungen selbst in politisch angespannten Zeiten produktive Beziehungen zwischen den Blockkonkurrenten entstehen konnten.

Zwischen Gift und Hoffnung: Arbeitsalltag in der Karbidfabrik Schkopau

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Der Dokumentarfilm über die Karbidfabrik in Schkopau in der Auenlandschaft an der Saale beleuchtet eindrucksvoll die schwierigen Arbeitsbedingungen und die verheerenden ökologischen Folgen eines veralteten Produktionsverfahrens. Die Fabrik, in der Kalk und Kohle zu Karbid geschmolzen werden, stellt sowohl für die Arbeiter als auch für die Einwohner der Region eine enorme Belastung dar. Die Filmaufnahmen zeigen die harten Realitäten eines Betriebs, der nicht nur veraltete Technologien verwendet, sondern auch die Umwelt erheblich schädigt.

Zentrales Thema des Films ist die Umweltverschmutzung, die durch das Karbidverfahren entsteht. Die Abgase, Stäube und giftigen Abwässer der Fabrik haben die Saale und die Umgebung schwer belastet. Die Arbeiter, die unter diesen Bedingungen tätig sind, wissen um die gesundheitlichen Risiken, die mit ihrer Arbeit einhergehen. Das tägliche Ziel war es, abends gesund nach Hause zu kommen, eine Aufgabe, die angesichts der verheerenden Arbeitsbedingungen nicht leicht war.

Die Karbidproduktion erfordert extrem hohe Temperaturen, was nicht nur zu einer enormen körperlichen Belastung für die Arbeiter führt, sondern auch eine erhebliche Umweltverschmutzung verursacht. Der Film zeigt, wie giftige Ableitungen in die Saale fließen und die Lebensqualität in der Region gefährden. Besonders auffällig ist die Darstellung der maroden Kläranlage, die ihrer Aufgabe kaum noch gerecht wird. Durch die mangelhafte Reinigung der Abwässer gelangen schädliche Chemikalien und Giftstoffe direkt in die Natur und setzen den Fluss und die umliegende Landschaft unter enormen Druck.

Die Arbeiter in der Karbidfabrik sind sich dieser Missstände sehr bewusst, und im Film sprechen sie mit großer Offenheit über die Probleme, mit denen sie täglich konfrontiert sind. Ihre Schilderungen geben einen tiefen Einblick in die Arbeitswelt in einem sozialistischen Staat, in dem die Devise von Walter Ulbrichts Chemieprogramm aus dem Jahr 1958 – „Chemie gibt Schönheit“ – immer noch in den Köpfen verankert ist, jedoch in der Realität kaum noch Bestand hat. Statt von Schönheit zu sprechen, kämpfen die Arbeiter gegen die Schwere und Trostlosigkeit ihrer Arbeit.

Ein zentrales Element des Films ist die Kritik an der mangelnden Investitionsbereitschaft. Die Fabrik arbeitet mit überholter Technik, und es fehlt an modernen Verfahren, um die Umweltbelastung zu reduzieren. Der Abteilungsleiter der Chemischen Werke Buna erklärt im Film, dass die marode Ausstattung nicht nur ein Problem der Arbeitssicherheit darstellt, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit der Fabrik gefährdet. Es werden neue Technologien angesprochen, die für die Zukunft von entscheidender Bedeutung sind, doch bleibt unklar, wann und ob diese Technologien in Schkopau Einzug halten werden.

Besonders bemerkenswert ist die unbeschwerte Erzählweise der Arbeiter im Film. Trotz der harten Arbeitsbedingungen und der ernüchternden Perspektiven gelingt es ihnen, mit einer erstaunlichen Offenheit und Ehrlichkeit über ihre Situation zu sprechen. Diese Erzählweise steht im krassen Gegensatz zur Schwere der Arbeit, die durch die beeindruckende Kameraführung und den Schnitt des Films noch verstärkt wird. Die Aufnahmen aus der Fabrik, die den Alltag der Arbeiter dokumentieren, vermitteln ein Gefühl der Trostlosigkeit und des Stillstands. Dies steht in deutlichem Widerspruch zu den optimistischen Versprechungen des Chemieprogramms aus den 1950er Jahren.

Die Arbeiter äußern sich auch zu ihren Zukunftsaussichten und den notwendigen Veränderungen, die aus ihrer Sicht in der Fabrik umgesetzt werden müssten. Sie sprechen über den dringenden Bedarf an Investitionen und die Hoffnung auf neue Technologien, die nicht nur die Arbeitsbedingungen verbessern, sondern auch die Umweltbelastung reduzieren könnten. Doch diese Hoffnung bleibt vage, und der Film vermittelt das Gefühl, dass die dringend erforderlichen Veränderungen noch lange auf sich warten lassen könnten.

Insgesamt zeichnet der Dokumentarfilm ein eindrucksvolles Bild von einer veralteten Industrie, die an den Rand ihrer Möglichkeiten gelangt ist. Die Schilderungen der Arbeiter und des Abteilungsleiters verdeutlichen die Dringlichkeit von Reformen und Investitionen. Die chemische Industrie, einst als Symbol für Fortschritt und Modernisierung im sozialistischen System gepriesen, steht nun vor der Herausforderung, sich an die modernen Anforderungen des Umweltschutzes und der Arbeitssicherheit anzupassen.

Durch die kritische Kommentierung und die schonungslose Darstellung der Missstände in der Karbidfabrik stellt der Film eine wichtige Dokumentation über den Zustand der DDR-Industrie in den letzten Jahren ihrer Existenz dar. Er zeigt auf eindrucksvolle Weise die Diskrepanz zwischen der offiziellen Staatspropaganda und der harten Realität der Arbeiter, die täglich mit den Folgen veralteter Technologien und umweltbelastender Produktionsmethoden konfrontiert sind.

Die Offenheit der Beteiligten und die klare Bildsprache des Films machen ihn zu einem wichtigen Zeitdokument, das nicht nur die Lebensrealität der Arbeiter in der Karbidfabrik Schkopau beleuchtet, sondern auch die größeren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme der DDR in den 1980er Jahren widerspiegelt. Es wird deutlich, dass das Chemieprogramm, einst als Motor des Fortschritts angepriesen, in vielen Bereichen gescheitert ist. Der Film hinterlässt den Zuschauer mit einem Gefühl der Dringlichkeit, dass etwas getan werden muss – für die Arbeiter, für die Umwelt und für die Zukunft.

Spektakuläre Sprengung der Schornsteine im Kraftwerk Zschornewitz

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Am 4. April 2012 wurde im ehemaligen Kraftwerk Zschornewitz, einem der ältesten und bedeutendsten Kraftwerke Deutschlands, ein weiteres Kapitel Industriegeschichte geschlossen. Zwei der markanten Schornsteine des stillgelegten Kraftwerks wurden gesprengt. Der Moment markierte das endgültige Ende einer Ära für das Kraftwerk, das über Jahrzehnte hinweg die Energieversorgung der Region sichergestellt hatte.

Das Kraftwerk Zschornewitz, das 1915 in Betrieb genommen wurde, war einst eines der größten Braunkohlekraftwerke Europas. Es wurde zur Stromerzeugung für das nahegelegene Bitterfelder Chemiedreieck genutzt und war ein bedeutender Faktor für die industrielle Entwicklung Mitteldeutschlands. Das Werk wurde mit Braunkohle aus den umliegenden Tagebauen betrieben und lieferte Strom für den aufstrebenden Industriestandort.

Die beiden Schornsteine, die am 4. April 2012 gesprengt wurden, waren seit den 1960er Jahren prägende Landmarken der Region. Sie ragten mit einer Höhe von 140 Metern weithin sichtbar in den Himmel und waren ein Symbol für die industrielle Macht des Kraftwerks. Doch mit der Einstellung des Kraftwerksbetriebs im Jahr 1992, nach der politischen Wende und dem Rückgang der Braunkohlenutzung, verlor das Kraftwerk seine ursprüngliche Bedeutung. In den folgenden Jahren verfielen die Gebäude, und es wurde beschlossen, große Teile der Anlage abzureißen.

Die kontrollierte Sprengung der beiden Schornsteine war ein spektakuläres Ereignis, das zahlreiche Schaulustige anzog. Um 10:00 Uhr fiel der Startschuss, und mit einem lauten Knall stürzten die Schornsteine in sich zusammen. Innerhalb weniger Sekunden verwandelten sie sich in riesige Staubwolken, die über das Gelände zogen. Die Sprengung war akribisch vorbereitet worden, um umliegende Gebäude und die verbliebenen Kraftwerksstrukturen nicht zu beschädigen. Ein Team von Experten hatte dafür gesorgt, dass der Abriss reibungslos und sicher ablief.

Mit dem Fall der Schornsteine ging auch ein Stück kulturelles Erbe der Region verloren. Viele ältere Einwohner von Zschornewitz und Umgebung verbinden mit dem Kraftwerk persönliche Erinnerungen, da es über Jahrzehnte Arbeitsplätze sicherte und das Leben in der Region prägte. Doch die Sprengung war auch ein Zeichen für den Wandel in der Energiepolitik und die Abkehr von fossilen Brennstoffen. Deutschland hatte sich nach der Wiedervereinigung vermehrt erneuerbaren Energien zugewandt und viele Braunkohlekraftwerke stillgelegt.

Nach der Sprengung wurde das Gelände des Kraftwerks Zschornewitz weiter rekultiviert. Ein Teil der verbliebenen Strukturen wurde für denkmalpflegerische Zwecke erhalten, um an die Bedeutung der Industrieanlage zu erinnern. Das ehemalige Maschinenhaus steht heute unter Denkmalschutz und wurde in ein Museum umgewandelt, das die Geschichte des Kraftwerks und die Entwicklung der Energieerzeugung in der Region dokumentiert.

Die Sprengung der Schornsteine am 4. April 2012 markierte somit nicht nur das Ende einer technologischen Ära, sondern auch den Beginn eines neuen Kapitels für die Region Zschornewitz, die sich zunehmend auf eine nachhaltigere und umweltfreundlichere Zukunft ausrichtet.

Silvia Bartsch: Neue Präsidentin der Wismarer Bürgerschaft im Interview

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Am vergangenen Wochenende begrüßte Wism TV Silvia Bartsch, die neue Präsidentin der Wismarer Bürgerschaft, zu einem ausführlichen Interview. Frau Bartsch, die seit Juli 2023 das Amt innehat, erläuterte ihren Werdegang, die Aufgaben als Bürgerschaftspräsidentin und wie sie diese mit ihrem Hauptberuf als Pressesprecherin der Stadtwerke Wismar verbindet.

Zu Beginn des Gesprächs betonte Bartsch, dass sie nicht als Bürgerschaftspräsidentin „geboren“ wurde. Vielmehr sei ihre Wahl das Ergebnis eines demokratischen Prozesses. Nach ihrer erfolgreichen Kandidatur bei der Kommunalwahl 2024 wurde sie von den Wählerinnen und Wählern in die Bürgerschaft gewählt. Bei der konstituierenden Sitzung am 11. Juli stellte sie sich der Wahl zur Präsidentin und übernahm seitdem dieses verantwortungsvolle Amt. Es sei für sie eine große Ehre, Wismar in dieser Position vertreten zu dürfen.

Die Herausforderung, ihr Ehrenamt als Bürgerschaftspräsidentin mit ihrem Hauptberuf zu vereinbaren, meistert Bartsch mit einer klaren Struktur. Als Pressesprecherin der Stadtwerke ist sie für die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens zuständig – eine Rolle, in der sie schon seit fast 30 Jahren tätig ist. Durch gute Planung und Organisation gelingt es ihr, beide Aufgaben erfolgreich zu kombinieren. Sie betont, dass sie diese Herausforderung bewusst angenommen habe und nun nach einer Phase der Eingewöhnung sicher sei, beide Rollen miteinander zu verzahnen.

Silvia Bartsch stammt ursprünglich aus Anklam. Nach dem Abitur führte sie ihr Studium der Betriebswirtschaftslehre nach Zittau, nahe Dresden. Doch die Verbundenheit zum Wasser und der Wunsch, im Norden zu leben, zogen sie schließlich nach Wismar. Seit 1994 ist sie dort bei den Stadtwerken beschäftigt. In den vergangenen Jahrzehnten hat sie sich beruflich vor allem der Energiebranche verschrieben.

Neben ihrer beruflichen Tätigkeit engagiert sich Bartsch auch intensiv ehrenamtlich. Bereits durch ihre Arbeit bei den Stadtwerken kam sie in Kontakt mit vielen Vereinen und Verbänden der Stadt. Ihr Interesse, selbst aktiv zu werden, wuchs über die Jahre. Begonnen hat ihr ehrenamtliches Engagement in der Kindergartengruppe ihrer Tochter und später in der Schule. Doch Bartsch wollte mehr bewirken, insbesondere in der Wohnungswirtschaft und der Gestaltung von Lebensräumen in Wismar. Ihr Wunsch, sich in der Politik zu engagieren, um auch dort Einfluss auf die Entwicklung der Stadt zu nehmen, war ein logischer Schritt.

Wismar hat für Silvia Bartsch eine besondere Bedeutung. Sie beschreibt die Stadt als Ort, an dem sie von Anfang an herzlich aufgenommen wurde. Dies sei auch einer der Gründe, warum sie sich entschieden habe, der Stadt etwas zurückzugeben – durch ihr Engagement und ihre politische Arbeit. Besonders wichtig sei ihr, die Lebensqualität in Wismar für alle Bürgerinnen und Bürger weiter zu verbessern.

Als Bürgerschaftspräsidentin hat Bartsch klare Aufgaben: Sie leitet die Bürgerschaftssitzungen und sorgt dafür, dass diese sachlich und zielorientiert ablaufen. Zudem repräsentiert sie die Bürgerschaft nach außen und steht in engem Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt. Dieses Amt ist neben dem des Bürgermeisters eines der wichtigsten in Wismar.

Silvia Bartsch betont, dass sie sich ihrer Verantwortung als Präsidentin der Bürgerschaft voll bewusst ist. Sie freut sich darauf, gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Bürgerschaft, die Interessen der Stadt und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner bestmöglich zu vertreten.

Das Interview auf Wism TV gibt einen spannenden Einblick in den Lebensweg und die Motivation von Silvia Bartsch. Ihre klare Struktur, ihr Engagement und ihre Liebe zur Stadt Wismar zeichnen sie als Präsidentin der Bürgerschaft aus. Die Zuschauerinnen und Zuschauer von Wism TV können gespannt sein, wie sie in den kommenden Jahren die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Hansestadt Wismar prägen wird.

Wagner warnt vor Rechtsruck: AfD bedroht Demokratie in Thüringen

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Jens-Christian Wagner, Historiker und Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, äußerte sich nachdenklich zum Wahlergebnis in Thüringen. Vor der Landtagswahl hatte er eindringlich vor einem Rechtsruck gewarnt und unter anderem einen offenen Brief an 350.000 über 65-jährige Thüringer versendet, in dem er für die Wahl demokratischer Parteien appellierte. Nach dem Erstarken der AfD bei der Wahl, die nun die stärkste Fraktion im Landtag stellt, zeigte sich Wagner tief besorgt.

In seiner Rede am Samstag, während der Gedenkveranstaltung an das sowjetische Speziallager Buchenwald, sprach er vor Überlebenden, Politikern und Gästen über die bedenklichen Entwicklungen. Laut Wagner greift die AfD mit ihrer Programmatik und Rhetorik die Menschenwürde an und strebt die Errichtung eines autoritären, völkischen Staates an. Er wies darauf hin, dass die Partei in ihrer Propaganda den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine rechtfertigt und das autoritäre Putin-Regime unterstützt. Wagner warnte vor den gefährlichen Konsequenzen eines solchen Gedankenguts und vor der Erosion demokratischer und humanitärer Werte.

Doch nicht nur die AfD stand in Wagners Kritik. Er stellte fest, dass auch die Ampel-Koalition in Berlin migrationsfeindliche und rassistische Rhetorik übernommen habe. Themen wie Flucht und Migration würden fast ausschließlich im Kontext von Kriminalität diskutiert, was die Wählerschaft in die Arme der AfD treibe. „Es ist erschreckend, wie weit demokratische Parteien in ihrer Rhetorik der AfD gefolgt sind“, sagte Wagner. Viele Menschen hätten sich bei der Wahl bewusst für das Original, die AfD, entschieden, die gezielt Angst und Unsicherheit schüre.

Besonders kritisch sah Wagner den aktuellen „Überbietungswettbewerb“ in der politischen Rhetorik zu Themen wie Abschiebung und Abschottung. Statt Lösungen für reale Probleme wie Rentensicherung, Pflegenotstand, bezahlbare Mieten oder die Klimakrise anzubieten, würden einfache, populistische Parolen verbreitet. Für Wagner ist diese Entwicklung verstörend, da sie an die dunklen Zeiten Thüringens in den 1920er bis 1940er Jahren erinnert.

Wagners Rede fand im Kontext des Gedenkens an das sowjetische Speziallager Buchenwald statt, das 1945 auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers eingerichtet worden war. Rund 28.000 Menschen waren dort inhaftiert, von denen etwa 7.000 starben. Neben NS-Funktionären wurden auch Unschuldige eingesperrt, was deutlich machte, welche verheerenden Folgen die Missachtung rechtsstaatlicher Prinzipien und der Menschenwürde haben können. Wagner mahnte eindringlich, aus der Geschichte zu lernen und für die Werte der Demokratie zu kämpfen.

Omas gegen rechts in Werder: Für Freiheit und Demokratie und Gegen Hass und Spaltung

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In einer Rede, die während eines Protests gegen die AfD in Werder gehalten wurde, äußerten die „Omas gegen Rechts“ ihre Besorgnis über die wachsende Unterstützung für rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien in Deutschland. Die Rednerin richtete sich speziell an die Sympathisanten und Wähler der AfD, die sich häufig empört fühlen, wenn man ihre Partei pauschal als rechtsextrem oder faschistisch bezeichnet. Dabei machte sie jedoch deutlich, dass viele führende Mitglieder und Abgeordnete der AfD im Bundestag und in den Landtagen als rechtsextrem und neonationalistisch eingestuft wurden und sich offen durch nationalsozialistisches Gedankengut auszeichnen. Die AfD habe zudem enge Verbindungen zu extremistischen Gruppen wie der ehemaligen NPD, die bis Juni 2023 den Namen „Nationalsozialistische Partei Deutschlands“ trug.

In ihrer Ansprache forderte die Rednerin die AfD-Sympathisanten auf, kritisch zu hinterfragen, warum sie eine Partei unterstützen, die nachweislich ehemalige Stasi-Mitarbeiter in ihren Reihen habe. Zudem wies sie darauf hin, dass die AfD den Verfassungsschutz abschaffen wolle – ein Schritt, der ihrer Meinung nach nur der Vermeidung weiterer Beobachtungen und Aufdeckungen ihrer extremistischen Umtriebe diene. Sie hob hervor, dass die AfD Gewalt gegen politische Gegner nicht nur toleriere, sondern fördere. Dies zeige sich in der Tatsache, dass Parteivertreter in der Vergangenheit von „öffentlichen Hinrichtungen“ politischer Gegner gesprochen hätten, darunter SPD-Politiker, die an das Schafott geliefert werden sollten.

Ein weiteres Anliegen der Rednerin war die radikalisierende Rhetorik der AfD, die das Ziel verfolge, genügend Menschen zu mobilisieren, um einen politischen Umsturz herbeizuführen. Sie betonte, dass, auch wenn man mit der Politik nicht zufrieden sei, dies kein Grund sei, eine antidemokratische Partei zu wählen. Vielmehr müsse man in einer Demokratie durch Wahlen politische Veränderungen herbeiführen. Sie warnte davor, dass eine Wahl der AfD die Möglichkeit, unliebsame Politiker abzuwählen, langfristig zunichtemachen würde, da in einer Diktatur diese Option nicht mehr existiere. Wer die Demokratie wähle, wähle die Freiheit; wer jedoch die Diktatur wähle, verliere diese Freiheit.

Im zweiten Teil ihrer Rede bedankte sich die Rednerin bei den Zuhörern für ihre Aufmerksamkeit und ermahnte sie, die Würde aller Menschen zu achten – nicht nur die der Deutschen. Sie betonte, dass sie sich für die Integration von Geflüchteten und die Förderung der Vielfalt in der Gesellschaft einsetze. In diesem Zusammenhang forderte sie die Anwesenden auf, moralische und persönliche Unterstützung für diese Ziele zu leisten.

Zum Abschluss zitierte die Rednerin Erich Kästner und verwies auf die Lehren aus der Zeit des Nationalsozialismus: Man dürfe nicht warten, bis der Freiheitskampf als Landesverrat diffamiert werde und aus einem kleinen Schneeball eine unaufhaltsame Lawine werde. Sie rief die Zuhörer dazu auf, gegen die gefährlichen Entwicklungen in der Politik aktiv zu werden und den „rollenden Schneeball“ zu zertreten, bevor es zu spät sei.

Die Veranstaltung endete mit der Bildung einer Menschenkette und den skandierten Protestrufen der Teilnehmer, die ihren Widerstand gegen die AfD und deren politischen Ziele lautstark zum Ausdruck brachten. Die Menge forderte unter anderem ein Ende der Lügen und Täuschungen der AfD und setzte sich für den Erhalt von Demokratie, Vielfalt und Menschenwürde ein. Die symbolische Aktion verdeutlichte den gemeinsamen Willen der Teilnehmer, sich entschieden gegen rechtsextreme Tendenzen zu stellen und für eine offene und demokratische Gesellschaft zu kämpfen.

Digitale Mitfahrbänke: Smarte Mobilität für den ländlichen Raum

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Im Landkreis gibt es grundsätzlich einen recht guten öffentlichen Nahverkehr, doch gerade abgelegene Dörfer und weniger frequentierte Strecken sind oft nur unzureichend angebunden. Hier setzt das Projekt „KOMBI“ an, das bestehende Mobilitätslücken schließen soll und auf digitale Technologien setzt, um die Mitnahmebänke, die in vielen Orten bereits vorhanden sind, weiterzuentwickeln und zu vernetzen.

Mitnahmebänke, die in der analogen Form bereits an 18 Standorten in unserer Gemeinde stehen, bieten Menschen die Möglichkeit, spontan auf eine Mitfahrgelegenheit zu hoffen. Indem sie sich einfach an die Bank setzen, signalisieren sie, dass sie eine Mitfahrt zu einem bestimmten Ziel benötigen. Diese Form des sogenannten „Mitfahrbankings“ ist eine charmante und umweltfreundliche Lösung, um den Individualverkehr zu reduzieren und Mobilität auch abseits der Hauptverkehrswege zu gewährleisten. Allerdings ist das System stark von Zufällen abhängig: Nur wenn jemand vorbeikommt und erkennt, wohin die reisende Person möchte, funktioniert es. Hier setzt die Idee einer digitalen Erweiterung an, um den Service zuverlässiger, sicherer und planbarer zu machen.

Mit der neuen App soll es möglich werden, sich im Vorfeld zu verabreden, Mitfahrgelegenheiten zu planen und gleichzeitig das Gefühl von Sicherheit zu erhöhen. Wer eine Mitfahrt anbietet oder sucht, kann über die App auf verschiedenen Verifizierungsstufen eine Verbindung herstellen. Fahrer und Mitfahrer wissen so, mit wem sie unterwegs sind, was für ein zusätzliches Vertrauen sorgt. Die App zeigt dabei alle Mitnahmebänke auf einer Karte an und ermöglicht es den Nutzern, Mitfahranfragen zu stellen. So kann man beispielsweise konkret nachfragen, ob jemand von einer bestimmten Bank zu einer anderen mitgenommen werden kann. Zudem besteht die Möglichkeit, vorab über eine Chatfunktion Besonderheiten zu klären, wie etwa, ob es okay ist, einen Hund mitzunehmen.

Ein großer Vorteil des digitalen Ansatzes ist, dass er Barrieren abbaut. Während sich manche Menschen möglicherweise unwohl fühlen, sich einfach an eine Mitnahmebank zu setzen und auf eine Gelegenheit zu warten, senkt die App die Hemmschwelle für viele Nutzer. Insbesondere Personen, die in Bezug auf spontane Mitfahrgelegenheiten bisher unsicher waren, könnten durch die digitale Verknüpfung mehr Vertrauen und Mut entwickeln, den Dienst zu nutzen. Die Möglichkeit, das Profil des Fahrers oder der Fahrerin vorab zu sehen und Kontakt aufzunehmen, schafft Transparenz und erhöht die Bereitschaft, Mitfahrgelegenheiten anzunehmen oder anzubieten.

Das Projekt KOMBI zielt aber nicht nur auf die technische Lösung ab. Es geht auch darum, das soziale Miteinander zu stärken. Durch das Teilen einer Fahrt entstehen oft ungezwungene Gespräche, die Menschen verbinden. Gerade in ländlichen Gebieten, wo die Nachbarschaft eine wichtige Rolle spielt, kann die App helfen, neue Kontakte zu knüpfen und Vertrauen zwischen den Bewohnern aufzubauen. Die persönliche Begegnung steht dabei im Mittelpunkt, unterstützt durch eine smarte digitale Komponente.

Gefördert wird das Projekt im Rahmen des Modellvorhabens „Smarte LandRegionen“, das darauf abzielt, innovative Mobilitätslösungen zu entwickeln und in der Praxis zu erproben. Ziel ist es, einen digitalen Mobilitätsdienst zu schaffen, der nicht nur im eigenen Landkreis Anwendung findet, sondern langfristig als Vorbild für andere ländliche Regionen in Deutschland dienen soll. Insbesondere in Gegenden, wo der öffentliche Nahverkehr nur spärlich ausgebaut ist, könnte das digitale Mitfahrbanking eine Lösung sein, die sowohl ökologisch als auch sozial nachhaltige Mobilität ermöglicht.

Die App soll dabei nicht den öffentlichen Nahverkehr ersetzen, sondern ihn sinnvoll ergänzen. Gerade in Kombination mit Bussen und Bahnen, die in den größeren Ortschaften des Landkreises verkehren, könnte das digitale Mitfahrbanking eine flexible und zuverlässige Mobilitätslösung für den ländlichen Raum darstellen. So wäre es denkbar, dass Menschen eine Mitfahrgelegenheit bis zur nächsten Bushaltestelle oder zum nächsten Bahnhof nutzen, um von dort aus ihre Reise fortzusetzen.

Das Projekt befindet sich derzeit in der Entwicklungs- und Testphase. Die Erfahrungen aus dieser Phase sollen dazu beitragen, die App weiter zu optimieren und den Service an die Bedürfnisse der Menschen im ländlichen Raum anzupassen. Ziel ist es, den Menschen eine größere Mobilitätsfreiheit zu ermöglichen und gleichzeitig das soziale Miteinander zu stärken. Langfristig könnte die digitale Mitfahrbank eine wichtige Rolle dabei spielen, den ländlichen Raum lebendig zu halten und ihn besser an zentrale Infrastrukturen anzubinden.