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Bundestag beschließt Novellierung des SED-Unrechtsbereinigungsgesetzes

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Mit einem wegweisenden Beschluss hat der Deutsche Bundestag am 30. Januar 2025 eine umfassende Novellierung des SED-Unrechtsbereinigungsgesetzes verabschiedet. Die Gesetzesänderung bringt zahlreiche Verbesserungen für die Opfer der SED-Diktatur mit sich. Insgesamt werden in den kommenden vier Jahren 200 Millionen Euro zusätzlich bereitgestellt, um Betroffene finanziell und strukturell besser zu unterstützen.

Wichtige Änderungen: Mehr Anerkennung und finanzielle Sicherheit
Ein zentrales Element der Reform ist die Erhöhung der SED-Opferrente von bisher 330 Euro auf 400 Euro. Besonders bedeutsam: Die Bedürftigkeitsprüfung entfällt. Dies bedeutet, dass ehemalige politische Häftlinge diese Unterstützung unabhängig von ihrer aktuellen Einkommenssituation erhalten. Viele Betroffene hatten in der Vergangenheit kritisiert, dass diese Regelung einer nachträglichen Ungleichbehandlung gleichkomme. Nun wird ihre Lebensleistung unabhängig von wirtschaftlichen Zwängen gewürdigt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die erleichterte Anerkennung von Haftfolgeschäden. Die bisherige Regelung, nach der Antragsteller die gesundheitlichen Folgen der Inhaftierung nachweisen mussten, führte in der Praxis nur zu einer verschwindend geringen Anzahl von positiven Entscheidungen. Nun liegt die Beweislast bei den Behörden, die nachweisen müssen, dass keine Folgeschäden durch die Inhaftierung entstanden sind. Diese Umkehrung wird es vielen Betroffenen ermöglichen, endlich Anerkennung und finanzielle Unterstützung zu erhalten.

Entschädigung für Zwangsaussiedlungen
Eine weitere Neuerung betrifft die Opfer von Zwangsaussiedlungen. Diese Menschen wurden nach dem Bau der Berliner Mauer oder sogar davor gewaltsam aus ihren Heimatorten vertrieben und mussten ihr Eigentum unter staatlichem Zwang verkaufen. Sie erhalten nun eine einmalige Anerkennungszahlung in Höhe von 7.500 Euro. Auch wenn diese Summe keine vollständige Entschädigung darstellt, so wird sie doch als ein symbolischer Akt der Wiedergutmachung gewertet.

Härtefallfonds: Unternehmen in der Verantwortung
Zusätzlich wurde ein Härtefallfonds eingerichtet, in den der Bund zunächst jährlich eine Million Euro einzahlt. Dieser Fonds soll in besonders schweren Fällen zusätzliche Hilfe leisten. Besonders bemerkenswert ist die finanzielle Beteiligung der Firma IKEA, die sechs Millionen Euro in den Fonds einzahlt. Hintergrund ist die Aufarbeitung der Zwangsarbeit von politischen Häftlingen in DDR-Betrieben, die auch für westliche Unternehmen produzierten.

Doch nicht alle Unternehmen zeigen sich einsichtig: Die Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) kritisiert das Verhalten großer Konzerne wie Otto und Aldi, die sich bisher einer finanziellen Verantwortung entziehen. Wissenschaftliche Untersuchungen der Humboldt-Universität haben jedoch deren Verstrickungen in das System der DDR-Zwangsarbeit belegt. Der Druck auf diese Unternehmen wächst – und die Opferverbände kündigen an, weiter für Gerechtigkeit zu kämpfen.

Ein überfälliger Schritt der Gerechtigkeit
Die Reform des SED-Unrechtsbereinigungsgesetzes wird von vielen als historischer Fortschritt gewertet. Dieter Dombrovsky, Vorsitzender der UOKG, äußerte sich erfreut über die Änderungen: „Es geht nicht nur um Geld, sondern um Würde und Ehre der Menschen, die für die Demokratie und die Wiedervereinigung mehr geleistet haben als viele andere.“

Nach Jahrzehnten des Kampfes um Anerkennung haben die Opfer des SED-Regimes nun endlich spürbare Verbesserungen ihrer Lebenssituation erreicht. Die Novellierung des Gesetzes stellt eine überfällige Korrektur dar – und sendet zugleich ein klares Signal: Das Unrecht der DDR-Diktatur darf nicht in Vergessenheit geraten.

Innovationen in der DDR: Der Elsist als Vorreiter für Elektromobilität

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Der Elsist ist tatsächlich ein faszinierendes Kapitel in der Geschichte der DDR und ein frühes Beispiel für ein Elektrofahrzeug, das sich stark mit den Themen Umweltschutz und Fußgängersicherheit auseinandersetzte. Es ist beeindruckend, wie frühzeitig man sich mit solchen Themen beschäftigte und dabei innovative Lösungen fand – vor allem, wenn man bedenkt, dass der Elsist in einer Zeit entstand, in der Elektroautos noch weit von der breiten Masse entfernt waren.

Dass das Projekt von Jugendlichen in einer Arbeitsgemeinschaft wie der Station junger Techniker unter Anleitung von Fachleuten realisiert wurde, zeigt auch das Engagement und den Erfindungsgeist der Beteiligten, die trotz begrenzter Ressourcen ein funktionierendes Fahrzeug entwickelten. Die technischen Daten wie der Frontantrieb mit den 2,5 kW Motoren und die geringe Ladezeit von zehn Stunden sind für die damalige Zeit erstaunlich fortschrittlich.

Interessant ist auch, dass der Elsist ursprünglich als Sportwagen mit einem Benzinmotor geplant war, die Genehmigung jedoch am Genehmigungsverfahren scheiterte. Die Tatsache, dass der Elektroantrieb genehmigt wurde, ist ein spannender Aspekt, insbesondere da die politische Entscheidung dazu in Moskau fiel und nicht in der DDR-Hauptstadt Berlin.

Der Elsist war für seine Zeit ein innovatives Sicherheits- und Stadtauto, und der Vergleich mit modernen Fahrzeugen wie dem Opel E-Rock ist durchaus nachvollziehbar, da beide Fahrzeuge ähnliche technische Merkmale aufweisen. Es ist bedauerlich, dass die ursprüngliche Vision, eine kleine Serie von Fahrzeugen zu produzieren, nicht genehmigt wurde, aber es ist beeindruckend, dass das Auto nicht verloren ging und heute als technisches Denkmal gepflegt wird.

Die Geschichte des Elsist zeigt, wie technischer Erfindungsgeist, politische Rahmenbedingungen und der Wunsch nach Innovation miteinander verwoben waren.

Neubeginn nach der Zerstörung: Der Wiederaufbau von Chemnitz und der Familie

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Die Geschichte von Gottfried und Ursula Heiner ist eine der letzten Erzählungen von Zeitzeugen aus Chemnitz, die den verheerenden Luftangriff auf ihre Stadt am 5. März 1945 erlebten. Diese Erlebnisse werden alljährlich am Chemnitzer Friedenstag gewürdigt, um das Gedächtnis an die Zerstörung durch die Bombenangriffe zu bewahren und die Gräuel des Krieges nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Chemnitz war im Zweiten Weltkrieg ein bedeutendes Ziel alliierter Bomberangriffe, die vor allem auf die Industriebauten und die Infrastruktur der Stadt abzielten. Die Stadt erlebte eine schwere Zerstörung, bei der viele historische Gebäude, Wohnungen und Geschäfte dem Erdboden gleichgemacht wurden. Die Erinnerungen der überlebenden Zeitzeugen, wie sie Ursula und Gottfried Heiner sind, liefern uns einen ungeschönten Einblick in das Leid und die Ängste der Zivilbevölkerung, die den Angriffen ausgeliefert war.

Ursula und Gottfried Heiner wuchsen in Chemnitz auf, beide im Stadtteil Sonnenberg. Es war ein Leben in unsicheren Zeiten, geprägt von den Schrecken des Krieges. Die Erzählungen der beiden spiegeln die Perspektive der Kinder wider, die den Krieg zwar nicht vollständig begreifen konnten, aber dennoch hautnah mit den Auswirkungen konfrontiert wurden. Es waren die Geschichten von bombenzerstörten Straßen und brennenden Häusern, von der ständigen Bedrohung, die in der Luft lag und den erzwungenen Schutzräumen, die das Leben der Kinder prägten.

Gottfried Heiner erinnert sich daran, wie er als Kind immer wieder in den Schutzbunker geschickt wurde, sobald der Luftalarm ertönte. Der Klang der Sirenen, das Dröhnen der Flugzeuge und das Grollen der Explosionen gehörten zu den ständig wiederkehrenden Geräuschen, die seine Kindheit dominierten. In den Keller zu fliehen, war für ihn und seine Familie zur Gewohnheit geworden. Doch in dieser Dunkelheit, umgeben von Panik und Chaos, erlebte er eine andere Seite des Lebens. Die Keller wurden nicht nur zu einem sicheren Zufluchtsort vor den Bomben, sondern auch zu einem Ort, an dem das Zusammengehörigkeitsgefühl der Familie und der Nachbarn gestärkt wurde.

„Es war ein ständiger Kampf ums Überleben. Wir hatten nicht viel, aber wir hatten uns. Die Frauen, vor allem meine Mutter, waren die wahren Heldinnen dieser Zeit. Sie hatten den schwierigen Job, uns Kinder zu ernähren und gleichzeitig alles zu tun, um unser Leben zu schützen“, sagt Ursula Heiner. Sie hebt hervor, wie sehr ihre Mutter unter den Entbehrungen litt, aber immer versuchte, ihre Kinder zu versorgen. In den letzten Kriegsjahren, als die Lebensmittelrationierung zu einem echten Problem wurde, erinnerten sich viele Zeitzeugen an die Opfer, die die Mütter brachten, um ihre Kinder mit dem Nötigsten zu versorgen.

Die Erinnerungen an diese Zeiten sind nicht nur von Entbehrung, sondern auch von einer starken Gemeinschaft geprägt. Nach dem Krieg, als die Stadt in Trümmern lag, halfen die Nachbarn einander beim Wiederaufbau. Diese Solidarität in den Krisenzeiten prägte die Generation von Ursula und Gottfried Heiner. Ihre Erzählungen sind durchzogen von der Hoffnung, dass die nachfolgenden Generationen nicht nur die physischen Schäden des Krieges, sondern auch das emotionale Trauma und die Bitterkeit des Verlustes begreifen. „Was wir durchgemacht haben, soll nicht vergessen werden“, sagt Gottfried Heiner.

Für die Heiners war der Krieg nicht nur eine Zeit der Zerstörung, sondern auch eine Zeit des Neubeginns. Sie erlebten das tägliche Überleben, das Aufrechterhalten der menschlichen Würde inmitten der Trümmer und das Bemühen, eine neue Heimat zu finden, nachdem ihre alte zerstört war. Trotz der schrecklichen Erlebnisse blicken sie heute mit einer Mischung aus Trauer und Stolz auf ihre Vergangenheit zurück. Es waren die Jahre, in denen sie ihre Kindheit und Jugend verloren, aber auch die Jahre, die sie zusammenführten und ihre Liebe stärkten.

„Wir haben uns in einer Zeit kennengelernt, als der Krieg noch in den Köpfen war, als es noch viel zu bewältigen gab“, sagt Ursula Heiner. Die beiden heirateten 1961, und heute, fast 60 Jahre später, erinnern sie sich an ihre ersten Begegnungen, die noch von den Nachwirkungen des Krieges geprägt waren. Diese Zeitzeugen des Krieges sind nicht nur Zeugen des physischen Zerfalls von Chemnitz, sondern auch Zeugen des inneren Wiederaufbaus der Gesellschaft. Die Kriegsgeneration, so scheint es, war zugleich die Generation des Aufbruchs und des Wiederaufbaus.

Der 5. März 1945 bleibt ein düsteres Datum in der Geschichte Chemnizts, und jedes Jahr am Chemnitzer Friedenstag wird daran erinnert, dass der Krieg nicht nur Zerstörung brachte, sondern auch das Fundament für eine neue, friedlichere Zukunft legte. Ursula und Gottfried Heiner, die letzten Zeitzeugen der Zerstörung Chemnizts, wollen sicherstellen, dass ihre Erlebnisse nicht in Vergessenheit geraten. Ihre Geschichte ist nicht nur eine Erinnerung an das Leid, sondern auch an die Stärke und den Mut, die die Menschen in dieser Zeit bewiesen haben. Sie sind das lebendige Zeugnis einer Ära, die zwar in Trümmern endete, aber eine neue Hoffnung für die nachfolgenden Generationen hervorgebracht hat.

Wiedersehen mit Karl-Marx-Stadt 1964

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Das Wiedersehen einer ehemaligen Chemnitzerin mit ihrer Tochter und der Heimatstadt war Anlass für die Produktion des Amateurfilms „Wiedersehen mit Karl-Marx-Stadt 1964“. Der Besuch aus Saarbrücken dokumentierte auf 8-mm-Schmalfilm nicht nur die Unternehmungen der Familie, sondern auch zahlreiche Ansichten der Stadt. Dabei galt das besondere Interesse dem spezifisch „sozialistischen“ Erscheinungsbild der Stadt, wodurch ein einzigartiges Porträt von Karl-Marx-Stadt aus westdeutscher Perspektive entstand.

Der Film besticht durch seine qualitativ hochwertige Aufnahme auf langlebigem Material. Besonders bemerkenswert sind die animierten Sequenzen am Anfang und Ende des Films, die den dokumentarischen Charakter des Werks um eine kreative Note erweitern. Diese künstlerische Gestaltung, kombiniert mit authentischen Bildern des damaligen Stadtlebens, vermittelt ein vielschichtiges Bild der DDR-Stadt, die erst elf Jahre zuvor ihren historischen Namen Chemnitz verloren hatte.

Die filmische Reise beginnt mit der Ankunft der Saarbrücker Familie am Bahnhof Karl-Marx-Stadt, einem zentralen Verkehrsknotenpunkt der DDR. Hier fängt die Kamera die markanten baulichen Veränderungen ein, die im Zuge der sozialistischen Stadtplanung vorgenommen wurden. Besonders auffällig sind die großzügigen Straßenzüge und die neu errichteten Plattenbauten, die das Bild der Stadt zunehmend prägen. Ein Kontrast zu diesen modernen Bauwerken sind die historischen Relikte, die teilweise noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg stammen.

Die filmische Dokumentation widmet sich auch dem gesellschaftlichen Leben der Stadt. Szenen aus Parks, Cafés und Einkaufsstraßen vermitteln Eindrücke vom Alltag der Menschen. Auffallend ist das rege Treiben auf dem neu gestalteten Marktplatz, wo Kaufhallen und Geschäfte mit einheitlichem Warenangebot das sozialistische Wirtschaftsmodell widerspiegeln. Auch die Kulturpolitik der DDR findet in dem Film Erwähnung: Die Kamera hält Aufnahmen von Theatern, Kinos und Denkmälern fest, die die ideologische Ausrichtung des Staates verdeutlichen.

Besonders eindrucksvoll sind die Aufnahmen des Karl-Marx-Monuments, das zu jener Zeit noch nicht vollendet war. Der Film zeigt den Baufortschritt und dokumentiert damit ein bedeutendes Projekt der DDR-Architekturgeschichte. Neben den politischen Symbolen richtet sich der Blick des Filmemachers aber auch auf kleine, persönliche Momente: Eine Fahrt mit der Straßenbahn durch das Stadtzentrum, ein Besuch in der Wohnung der Verwandten oder das gemeinsame Mittagessen in einer HO-Gaststätte. Diese Szenen geben dem Film eine intime und nostalgische Note.

Interessant ist, dass der Film nicht nur als privates Erinnerungsdokument fungierte, sondern auch eine indirekte Auseinandersetzung mit der gesellschaftspolitischen Situation in beiden deutschen Staaten ermöglichte. Für westdeutsche Zuschauer, die den Film nach der Rückkehr der Familie in Saarbrücken sahen, bot sich eine seltene Gelegenheit, das Leben in der DDR aus nächster Nähe zu betrachten. Die Perspektive der ehemaligen Chemnitzerin verlieh dem Film eine besondere Emotionalität, da ihre Rückkehr in die alte Heimat sowohl Freude als auch Wehmut auslöste.

„Wiedersehen mit Karl-Marx-Stadt 1964“ bleibt ein bemerkenswertes Zeitzeugnis, das nicht nur das Stadtbild der 1960er Jahre einfängt, sondern auch die vielschichtigen Beziehungen zwischen Ost- und Westdeutschland widerspiegelt. Der Film zeigt, wie trotz politischer Trennung persönliche Bindungen und individuelle Erinnerungen weiterbestehen und durch künstlerische Mittel bewahrt werden konnten. Heute ist das Werk ein wertvolles Dokument für Historiker, Filmliebhaber und all jene, die sich für die Entwicklung Karl-Marx-Stadts, das Leben in der DDR und die Sichtweise westdeutscher Besucher auf den Osten interessieren.

DEFA-Studio für Trickfilme 1978: Ein Land im Bann der Falschgeldbande

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In einem westlichen Land sorgt eine gut organisierte Falschgeldbande für Aufsehen. Mit ausgeklügelten Methoden bringen die Kriminellen ihre perfekt gefälschten Banknoten in Umlauf und untergraben so das Vertrauen in die Finanzwelt. Während die Polizei vor einem Rätsel steht, erhält ein unscheinbarer Kommissar des Sittendezernats einen entscheidenden Hinweis.

Der Tipp kommt während der Schließung eines Bordells, das wegen illegaler Aktivitäten im Fokus der Ermittlungen steht. Ein Informant verrät ihm die entscheidende Spur, die zu einem Versteck der Falschgeldbande führt. Doch anstatt den Fall weiter zu verfolgen, gibt der Kommissar die Information an die Polizeiführung weiter. Der ehrgeizige Polizeipräsident sieht darin seine Chance, sich als strahlender Held zu inszenieren, und leitet daraufhin persönlich eine groß angelegte Razzia gegen die Falschmünzer.

Die Aktion verläuft erfolgreich: Die Bande wird zerschlagen, ihre Druckerpressen sichergestellt und der Polizeipräsident lässt sich für seinen vermeintlichen Coup feiern. Die Medien berichten ausführlich über den spektakulären Fahndungserfolg, und die Öffentlichkeit lobt das konsequente Vorgehen der Behörden. Während sich der Polizeipräsident im Scheinwerferlicht sonnt, nutzt der kleine Kommissar eine überraschende Gelegenheit.

Unbemerkt gerät ihm ein Bündel falscher Fünfzig-Mark-Scheine in die Hände. Als ihm bewusst wird, dass die Fälschungen so hochwertig sind, dass sie selbst von Banken nicht als solche erkannt werden, reift in ihm ein verwegener Plan. Er beschließt, das Falschgeld für sich zu nutzen. Mit einer geschickten Strategie betritt er eine fast ruinierte Bank und gibt sich als wohlhabender Investor aus. Seine Einsätze aus Falschgeld ermöglichen ihm, sich geschickt in die feine Gesellschaft einzukaufen.

Innerhalb kürzester Zeit vollzieht sich eine bemerkenswerte Wandlung: Vom unscheinbaren Beamten, der stets im Schatten seiner Vorgesetzten stand, avanciert er zu einem wohlhabenden und einflussreichen Mann. Während der Polizeipräsident weiterhin die öffentliche Anerkennung genießt, baut sich der Kommissar ein neues Leben auf – unauffällig, aber äußerst erfolgreich.

Der Fall wirft grundsätzliche Fragen über Moral und Opportunismus auf. Ist es wirklich Verbrechen, wenn ein Einzelner sich dasselbe zunutze macht, was andere in größerem Stil tun? Der Film „Der kleine Kommissar“ von Regisseur Kurt Weiler, produziert 1978 in den DEFA-Studios für Trickfilme, behandelt dieses Thema mit ironischem Unterton und entlarvt die Doppelmoral einer Gesellschaft, die zwischen Recht und Unrecht oft nur anhand des öffentlichen Ansehens unterscheidet. In farbenfrohen Animationen erzählt der Film die Geschichte eines unscheinbaren Mannes, der durch eine clevere List zu Ansehen und Wohlstand gelangt – ein raffinierter Kommentar auf gesellschaftliche Strukturen und menschliche Schwächen.

Regie: Kurt Weiler
Farbe, Animationsfilm
Deutsche Demokratische Republik (DDR)
DEFA-Studio für Trickfilme, 1978

Informationsveranstaltung zum neuen ZEISS-Produktionsstandort in Jena-Isserstedt

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Am 28. Januar 2025 fand in Jena eine umfassende Informationsveranstaltung zum geplanten neuen ZEISS-Produktionsstandort in Isserstedt statt. Ziel der Veranstaltung war es, die Öffentlichkeit frühzeitig über das Vorhaben zu informieren, die Planungs- und Genehmigungsprozesse zu erläutern sowie Anregungen und Bedenken der Bürger aufzunehmen. Die Veranstaltung unterstrich die historische Verbindung zwischen Jena und Carl Zeiss und betonte die wirtschaftliche Bedeutung des Projekts für die Region. Gleichzeitig wurden Herausforderungen in den Bereichen Verkehr, Umwelt und Infrastruktur thematisiert.

Die Veranstaltung begann mit einer Begrüßung durch den Bürgermeister und den stellvertretenden Begrüßungsredner Christian Gerritz. In seiner Rede hob der Bürgermeister hervor, dass das Vorhaben für die Stadt Jena eine große Bedeutung habe, da es nicht nur die langfristige Zukunft von ZEISS als Produktionsstandort sichere, sondern auch neue Arbeitsplätze schaffe und die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt stärke. Er betonte zudem, dass noch nicht alle Herausforderungen abschließend geklärt seien, insbesondere in den Bereichen Infrastruktur, Umweltverträglichkeit und Bürgerbeteiligung. Ziel der Veranstaltung sei es, möglichst viele Anliegen und Fragen der Bürger in die weitere Planung einfließen zu lassen.

Anschließend stellten Vertreter der Grundstücksverwaltungsgesellschaft sowie des beauftragten Planungsbüros Halden, Speer und Wagner das Vorhaben detailliert vor. Es wurde erläutert, dass sich das Projekt noch in einer frühen Machbarkeitsphase befinde und bisher keine 3D-Renderings oder Visualisierungen vorlägen. Dennoch wurde die Notwendigkeit betont, bereits frühzeitig eine umfassende Planung der Infrastruktur vorzunehmen, um spätere Engpässe zu vermeiden. Ein zentraler Punkt der Vorstellung war der Schutz der bestehenden Bebauung sowie der Bevölkerung vor Lärm und anderen Umweltbelastungen.

Die Bauleitplanung wurde durch die Stadtplanerin Heike Bormann erläutert, die detailliert auf die erforderlichen Änderungen im Bebauungsplan einging. Dabei wurde das Gebiet in zwei Zonen unterteilt: ein Gewerbegebiet, in dem Gebäudehöhen von bis zu 30 Metern zulässig sein sollen, und ein Industriegebiet mit maximalen Gebäudehöhen von 40 Metern. Verschiedene Gutachten zu Verkehr, Schallschutz, Klima, Wasserversorgung, Grundwasserschutz und Artenschutz wurden bereits in Auftrag gegeben oder befinden sich in Vorbereitung. Besonders betont wurde die Bedeutung der Umweltverträglichkeit des Vorhabens, da sich das Gelände in einer ökologisch sensiblen Region befindet.

Nach der Präsentation der Pläne folgte eine ausführliche Fragerunde, in der Bürger ihre Bedenken, Anregungen und Wünsche äußern konnten. Ein besonders intensiv diskutiertes Thema war die Standortwahl. Die Entscheidung für Isserstedt wurde unter anderem mit der begrenzten Fläche und den schwierigen topografischen Gegebenheiten des bisherigen Produktionsstandorts in der Jenaer Innenstadt begründet. Der neue Standort biete bessere Expansionsmöglichkeiten und ermögliche die Errichtung moderner Industriehallen für die Mechanik- und Optikproduktion.

Ein weiteres zentrales Thema war die Verkehrsanbindung. Bürger äußerten große Bedenken hinsichtlich des erwarteten Anstiegs des Verkehrsaufkommens während und nach der Bauphase. Besonders die Notwendigkeit einer Ortsumgehung für Isserstedt wurde mehrfach betont, da das Projekt dem Thema neue Priorität verleihe. Auch die Anbindung an den Mühltal-Radweg und die Verbindung nach Großstadthausen wurden diskutiert. Eine Verkehrsuntersuchung soll die Leistungsfähigkeit des bestehenden Straßennetzes analysieren und mögliche Entlastungsmaßnahmen entwickeln. Besonders problematisch wurde die Frage der Schwerlasttransporte gesehen, die durch das Vorhaben zunehmen werden. Eine enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde Magdala wurde in Aussicht gestellt, um den Schwerlastverkehr durch den Ort zu vermeiden. Zudem wurde die Frage aufgeworfen, ob die zusätzlichen Mitarbeiter von ZEISS zu einer stärkeren Verkehrsbelastung führen könnten, insbesondere da erwartet wird, dass viele aus Richtung Weimar pendeln werden.

Neben dem Verkehr wurden auch Fragen zur Infrastruktur und Versorgung diskutiert. Die Stadtverwaltung erkannte die Notwendigkeit an, die Wasserversorgung sowie das Abwassernetz an die neuen Anforderungen anzupassen. Möglichkeiten zur nachhaltigen Energieversorgung wurden ebenfalls thematisiert, darunter Windkraftanlagen und innovative Speichertechnologien wie Steinspeicher. Zudem ist eine Verlegung der bestehenden 110-KV-Leitung geplant. Für die Regenwasserbewirtschaftung soll ein neues Konzept entwickelt werden.

Auch Umwelt- und Naturschutzaspekte wurden intensiv besprochen. Bürger äußerten Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen des Projekts auf das lokale Klima, die Vogelwelt, Fledermäuse und den Grundwasserschutz. In diesem Zusammenhang wurde ein Grundschutzkonzept gefordert, um die Eingriffe in die Natur zu minimieren und geeignete Ausgleichsmaßnahmen zu ergreifen. Die Begrünung von Gebäuden und eine verstärkte Ortsrandeingrünung wurden als mögliche Maßnahmen genannt.

Ein weiteres wichtiges Thema war die Bürgerbeteiligung. Die Stadt Jena betonte, dass sie die Anliegen der Bürger ernst nehme und bemüht sei, diese in den Planungsprozess einfließen zu lassen. Die Veranstaltung diente dazu, Transparenz herzustellen und eine Grundlage für die weitere Beteiligung der Öffentlichkeit zu schaffen. Bürger haben die Möglichkeit, ihre Stellungnahmen einzureichen und sich über den aktuellen Stand der Planung zu informieren. Ein Ansprechpartner für die Ortsteilräte und den Ortsteilbürgermeister wurde gefordert, ebenso eine bessere Informationspolitik für die betroffenen Ortsteile.

Der Zeitplan für das Vorhaben sieht eine lange Realisierungsphase vor. Die Bebauung soll in mehreren Bauabschnitten erfolgen, wobei die erste Phase die untere Region des Grundstücks umfassen soll. Der Bebauungsplan soll 2026 rechtskräftig werden, und mit einer Gesamtbauzeit von 15 bis 20 Jahren wird gerechnet. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass die Bautätigkeit keine wesentlichen Einschränkungen der Lebensqualität in Isserstedt mit sich bringen wird.

In der Diskussion wurden zudem zahlreiche weitere Themen angesprochen. Bürger äußerten Anregungen zur Wohnbebauung, zur Einrichtung öffentlicher Plätze und eines Betriebskindergartens sowie zur Förderung des Radverkehrs. Auch die Frage, inwiefern ZEISS das Projekt durch Fördermittel finanziert, wurde gestellt. Zudem wurde der Wunsch geäußert, dass ZEISS eng mit der Bevölkerung zusammenarbeitet und Veranstaltungen organisiert, um den Dialog zwischen Unternehmen und Anwohnern zu fördern. Fragen zur Digitalisierung und Automatisierung der Produktionsprozesse wurden ebenfalls aufgeworfen, ebenso wie die Möglichkeit, die Mobilfunkverbindung in Isserstedt zu verbessern.

Zusammenfassend zeigte die Veranstaltung, dass das Interesse an dem Vorhaben groß ist und die Bürger sich intensiv mit den Auswirkungen des Projekts auseinandersetzen. Die Stadt Jena und ZEISS betonten, dass sie die Anliegen und Bedenken der Bürger in den weiteren Planungsprozess aufnehmen möchten. Die Veranstaltung legte den Grundstein für einen offenen und transparenten Dialog und unterstrich die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen Stadt, Unternehmen und Bevölkerung.

Einführung in das Format „Sprechen & Zuhören“: Ein Raum für respektvollen Dialog

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Das Format „Sprechen & Zuhören“ von Mehr Demokratie bietet einen Raum für einen offenen und respektvollen Dialog, der Menschen mit unterschiedlichen Meinungen und Perspektiven zusammenbringt. In einer Zeit, in der die Gesellschaft immer häufiger als gespalten wahrgenommen wird und politische Diskussionen oft in Streitereien und Missverständnissen enden, erscheint dieses Gesprächsformat als eine dringend benötigte Möglichkeit, auf respektvolle Weise miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei geht es nicht darum, wer „Recht“ hat oder wer die besseren Argumente liefert, sondern vielmehr darum, sich als Teil der demokratischen Gesellschaft wahrzunehmen, persönliche Erlebnisse zu teilen und zu verstehen, wie es anderen in ihrer Lebenswelt geht.

„Sprechen & Zuhören“ wurde als Antwort auf die zunehmende Fragmentierung und Polarisierung in der Gesellschaft ins Leben gerufen. Der Grundgedanke hinter diesem Dialogformat ist einfach, aber wirkungsvoll: Menschen sollen in einem geschützten Raum die Möglichkeit erhalten, ihre Gefühle, Bedürfnisse und Erfahrungen auszudrücken, ohne dass sofort auf ihre Aussagen reagiert oder sie für ihre Meinung angegriffen werden. Hier geht es nicht um das Überzeugen der anderen, sondern darum, miteinander zu hören und zu verstehen. Jeder Teilnehmer bekommt die Gelegenheit, in kleinen Gruppen von maximal vier Personen zu sprechen, wobei die anderen lediglich zuhören. Während der Redezeit ist es den Zuhörern nicht gestattet, Fragen zu stellen oder zu kommentieren. Diese Struktur fördert eine Atmosphäre der Akzeptanz und des Respekts, in der jeder seine Gedanken ohne Unterbrechung äußern kann.

Das Format richtet sich an alle Bürgerinnen und Bürger, unabhängig von ihrer politischen Orientierung oder sozialen Herkunft. Ziel ist es, die Kluft zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zu überbrücken und einen Dialog zu ermöglichen, der nicht von Vorurteilen oder schnellen Urteilen geprägt ist. Gerade in Zeiten politischer Spannungen und polarisierter öffentlicher Debatten ist es von entscheidender Bedeutung, Räume zu schaffen, in denen Menschen ihre Differenzen auf eine konstruktive Weise diskutieren können. Dies gilt besonders für Themen, die emotional aufgeladen sind und zu tiefen Gräben zwischen den Menschen führen können, wie etwa das Verhältnis zwischen Ost- und Westdeutschland oder die Folgen der Corona-Pandemie.

Ein Beispiel für die Praxis des Formats sind Veranstaltungen in Städten wie Michendorf und Bad Belzig in Brandenburg, die im Jahr 2024 durchgeführt wurden. In Michendorf lud die Bürgermeisterin die Bürger ein, sich an dem Dialogformat zu beteiligen. In Bad Belzig wurde das Format bereits zum sechsten Mal angeboten, wobei die Themen in jeder Runde variierten – von kommunalen Fragen bis hin zu größeren, globalen Themen. Ein besonders aufschlussreiches Beispiel für die Wirkung dieses Formats gab es in Bad Belzig, als während eines Wahlkampfes kontroverse Diskussionen über Plakate der AfD aufkamen. In einer solchen Situation kann es leicht zu polarisierten und feindseligen Reaktionen kommen, aber das Format „Sprechen & Zuhören“ bot den Raum, in dem sich Menschen mit entgegengesetzten Meinungen ruhig und respektvoll austauschen konnten.

Der Austausch im Rahmen dieses Formats brachte oft überraschende, emotionale Erkenntnisse zutage. In einer Diskussion über das ost-westdeutsche Verhältnis nach den Landtagswahlen zeigte sich, wie tief die Gräben zwischen verschiedenen Gruppen in der Gesellschaft verlaufen. Während einige von Wut und Enttäuschung über die politischen Entwicklungen geprägt waren, versuchten andere, diese Emotionen zu verstehen und sich in die Perspektive der anderen zu versetzen. Es wurde deutlich, dass es nicht nur um politische Differenzen ging, sondern auch um tief verwurzelte Gefühle wie Resignation, Frustration und Angst.

Was dieses Format von anderen Diskussionsformaten unterscheidet, ist der Fokus auf das persönliche Erleben der Teilnehmer. Es geht nicht um eine intellektuelle Auseinandersetzung mit abstrakten Konzepten, sondern um die Frage: „Wie geht es mir mit diesem Thema?“. Diese persönliche Perspektive zu teilen, schafft eine Atmosphäre des Mitgefühls und der gegenseitigen Wertschätzung. Auch wenn die Positionen unterschiedlich und manchmal kontrovers sind, so wird der Dialog von einer Haltung der Offenheit und des Zuhörens geprägt, die in vielen anderen Diskussionsforen oft fehlt.

Die Resonanz auf das Format war überwältigend positiv. Teilnehmer berichteten von einer erstaunlichen Erleichterung und einem gesteigerten Gefühl der Verbundenheit. Das Format hatte nicht nur dazu beigetragen, dass die Teilnehmer einander besser verstanden, sondern auch ihre eigene Haltung und Wahrnehmung verändert. Sie berichteten, dass sie sich nach dem Austausch bereichert und offener für andere Perspektiven fühlten. In einigen Fällen führten diese Gespräche sogar zu einer stärkeren Identifikation mit der eigenen Gemeinde und einem intensiveren Engagement für die gemeinsame Zukunft.

Dieses Format hat das Potenzial, weit über die ersten Pilotveranstaltungen hinaus Wirkung zu zeigen. Aufgrund des großen Interesses und der positiven Rückmeldungen plant Mehr Demokratie, das „Sprechen & Zuhören“-Format in den kommenden Jahren deutschlandweit weiter auszubauen. Dabei wird das Format nicht nur von den Organisatoren durchgeführt, sondern auch von den Bürgern selbst übernommen. Es werden bereits Moderatoren ausgebildet, die das Gesprächsformat in ihren eigenen Gemeinden durchführen können. Das Ziel ist es, eine nachhaltige und breite Gesprächskultur zu etablieren, die es den Menschen ermöglicht, ihre Differenzen auf respektvolle und konstruktive Weise auszutragen.

In einer Zeit, in der viele Menschen das Gefühl haben, dass ihre Stimme in der politischen Landschaft nicht gehört wird, bietet „Sprechen & Zuhören“ einen wertvollen Raum für den Dialog. Es erinnert uns daran, dass Demokratie nicht nur auf Wahlen und politischen Institutionen basiert, sondern vor allem auf dem respektvollen Austausch und dem aktiven Zuhören zwischen den Menschen. Nur wenn wir bereit sind, einander zuzuhören und uns wirklich zu verstehen, können wir als Gesellschaft gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft finden.

Görlitz – Die Zauberhafte Stadt an der Neiße mit 4000 Baudenkmälern

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Görlitz, die charmante Stadt an der Neiße, feiert im Jahr 2025 ihr 950-jähriges Bestehen. Bekannt als „Neißeperle“ und als eine der schönsten Städte Deutschlands, hat sich Görlitz nicht nur als kulturelles Erbe erhalten, sondern ist auch ein Ort, an dem Geschichte und moderne Zeiten miteinander verschmelzen. Trotz der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg hat die Stadt ihre einzigartige Atmosphäre bewahrt, die durch eine Vielzahl von historischen Gebäuden und kulturellen Schätzen geprägt ist. Besonders markant ist die große Dichte an Baudenkmälern – etwa 4000 denkmalgeschützte Gebäude zeugen von der Geschichte und den Geschichten dieser Stadt.

Görlitz, die heute als Tor zu Schlesien gilt, zieht Besucher nicht nur mit seiner historischen Architektur an, sondern auch mit seinen Geheimnissen, die tief in den Gassen und unter den Häusern verborgen sind. Ein solches Geheimnis ist die jüdische Mikve unter dem Paul-Otto-Hotel, ein Ort, der vor rund 700 Jahren für rituelle Reinigungsriten genutzt wurde. Diese Mikve ist ein Zeugnis der jüdischen Geschichte in der Region und zeigt das tiefe religiöse und kulturelle Erbe der Stadt.

Auf der Via Regia, einem historischen Pilgerweg, der durch Görlitz führt, entdecken Besucher weitere faszinierende Sehenswürdigkeiten. Der Obermarkt und der Untermarkt, beide von prächtigen Renaissance-Gebäuden gesäumt, sind der Ursprung zahlreicher Geschichten. Besonders der Flüsterbogen, der älteste „Telefon“ der Welt, ist ein wahres akustisches Wunderwerk. Wenn man an diesem Bogen flüstert, kann der Klang über weite Distanzen gehört werden – ein fantastisches Phänomen, das im Jahr 1500 erbaut wurde.

Das Stadtbild wird von der prachtvollen Architektur dominiert, die teilweise auch als Kulisse für internationale Filmproduktionen dient. Görlitz hat sich den Spitznamen „Görliewood“ erarbeitet, da viele Filme, darunter Hollywood-Produktionen wie „Inglourious Basterds“ und „Der Vorleser“, hier gedreht wurden. Auch der „Grand Budapest Hotel“-Film, der mit mehreren Oscars ausgezeichnet wurde, nutzte Görlitz als Kulisse für seine Szenen.

Ein weiteres Highlight ist die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften, ein wahrer Schatz für Wissenssuchende und Geschichtsinteressierte. Die Bibliothek, die als größte und wertvollste zwischen Dresden und Breslau gilt, beherbergt 150.000 Bände, darunter bedeutende historische Werke und seltene Ausgaben wie eine russische Bibel aus dem 17. Jahrhundert.

Für Kulturinteressierte hat die Stadt noch viele weitere faszinierende Orte zu bieten. Das biblische Haus, ein Renaissance-Kaufmannshaus mit einer bemerkenswerten Sandsteinbilderbibel, ist ein weiteres Zeugnis der reichen Geschichte der Stadt. Die Legende besagt, dass ein Kaufmann aus Weimar, Hans Heinze, das Gebäude errichtete und damit nicht nur Wohlstand zeigte, sondern auch eine Botschaft an die Bürger sendete – durch die kunstvolle Bibeldarstellung an der Fassade.

Görlitz ist nicht nur ein Ort für Geschichts- und Architekturinteressierte, sondern auch ein Wallfahrtsort für spirituelle Pilger. Die Nachbildung des Heiligen Grabes, das an den Kreuzigungsweg Jesu erinnert, ist ein bedeutendes religiöses Denkmal und ein beliebtes Ziel für Pilger und Gläubige. Es ist ein Zeugnis der tief verwurzelten Frömmigkeit der Stadt, die bis heute eine bedeutende Rolle im religiösen Leben der Region spielt.

Die jüdische Geschichte Görlitz‘ ist ebenfalls untrennbar mit der Stadt verbunden, und die beeindruckende Synagoge aus dem Jugendstil, die im Jahr 1911 erbaut wurde, ist ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Obwohl die jüdische Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg fast vollständig ausgelöscht wurde, hat das Gebäude seinen Charme und seine Bedeutung bewahrt. Nach der Sanierung in den letzten Jahren wird die Synagoge heute für Konzerte und kulturelle Veranstaltungen genutzt, was die kontinuierliche Bedeutung jüdischer Kultur in der Stadt unterstreicht.

Doch trotz all dieser historischen und kulturellen Reichtümer ist es die einzigartige Atmosphäre der Stadt, die Görlitz zu einem faszinierenden Reiseziel macht. Es ist ein Ort, an dem die Vergangenheit lebendig ist und die Gegenwart in Einklang mit dieser Geschichte existiert. Die charmanten Gassen, die historischen Gebäude und die zahlreichen kulturellen Veranstaltungen machen Görlitz zu einem „Traumstadt an der Neiße“, einem Ort, der nicht nur im Herzen der Sachsen, sondern auch im Herzen der Besucher einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Gedenkgottesdienst „40 Jahre Sprengung der Versöhnungskirche“

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Am 27. Januar 2025 fand ein besonderer Gedenkgottesdienst anlässlich des 40. Jahrestages der Sprengung der Versöhnungskirche in der kleinen Kapelle der Versöhnung statt. Die Veranstaltung war gut besucht, und es nahmen auch Gäste teil, die weite Wege auf sich genommen hatten. Der Gottesdienst erinnerte an die bewegte Geschichte der Versöhnungskirche und schlug eine Brücke von der Zeit der DDR bis in die Gegenwart.

Die evangelische Versöhnungsgemeinde gedenkt der Sprengung ihrer damals im Todesstreifen des „Antifaschistischen Schutzwalls“ stehenden Kirche durch das SED-Regime. Pfarrer Thomas Jeutner, Jörg Hildebrandt und andere Zeitzeugen sprachen über den Verlust ihres „Gotteshauses“, das als „Zeigefinger Gottes“ inmitten der sowjetsektoralen Todeszone an die Unmenschlichkeit des SED-Regimes mahnte.

Begrüßungen und besondere Gäste
Zu Beginn wurden die Anwesenden herzlich begrüßt. Unter den Gästen befanden sich Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Berliner Mauer, und Frank Bröger vom ECO-Bauamt. Auch Einmuth Bellmann, die Subvententin des Kirchenkreises, sowie Vertreter aus Wiesdorf, Marzahn und Hohenschönhausen nahmen teil. Krankheitsbedingt konnten einige Gäste aus Hohenschönhausen jedoch nicht anwesend sein. Besonders hervorgehoben wurden die Familie Hildebrandt und Jörg Hildebrandt, der als Zeitzeuge über die Geschichte der Kirche sprach.

Erinnerung an die Sprengung
Die Versöhnungskirche wurde am 22. Januar 1985 (Kirchenschiff) und am 28. Januar 1985 (Kirchturm) gesprengt. Der Gottesdienst erinnerte an die massiven Planungen des ostdeutschen Staates und die symbolische Bedeutung der Kirche. Die Sprengung, ein Resultat des Drucks auf die brandenburgische Kirche, ermöglichte einen Grundstückstausch, der neue Gemeindegründungen in Ost-Berlin förderte. Viele Zeitzeugen erinnerten sich an den Staub, der nach der Sprengung über Stunden in der Luft hing.

Die Kirche wurde nicht nur als Gebäude, sondern als Symbol für den Geist Gottes und als Mahnung gegen die Unmenschlichkeit wahrgenommen. Der Verlust wurde von vielen als Zäsur empfunden, die auch auf die politische Situation während des Kalten Krieges hinwies.

Verbindungen zur Wendezeit und aktuelle Relevanz
Die Veranstaltung zeigte die Bedeutung der Kirche als Ort der Versöhnung. Regine Hildebrandt, die Frau von Jörg Hildebrandt und ehemalige Volkskammerabgeordnete, wurde zitiert: In einem Vorwort betonte sie die Notwendigkeit von Versöhnung in Deutschland und darüber hinaus. Diese Botschaft ist auch heute von zentraler Bedeutung, angesichts von Kriegen und gesellschaftlichen Spannungen.

Die Glocken der alten Kirche, die vor der Sprengung gerettet wurden, läuten noch immer als Mahnung. Ein Glockenteam, bestehend aus Hassan und Maximilian, kümmert sich um diese wichtige Aufgabe. Sie symbolisieren die Verbindung zwischen den Generationen und die bleibende Botschaft der Kirche.

Die Kapelle der Versöhnung
Die Kapelle der Versöhnung, die heute an der Stelle der gesprengten Kirche steht, dient als spirituelles Zentrum und Gedenkort. Der Altar und die von Kaiserin Auguste-Victoria gestiftete Bibel der alten Kirche werden weiterhin genutzt. Der Gemeinschaftsgarten, in dem Menschen aus 18 Ländern zusammenarbeiten, ist ein weiteres Symbol für Versöhnung und Verständigung.

Die Rolle der Versöhnung
Im Gottesdienst wurde die Versöhnung als theologisches und praktisches Konzept hervorgehoben. Sie wurde mit aktuellen Herausforderungen wie den Kriegen in der Ukraine und Hassparolen in Verbindung gebracht. Die Kollekte des Gottesdienstes war der Aktion Sühnezeichen gewidmet, einer Initiative für Verständigung und Frieden.

Ein besonderes Element war die Rede des Sprengmeisters Jürgen Lippock, der als gläubiger Christ die Sprengung der Kirche durchführen musste. Sein Satz „Es ist niemand gekommen“ verdeutlichte die Ohnmacht der Zeit und rief zu aktivem Engagement gegen Unrecht auf.

Der Gottesdienst schloss mit einem Lied und einem Gebet für Frieden und Versöhnung. Die Botschaft bleibt: Aus Verlust und Zerstörung kann etwas Neues entstehen, das Hoffnung gibt und mahnt.

Wilhelm Domke-Schulz: Eine Stimme für die DDR und die ostdeutsche Identität

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Als Wilhelm Domke-Schulz vor einigen Monaten ein Interview gab, zog er viele in seinen Bann. Seine klaren Positionen zur DDR, seiner Identität und dem „Anschluss“ an die Bundesrepublik polarisierten stark. Während viele Ostdeutsche seine Sichtweise als erfrischend empfanden, sahen Westdeutsche darin häufig eine überzogene Kritik. Jetzt legt der Filmemacher mit weiteren Einblicken nach. Seine Gedanken zur DDR, der Bundesrepublik und dem Wiedervereinigungsprozess sind radikal und werfen Fragen auf, die viele verdrängt oder längst als beantwortet angesehen haben.

Die DDR als Teil seiner Identität
Domke-Schulz definiert sich nicht durch seinen Pass, sondern durch seine Herkunft und seine Prägung. Für ihn bleibt die DDR mehr als ein Staat, der 1990 aufhörte zu existieren – sie ist ein Teil seiner Identität. „Ich bin ein DDR-Bürger, mental und kulturell“, betont er. Während andere das Ende der DDR als Befreiung feiern, sieht er in der Wiedervereinigung eine „feindliche Übernahme“. Besonders provokativ ist sein Beharren darauf, den 7. Oktober, den Gründungstag der DDR, als einen bedeutenden Feiertag zu würdigen. Für ihn symbolisiert die DDR einen Friedensstaat, der im Gegensatz zur Bundesrepublik nie einen Krieg geführt habe.

Der steinige Weg zum Filmemachen
Seine Karriere zeigt, wie eng persönliche Träume mit den Möglichkeiten der DDR verwoben waren. Der Weg zum Filmemacher führte ihn über das DEFA-Kopierwerk und ein Fachschulstudium hin zu seinem Ziel, das in der DDR durch den staatlich regulierten Zugang zu kulturellen Berufen stark eingeschränkt war. Dennoch schätzt er die systemischen Unterschiede zwischen Ost und West und sieht die Einschränkungen der DDR weniger als repressiv, sondern als notwendige Struktur eines sozialistischen Staates.

Kritische Analyse der Wiedervereinigung
Für Domke-Schulz ist die Wiedervereinigung kein Erfolg, sondern ein kultureller und wirtschaftlicher Schock für die Ostdeutschen. Er schildert, wie westdeutsche „Experten“ den Osten durch Arroganz und Unwissenheit dominierten. „Es war keine Wiedervereinigung, sondern eine Annexion“, stellt er klar. Besonders scharf kritisiert er die Zerstörung der DDR-Wirtschaft, die aus seiner Sicht absichtlich durch westdeutsche Interessen sabotiert wurde. Der Niedergang von Betrieben wie Kali-Ost oder der Kühlschrankfabrik DKK Scharfenstein sieht er als Beispiele für wirtschaftliche Feindseligkeit.

Medienkritik und Meinungsfreiheit
Seine Ansichten über die Medienlandschaft der Bundesrepublik sind nicht minder provokant. Die ARD nennt er „Besatzungsfernsehen“, das seiner Meinung nach eine westdeutsche Ideologie verbreitet und Ostdeutsche systematisch benachteiligt. Er berichtet von Situationen, in denen ostdeutsche Perspektiven gezielt ausgeklammert wurden – ein Vorwurf, der nicht nur die Medien, sondern die gesamte Gesellschaft betrifft. Domke-Schulz sieht Parallelen zwischen der DDR und der heutigen Bundesrepublik, insbesondere in Bezug auf die Einschränkung der Meinungsfreiheit.

Wirtschaftliche Perspektiven der DDR
Ein zentraler Punkt seiner Argumentation ist die Überlebensfähigkeit der DDR-Wirtschaft. Trotz bürokratischer Überregulierung sieht er im sozialistischen System eine Grundlage, die Bestand gehabt hätte. Die DDR bot Vollbeschäftigung, soziale Sicherheit und eine Gemeinwohl-orientierte Wirtschaftsordnung, die er der profitorientierten Marktwirtschaft der Bundesrepublik entgegenstellt. Er wirft der westdeutschen Exportpolitik vor, weltweit Arbeitslosigkeit zu verursachen, und betont, dass die DDR-Betriebe weltweit konkurrenzfähig gewesen seien.

Politische und gesellschaftliche Provokation
Eine seiner gewagtesten Thesen ist die Behauptung, dass die DDR kein Unrechtsstaat gewesen sei. Zwar gab es Repressionen, doch sieht er diese als Maßnahmen eines jeden Staates, um seine Gesetze durchzusetzen. Diese Perspektive steht im starken Gegensatz zur vorherrschenden westdeutschen Geschichtsschreibung, die die DDR oft als totalitäre Diktatur darstellt. Domke-Schulz wendet sich auch gegen die westdeutsche Einmischung in internationale Konflikte und kritisiert die Beteiligung der Bundesrepublik am Kosovo-Krieg.

Szenario ohne Wiedervereinigung
Domke-Schulz stellt sich die Frage, wie die DDR ohne die Wiedervereinigung ausgesehen hätte. In einem alternativen Szenario hätte die DDR seiner Meinung nach durch einen „demokratischen Sozialismus“ reformiert werden können. Die Bevölkerung hätte die Wahl gehabt, die Stärken des Systems zu bewahren und Schwächen zu überwinden. Doch er sieht die Verlockungen des Westens – Bananen, Konsumgüter und D-Mark – als entscheidenden Faktor, der die Menschen zu einem schnellen Systemwechsel bewegte.

Ein unbequemes Erbe
Die Positionen von Wilhelm Domke-Schulz sind unbequem, denn sie fordern eine neue Betrachtung der Wiedervereinigung und der DDR. Seine Kritik an der westdeutschen Dominanz, der Zerstörung der DDR-Wirtschaft und der Ausklammerung ostdeutscher Perspektiven zeigt auf, wie tief die Gräben zwischen Ost und West auch mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung noch sind. Ob man seinen Thesen zustimmt oder nicht – sie werfen Fragen auf, die nach wie vor gesellschaftlich relevant sind.