Theater Ost: Eine Stimme für die Ostgeschichte und alternative Perspektiven in Berlin

Berlin – Im Herzen von Berlin, genauer gesagt in Treptow-Köpenick, befindet sich das Theater Ost, eine Kultureinrichtung, die sich der Bewahrung und Erzählung der DDR-Geschichte verschrieben hat und gleichzeitig eine Plattform für gesellschaftlich ausgegrenzte Stimmen bietet. Das Theater, das in einem Gebäude untergebracht ist, das einst das Studio der Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“ des Deutschen Fernsehfunks beherbergte, blickt auf eine reiche Historie zurück.

Ein Ort voller Geschichte und Erinnerung Das Gebäude wurde am 21. Dezember 1952 als Fernsehtheater eröffnet und ab 1957 als Fernsehstudio genutzt, bis zur Schließung des Deutschen Fernsehfunks. Obwohl es noch nicht saniert wurde, erinnert vieles an seine frühere Nutzung. Der eigentliche Theatersaal, der später auch das Studio der „Aktuellen Kamera“ war, wurde zu Ehren von Klaus Feldmann, dem „charmantesten und klügsten Nachrichtensprecher“ der DDR, in Klaus Feldmann Saal umbenannt. Feldmann hatte diesen großen Saal, eine von drei Bühnen des Hauses, einst mit einer Lesung aus seinen Büchern eröffnet.

Freiheit durch Unabhängigkeit: Ein mutiges Finanzierungsmodell Ein herausragendes Merkmal des Theaters Ost ist sein fast vollständiger Verzicht auf staatliche Subventionen. Obwohl es eine kleine kommunale Unterstützung erhält, muss sich das Theater mit seinen drei Bühnen und einer zusätzlichen Außenbühne im Sommer (1000 m² Fläche) hauptsächlich auf Eintrittsgelder und Spenden verlassen, um die wirtschaftliche Seite zu stemmen. Dieser Ansatz führt zu vergleichsweise höheren Eintrittspreisen, etwa 28 Euro für eine Karte zum „Polizsalon“, aber er ermöglicht dem Theater auch eine „gewisse Freiheit in der Auswahl der Themen“. Wie die Interviewpartnerin betont: „Wenn es dem Besucher denn tatsächlich wichtig ist, auch alternative Inhalte und Darstellungen erleben zu wollen, dann muss er leider in die Tasche greifen, aber immer mit dem Blick darauf, dass er das Haus unterstützt und damit eben auch dazu beiträgt, dass das Haus weiter besteht und dass auch vor allem unsere Geschichte weiter erzählt wird“. Ein Teil des Kollegiums arbeitet sogar ehrenamtlich, da es finanziell anders nicht darstellbar wäre.

Kooperation mit Telepolis: Der „Polizsalon“ als Forum für alternative Diskurse Das Theater Ost ist eine Kooperation mit dem Online-Magazin Telepolis eingegangen, um den „Polizsalon“ ins Leben zu rufen. Diese Zusammenarbeit entstand, weil die Interviewpartnerin selbst eine Konsumentin von Telepolis ist und beide Partner das Ziel teilen, „denjenigen bei uns im Haus in unserem Programm eine Stimme geben die ja so gesellschaftlich (…) ausgegrenzt werden“. Telepolis wird dabei als „Alternativmedium“ und „Gegengewicht zu den Mainstream Medien“ beschrieben.

Ein Beispiel für diese Unabhängigkeit und Themenfreiheit war der erste „Polizsalon“ Ende April, der dem „Tag der Befreiung“ gewidmet war und bei dem der russische Botschafter Neshijev einer der Podiumsgäste war. Trotz der Empfehlung des Auswärtigen Amtes, keine offiziellen russischen Vertreter zu solchen Gedenkveranstaltungen einzuladen, öffnete das Theater Ost seine Türen. Das Interesse war enorm: Die Veranstaltung war vier Stunden nach der Online-Stellung komplett ausverkauft, was das Theater als Bestätigung für seinen Kurs sieht, Meinungen und Gedanken eine Bühne zu geben, die man in Mainstream-Medien kaum noch findet. Auch das Bezirksamt Treptow-Köpenick zeigte sich mutig und verkündete, bei solchen Veranstaltungen niemanden wegzuschicken, was dem Theater ein Gefühl der Bestätigung gab. Es gab weder Störungen noch einen „Shitstorm“ im Nachhinein.

Vielfältiger Spielplan und spannende Zukunftsaussichten Das Theater Ost bietet einen vielseitigen Spielplan: Etwa 70% der Inhalte konzentrieren sich auf die DDR-Geschichte, während die restlichen 30% „links und rechts daneben“ andere Branchen und Inhalte beleuchten.

In der kommenden Spielzeit und darüber hinaus dürfen sich die Besucher auf ein abwechslungsreiches Programm freuen. Es wird neue „Polizsalon“-Runden geben, und Themen wie China sollen aufgegriffen werden. Gabriele Krone-Schmalz wird erneut für zwei ausverkaufte Abende erwartet. Auch eigene Produktionen wie die Brecht-Inszenierung werden wieder gezeigt. Musikalisch gibt es Highlights wie ein Konzert der bekannten DDR-Band „Lift“ in voller Besetzung. Für die nahe Zukunft ist zudem eine große satirische Puppenspielinszenierung mit der in Berlin sehr bekannten Puppenspielerin Suse Wächter und dem bekannten Moderator Jürgen Kuttner geplant, die bereits Inszenierungen am Berliner Ensemble und Deutschen Theater hatte.

Das Theater Ost, das Ende des Jahres zehn Jahre alt wird, blickt voller Vorfreude auf die kommenden Projekte und seine Mission, Geschichten zu erzählen und alternativen Stimmen Raum zu geben.

Medienkonsum und Programmstruktur in der DDR am Beispiel der FF dabei 1988

A) PROFIL AP: Hook: Wer heute durch eine Ausgabe der „FF dabei“ aus dem Frühjahr 1988 blättert, findet darin weit mehr als nur eine Auflistung von Filmen und Reportagen. Teaser: Die Programmzeitschrift der DDR war ein rares Gut, oft vergriffen und heiß begehrt. Sie diente als Kompass durch eine Medienlandschaft, die einer ganz eigenen Taktung folgte. Ein genauerer Blick auf die Woche vom 14. bis 20. März 1988 offenbart, wie stark sich der Sendeplan an den Rhythmen der Arbeitswelt orientierte. Während im Westen die Radiomoderatoren oft erst am späteren Morgen ihre Hörer begrüßten, begannen die Magazine des DDR-Rundfunks bereits um vier Uhr früh – passgenau für die Frühschicht in den Betrieben. Das Fernsehen wiederum nutzte den Vormittag intensiv für Bildungsformate. Sendungen wie „English for You“ oder „Staatsbürgerkunde“ waren keine Lückenfüller, sondern fester Bestandteil eines edukativen Anspruchs, der den Vormittag dominierte. Erst am Abend entfaltete sich das volle Unterhaltungsprogramm, wobei die Planer nichts dem Zufall überließen. Die Platzierung politischer Kommentare direkt vor den beliebten Spielfilmen war eine bewusste Strategie, um Reichweiten zu sichern. Doch neben der Ideologie stand ein erstaunlich breites Spektrum an Unterhaltung: Von der italienischen Showbühne in Sanremo bis zur brasilianischen Telenovela bot das Programm Fenster zur Welt, die im Kontrast zur geschlossenen Grenze standen. Das Papier der Zeitschrift mag vergilbt sein, doch die darin gedruckten Strukturen erzählen noch heute von einem Alltag, in dem Arbeit, Bildung und Freizeit staatlich synchronisiert waren. B) SEITE AP: Hook: Die Analyse einer „FF dabei“ aus dem Jahr 1988 zeigt, wie das DDR-Fernsehen versuchte, durch gezielte Programmplanung westliche Sehgewohnheiten zu kontern. Teaser: Der Start des Hauptabendprogramms um Punkt 20 Uhr war mehr als nur eine zeitliche Setzung; er war der Versuch, die Zuschauer noch vor der Tagesschau der ARD an das eigene Angebot zu binden. Die Ausgabe vom März 1988 dokumentiert diese Strategien schwarz auf weiß. Das Programmschema offenbart eine Mischung aus pragmatischer Anpassung an die Schichtarbeit der Bevölkerung und ideologischer Durchdringung der Freizeit. Sendungen wurden nicht nur nach Beliebtheit platziert, sondern oft so geschachtelt, dass politische Inhalte wie „Der schwarze Kanal“ fast unvermeidbar vor den eigentlichen Publikumsmagneten liefen. Gleichzeitig zeigt das Heft, dass das DDR-Fernsehen durchaus internationale Standards in der Programmgestaltung adaptierte, von der Ratgebersendung bis zur großen Samstagabendshow. Die Medienlandschaft war ein geschlossenes System, das dennoch Durchlässigkeit für internationale Unterhaltung zeigte, sofern sie ins Schema passte. Die Lektüre der alten Programmzeitschrift legt die Mechanismen offen, mit denen versucht wurde, Information und Unterhaltung in ein staatlich gewolltes Gleichgewicht zu bringen. C) SEITE JP: Hook: Ein Blick in das Programmschema des März 1988 verdeutlicht, wie eng der Rundfunk der DDR an den industriellen Takt der Werktätigen gekoppelt war. Teaser: Mit Radiostarts um vier Uhr morgens reagierten die Sender direkt auf den frühen Schichtbeginn in den Betrieben, eine Flexibilität, die im westdeutschen Rundfunk dieser Zeit kaum zu finden war. Die Programmzeitschrift „FF dabei“ dokumentiert diese Synchronisierung von Medien- und Arbeitszeit detailliert. Auch das Fernsehen folgte einer klaren Struktur: Der Vormittag gehörte dem Schulfernsehen und der Erwachsenenbildung, während der Abend der Unterhaltung und der politischen Information vorbehalten blieb. Interessant bleibt die Beobachtung der Sendezeiten. Der Sendeschluss im Radio um Mitternacht und der Beginn der Hauptnachrichten markierten feste Grenzen im Tagesablauf. Die Programmplanung war somit nicht nur ein Angebot zur Zerstreuung, sondern ein strukturierendes Element des sozialistischen Alltags, das den Tag vom Aufstehen bis zur Nachtruhe begleitete.