Schwedt am Scheideweg: Eine Industriestadt ringt um ihre Zukunft

Schwedt/Oder, Brandenburg – Die industriell geprägte Stadt Schwedt in Brandenburg befindet sich inmitten eines tiefgreifenden Strukturwandels, der Zukunftsängste schürt und das politische Klima verändert. Seitdem der Bund beschlossen hat, auf Öl aus Russland zu verzichten, steht die PCK Raffinerie, das wirtschaftliche Herz der Stadt, vor massiven Problemen.

Jahrzehntelang war Schwedt eng mit der PCK Raffinerie verbunden, die kontinuierlich mit russischem Öl versorgt wurde. Doch der Krieg gegen die Ukraine hat diese Ära abrupt beendet. Seit 2023 darf kein russisches Öl mehr über die Druschba-Pipeline importiert werden. Die Raffinerie, mehrheitlich im Besitz des russischen Staatskonzerns Rosneft und unter deutscher Treuhandverwaltung, muss ihr Öl nun teuer auf dem Weltmarkt einkaufen – ein unwirtschaftliches Unterfangen.

„PCK hustet, der Rest hat Lungenentzündung“
Die Folgen sind dramatisch. Konstanze Fischer, eine Augenärztin in Schwedt, bringt die Sorge auf den Punkt: „Die Sorge ist einfach, dass wenn dieser industrielle Kern praktisch verloren geht, dann fallen eine Menge gute Arbeitsplätze weg, dann fallen in der Umgebung dieser PCK Raffinerie gute Arbeitsplätze weg und dann werden die jungen Leute wegziehen komplett und dann ist das sowas so, wo man dann irgendwann, ich sage mal, ein Zaun drum machen kann und Wolfsbeobachtungsgebiet“. Dieser Satz fasst die Befürchtungen vieler zusammen, die spüren, dass „wenn PCK hustet, [dann hat] der Rest des Landes hier Lungenentzündung“.

Tatsächlich läuft die Raffinerie teilweise unter 80 Prozent Auslastung, während die Kosten bei 100 Prozent bleiben, was zu Unwirtschaftlichkeit führt. Ein Hauptgrund ist die unzureichende Kapazität der Pipeline vom Rostocker Hafen nach Schwedt; ein Ausbau wird von der Belegschaft dringend gefordert.

Die wirtschaftliche Unsicherheit schlägt sich auch in sinkenden Steuereinnahmen nieder. Die Bürgermeisterin berichtet von einem massiven Gewerbesteuereinbruch, der bereits dazu geführt hat, dass geplante Sanierungen, wie die einer Straße, aus dem städtischen Haushalt gestrichen werden mussten.

Politische Ernüchterung und neue Hoffnung
Die Frustration der Bürger ist spürbar. Bei der vergangenen Bundestagswahl erhielten AfD und BSW in Schwedt mehr als die Hälfte der Stimmen – ein deutlicher Bruch mit der Vergangenheit, denn Schwedt war einst eine absolute SPD-Hochburg. Viele fühlen sich von politischen Versprechen enttäuscht. Der Bundeswirtschaftsminister hatte vor über zwei Jahren eine Umwandlung des Standortes in eine Drehscheibe für Wasserstoff statt Erdöl in Aussicht gestellt, doch „viel passiert ist aber bislang nicht“. Ministerpräsident Dietmar Woidke (Brandenburg) hat sich zwar für Fördermittel zur Ansiedlung von Zukunftstechnologien eingesetzt, doch die konkreten Auswirkungen stehen noch aus.

Trotz der Widrigkeiten regt sich in Schwedt auch Widerstand und der Wille zur Gestaltung der Zukunft. Unternehmen der Stadt und eine regionale Hochschule haben eine Startup Challenge ausgerufen, um Gründerfirmen mit grünen Technologien und Fördermitteln die Veränderung vorantreiben zu lassen. Ein konkretes Projekt ist das geplante Transformationszentrum, kurz Trafo, das auf dem Platz des alten Busbahnhofs entstehen soll und rund 18 Millionen Euro Fördermittel von der EU erhält.

Während Schwedt weiterhin mit nicht genügend Öl für seine Raffinerie zu kämpfen hat, klammert sich die Stadt an die Hoffnung, durch neue Technologien und lokale Initiativen einen Weg aus der Krise zu finden. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, um den befürchteten Exodus junger Menschen und den Niedergang einer ganzen Region abzuwenden.

Der Verbleib ehemaliger MfS-Mitarbeiter in öffentlichen Ämtern und Vereinen

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL: Hook: Die Geschichte der DDR endete offiziell mit der Wiedervereinigung, doch die Biografien derer, die den Sicherheitsapparat trugen, liefen weiter – und erreichen nun den sicheren Hafen des Ruhestands. Teaser: Wer sich heute mit der Hinterlassenschaft des Ministeriums für Staatssicherheit beschäftigt, stößt nicht nur auf Aktenkilometer, sondern auf einen Generationenwechsel. Die ehemaligen Offiziere und Mitarbeiter, die sich in Vereinen organisierten, um ihr eigenes Bild der Geschichte zu zeichnen, verlassen zunehmend das Berufsleben. In ihrer Lesart war die Überwachung Arbeit am Frieden. Diese Narrative existieren parallel zur offiziellen Geschichtsschreibung und bieten den Beteiligten einen geschützten Raum. Mit dem Eintritt in die Rente endet zwar der direkte Einfluss auf Ämter und Politik, doch es bleibt das Schweigen. Viele nehmen ihr Wissen um interne Vorgänge mit. Die Integration der ehemaligen Kader in den öffentlichen Dienst, ermöglicht durch die rechtlichen Rahmenbedingungen der Wendezeit, sorgte dafür, dass tausende Mitarbeiter ihre Karrieren fortsetzen konnten. Nun, da sie es „geschafft“ haben, sinkt die Wahrscheinlichkeit für späte Reue. Die Strukturen der Vergangenheit lösen sich biologisch auf, aber die Fragen nach Gerechtigkeit bleiben. B) SEITE 1 und 2: Hook: Eine Studie aus dem Jahr 2009 bezifferte noch rund 17.000 ehemalige Stasi-Mitarbeiter im öffentlichen Dienst – heute löst sich dieses Phänomen zunehmend durch den demografischen Wandel auf. Teaser: Jahrzehnte nach dem Mauerfall verlässt die Generation der einstigen Funktionsträger die aktive Berufswelt. Die statistische Erhebung von damals warf ein Schlaglicht auf die pragmatische Umsetzung des Einigungsvertrages, der oft Versetzungen statt Entlassungen ermöglichte. Doch mit dem Renteneintritt verschwinden nicht nur die Personen aus den Ämtern, sondern oft auch das Wissen um unaufgeklärte Vorgänge. Diese Entwicklung hinterlässt bei den Opfergruppen gemischte Gefühle. Während die institutionelle Aufarbeitung ihren Gang nahm, haben die ehemaligen Funktionsträger den Systemwechsel oft beruflich unbeschadet überstanden. In Traditionsvereinen wird die eigene Rolle im System bis heute legitimiert. Der Ruhestand bietet nun die finale Sicherheit, sich nicht mehr erklären zu müssen. Die Aktenlage ist eindeutig, doch die gesellschaftliche Debatte über die moralische Bewertung dieser Biografien verläuft weiterhin entlang unsichtbarer Gräben. Quelle: Basierend auf Informationen aus der Reportage „Der unheimliche Einfluss von Ex-Stasi-Leuten | MrWissen2go EXKLUSIV“.