Zwischen Hochseehafen und Strandkorb: Ein Zeitdokument von 1978

Der DEFA-Dokumentarfilm „DDR-Magazin 1978/12“ zeichnet ein Porträt des Bezirks Rostock, das heute wie eine Flaschenpost aus einer vergangenen Ära wirkt. Er zeigt eine Region im Spagat zwischen sozialistischer Industriemacht und der sommerlichen Leichtigkeit des Urlauberparadieses.

Es ist das Jahr 1978. Wer im Norden der DDR den Blick schweifen lässt, sieht nicht nur die weite See, sondern vor allem Kräne, Schlote und Stahl. Zumindest will es das „DDR-Magazin“ so. Der Film über den Ostseebezirk Rostock präsentiert die Region stolz als das „Tor zur Welt“. Wo einst – so der Duktus des Films – landwirtschaftliche Rückständigkeit herrschte, demonstriert nun ein ganzer Landstrich Weltniveau.

Der Rostocker Überseehafen bildet das pochende Herzstück dieser Erzählung. Hier wird rund um die Uhr gearbeitet; Lotsenboote manövrieren schwere Frachter durch das Gewässer, Güter aus der Sowjetunion und aller Welt werden umgeschlagen. Es ist ein Bild der Stärke und der internationalen Vernetzung, das hier gezeichnet wird. Die Warnow-Werft und die Energiegewinnung, euphemistisch als „Strom aus der Heide“ bezeichnet (gemeint ist das Kernkraftwerk bei Greifswald), dienen als Beweise für den geglückten Wandel vom Agrarland zum modernen Industriestandort.

Doch der Film fängt auch die andere Seite der Medaille ein: die Sehnsucht. Wenn im Sommer die Touristenzahlen die der Einheimischen übersteigen, verwandelt sich der „Arbeiterbezirk“ in die Badewanne der Republik. Die Kamera schwenkt über volle Strände in Warnemünde, zeigt das bunte Treiben zwischen Strandburgen und FKK, und dokumentiert die Erholung in den Heimen des FDGB-Feriendienstes. Es ist dieser Kontrast, der das Dokument heute so spannend macht: Die harte Arbeit auf der Werft steht direkt neben der sommerlichen Unbeschwertheit.

Auch städtebaulich wird der Zeitgeist der späten 70er Jahre sichtbar. Die historischen Hansestädte Wismar, Stralsund und Greifswald werden zwar für ihre Backsteingotik gewürdigt, doch der wahre Stolz gilt den Neubaugebieten. Die Plattenbau-Siedlungen werden als Lösung der Wohnungsfrage und Symbol für den gestiegenen Lebensstandard präsentiert – ein Versprechen auf Komfort mit Fernwärme und fließend Warmwasser.

Aus heutiger Sicht ist das „DDR-Magazin 1978/12“ mehr als nur Propaganda. Es ist eine visuelle Zeitreise in einen Alltag, in dem der Geruch von Dieselöl und Meersalz in der Luft lag und der Norden der Republik das maritime Aushängeschild eines ganzen Staates war.

Wie ein kirchlicher Sozialarbeiter die Treuhand überzeugte

Die Spielzeugfabrik Famos in Leisnig stand 1990 plötzlich still, abgewickelt von der Treuhand, während behinderte Arbeiter über Nacht auf der Straße standen. Inmitten dieser lähmenden Unsicherheit im sächsischen Nachwende-Chaos sah ein lokaler Sozialarbeiter jedoch nicht das Ende, sondern die einmalige Chance für einen radikalen Neuanfang. Im Jahr 1990 nutzte eine kirchliche Initiative im Kreis Döbeln beschlagnahmtes SED-Parteivermögen, um den stillgelegten Betrieb für 300.000 Mark zu kaufen. Aus der Konkursmasse entstand so eine Werkstatt für hunderte Menschen, die im neuen Wirtschaftssystem sonst keinen Platz mehr gefunden hätten.