Lausitzer Seenland kurz vor der Vollendung: Gigantische Wasserlandschaft nimmt Gestalt an

Das Lausitzer Seenland, ein Ergebnis der umfassenden Sanierungsarbeiten ehemaliger Braunkohlereviere, steht kurz vor einem historischen Meilenstein: der Schaffung einer zusammenhängenden, schiffbaren Wasserlandschaft. Mit Hochdruck wird an der Vernetzung der einzelnen Seen gearbeitet, um bis Mitte 2026 eine beeindruckende Wasserfläche von 4000 Hektar zu schaffen, die nicht nur Erholungssuchende, sondern auch den Wassertourismus auf ein neues Niveau heben soll.

Ein zentrales Element dieser Vernetzung ist der Überleiter 11, bekannt als Ilse-Kanal, der den Großräschener See und den Sedlitzer See miteinander verbindet. Ein besonders markantes Datum war der 4. Juni dieses Jahres, an dem hier „richtig gerauscht“ hat, als sanierungstechnisch angestautes Wasser aus dem Großräschener See in den Sedlitzer See strömte. Dieses Stützungswasser ist entscheidend, um den Sedlitzer See auf einer notwendigen Höhe zu halten und zusätzlich Wasser für die Schwarze Elster bereitzustellen. Der Erfolg dieser Maßnahme ist sichtbar: Aktuell trennen den Großräschener See und den Sedlitzer See nur noch 13 Zentimeter Wasserstandsunterschied – ein deutliches Zeichen, dass die Ziele erreicht werden.

Umfangreiche Bauarbeiten für die Schiffbarkeit
Die Sicherheit des künftigen Schiffsverkehrs hat oberste Priorität. Während am Überleiter 11 lediglich noch Schiffahrtszeichen, die elektrische Anlage und Beschilderung in Betrieb genommen werden müssen – Dalben, Leitplanken und Schirfbleche sind bereits vorhanden – stehen an den Überleitern 8 (Rosendorfer Kanal) und 10 (Sonnenkanal beim „Rostigen Nagel“) noch umfangreiche Arbeiten an. Hier müssen im Herbst zunächst Dalben gesetzt werden. Zwei Firmen werden diese Bauarbeiten, die bis ins Frühjahr 2026 andauern, an den jeweiligen Überleitern durchführen.

Das ehrgeizige Ziel ist es, Mitte 2026 die drei Überleiter 11, 8 und 10 fertiggestellt und abgenommen zu haben, um dann eine 4000 Hektar große, schiffbar verbundene Seefläche auf einem einheitlichen Niveau zu präsentieren. Darüber hinaus soll über den Überleiter 12 eine Anbindung an den Senftenberger See erfolgen, um diesen in den Verbund zu integrieren. Dieses Mammutprojekt wird nicht nur von der LMBV, sondern in enger Zusammenarbeit mit Partnern wie den Zweckverbänden, dem Tourismusverband, den Landkreisen auf beiden Seiten der Landesgrenze, den Kommunen und den beiden Landesregierungen gestemmt.

Sedlitzer See im Fokus der Sanierung
Der Sedlitzer See nimmt derzeit eine absolute Priorität im Lausitzer Seenland ein. Er erhält Wasser aus zwei Richtungen: vom Großräschener See über den Überleiter 11 und vom Partwitzer See über den Überleiter 8. Wichtige Arbeiten am Sedlitzer See umfassen die Inbetriebnahme des Ableiters noch in diesem Jahr, die Anhebung der Seewasserflächen, um über den Winter einen einheitlichen Spiegel zu gewährleisten, sowie die Fertigstellung von Sprengarbeiten an der Brückenfeldkippe, um eine spätere Nachnutzung nicht zu behindern. Die Sanierung des kleinen Marinahafens für Kanus ist bereits abgeschlossen, sodass dort die Bauarbeiten des Zweckverbandes fortgesetzt werden können. Für das kommende Frühjahr sind noch die Beseitigung von Totholz und die Beräumung von Untiefen geplant, die jedoch die Nutzung nicht beeinträchtigen sollen. Die Hoffnung ist groß, dass die Schiffbarkeit im Frühjahr zur Saison offiziell erklärt wird.

Zukunftsvisionen: Bewegliche Brücken und neue Erlebniswelten
Um die touristische Vermarktung weiter zu stärken und das Erlebnis Wassersport für eine breitere Masse zu öffnen, wird derzeit eine Machbarkeitsstudie für die Seen Sedlitzer See, Partwitzer See und Geierswalder See durchgeführt. Diese drei Seen sind bereits über drei Überleiter mit einheitlichen 6 Meter breiten Durchfahrten und Einheitsbrücken verbunden. Die Studie untersucht die Möglichkeit, an diesen Brücken bewegliche Elemente einzubauen oder sie umzubauen, um auch größeren Fahrgastschiffen, Hausbooten und Seglern die Durchfahrt zu ermöglichen. Die Ergebnisse der Studie werden zeigen, ob und zu welchen Kosten diese visionäre Idee umsetzbar ist.

Vom Bergbau zur blühenden Seenlandschaft: Eine emotionale Transformation
Für Gart Richter, einen ehemaligen Bergbauingenieur, der lange Zeit in den aktiven Tagebauen der Region tätig war, ist die Transformation des Lausitzer Seenlandes ein „kleines Hochgefühl“. Er betont, dass der Bergbau stets ein Gemeinschaftswerk war und nicht die Leistung eines Einzelnen. Die Möglichkeit, eine Landschaft, deren Entstehung er aus der reinen Produktion kannte – vom Geruch der Kohle auf dem Drehteller eines Eimerkettenbaggers bis zur energetischen Versorgung des Landes – nun neu zu gestalten und bis zur Nutzung zu begleiten, ist für ihn eine besondere Erfahrung, die vielen Bergleuten früherer Generationen nicht vergönnt war.

Das Lausitzer Seenland blickt mit Spannung in die nahe Zukunft, in der es sich als einzigartiges, zusammenhängendes Wassersport- und Erholungsgebiet etablieren wird, das die einstige Industrielandschaft in ein attraktives Urlaubsparadies verwandelt hat.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl