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Politik ohne Herz: Die Gefahr der Paragrafen-Republik

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Pater Franz Maria Schwarz, Prior von St. Wigberti, wendet sich in dieser Rede an seine Gemeinde, aber auch an die breite Gesellschaft, um wichtige Werte anzusprechen und die Menschen zur Selbstreflexion aufzurufen. Im Zentrum seiner Worte steht der Glaube, die Verantwortung und die Bedeutung von Gemeinschaft. Diese Rede zeichnet sich durch seine tiefgründigen Überzeugungen und seine Verbundenheit mit dem christlichen Glauben aus.

Zu Beginn betont Pater Franz die Dankbarkeit gegenüber Gott, insbesondere in einer Zeit, in der Gottesdienste nicht mehr selbstverständlich sind. Er erinnert daran, dass das dritte Gebot – „Du sollst den Feiertag heiligen“ – nicht verhandelbar sei. In einer Welt, die zunehmend von individuellen Entscheidungen dominiert wird, mahnt er an, die Zeit nicht nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten, sondern nach dem Willen Gottes. Für Pater Franz ist dies eine Frage der Prioritäten: „Wenn ich euch lieb bin, dann werdet ihr Zeit für mich haben.“ Er ruft dazu auf, sich diese Worte zu Herzen zu nehmen und das Verhältnis zu Gott in den Mittelpunkt zu stellen.

Er zeigt sich tief besorgt über die Entwicklungen in der modernen Gesellschaft und im politischen Leben. Die Auseinandersetzungen im Thüringer Landtag werden von ihm kritisch betrachtet. Es sei ein Armutszeugnis, wenn sich Politiker in endlosen Streitereien verlieren, anstatt das Wohl des Volkes im Blick zu haben. „Wenn die uns regieren wollen, sollen sie lieber heimbleiben“, sagt er mit einem deutlichen Verweis auf seine Erziehung und die Werte, die ihm seine Mutter mit auf den Weg gegeben hat: „Mein Junge, das gehört sich nicht.“ Respekt und Verantwortung sind für ihn fundamentale Tugenden, die in der heutigen Zeit oft verloren gegangen sind.

Pater Franz nimmt sich auch der Frage der Wahrheit an. Für ihn ist es unerlässlich, klar zwischen Wahrheit und Halbwahrheiten zu unterscheiden. Die christliche Wahrheit sei nicht flexibel, sie könne nicht nach Belieben interpretiert werden. Eine Halbwahrheit, so betont er, sei immer gefährlich und könne zu bösen Folgen führen. Besonders in einer Zeit, in der jeder nach seiner eigenen „Versung“ selig werden wolle, müsse man die Menschen darauf hinweisen, dass dies nicht der Weg sei, den Jesus uns vorgegeben habe. Der Glaube müsse klar und unmissverständlich gelebt werden, nur so könne er weitergegeben werden.

Die Zerrissenheit in Glaubensfragen und die Vielfalt der Kirchen sieht Pater Franz kritisch. „Jesus hat uns gewarnt, bleibt zusammen, haltet zusammen, dass ihr einig seid.“ Diese Einheit sei jedoch in Gefahr, wenn jeder nach seiner eigenen Überzeugung handle. Pater Franz mahnt eindringlich, dass die christliche Wahrheit nicht dem Zeitgeist geopfert werden dürfe. Es sei eine gefährliche Entwicklung, dass die Menschen immer mehr ihren eigenen Weg gehen wollen, ohne sich an der göttlichen Wahrheit zu orientieren.

Ein besonderes Anliegen ist Pater Franz die Familie und die Erziehung der Kinder im Glauben. Er ist überzeugt, dass Kinder den Glauben nur leben können, wenn er ihnen vorgelebt wird. „Die Kinder können glauben nur nachleben, wenn wir ihm vorleben.“ Die Verantwortung der Eltern und Großeltern sieht er als entscheidend an. Er lobt diejenigen Familien, in denen noch eine Großmutter für die Familie betet, und weist darauf hin, dass dies eine Kraftquelle sei, die viele unterschätzen. Ohne diese Glaubensvorbilder, so Pater Franz, drohe der Glaube in der nächsten Generation zu schwinden.

Mit klaren Worten fordert Pater Franz die Gesellschaft auf, sich nicht von Halbwahrheiten und vermeintlichen Lösungen blenden zu lassen. „Die Lüge braucht viel Erklärung, die Wahrheit ist nie lang“, betont er. Es sei wichtig, sich geistlich zu stärken, um den Versuchungen und Angriffen des Unglaubens widerstehen zu können. Der Glaube, die Hoffnung und die Liebe seien die drei zentralen Werte, die das Leben prägen müssten. Ohne diese Werte sei das Leben chaotisch und orientierungslos.

Zum Ende seiner Rede verweist Pater Franz auf die große Bedeutung des Gebets und der geistlichen Waffenrüstung. „Das aufrechte Gebet glaubt mir, das ist eine Kampfansage an alles Böse.“ Er ermutigt die Gemeinde, für den Schutz ihrer Familien und Kinder zu beten, denn nur durch das Gebet könne man die Angriffe des Bösen abwehren. Pater Franz macht klar, dass dieser Kampf um den Glauben ein fortwährender Prozess sei, der Geduld und Ausdauer erfordere. Die christlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe seien die einzige Antwort auf die Herausforderungen der heutigen Zeit.

Abschließend fordert er die Menschen auf, sich in Demut und Gebet wieder auf die wahren Werte zu besinnen. Nur so könne man die gesellschaftlichen und politischen Probleme überwinden und eine bessere Zukunft gestalten. Der Schlüssel liege in der Rückbesinnung auf die göttliche Ordnung, die in der Heiligen Schrift und den Sakramenten verankert sei. „Bleiben wir dran am Bau des Tempels der Liebe Gottes, um die Herzen zu stärken“, schließt Pater Franz seine Rede.

1989 für Freiheit gekämpft – heute von der AfD missbraucht?

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35 Jahre nach der friedlichen Revolution von 1989 steht Deutschland wieder vor einer Spaltung, insbesondere in Ostdeutschland. Die Alternative für Deutschland (AfD), die in Teilen rechtsextreme Positionen vertritt, gewinnt in dieser Region an Einfluss. Unzufriedenheit und das Gefühl, nach der Wiedervereinigung benachteiligt zu sein, treibt viele Wähler zu der Partei. In einer Zeit, in der sich Menschen nach Orientierung sehnen, bietet die AfD vermeintlich einfache Antworten. Sie verspricht ein Leben in Freiheit und behauptet, dass Deutschland heute kein freies Land mehr sei.

Was die AfD besonders verärgert, ist ihre Versuche, sich als Erbe der friedlichen Revolution von 1989 zu inszenieren. Bürgerrechtler wie Frank Ebert, der damals in der DDR gegen das autoritäre Regime kämpfte, sind empört über diesen Missbrauch der Geschichte. „Was wir hier in Deutschland haben, ist aus meiner Sicht eine der freiesten Gesellschaften, die es gibt auf der Welt“, sagt Ebert. Für ihn und viele seiner Mitstreiter von damals war die friedliche Revolution ein mutiger Schritt, der es Millionen von Menschen ermöglichte, endlich in Freiheit zu leben.

Die friedliche Revolution von 1989 war ein Wendepunkt in der deutschen Geschichte. Menschen gingen massenhaft auf die Straßen, um für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte zu kämpfen. Die DDR-Diktatur brach zusammen, und der Fall der Berliner Mauer wurde zum Symbol dieser historischen Errungenschaft. Erstaunlicherweise verlief dieser Umbruch weitgehend ohne Gewalt. Die friedlichen Demonstranten von damals forderten keine nationale Abschottung oder die Rückkehr zu autoritären Strukturen – sie wollten eine offene und demokratische Gesellschaft.

Heute jedoch verwendet die AfD die Parolen von damals, um ein ganz anderes Ziel zu verfolgen. Statt Demokratie und Freiheit predigt sie Nationalismus und Abschottung. „Die AfD bezieht sich auf die Slogans, die 1989 in der Breite der Bevölkerung verwendet wurden, und tut so, als ob wir diese Revolution erst noch vollenden müssten“, sagt Frank Ebert. „Sie suggerieren, dass wir in einer gewissen Unfreiheit leben und auf dem Weg in eine Diktatur seien, was meiner Meinung nach nicht der Fall ist.“

Ebert und andere ehemalige Bürgerrechtler werfen der AfD vor, die damaligen Forderungen nach Freiheit und Demokratie zu missbrauchen, um ihre rechtsextremen Ideologien zu legitimieren. Die Partei malt ein düsteres Bild der Gegenwart, in dem Freiheit und Demokratie angeblich in Gefahr seien. Doch für Ebert ist klar: „Freiheit hat auch etwas mit Verantwortung zu tun.“ Es sei wichtig, sich bewusst zu machen, wie man diese Freiheiten nutzt, die die Menschen damals unter großen Risiken erkämpft haben.

In den letzten Jahren hat sich das politische Klima in Deutschland verändert. Neben der AfD konnte auch das neu gegründete Bündnis von Sahra Wagenknecht, das zwischen Sozialismus und Nationalismus balanciert, beachtliche Erfolge bei den Regionalwahlen im Osten des Landes erzielen. Die politische Landschaft in Deutschland scheint sich zunehmend zu polarisieren, und das Gefühl, dass die Ostdeutschen nach wie vor benachteiligt sind, treibt viele in die Arme von Parteien, die einfache Lösungen für komplexe Probleme versprechen.

Doch vor 35 Jahren waren es die grundlegenden Menschenrechte, für die die Menschen auf die Straße gingen. Sie kämpften für Meinungsfreiheit, Reisefreiheit und die Möglichkeit, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Diese Errungenschaften, betont Ebert, dürfen nicht vergessen werden. Es sei wichtig, die Freiheiten, die heute in Deutschland existieren, zu schätzen und zu schützen. „Die Freiheit, die wir jetzt haben, nutzen alle – aber sie sollten überlegen, wie sie diese Freiheiten nutzen.“

Frank Ebert weiß, dass Demokratie anstrengend ist. Sie erfordert ständige Wachsamkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. „Demokratie ist kein Zustand, der einfach von selbst bestehen bleibt“, sagt er. „Wenn wir nicht bereit sind, unseren Beitrag zu leisten, wird sie nicht von allein bestehen.“ Eine erneute Spaltung Deutschlands, wie sie sich heute abzeichnet, will er nicht hinnehmen. Ebert ist fest entschlossen, die Freiheit zu verteidigen, für die er und viele andere vor 35 Jahren gekämpft haben.

Deutschland steht heute vor der Herausforderung, die Spaltung zwischen Ost und West zu überwinden und die Errungenschaften der friedlichen Revolution zu bewahren. Dabei dürfen Parteien wie die AfD, die Nationalismus und Abschottung predigen, nicht das letzte Wort haben. Frank Ebert und viele andere Bürgerrechtler werden weiterhin daran erinnern, dass die Revolution von 1989 nicht für Nationalismus, sondern für Freiheit und Demokratie stand – und dass diese Werte auch in Zukunft verteidigt werden müssen.

Die Mauer von Babelsberg: Klein Glienicke im Schatten der Teilung

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Babelsberg, ein Stadtteil von Potsdam, und das angrenzende Klein Glienicke sind Orte, die während der Teilung Deutschlands eine besondere Rolle spielten. Die Berliner Mauer, die 1961 errichtet wurde, schnitt nicht nur die Hauptstadt, sondern auch umliegende Regionen wie Babelsberg und Klein Glienicke in zwei Hälften. Diese Gebiete wurden zu einem symbolischen Brennpunkt der politischen und gesellschaftlichen Spannungen zwischen Ost und West.

Klein Glienicke, bekannt für seine malerischen Landschaften und historischen Villen, wurde zu einem der Siedlungsgebiete, die direkt an der Grenze zwischen der DDR und West-Berlin lagen. Die Mauer umschloss Klein Glienicke und ließ es wie eine Insel im Meer der DDR erscheinen. Die dort lebenden Menschen waren ständig mit den Konsequenzen der politischen Teilung konfrontiert. Die Mauer trennte nicht nur Familien und Freunde, sondern schuf auch eine Atmosphäre des Misstrauens und der Angst.

Für die Bewohner Klein Glienickes bedeutete die Mauer mehr als nur eine physische Barriere. Sie war ein ständiger Reminder an die Teilung des Landes und die restriktiven Maßnahmen, die die DDR-Regierung ergriff, um ihre Macht zu sichern. Diejenigen, die in der Nähe der Mauer lebten, mussten sich mit den strengen Kontrollen und Passierscheinen arrangieren, die den Zugang zum Westen regelten. Jedes Betreten oder Verlassen des Gebiets war mit Herausforderungen verbunden, und der Alltag war von den politischen Spannungen geprägt.

Das Leben in Babelsberg und Klein Glienicke war von einer eigenartigen Dualität geprägt. Auf der einen Seite gab es die Schönheit der Natur, die historischen Bauten und das kulturelle Erbe, auf der anderen Seite das omnipräsente Gefühl der Überwachung und Kontrolle. Die Mauer selbst wurde von der DDR als ein Symbol für den Schutz des Sozialismus dargestellt, doch für viele war sie ein Symbol der Unterdrückung.

Die Grenze zwischen Ost und West war nicht nur ein geografisches, sondern auch ein ideologisches Konstrukt. In Babelsberg, wo die berühmten UFA-Studios ansässig sind, entwickelte sich eine kreative Szene, die trotz der Teilung einen Austausch zwischen Künstlern und Intellektuellen aus beiden Teilen Deutschlands ermöglichte. Die Mauer stellte jedoch auch für diese Gemeinschaft eine Herausforderung dar. Der Zugang zu westlichen Medien, Filmen und Kunst war stark eingeschränkt, was die kulturelle Isolation verstärkte.

Die Wende 1989 und der Fall der Mauer brachten für die Menschen in Klein Glienicke eine Erleichterung. Endlich konnten sie die physische und ideologische Trennung hinter sich lassen. Die Rückkehr zur Normalität war jedoch ein langsamer Prozess. Die Menschen mussten lernen, in einer neuen Realität zu leben, in der die alte Mauer nicht mehr das Bild ihrer Stadt prägte.

Heute erinnert die ehemalige Grenzanlage in Klein Glienicke an die Geschichte dieser Region. Gedenkstätten und Informationstafeln dokumentieren die Ereignisse der Vergangenheit und die Erfahrungen der Menschen, die in dieser besonderen Siedlung lebten. Die Mauer von Babelsberg und Klein Glienicke ist nicht nur ein Relikt der Vergangenheit, sondern auch ein wichtiges Zeugnis für den unermüdlichen Kampf um Freiheit und Einheit in Deutschland.

Die Geschichten der Menschen, die in der Nähe der Mauer lebten, sind ein Teil der kollektiven Erinnerung, die die Nation geprägt hat. Sie stehen für die Hoffnung auf Versöhnung und den Glauben an eine gemeinsame Zukunft. In der heutigen Zeit ist es von großer Bedeutung, diese Erinnerungen zu bewahren und die Lehren aus der Geschichte zu ziehen, um ein besseres Verständnis für die Herausforderungen der Gegenwart zu entwickeln.

Rückkehr in die Heimat: Chancen und Herausforderungen in Mecklenburg-Vorpommern

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In der Agentur von Martin Horst (39) dreht sich alles um Design, Marken und Kommunikation. Der gebürtige Neubrandenburger hat sich bewusst für seine Heimat entschieden. Für ihn waren Großstädte wie Hamburg oder Berlin nie eine Option. „Die krasseste Frage, die mir vor zwölf Jahren gestellt wurde, war: ‚Watt arbeitet man hier, hier ist doch nüscht‘“, erzählt Martin. Trotz dieser Vorurteile spürt er, dass sich die Wahrnehmung seiner Heimat im Bundeskontext verändert hat. „Wir wurden immer total unterschätzt. Es ist nicht mehr ganz so schlimm, aber die Leute wissen nicht, was hier geht. Sie denken, das ist hier Niemandsland.“

Das war für ihn ein Ansporn, zu zeigen, dass in Mecklenburg-Vorpommern viel möglich ist. Die Gründung seiner Firma geschah nicht in einer Großstadt, sondern wenige Kilometer entfernt – im Kinderzimmer auf dem Bauernhof seiner Eltern. „Bis auf ein Auslandsjahr ist Martin immer in Mecklenburg-Vorpommern geblieben“, stellt er fest. „Hier kann ich nicht nur Spuren hinterlassen, sondern auch etwas Positives bewirken. Für mich persönlich, weil ich mich damit ausleben kann, und auch für meine Heimat.“

Ein weiterer Blick auf Mecklenburg-Vorpommern führt uns zu Marina Spranger (41), die nach mehreren Jahren in Köln seit 2019 auf Usedom lebt. „Mecklenburg-Vorpommern ist für mich Naherholung und Sehnsuchtsort. Das macht mein Herz ganz weit auf. Wenn ich an den Strand komme, kann ich loslassen; alles fällt ab.“ Wie viele andere zog sie nach dem Studium in den Westen, um bessere Jobchancen zu nutzen. In Köln arbeitete sie als Medienmanagerin, bevor sie beschloss, zurückzukehren. „Irgendwie hatte ich dann genug. Es war sehr spürbar, dass der Zeitpunkt gekommen ist, hier wiederherzukommen und mein Wissen mitzubringen, um ein Stück weit etwas zu verändern.“

Der Traum vom Zurückkommen wurde für Marina nur möglich, weil es nun passende Jobs in ihrer Heimat gibt, insbesondere im digitalen Marketing. Sie wirbt für ihren Arbeitgeber auch auf „Rückkehrermessen“ und ermutigt andere, zurückzukehren. „Ich sage, dass es sich lohnt, hierherzukommen, dass sich die Region entwickelt hat und dass man hier sehr glücklich werden kann.“

Marina ist sich der kritischen Sicht vieler aus dem Westen auf den Osten bewusst, insbesondere wegen der AfD. „Das ist vielleicht in Teilen so, aber das braucht keinen Stempel, sondern Gehör und Verständnis. Im besten Fall gibt es sogar ein gegenseitiges Verständnis“, meint sie und bezieht klar Stellung.

Zurück bei Martin Horst, der sich gerade auf die Baubesichtigung eines neuen Projekts vorbereitet. Er plant, einen alten Baumarkt in eine neue Eismanufaktur umzubauen. „Das ist mein nächstes Projekt, und es ist bewusst auf dem Land“, erklärt er. „Dadurch entsteht vielleicht etwas, was einen selbst glücklich macht, und vielleicht trägt es dazu bei, dass das Umfeld positiv beeinflusst wird, weil Arbeitsplätze entstehen und Wertschöpfungen in der Region stattfinden.“ Auch regionale Partnerschaften sind für ihn von Bedeutung. „Wir arbeiten mit regionalen Firmen zusammen und möchten in Mecklenburg-Vorpommern bleiben. Es ist für mich ein optimaler Ort für ‚Macher‘.“

Er wünscht sich mehr Selbstbewusstsein in der Region. „Ich würde mir wünschen, dass wir mit mehr Selbstbewusstsein für das eintreten, was wir leisten. Wir haben den Beweis angetreten, dass wir Dinge hinbekommen. Ich glaube, das ist ein Ostding, dass man gebückter durch die Gegend geht, statt aufrecht und stolz. Wir können auf vieles stolz sein. Mehr Selbstbewusstsein ist ein Punkt, bei dem sich beide, Martin und Marina, einig sind, wenn sie über Mecklenburg-Vorpommern sprechen.“

Theresia, eine weitere Protagonistin dieser Diskussion, bringt es auf den Punkt: „Es lohnt sich, in den Osten zurückzukehren. Ich würde aus Trotz sagen, man darf die Räume nicht den Extremisten überlassen.“ Sie spricht die Überalterung in MV an und betont, dass es viele leerstehende Orte gibt, die man in großen Städten wie Berlin oder Hamburg nicht findet. „Trotzdem kann ich es den Menschen nicht übel nehmen, die im Osten wegen der Diskriminierung durch Migrant*innen jetzt im Westen leben. Ich hatte hier nicht die Studienmöglichkeiten. Ich wollte Jura studieren und bin also nach Köln und Paris gegangen. Aber im Westen habe ich derzeit mehr Perspektiven.“

Theresia plädiert dafür, die Gebiete nicht den Rechten zu überlassen. „Verstehen Sie, wenn Leute Vorbehalte haben, hierher zu ziehen? Ich würde Menschen ermutigen, in ostdeutsche Gebiete zu gehen. Es lohnt sich zu kämpfen und Gleichgesinnte zu suchen. Man sollte nicht naiv sein. Man muss sich damit auseinandersetzen, dass man eventuell Hass erfährt.“

Ihre Sichtweise auf die Zukunft ist optimistisch, auch wenn die aktuelle politische Situation besorgniserregend ist. „Ich bin aus Prinzip optimistisch. Ich sehe viele Tendenzen der Polarisierung in Debatten. Es hängt davon ab, wie wir es schaffen, den demokratischen Diskurs zu beleben. Wir müssen die Abstiegsängste von allen Menschen ernst nehmen. Ich glaube, wir können es schaffen.“ Theresia betont, dass eine Kommunikation auf Augenhöhe notwendig ist, um ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln.

Obwohl sie kurzfristig pessimistisch ist und Bauchschmerzen hat, wenn sie die politischen Debatten beobachtet, bleibt sie optimistisch, dass ein Wandel möglich ist. „Danke schön, Theresia Crone“, schließt der Dialog.

Die Geschichten von Martin, Marina und Theresia zeigen, dass es in Mecklenburg-Vorpommern eine lebendige Kultur des Wandels gibt. Die Rückkehr in die Heimat ist für viele eine Entscheidung, die mit Hoffnungen und Herausforderungen verbunden ist. Doch die Motivation, aktiv an der Gestaltung der Zukunft mitzuwirken, ist stark und treibt viele an, ihre Heimat neu zu entdecken und zu gestalten.

35 Jahre danach: Die Prager Züge und die Flucht in die Freiheit am Hofer Bahnhof

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Der Hofer Bahnhof ist nun offiziell ein Ort der deutschen Demokratiegeschichte – eine Plakette soll künftig daran erinnern. Sie soll den Blick auf die dramatischen Ereignisse des 1. Oktober 1989 lenken, als die Züge mit tausenden DDR-Flüchtlingen aus der Prager Botschaft in die oberfränkische Stadt Hof einfuhren. Punkt 6:00 Uhr morgens erreichte der erste Zug den Bahnhof. Es war der Anfang eines unvergesslichen Tages, der sich tief in das kollektive Gedächtnis Deutschlands eingebrannt hat.

Damals sprach der westdeutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher vom Balkon der Prager Botschaft die erlösenden Worte, die eine monatelange Wartezeit für tausende Flüchtlinge beendete: „Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise…“ Die Botschaft brach im Jubel aus, denn die Menschen wussten: Die erhoffte Flucht in die Freiheit würde endlich Realität werden. Das Gelände der Botschaft war zu diesem Zeitpunkt völlig überfüllt, die Zustände kaum noch tragbar. Eine Lösung musste her – und die kam in Form von Sonderzügen, die die Menschen über die DDR nach Westdeutschland, genauer gesagt nach Hof, brachten.

Die Entscheidung der Ostberliner Führung, die Züge über DDR-Gebiet fahren zu lassen, war Teil eines historischen Kompromisses. Es bedeutete, dass die Menschen, die für ihre Freiheit so viel riskiert hatten, noch einmal die DDR passieren mussten, um in die ersehnte Freiheit zu gelangen. Doch die Angst wich schnell einem Gefühl der Erleichterung, als der erste Zug in Hof ankam. Viele der damaligen Flüchtlinge berichten noch heute voller Emotionen von diesem Moment. „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass hier jemand auf uns wartet“, erzählt eine Zeitzeugin, „doch plötzlich war der ganze Bahnhof voll mit Menschen. Sie haben uns umarmt, beschenkt und herzlich willkommen geheißen. Das werde ich niemals vergessen.“

Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung in Hof und Umgebung war überwältigend. Über Nacht mussten Tausende von Menschen versorgt werden – eine logistische Herausforderung, die mit einem beeindruckenden Gemeinschaftsgefühl gemeistert wurde. Menschen aus der ganzen Region kamen, um Kleidung, Essen und Unterkunft für die Ankommenden bereitzustellen. Es war ein Moment der Menschlichkeit, der die tiefe Sehnsucht nach Freiheit und Demokratie symbolisierte, die diese Zeit prägte.

Neben den Flüchtlingen, die aus Prag kamen, waren es auch die Lokführer und das Eisenbahnpersonal, die einen wichtigen Teil dieser historischen Mission erfüllten. Die Züge wurden von speziell ausgewähltem Personal gefahren, das besondere Anweisungen erhalten hatte. Jede Etappe der Reise war genau geplant, um die sichere Ankunft in Westdeutschland zu gewährleisten. „Es waren immer zwei Mann auf der Lokomotive“, erinnert sich ein ehemaliger Lokführer. „Die Fahrt war nicht einfach, es gab strikte Anweisungen und viele Augen ruhten auf uns.“

35 Jahre nach diesen turbulenten Tagen kommen die damaligen Zeitzeugen wieder zusammen – in einem Bahnhof, der nun als „Demokratieort“ geehrt wird. Westliche Helfer, geflüchtete DDR-Bürger und die heutige Generation gedenken der Ereignisse, die das Land nachhaltig veränderten. Der Hofer Bahnhof steht nicht nur als Symbol für die glückliche Ankunft der Flüchtlinge, sondern auch für den friedlichen Widerstand, der letztlich den Fall der Mauer und die Wiedervereinigung ermöglichte.

Doch das Erinnern allein genügt nicht, wie die Organisatoren der Gedenkveranstaltung betonen. „Es geht uns nicht nur um die Erinnerungsarbeit“, erklärt ein Sprecher. „Es geht uns darum, zu zeigen, dass Demokratie kein statischer Zustand ist. Sie ist nicht einfach von selbst gekommen und wird auch nicht von selbst bleiben, wenn wir nicht bereit sind, unseren Teil dazu beizutragen.“ Diese Mahnung ist gerade heute, in einer Zeit globaler und gesellschaftlicher Umwälzungen, aktueller denn je.

Der Hofer Bahnhof ist nun also nicht nur ein Verkehrsknotenpunkt, sondern auch ein Ort, der daran erinnert, was es bedeutet, in einer Demokratie zu leben. Die Geschichte der Züge aus Prag, die an diesem kalten Oktobermorgen die Freiheit brachten, ist ein Mahnmal der Menschlichkeit und der unstillbaren Sehnsucht nach einem Leben in Freiheit. Sie zeigt, dass der Wunsch nach Demokratie und die Bereitschaft, für sie zu kämpfen, auch heute von großer Bedeutung sind.

Die Erinnerung an die dramatischen Tage von 1989 lebt weiter, und mit ihr die Erkenntnis, dass die Freiheit kein Geschenk ist, sondern ein hart erkämpftes Gut, das es zu bewahren gilt.

Ostdeutschland im medialen Zerrspiegel: Zwischen Vorurteilen und Realität

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Der Umgang mit Ostdeutschland und seinen Bewohnern wird häufig durch stereotype Darstellungen und Vorurteile geprägt, die sowohl in der medialen Berichterstattung als auch im allgemeinen Diskurs immer wieder auftauchen. Die Wende und die damit verbundene Wiedervereinigung Deutschlands haben tiefgreifende Veränderungen mit sich gebracht, nicht nur in Bezug auf politische und wirtschaftliche Strukturen, sondern auch hinsichtlich der Wahrnehmung der Menschen in Ostdeutschland.

Schon früh wurde ein Bild gezeichnet, das den „Ossi“ als defizitären Bürger darstellt – wirtschaftlich benachteiligt, politisch unreif und anfällig für extreme politische Einstellungen. Diese Darstellungen wurden nicht selten von westdeutschen Medien übernommen und haben sich in der öffentlichen Meinung verfestigt. Es entstand eine klare Trennung zwischen dem „modernen“ Westen und dem „rückständigen“ Osten. In den Jahren nach der Wiedervereinigung wurde Ostdeutschland immer wieder zum Symbol für gescheiterte Transformationsprozesse, soziale Probleme und, besonders in den letzten Jahren, für Fremdenfeindlichkeit und rechtsextreme Tendenzen.

Die medialen Bilder von wütenden Demonstranten, die gegen die Aufnahme von Geflüchteten protestieren, haben sich besonders in den 2010er Jahren eingeprägt. Namen wie Chemnitz, Dresden oder Bautzen sind fast synonym für fremdenfeindliche Ausschreitungen geworden. Die Berichterstattung fokussiert sich häufig auf die extremen Ränder der Gesellschaft, während die Mitte oft unsichtbar bleibt. So wurde beispielsweise die Pegida-Bewegung von vielen Medien als Paradebeispiel für die Fremdenfeindlichkeit und die Rückständigkeit des Ostens dargestellt. Was dabei jedoch oft zu kurz kommt, sind die differenzierten Meinungen und die Vielfalt der Lebenswelten, die in Ostdeutschland existieren.

Die Frage, ob es sich bei diesen Darstellungen um mediengemachte Narrative handelt, oder ob sie die Realität widerspiegeln, ist nicht einfach zu beantworten. Sicherlich gibt es in Ostdeutschland Probleme mit Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit. Doch die pauschale Darstellung des gesamten Ostens als Brutstätte für rechte Bewegungen wird der Komplexität der Region und ihrer Bewohner nicht gerecht. Es gibt viele Menschen, die sich für Demokratie und Toleranz einsetzen, die aber oft nicht im Fokus der Berichterstattung stehen.

Ein weiteres Problem ist, dass die medialen Bilder nicht nur die Wahrnehmung von außen prägen, sondern auch das Selbstverständnis der Menschen in Ostdeutschland beeinflussen. Das Gefühl, immer wieder als problematisch, rückständig oder wütend dargestellt zu werden, führt bei vielen Ostdeutschen zu einer Art Resignation. Sie fühlen sich missverstanden und nicht gehört. Dieser Frust entlädt sich dann in Ablehnung gegenüber den Medien, die als „Lügenpresse“ diffamiert werden.

Hinzu kommt, dass die Berichterstattung über Ostdeutschland oft von Journalisten geprägt wird, die selbst aus dem Westen kommen und möglicherweise wenig Verständnis für die Lebensrealitäten in Ostdeutschland haben. Diese Diskrepanz zwischen den Medien und den Menschen vor Ort führt zu einem wachsenden Misstrauen und einer zunehmenden Entfremdung.

Es ist wichtig zu betonen, dass es auch in Ostdeutschland eine lebendige Zivilgesellschaft gibt, die sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus engagiert. In Städten wie Leipzig oder Jena gibt es eine starke linke Szene, die sich für Toleranz und Vielfalt einsetzt. Diese Stimmen werden jedoch oft von den medialen Darstellungen der extremen Rechten überlagert.

Die Ereignisse in Chemnitz 2018, bei denen es nach einem tödlichen Messerangriff zu rechtsextremen Ausschreitungen kam, sind ein gutes Beispiel dafür, wie medial ein Bild einer ganzen Stadt oder sogar einer ganzen Region geprägt wird. Während in den westdeutschen Medien oft pauschal von „rechten Hetzjagden“ gesprochen wurde, fühlten sich viele Chemnitzer zu Unrecht stigmatisiert. Sie waren schockiert darüber, wie ihre Stadt in den Medien dargestellt wurde, und viele von ihnen hatten den Eindruck, dass ihre Stimmen nicht gehört wurden.

Diese Art der Berichterstattung führt zu einer Verstärkung der bestehenden Vorurteile und verstellt den Blick auf die differenzierte Realität in Ostdeutschland. Statt eines offenen Dialogs zwischen Ost und West kommt es zu einer weiteren Polarisierung der Gesellschaft.

Insgesamt zeigt sich, dass die Medien eine wichtige Rolle dabei spielen, wie Ostdeutschland in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Sie haben die Macht, Narrative zu schaffen, die sich tief in das kollektive Bewusstsein eingraben. Gleichzeitig tragen sie eine Verantwortung dafür, diese Narrative immer wieder zu hinterfragen und zu überprüfen, ob sie der Realität gerecht werden. Es ist notwendig, den Osten Deutschlands in seiner ganzen Komplexität zu betrachten und nicht nur durch die Brille von Extremfällen und Stereotypen zu sehen. Nur so kann ein echter Dialog entstehen, der zu einem besseren Verständnis und einer Annäherung zwischen Ost und West führt.

Der Einsturz der Carolabrücke: Dresdens historische Verbindung vor ungewisser Zukunft

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Am 11. September ereignete sich in Dresden ein dramatischer Zwischenfall: Ein Teil der historischen Carolabrücke stürzte in die Elbe. Dieses unerwartete Ereignis hat nicht nur den Verkehr massiv beeinträchtigt, sondern auch die Versorgung der Stadt mit Fernwärme. Die Auswirkungen des Einsturzes sind erheblich und stellen die Stadt vor komplexe Herausforderungen, sowohl im Hinblick auf die Infrastruktur als auch auf den Denkmalschutz.

Bei einer Sondersitzung des Bauausschusses am Tag nach dem Einsturz wurden erste Lösungsansätze für den Wiederaufbau und die Sicherstellung der Versorgung diskutiert. Ein möglicher Ansatz sieht vor, die Fernwärmeversorgung über Umwege wiederherzustellen, indem Leitungen am Theaterplatz an das bestehende Netz angeschlossen werden. Die reine Bauzeit auf der Brücke selbst wird auf drei bis vier Wochen geschätzt. Dennoch bleibt die Sanierung eine große Herausforderung, vor allem in Anbetracht der umfangreichen Schäden.

Besonders problematisch ist die Frage, wie die Brücke, die als bedeutendes Bauwerk des Denkmalschutzes gilt, gerettet werden kann. Stefan Marx, ein Experte vom Institut für Massivbau, erläuterte die Schwierigkeiten bei der Untersuchung der Brückenteile. Anfangs schien es unmöglich, Teile der Brücke zu retten. Doch mittlerweile wird geprüft, ob die Schäden an bestimmten Bereichen nicht doch durch intensivere Untersuchungen behoben werden könnten. Marx betonte, dass es keine vorschnelle Entscheidung für einen Abriss geben dürfe, da bereits viele Mittel in die Erhaltung der Brücke investiert wurden und jede Möglichkeit geprüft werden müsse.

Eine zentrale Frage bleibt jedoch offen: Wie konnte die Carolabrücke ohne erkennbare Mehrbelastung einstürzen? Die Experten verfolgen derzeit zwei Hypothesen. Erstens könnte die extreme Hitze der Wochen vor dem Einsturz eine Rolle gespielt haben. In den heißen Tagen dehnte sich der Beton stark aus, während die Abkühlung in der Nacht des Einsturzes zu einer Kontraktion der äußeren Betonschichten führte. Diese Zugspannungen könnten letztlich den Einsturz ausgelöst haben. Zweitens wird vermutet, dass die letzte Straßenbahn, die die Brücke passierte, eine Art „Ruck“ verursachte, der den Bruch initiierte. Die Brücke hielt sich aufgrund der Koppelstellen zu benachbarten Brückenabschnitten noch eine Zeit lang aufrecht, bevor sie schließlich einstürzte.

Ein weiteres Problem betrifft die Fundamente der Brücke. Diese scheinen bereits vor dem Einsturz schwer beschädigt gewesen zu sein. Die Ursache dafür könnte die sogenannte „chloridinduzierte Korrosion“ sein, eine besonders gefährliche Form der Korrosion, die durch Streusalz hervorgerufen wird. Diese Korrosionsart greift gezielt den Stahl der Brücke an und führt zu einer punktuellen Zersetzung, was den Zusammenbruch einzelner Brückenteile erklären könnte.

Die Sanierung der Carolabrücke wird vermutlich Monate, wenn nicht Jahre in Anspruch nehmen. Die Brücke, die 1893 erstmals eröffnet und im Laufe der Jahrzehnte mehrfach umgebaut und modernisiert wurde, bleibt nicht nur ein Mahnmal für die Vergangenheit Dresdens, sondern auch eine große Herausforderung für die Zukunft. Ob und wann die Brücke wieder vollständig befahrbar sein wird, bleibt vorerst ungewiss.

Für die Stadt Dresden bedeutet der Einsturz der Carolabrücke nicht nur Verkehrsbehinderungen, sondern auch hohe Kosten und langwierige Bauarbeiten. Darüber hinaus muss eine Lösung gefunden werden, wie das historische Bauwerk erhalten und gleichzeitig den modernen Anforderungen an die Infrastruktur gerecht werden kann. Die Brücke war und ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in der Stadt, und ihr Wiederaufbau wird eine der dringlichsten Aufgaben der kommenden Monate sein.

Zusammenfassend bleibt die Carolabrücke in Dresden ein symbolträchtiges Bauwerk, das nun vor einem tiefgreifenden Wandel steht. Während einerseits die historische Bedeutung bewahrt werden soll, erfordert die Sanierung auch neue Ansätze und Technologien, um den Verkehrsfluss und die Versorgungsinfrastruktur wiederherzustellen. Der Einsturz war ein Weckruf, der die Bedeutung sorgfältiger Wartung und regelmäßiger Überprüfung der städtischen Infrastruktur auf dramatische Weise verdeutlichte. Dresden steht vor der Herausforderung, diese Brücke nicht nur zu reparieren, sondern auch für kommende Generationen zu erhalten.

DDR-Museen am Scheideweg: Zwischen Nostalgie und Neuausrichtung

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DDR-Museen sind ein fester Bestandteil der ostdeutschen Erinnerungskultur und nehmen eine wichtige Rolle bei der Aufarbeitung und Darstellung des Alltagslebens in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) ein. Sie zeigen zahlreiche Alltagsgegenstände aus unterschiedlichen Lebensbereichen wie Haushaltsgeräte, Kleidung, Spielzeug, und bieten Einblicke in die Arbeitswelt, das Bildungssystem und die Freizeitgestaltung in der DDR. Dabei geht es nicht nur um Nostalgie, sondern auch um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Leben in einem autoritären Staat.

Doch in der heutigen Zeit wird die Frage immer lauter, ob diese Museen noch zeitgemäß sind oder ob sie ein verzerrtes Bild einer Vergangenheit zeigen, die viele Menschen als repressiv und freiheitsfeindlich erlebt haben. Insbesondere die Darstellung des DDR-Alltagslebens, das häufig auf das Bekannte, das Vertraute und die Symbole der DDR-Nostalgie reduziert wird, steht in der Kritik. In einigen Fällen entsteht der Eindruck, dass durch die liebevolle Präsentation der Objekte die Härten des DDR-Systems in den Hintergrund rücken oder gar verklärt werden.

Die Frage, ob DDR-Museen neue Ideen brauchen, um das Ost-Erbe bewahren zu können, ist nicht unbegründet. Es gibt Stimmen, die meinen, dass der Fokus der Museen nicht nur auf den Alltagsgegenständen und der gelebten Kultur liegen sollte, sondern dass auch die politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Probleme der DDR stärker thematisiert werden müssen. Eine ganzheitliche Darstellung der DDR-Geschichte, die sowohl die Errungenschaften als auch die Mängel und das repressive System zeigt, ist entscheidend, um das Erbe des Ostens in einer ausgewogenen Form zu bewahren.

In den letzten Jahren mussten mehrere DDR-Museen schließen, was die Frage aufwirft, ob das Interesse an dieser Art von Museen nachlässt. Ein wichtiger Faktor für diese Entwicklung sind die finanziellen Schwierigkeiten vieler Museen. Vor allem kleinere DDR-Museen haben Probleme, die Betriebskosten zu decken, da die Besucherzahlen rückläufig sind. Die Corona-Pandemie hat diese Situation noch verschärft, da viele Museen über Monate hinweg geschlossen bleiben mussten. Diese Krise führte dazu, dass in den vergangenen zehn Jahren insgesamt elf DDR-Museen schließen mussten. Ihre Sammlungen wurden oft verkauft oder versteigert, was den endgültigen Verlust wichtiger Exponate für die Öffentlichkeit bedeutete.

Die Gründe für den Rückgang der Besucherzahlen sind vielfältig. Einerseits spielt der demografische Wandel eine Rolle: Viele derjenigen, die eine persönliche Erinnerung an die DDR haben, werden älter, und die jüngeren Generationen, die keine eigenen Erfahrungen mit dieser Zeit gemacht haben, sind möglicherweise weniger an einem Besuch solcher Museen interessiert. Andererseits könnte auch das Konzept der DDR-Museen überholt sein. Die Fixierung auf das Alltagsleben in der DDR allein scheint nicht mehr ausreichend, um die Menschen in großer Zahl anzulocken.

Die Museen stehen daher vor der Herausforderung, neue Wege zu finden, um das Interesse der Besucher zu wecken. Einige Ideen beinhalten interaktive Ausstellungen, die die Besucher stärker einbeziehen, oder Kooperationen mit Bildungseinrichtungen, um jüngeren Menschen die DDR-Geschichte auf eine lebendige und anschauliche Weise näherzubringen. Eine Verknüpfung mit aktuellen Themen wie Diktatur, Überwachung und Meinungsfreiheit könnte zudem helfen, die DDR-Geschichte in einen größeren Kontext zu stellen und Brücken zur Gegenwart zu schlagen.

Aktuell gibt es noch etwa 30 aktive DDR-Museen in Deutschland, wobei die größten und bekanntesten in Städten wie Berlin, Eisenhüttenstadt und Dresden zu finden sind. Sie beherbergen umfangreiche Sammlungen, die nicht nur den Alltag in der DDR dokumentieren, sondern auch die politischen und wirtschaftlichen Strukturen beleuchten. Diese Museen sind wichtige Orte für die Aufarbeitung der DDR-Geschichte, jedoch steht auch für sie die Frage im Raum, wie sie sich in Zukunft aufstellen müssen, um attraktiv zu bleiben.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass DDR-Museen nach wie vor eine wichtige Rolle in der deutschen Erinnerungslandschaft spielen. Doch um auch in Zukunft relevant zu bleiben, müssen sie sich den veränderten Anforderungen der Besucher anpassen und möglicherweise neue, innovative Konzepte entwickeln, die sowohl die Geschichte der DDR umfassend darstellen als auch einen Bezug zur Gegenwart herstellen. Der bloße Erhalt der Vergangenheit reicht nicht aus – es braucht frische Ideen, um das Ost-Erbe lebendig und zugänglich zu halten.

„Weimar fragt nach“ – Sprechstunde mit Oberbürgermeister Peter Kleine

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Liebe Weimarerinnen und Weimarer,

herzlich willkommen zu einer weiteren Sprechstunde des Oberbürgermeisters. Bekanntermaßen haben wieder einige Bürgerinnen und Bürger Fragen gestellt, die wir in diesem Rahmen beantworten möchten. Diesmal sind viele Fragen eingegangen, und wir werden das Ganze in zwei Teile aufteilen. Ich beginne mit einer Frage, die uns alle aktuell sehr beschäftigt: die Landtagswahl.

Es wurde nach meiner Meinung zur Landtagswahl gefragt, und dazu möchte ich gerne ein wenig ausholen. Zunächst einmal ist es erfreulich, dass rund 76% der Weimarerinnen und Weimarer ihr Wahlrecht wahrgenommen haben. Das ist ein Erfolg für die Demokratie, denn so viele Menschen haben noch nie hier in Weimar direkt an einer Wahl teilgenommen. Dies ist ein gutes Zeichen, das zeigt, dass die Demokratie funktioniert, auch wenn die Ergebnisse nicht jedem gefallen mögen. Die aktuelle Situation im Landtag stellt alle Parteien vor enorme Herausforderungen, und es wäre meines Erachtens falsch, Denkverbote zu verhängen. Solche Verbote erschweren nur die Lösung der Probleme. Ich bin gespannt, wie man diesen gordischen Knoten letztlich lösen wird.

Was die konstituierende Sitzung des Landtags betrifft, die am vergangenen Donnerstag stattfand, so muss ich sagen, dass dies keine Sternstunde der Demokratie war. Das Verhalten des Parlaments war teilweise unwürdig. Ich bin jedoch froh, dass der Thüringer Verfassungsgerichtshof am Freitag klare Grenzen aufgezeigt hat und der Willkür, die dort an den Tag gelegt wurde, ein Ende gesetzt hat. Nun, da ein Parlamentspräsident gewählt wurde, können wir hoffentlich zuversichtlicher in die Zukunft schauen und darauf hoffen, dass die parlamentarische Arbeit bald aufgenommen wird. Was die Bildung einer Regierung betrifft, so bin ich genauso gespannt wie Sie, aber ich bin fest davon überzeugt, dass alle Beteiligten ihrer Verantwortung gerecht werden müssen. Thüringen muss gestaltet und befriedet werden – anders funktioniert es nicht. Es bedarf dafür Kreativität, Mut und vor allem den guten Willen aller Beteiligten.

Ein weiteres Thema, das uns erreicht hat, betrifft den Zwiebelmarkt. Es wurde gefragt, warum es in Weimar keinen Zwiebelmarktkönig gibt. Die Antwort ist recht einfach: Traditionell suchen wir eine Zwiebelmarktkönigin, und ich finde, diese Tradition sollten wir bewahren. Genauso wenig, wie wir darüber nachdenken, den Weihnachtsmann durch eine Weihnachtsfrau zu ersetzen, sollten wir diese Tradition ändern. Ich bin sicher, dass unsere frisch gewählte Zwiebelmarktkönigin ihre Aufgabe als Botschafterin der Stadt Weimar und der Traditionen gut erfüllen wird.

Nun zu einem anderen Thema: Ordnung und Sicherheit in Weimar. Es wurde gefragt, warum das Ordnungsamt es nicht schafft, regelmäßig Kontrollen in der Leibnizallee durchzuführen, insbesondere an den Kreuzungen, wo oft Falschparker zu beobachten sind. Dazu habe ich mich beim Ordnungsamt erkundigt, und man hat mir mitgeteilt, dass es regelmäßige Kontrollen gibt, insbesondere an den Kreuzungen. Dort wird die Einhaltung des Parkverbots überwacht, aber natürlich können nicht alle Bereiche rund um die Uhr kontrolliert werden. Der städtische Ordnungsdienst hat nur eine begrenzte Anzahl an Mitarbeitern, und das Stadtgebiet ist groß. Sollten Ihnen dennoch Verstöße auffallen, können Sie diese jederzeit dem Ordnungsdienst melden, und wir werden versuchen, entsprechend zu reagieren.

Eine weitere Frage betrifft die sogenannte „grüne Welle“ im Straßenverkehr. Es wurde gefragt, ob es nicht möglich wäre, diese noch besser auszubauen, um einen flüssigeren Verkehr zu ermöglichen. Es gibt bereits Bereiche in Weimar, in denen eine grüne Welle vorhanden ist, wie etwa auf der Humboldtstraße bis zur Riesnerstraße oder auf der Ortsdurchfahrt der B7. Allerdings wird diese oft unterbrochen, da der Busverkehr Vorrang hat. Stadtbusse können die Grünphasen beeinflussen, um ihren Fahrplan einzuhalten. Das führt dazu, dass die grüne Welle ins Stocken gerät. Wir haben als Stadt abgewogen, und es ist uns wichtig, dass der öffentliche Personennahverkehr Vorrang hat, da dies den Fahrplan stabil hält. Zudem arbeiten wir daran, die Technik bei künftigen Ampelsanierungen zu verbessern, um die grüne Welle noch effizienter zu gestalten.

Nun zum Thema Tempo-30-Zonen. Es wurde gefragt, warum die Tempo-30-Zone in der Schwanseestraße nicht bis zur Fustraße verlängert wird, insbesondere mit Blick auf die Sicherheit der Schüler des Schillergymnasiums. Tempo-30-Zonen dürfen nur unter bestimmten Bedingungen eingerichtet werden, etwa an Unfallschwerpunkten oder in der Nähe von Schulen. Das Schillergymnasium liegt allerdings nicht nah genug, um eine Verlängerung der Zone zu rechtfertigen, und laut der Straßenverkehrsordnung darf eine Tempo-30-Zone maximal 300 Meter lang sein. Daher sehen wir momentan keine rechtliche Möglichkeit, diese Zone zu verlängern.

Zuletzt möchte ich noch auf eine Frage zum Thema Museen eingehen. Es wurde gefragt, warum es nicht öfter freien Eintritt in die Museen gibt. Die meisten Museen in Weimar gehören zur Klassikstiftung, die bereits zweimal im Jahr einen freien Eintrittstag anbietet. Die Stadt Weimar hat momentan keine finanziellen Mittel, um dies regelmäßig anzubieten, da die Einnahmen wichtig sind, um die Museen zu erhalten. In der Vergangenheit hat die Klassikstiftung die Erfahrung gemacht, dass an freien Eintrittstagen viele Menschen kamen, während an anderen Tagen die Besucherzahlen zurückgingen.

Ich hoffe, dass ich einige Ihrer Fragen beantworten konnte. Der zweite Teil dieser Sprechstunde wird in den nächsten Tagen folgen.

Herzliche Grüße,
Ihr Peter Kleine

Apolda: Eine Stadt voller Tradition, Überraschungen und unverwechselbarem Charme

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Apolda ist eine Stadt, die reich an Traditionen und Geschichte ist. Über die Jahre hat sich vielleicht eine leichte Patina auf ihren einstigen Glanz gelegt, doch das bedeutet keineswegs, dass die Stadt am Rande des Thüringer Waldes an Charme verloren hat. Mit ihren rund 200.000 Einwohnern und ihren unverwechselbaren Eigenheiten steht sie den Metropolen dieser Welt in nichts nach.

Während Berlin das Kaufhaus des Westens hat, kann Apolda mit der Marktpassage punkten. Los Angeles mag den berühmten Walk of Fame vorweisen, doch Apolda beeindruckt mit der „Allee der Brunnenbauer“. Und wo London das belebte Chinatown hat, findet man in Apolda ein gemütliches Asia-Bistro. Es ist also höchste Zeit, dieser faszinierenden Stadt einen Besuch abzustatten und ihre versteckten Schätze zu entdecken.

Ein besonderes Highlight ist die „Hessener Promenade“, ein kleines Paradies mitten in Apolda. Die idyllischen Seen, die durch Meteoritenkrater entstanden und 1995 geflutet wurden, ziehen bei Sonnenschein die Bewohner an. Hier genießt man die warmen Winde des Golfstroms und gönnt sich vielleicht eine Scheibe Leberkäse, während man die Natur bewundert. Im Frühjahr kehren die „Tipfelsumfüner“ – eine seltene Tierart – zurück an die Seen und bevölkern die Ufer, die von blauem Sandhafer bewachsen sind. Ihre Fohlen, die in Apolda zur Welt kommen, benötigen jedoch Zeit, um die prächtige Farbenpracht ihrer Eltern zu entwickeln.

Das milde Klima in Apolda sorgt dafür, dass sogar tropische Pflanzen wie Feigenbaumsämlinge gedeihen, die man normalerweise nur in den Regenwäldern Südamerikas findet. In der Nähe plätschert der „Apfelbach“, ein Nebenarm der Wolga, still und leise dahin.

Ein Wahrzeichen der Stadt ist der Bismarckturm. Von 1904 bis 2004 arbeiteten die Apoldaer Bürger an ihrem Turm – eine beeindruckende Bauzeit von 100 Jahren. Heute befindet sich in der Turmspitze eine Bäckerei. Der „Apothekergässchen“, eine kleine Passage, gilt als Inspiration für die East Side Gallery in Berlin. Hier stellen zahlreiche lokale Künstler ihre Werke aus, und die Kunstszene Apoldas floriert bis heute.

Apolda hat auch eine enge Verbindung zur Glockengeschichte. 305 v. Chr. wurde hier die Glocke erfunden, was Schiller dazu inspirierte, ein Gedicht darüber zu schreiben. In Apolda befindet sich außerdem das „Glockenmuseum“, wo Besucher Glocken aus vorbyzantinischer Zeit bestaunen können. Noch heute werden in Apolda Glocken für Schoko-Weihnachtsmänner und Schoko-Osterhasen von Hand gefertigt.

Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt ist das „Schloss Apolda“, das aufgrund seiner architektonischen Ähnlichkeit oft als „Neuschwanstein des Ostens“ bezeichnet wird. Berühmt ist das Schloss auch, weil sich Martin Luther einst in einem der Räume versteckte, nachdem er sein Versprechen, Mönch zu werden, gebrochen hatte. Hier in Apolda begann er mit der Übersetzung der Bibel.

Das Stadtbild Apoldas wird zudem von einem der größten Sackbahnhöfe westlich des Urals geprägt. Dieser Bahnhof ist leicht zu verwechseln mit dem Busbahnhof, jedoch erkennt man ihn an den fehlenden Bahngleisen. Hinter dem Bahnhof führt die „Freitreppe“ hinauf, die ihren Namen nach einem historischen Ereignis im Jahr 1971 erhielt.

Apolda ist auch bekannt für seine kulinarischen Spezialitäten. Eine besonders traditionsreiche Delikatesse ist Knäckebrot mit Worcestersoße – eine Kombination, die seit über 750 Jahren zum guten Ton in Apolda gehört.

Die Stadt hat natürlich noch viel mehr zu bieten. Zu den Besonderheiten gehören die „Johannes-Brahms-Plastik“, das McDonald’s mit McDrive, mehrere Kirchen sowie Orte für Geselligkeit. Apolda ist voller Potenzial und überrascht seine Besucher immer wieder aufs Neue.

P.S. Nicht alles so ernst nehmen!