Die vergessene Karibikinsel „Isla Ernst Thälmann“ der DDR

Havanna/Berlin. Es klingt wie aus einem Spionageroman oder einer absurden Komödie: Eine kleine, unbewohnte Insel in der Karibik, einst Schauplatz einer feierlichen Zeremonie zwischen zwei sozialistischen Brudernationen, geriet in Vergessenheit, nur um Jahrzehnte später eine hitzige Debatte über deutsches Staatsgebiet fernab der Heimat auszulösen. Die Rede ist von der Insel Ernst Thälmann, oder Isla Ernst Thälmann, wie sie offiziell getauft wurde.

Ein Geschenk der Freundschaft im Kalten Krieg
Die ungewöhnliche Geschichte dieser Insel beginnt am 19. Juli 1972. Der kubanische Machthaber Fidel Castro befand sich auf Staatsbesuch in der DDR, und im Beisein hochrangiger Funktionäre, darunter der damalige Staatsratsvorsitzende Erich Honecker, rollte Castro eine Karte Kubas aus. Auf dieser Karte wurde eine kleine, bis dahin unbedeutende und unbewohnte Insel in „Ernst Thälmann“ umbenannt. Ernst Thälmann war ein deutscher Politiker der KPD und Widerstandskämpfer gegen die Nazis, dessen Name in der DDR hochgehalten wurde. Zusätzlich erhielt der dazugehörige Strand den Namen „Playa RDA“, also „Strand der DDR“. Zur symbolischen Bestätigung der Umbenennung unterzeichneten beide Staatschefs auf der Karte.

Doch was steckte hinter dieser feierlichen Geste? Das Jahr 1972 war geprägt vom Kalten Krieg, und sowohl Kuba als auch die DDR waren Bruderstaaten der Sowjetunion. Insbesondere die wirtschaftliche Lage Kubas war kompliziert, nicht zuletzt aufgrund harter US-Sanktionen, die auf die Kubakrise etwa zehn Jahre zuvor folgten. Um ihren Verbündeten zu unterstützen, hatte die DDR-Führung zugesagt, sechs Prozent ihrer Zuckerexporte in die Karibik zu liefern. Als Ausdruck der Dankbarkeit und Freundschaft beschloss Castro vermutlich als Dank für diese Unterstützung die Umbenennung der Insel.

DDR-Prominenz auf Kuba
Die kleine Insel in der Karibik wurde fortan in unregelmäßigen Abständen von Personen aus der DDR besucht, was ihre symbolische Bedeutung unterstrich. Bereits wenige Tage nach der Umbenennung, am 1. Juli, reiste ein Journalist der Zeitung „Neues Deutschland“ auf die Insel und berichtete über ihre Vegetation mit Palmen und Mangroven. Im darauffolgenden Jahr wurde sogar zum 28. Todestag Thälmanns eine Statue von ihm auf der Insel errichtet. Zwei Jahre später gab sich der Schlagerstar Frank Schöbel, bekannt unter anderem für Lieder wie „Ein Stern“, die Ehre und besuchte die Insel. Er sang dort im Lied „Golf von Kalzone“ über die Schönheit der Insel, doch das Lied konnte sich nicht als neuer Hit durchsetzen. Stattdessen etablierte sich schnell die Redewendung: „Über Kuba lacht die Sonne, über uns die ganze Welt“. Auch Erich Honecker besuchte die Insel 1980 im Rahmen des privaten Teils seines Staatsbesuches von Kuba.

Vom Ruhm zur Vergessenheit und eine überraschende Debatte
Nach Honeckers Besuch wurde es stiller um die Insel. In den folgenden Jahren zerbrach die DDR, und die Insel geriet in Vergessenheit. Doch am 12. Februar 2001 sorgte eine kleine Internetzeitung namens „Thema 1“ mit der Schlagzeile „17. Bundesland vor Kuba: Fidel schenkte uns eine Sonneninsel“ für Aufsehen. Gleich mehrere andere Zeitungen, darunter die „Bild“ und die „Taz“, sprangen auf das Thema auf und veröffentlichten ebenfalls Berichte über die vergessene Karibikinsel. Schnell entstand das Gerücht, die Insel sei der DDR damals geschenkt worden und da die BRD der Rechtsnachfolger der DDR sei, wäre die Insel heute ein Teil des deutschen Staatsgebietes.

Diese Spekulationen schlugen so große Wellen, dass bereits am nächsten Tag sowohl das Auswärtige Amt als auch die kubanische Botschaft Statements abgeben mussten. Das Auswärtige Amt erklärte damals unmissverständlich, dass es sich hierbei um einen symbolischen Akt handelte, der nichts mit Besitzverhältnissen zu tun hatte, wodurch die Insel nach wie vor im kubanischen Besitz ist.

Der aktuelle Status
Bis heute hat sich auf der Insel nicht viel verändert. Vereinzelt wird sie von deutschen Touristen besucht, die von kubanischen Fischern dorthin gebracht werden, was sich als gar nicht so einfach erweist, da sich die Insel in einem militärischen Sperrgebiet befindet. Die einzige sichtbare Veränderung ist die Statue von Thälmann, die mittlerweile umgefallen ist, nachdem der Hurrikan Mitch 1998 die Insel verwüstete.

So bleibt die Isla Ernst Thälmann ein einzigartiges Zeugnis einer vergangenen Ära, eine kleine Fußnote der deutsch-kubanischen Beziehungen im Schatten des Kalten Krieges, die ihre Geschichte, aber nicht ihren Besitzer wechselte.

Dreharbeiten auf der J.G. Fichte: Die Entstehung der DDR-Serie „Zur See“

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Es gibt Bilder, die sich im kollektiven Gedächtnis festsetzen, und doch erzählt das, was hinter der Kamera geschah, eine ganz eigene Geschichte. Teaser: Wer an die Serie „Zur See“ denkt, hat oft die eingängige Melodie im Ohr und die Gesichter von Horst Drinda oder Günter Naumann vor Augen. Doch die Realität der Dreharbeiten im Jahr 1974 auf dem Frachter „J.G. Fichte“ hatte wenig mit der Romantik zu tun, die später über die Bildschirme flimmerte. Die Bedingungen an Bord waren hart, geprägt von Hitze, Lärm und der Enge eines Schiffes, das seine besten Tage längst hinter sich hatte. Die Entscheidung für dieses alte Schiff war keine künstlerische, sondern eine rein pragmatische. Moderne Schiffe der DDR-Handelsflotte boten schlicht keinen Raum für ein Filmteam. So fand sich die prominente Riege der DDR-Schauspieler in einer Situation wieder, die keinen Rückzug erlaubte. Sie lebten Tür an Tür mit der echten Besatzung, teilten den begrenzten Komfort und die langen Abende auf See. Aus dieser Zwangsgemeinschaft entstand eine Atmosphäre, die sich wohl kaum künstlich herstellen ließ. Bemerkenswert ist, wie sehr der politische Arm des Staates auch auf den Weltmeeren präsent blieb. Die Angst vor Republikflucht bestimmte die Auswahl des Personals ebenso wie die Reiseroute. Selbst bei technischen Pannen im „kapitalistischen Ausland“ blieb der Bewegungsradius der Crew strikt reglementiert. Die Serie sollte Weltläufigkeit zeigen, entstand aber unter den Bedingungen strenger innerer Kontrolle. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus realer harter Arbeit, politischer Begrenzung und der großen Sehnsucht nach der Ferne, die den Kern dieser Produktion ausmachte. Die Zuschauer spürten, dass hier nicht nur Theater gespielt wurde. Die Arbeit an den Maschinen, der Umgang mit der Fracht – vieles davon entsprach den tatsächlichen Abläufen an Bord eines DSR-Frachters. Es bleibt das Dokument einer Zeit, in der die Grenzen eng waren, der Blick aber dennoch nach draußen ging. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Die Produktion der erfolgreichsten DDR-Fernsehserie war weit mehr als ein logistischer Kraftakt auf hoher See. Teaser: Als 1974 die Dreharbeiten zu „Zur See“ begannen, traf der kulturelle Auftrag des DDR-Fernsehens auf die nüchterne Realität der Schifffahrt. Die Serie sollte den Alltag der Handelsmarine glorifizieren und gleichzeitig das Fernweh der Bevölkerung stillen. Doch schon die Wahl des Drehortes zeigte die Grenzen auf: Statt eines modernen Vorzeige-Schiffes diente ein alter Truppentransporter als Kulisse, weil nur dort genug Platz für das Filmteam war. Die politischen Rahmenbedingungen waren ebenso eng wie die Kabinen. Die Stasi überprüfte jeden Beteiligten, die Reiseroute mied westliche Häfen, und selbst der Kontakt zum „Klassenfeind“ wurde administrativ unterbunden. Dennoch – oder gerade deshalb – entwickelte die Serie eine Authentizität, die bis heute nachwirkt. Die Geschichten basierten oft auf realen Logbucheinträgen, und die Schauspieler verschmolzen über Wochen mit der echten Besatzung. Interessanterweise lieferte dieses ostdeutsche Format, das die harte Arbeit in den Mittelpunkt stellte, die Blaupause für das westdeutsche „Traumschiff“. Während dort jedoch der Luxus regierte, blieb „Zur See“ ein Abbild der DDR-Gesellschaft: Man improvisierte, arbeitete hart und träumte sich für die Dauer einer Fernsehfolge in eine andere Welt. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Wer in der DDR zur See fuhr, besaß ein Privileg, das Millionen anderen verwehrt blieb. Teaser: Die Serie „Zur See“ bediente dieses Privileg visuell, während die Produktion selbst den Restriktionen des Landes unterworfen blieb. Die Schauspieler auf der „J.G. Fichte“ erlebten eine Freiheit zweiter Klasse: Sie waren unterwegs und doch eingesperrt, kontrolliert von politischen Vorgaben, die selbst auf dem Atlantik nicht endeten. Dass die Serie dennoch zum Straßenfeger wurde, lag an der Projektionsfläche, die sie bot. Sie zeigte eine Welt, in der ostdeutsche Tugenden global bestanden, auch wenn die Realität an Bord oft aus Rost, Schweiß und strenger Überwachung bestand. Es war der Versuch, die Weite zu inszenieren, ohne die eigenen Grenzen zu verlassen.