
Wenn in Rostock die Kräne am Überseehafen Container verluden, in Wismar Stückgut auf Frachter gebracht wurde oder in Stralsund Schlepper zwischen den Liegeplätzen manövrierten, arbeiteten Tausende Menschen an einem gemeinsamen Ziel: den Warenverkehr der DDR über die Ostsee und die Weltmeere am Laufen zu halten.
Mit dem Wachstum der Handelsflotte wurden die Wege zwischen Reedereien, Häfen und Versorgungsbetrieben jedoch immer komplizierter. Um die Abläufe besser zu koordinieren, entstand am 1. Januar 1974 das Kombinat Seeverkehr und Hafenwirtschaft (KSH). Unter seinem Dach wurden zahlreiche maritime Betriebe zusammengeführt.
Zum Kern des neuen Verbundes gehörte die Reederei Deutfracht/Seereederei, international unter dem Namen DSR-LINES bekannt. Von hier aus wurden Frachter, Spezialschiffe und ihre Besatzungen organisiert. Für viele Seeleute bedeutete das monatelange Fahrten zwischen Rostock, Leningrad, Kuba oder den Häfen Südostasiens. Während ihre Familien zu Hause auf Briefe warteten, verbrachten sie einen großen Teil ihres Arbeitslebens auf See.
Ende der 1980er-Jahre arbeiteten mehr als 24.500 Menschen im KSH, hinzu kamen über 2.700 Auszubildende. Die Flotte stellte mit einem Wert von rund 4,5 Milliarden Mark den größten Teil des Anlagevermögens des Kombinats dar.
Jahr für Jahr transportierten die Schiffe rund 13 Millionen Tonnen Güter. In den Häfen von Rostock, Wismar und Stralsund wurden etwa 25 Millionen Tonnen umgeschlagen. Kohle, Erz, Holz, Maschinen oder Konsumgüter wechselten hier zwischen Schiff, Bahn und Lkw. Besonders eng waren die Verbindungen zur Sowjetunion, über die ein großer Teil des Außenhandels abgewickelt wurde.
Zum Kombinat gehörten nicht nur Frachtschiffe und Hafenanlagen. Bagger hielten Fahrrinnen frei, Schlepper unterstützten beim An- und Ablegen, Bergungsschiffe standen für Notfälle bereit. Eigene Versorgungsbetriebe kümmerten sich um Schiffe und Besatzungen. So entstand ein weit verzweigtes System, das von den Werften und Kaianlagen bis hinaus auf die Handelsrouten der Welt reichte und den Alltag vieler Küstenstädte bestimmte.