Baubeginn am Gründerzentrum „lab2fab“ im Landgrafen-Campus der Universität Jena

Dr. Thomas Nitzsche, Beate Wachenbrunner, Prof. Dr. Ulrich S. Schubert undProf. Dr. Georg Pohnert (v.l.). (Credit: FSU Jena)
Dr. Thomas Nitzsche, Beate Wachenbrunner, Prof. Dr. Ulrich S. Schubert und
Prof. Dr. Georg Pohnert (v.l.). (Credit: FSU Jena)

Jena. Für die Gründungswilligen an der Friedrich-Schiller-Universität Jena gibt es neben der Unterstützung durch das Servicezentrum Forschung und Transfer (SFT) jetzt eine weitere konkrete räumliche Perspektive: Gerade ist mit den Bauarbeiten für das neue Grün­derzentrum „lab2fab“ im Landgrafen-Campus der Universität begonnen worden. Hier errichtet der Technologie- und Innovationspark (TIP) Jena bis Ende 2025 ein Gebäude mit 4.680 Quadratmetern, das junge Hightechfirmen für den Weg in den Markt fit machen wird.

„Transfer- und Gründerzentren verbinden die Universitätsforschung mit regionalen, manchmal sogar überregionalen Industrieunternehmen. Sie beschleunigen den Transfer wissenschaft­licher Erkenntnisse in die Wirtschaft, schaffen somit neue Produkte und Arbeitsplätze“, sagt Beate Wachenbrunner, Werkleiterin des städtischen Eigenbetriebs Kommunale Immobilien Jena (KIJ) und amtierende Geschäftsführerin des TIP Jena.

„Mit der Universität und den naturwissenschaftlichen Instituten, allen voran dem Zentrum für Energie und Umweltchemie (CEEC Jena) und dem Jena Center for Soft Matter (JCSM), haben wir in Jena ein großes Potenzial insbesondere im Bereich der Polymerwissenschaften, das eine Investition von 21 Millionen Euro zweifelsohne rechtfertigt. Unsere Stadt als Wissen­schafts­standort wird damit weiter gewinnen“, freut sich Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche.

Umweltrelevante Forschung in nachhaltige Produkte überführen

Das neu entstehende Gründerzentrum rundet die Bauprojekte am CEEC Jena ab, wo neben drei Forschungsgebäuden auch ein Anwendungszentrum errichtet wurde. Die Forschungen zu Energiespeichern/Batterien der Zukunft, sauberem Wasser für alle, Recycling und vielen weiteren (Umwelt-)relevanten Themen sowie Medizin- und Pharma-bezogenen Projekten laufen auf Hochdruck. Im Anwendungszentrum entstehen erste Prototypen oder Kleinserien von Produkten und damit der Beweis, dass sich die Ideen in der Praxis verwirklichen lassen. „Das neue Gründerzentrum wird es künftig Interessierten in nächster Nähe zur Forschung ermöglichen, Firmen aufzubauen, die diese Forschungsprodukte in die wirtschaftliche Praxis überführen; vom Labor direkt in die Fabrikation“, sagt Universitätsleiter Prof. Dr. Georg Pohnert in Anspielung auf den Gebäudetitel „lab2fab“.

Beispiele dafür sind die Firmen „Next Generation Pharma Polymers“ (NGP Polymers GmbH), die neue Pharmapolymere für zukünftige Arzneistoff-Formulierungen entwickelt, sowie die linkdlab GmbH, ein Chemie-KI-Start-up. Beide sind noch in Räumen der Universität unter­gebracht.

Neben den Ausgründungen sind im lab2fab auch Räume für das neue Helmholtz-Institut HIPOLE Jena vorgesehen. Dieses gemeinsame Institut des Helmholtz-Zentrums Berlin für Materialien und Energie (HZB) und der Universität Jena erforscht neue Polymer­materialien für Energieanwendungen. Darüber hinaus sind Räumlichkeiten für ein beantragtes Transfer­zentrum für nachhaltige Polymere vorgesehen.

„Selbst wenn die aktuellen Gründerinnen und Gründer noch in anderen Gebäuden unterge­bracht werden müssen, gibt es eine konkrete Perspektive für die Zukunft. Und dies wird, da bin ich mir sicher, auch weitere Forscher und Forscherinnen dazu animieren, ihre Erfindungen in die Wirtschaft zu überführen“, sagt Prof. Dr. Ulrich S. Schubert.

Denn dass aus dem wissenschaftlichen Umfeld im Landgrafengebiet bereits produktive Firmen entstanden sind, belegen beispielsweise die GmbHs Polytives und SmartDyeLivery. Sie entwickeln polymere Additive bzw. pharmazeutische Wirkstoffe mit polymeren Materialien.

Sahra Wagenknecht: Die Rückkehr geglaubter Vergangenheiten

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