Forschung auf der Friedrich-Löffler-Insel Riems – Der Lehrfilm von 1953

Wissenschaftlicher Lehrfilm von 1953 über die Tierseuchenforschungseinrichtung „Friedrich-Löffler-Institut“ auf der Insel Riems

Die Insel Riems ist eine kleine, aber bedeutende Insel in der Ostsee, die zur Gemeinde Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern gehört. Sie liegt im Greifswalder Bodden, einem seichten Küstengewässer zwischen der Insel Rügen und dem Festland. Riems hat eine besondere historische und wissenschaftliche Bedeutung, insbesondere im Bereich der Veterinärmedizin und der Virologie.

Bereits im Jahr 1910 gründete Friedrich Loeffler, ein bedeutender deutscher Bakteriologe und Entdecker des Erregers der Maul- und Klauenseuche, das weltweit erste virologische Forschungsinstitut auf der Insel. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) widmet sich seither der Erforschung von Tierkrankheiten, insbesondere solcher, die auch auf Menschen übertragbar sind (Zoonosen). Die abgeschiedene Lage der Insel bietet ideale Bedingungen für hochsichere Forschungseinrichtungen und Experimente mit gefährlichen Krankheitserregern.

Die Insel ist streng abgeschirmt und der Zugang ist stark reglementiert, um die Sicherheit der Forschungsarbeiten zu gewährleisten. Im Laufe der Jahre wurden auf Riems bedeutende Fortschritte in der Virologie erzielt, darunter die Entwicklung von Impfstoffen und die Erforschung von Tierseuchen wie der Vogelgrippe, der Schweinepest und anderen.

Neben ihrer wissenschaftlichen Bedeutung hat die Insel Riems auch eine interessante Geschichte. Während des Zweiten Weltkriegs diente die Einrichtung auf der Insel als wichtiges Forschungszentrum für die Wehrmacht. Nach dem Krieg wurde sie unter sowjetischer Besatzung weiter genutzt, bevor sie schließlich in die Hände der DDR überging. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde das Friedrich-Loeffler-Institut modernisiert und erweitert, um den neuesten wissenschaftlichen Standards zu entsprechen.

Heute ist das Friedrich-Loeffler-Institut auf Riems eine der führenden Einrichtungen für Tiergesundheit und Virologie weltweit. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung von Tierseuchen und trägt zur globalen Gesundheitssicherheit bei. Die Insel Riems bleibt ein zentraler Ort für bahnbrechende wissenschaftliche Forschung und ist ein Symbol für die wichtige Rolle Deutschlands in der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl