Im Juni 1946 erschien erstmals die Monatsschrift „Einheit“. Herausgegeben vom Zentralkomitee der SED, verstand sich das Blatt als Organ für Theorie und Praxis des wissenschaftlichen Sozialismus. In einer Zeit politischer Neuordnung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sollte die Zeitschrift Orientierung geben – und zugleich eine verbindliche ideologische Linie vorgeben. Für die rasch wachsende Parteiorganisation wurde „Einheit“ zu einem zentralen Instrument politischer Schulung.
Die ersten Ausgaben wirkten auf den ersten Blick nüchtern und akademisch. Lange Abhandlungen über Marx, Engels und Lenin bestimmten das Bild, ergänzt durch Kommentare zur aktuellen politischen Lage in der sowjetischen Besatzungszone. Doch hinter der scheinbar trockenen Theorie stand ein klares Ziel: Die Partei sollte ideologisch gefestigt werden. Funktionäre, Parteischüler und politische Aktivisten erhielten mit „Einheit“ eine Art Leitfaden für Denken und Handeln im Sinne des Marxismus-Leninismus.
In vielen Parteiversammlungen und Schulungen wurden die Texte der Zeitschrift gemeinsam gelesen und diskutiert. Artikel erklärten ökonomische Grundbegriffe, interpretierten politische Entwicklungen und formulierten strategische Aufgaben. Die Sprache war geprägt von Begriffen wie Klassenkampf, antifaschistische Demokratie und historischer Mission der Arbeiterklasse. Zugleich spiegelten die Texte die politische Atmosphäre jener Jahre wider: Aufbruch, aber auch eine zunehmende ideologische Verengung.
Mit der Gründung der SED im April 1946 war die Verschmelzung von KPD und SPD unter sowjetischem Einfluss vollzogen worden. „Einheit“ diente nun auch dazu, diese neue Parteistruktur theoretisch zu legitimieren. Historische Interpretationen und politische Argumentationen sollten zeigen, dass der Zusammenschluss der Arbeiterparteien eine historische Notwendigkeit sei.
Für viele Parteimitglieder entwickelte sich die Zeitschrift bald zu einer Art „roter Bibel“. Wer politisch aufsteigen wollte, musste die dort vertretenen Positionen kennen und vertreten können. Die Texte wurden zitiert, kommentiert und in Schulungen auswendig gelernt.
So wurde „Einheit“ mehr als nur eine theoretische Fachzeitschrift. Sie war ein Werkzeug politischer Formung. Zwischen wissenschaftlichem Anspruch und politischer Doktrin trug sie dazu bei, das ideologische Fundament zu legen, auf dem sich wenige Jahre später das politische System der DDR stabilisieren sollte.