„Fidschis“ – Wie ein Wort zur Waffe wurde

Der Begriff „Fidschis“ gehört zu den bekanntesten Beispielen diskriminierender Alltagssprache im Zusammenhang mit der DDR und der Nachwendezeit. Seine Entstehung zeigt eine Mischung aus Unwissen und sprachlicher Abwertung. Obwohl sich die Bezeichnung vor allem auf Vertragsarbeiter aus Vietnam bezog, verweist das Wort ursprünglich auf die Fidschi-Inseln im Südpazifik – eine Region, die geografisch und kulturell keinerlei Verbindung zu den betroffenen Menschen hatte.

In der späten DDR setzte sich der Ausdruck zunächst umgangssprachlich durch. Viele vietnamesische Vertragsarbeiter arbeiteten damals in Industriebetrieben und lebten häufig in separaten Wohnheimen. Der Begriff wurde im Alltag oft beiläufig oder scherzhaft benutzt, markierte jedoch bereits eine klare Distanz. Menschen asiatischer Herkunft wurden damit sprachlich zu einer anonymen Gruppe zusammengefasst, ohne Rücksicht auf ihre tatsächliche Herkunft oder individuelle Geschichte.

Sprachwissenschaftlich gilt ein solcher Begriff als Mittel der Abgrenzung. Durch eine falsche oder vereinfachende Bezeichnung wird eine Minderheit symbolisch zum „Fremden“ erklärt. Im Fall von „Fidschis“ verstärkte sich dieser Effekt dadurch, dass der Begriff keinerlei realen Bezug zu Vietnam hatte und ein exotisches Sammelbild des „Anderen“ erzeugte.

Auch in Wörterbüchern spiegelte sich lange eine gewisse Unklarheit wider. Noch in den 1990er Jahren wurde der Ausdruck im Duden lediglich als „salopp abwertend“ eingeordnet. Erst später, mit wachsender Sensibilität für diskriminierende Sprache, erfolgte eine deutlichere Einstufung als stark diskriminierend.

In den frühen 1990er Jahren radikalisierte sich der Gebrauch des Wortes in rechtsextremen Milieus. Während der sogenannten „Baseballschlägerjahre“ tauchte der Begriff häufig in aggressiven Parolen auf und wurde Teil einer Sprache der offenen Feindseligkeit. Die Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen 1992 stehen exemplarisch für diese Eskalation.

Bis heute ist der Ausdruck nicht vollständig verschwunden. In manchen Regionen taucht er noch in abwertenden Bezeichnungen wie „Fidschi-Märkte“ auf. Damit bleibt er ein sprachliches Relikt aus einer Zeit, in der gesellschaftliche Umbrüche, Migration und Fremdheitsbilder aufeinandertrafen – und Worte zu Werkzeugen der Ausgrenzung wurden.