Nach dem Abschied: Ute Freudenberg über ein Leben mit Parkinson

In der MDR-Talkshow Riverboat sitzt Ute Freudenberg wieder auf dem Sofa – an einem Ort, an dem sie bereits vor einigen Jahren über einen tiefen Einschnitt in ihrem Leben gesprochen hat. Damals, 2022, machte sie ihre Parkinson-Erkrankung öffentlich. Es war ein Moment großer Offenheit, geprägt von Unsicherheit und der Frage, was noch möglich sein würde.
Ende 2023 folgte das Abschiedskonzert. Nach mehr als fünf Jahrzehnten auf der Bühne verabschiedete sich Freudenberg bewusst vom Live-Publikum. Die Tour war emotional, körperlich extrem fordernd und zugleich ein selbstbestimmter Abschluss. Der MDR zeichnete den letzten Auftritt auf – als Dokument eines Endes, das unter schwierigen Bedingungen gelang.
Doch im „Riverboat“ wird nun deutlich: Dieses Ende war nicht gleichbedeutend mit einem Rückzug aus dem Leben.
Freudenberg spricht ruhig und konzentriert darüber, dass es ihr heute wieder gut geht. Die Krankheit habe sie nicht „besiegt“, aber sie habe gelernt, mit ihr umzugehen – und ihr Schritt für Schritt Raum abzuringen. Parkinson bestimme nicht mehr ihren Alltag. Der Körper mache wieder mit, die Angst sei zurückgetreten. Entscheidend sei gewesen, sich nicht aufzugeben und nicht in der Rolle der Kranken zu verharren.
Der Kontrast zu früheren Auftritten ist spürbar. Wo einst Vorsicht und Anspannung dominierten, sind nun Klarheit und Stabilität zu hören. Sie beschreibt keinen plötzlichen Wendepunkt, sondern einen Prozess: Arbeit an sich selbst, Disziplin, Geduld und der Wille, die eigene Kraft wiederzufinden. Das Abschiedskonzert erscheint im Rückblick nicht als Niederlage vor der Krankheit, sondern als notwendige Zäsur – als Moment des Innehaltens, nach dem ein neuer Abschnitt beginnen konnte.
Im „Riverboat“ erzählt Ute Freudenberg damit keine klassische Comeback-Geschichte. Sie erzählt von Selbstwirksamkeit. Davon, dass ein Abschied auch ein Schutzraum sein kann. Und davon, dass es möglich ist, eine schwere Diagnose hinter sich zu lassen – nicht, indem man sie leugnet, sondern indem man ihr nicht das letzte Wort überlässt.
Dass sie heute wieder dort sitzt und sagen kann, sie habe es aus eigener Kraft geschafft, verleiht diesem Auftritt seine besondere Bedeutung. Leise, unaufgeregt – und gerade deshalb eindrucksvoll und ungeheuer symphatisch.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl