Der größte Skandal im Ost-Fußball: Als Hütte und Pumpe zu Bauernopfern wurden

Im Sommer 1970 erschütterte ein beispielloser Skandal den Fußball der DDR. Die Betriebssportgemeinschaft (BSG) Stahl Eisenhüttenstadt, damals erstklassig und sogar mit Ambitionen auf den Europapokal, wurde mitten in der laufenden Saison eine Spielklasse tiefer versetzt. Der Vorwurf: Profifußball – „kapitalistische Anwendungen“ wurden dem Verein unterstellt. Ein ähnliches Schicksal ereilte die BSG Aktivist Schwarze Pumpe aus Hoyerswerda. Was im Westen hellhörig machte, sollte in der DDR möglichst geheim gehalten werden, obwohl die Öffentlichkeit trotz ausführlicher Urteilsbegründung kaum Einzelheiten erfuhr.

Amateur-Ideal trifft Profi-Realität Der DDR-Fußball um 1970 war eine seltsame Mischung aus sozialistischer Sportgemeinschaft und Profisport „nach Vorschrift“. Offiziell galten die Kicker von Aue bis Rostock als Amateure, die außerhalb ihrer Arbeitszeit zu trainieren hatten. Zwar waren Freistellungen für Oberligaspieler von 20 Stunden pro Woche und für Ligaspieler von fünf Stunden genehmigt, doch in der Realität entwickelte sich längst profiähnliche Strukturen. Der damalige Vorsitzende des Turn- und Sportbundes, Rudi Hellmann, gab offen zu: „Ich habe zu groß hier gedacht. Ich war so ein bisschen Bayern-München-Präsident. Das vorgeschriebene Amateur-Tun außer Kraft gesetzt“.

Eisenhüttenstadt und die Verlockungen des Geldes Eisenhüttenstadt, 1950 als erste sozialistische Großstadt der DDR am Reißbrett entworfen und zunächst Stalinstadt genannt, diente primär als Wohnstadt für die Arbeiter des Eisenhütten-Kombinats Ost (EKO), einem 16.000 Mann Betrieb. Um die Belegschaft zu unterhalten, gab es eine Fußballmannschaft. Die BSG Stahl war 1969 in die höchste Spielklasse aufgestiegen und wollte sich verstärken.

Siegfried Noffke, der erst Mannschaftsleiter und später Sektionsleiter war, agierte nebenbei als eine Art „Chefeinkäufer“ – eine Funktion, die es im sozialistischen Ost-Fußball eigentlich gar nicht gab. Er bot neuen Spielern Anreize, die weit über das Übliche hinausgingen: „Die erste Wohnung, eine Gage, neue Gardinen, die Frauen haben immer gesagt, ich muss ja der neue Laden kaufen und der Teppich passt auch nicht mehr. Das konnte ich alles bieten, aber kein Handgeld, das war mir streng verboten“. Auch DDR-Nationalspieler Hans-Jürgen Kreische wurde kontaktiert und erinnert sich an die „Summen“, die genannt wurden. Es war bekannt, dass in Eisenhüttenstadt „es nur über Geld“ ging, wie der einstige Abwehrspieler Hermann Müller, der von Wismut Aue wechselte, bestätigte.

Hoyerswerda und die „Sportler-Brigade“ Ähnliche Zustände herrschten im Lausitzer Braunkohlerevier in Hoyerswerda, bei der BSG Aktivist Schwarze Pumpe, der Betriebssportgemeinschaft des gleichnamigen Gaskombinats. Obwohl gerade erst in die zweithöchste Spielklasse aufgestiegen, boten sie erstklassige Bedingungen: „Wir haben auf den Sportplatz gearbeitet als so genannte Sportler Brigade und konnten in dieser Zeit auf alle Fälle nachmittags trainieren, teilweise auch vor gedacht. Also so gesehen haben wir schon recht ordentliche Verhältnisse gehabt“.

Im gesamten DDR-Spitzenfußball war es ein offenes Geheimnis, dass fast überall deutlich mehr als die vorgeschriebenen 800 bis 1200 Mark gezahlt wurden, besonders bei den gerade eigenständig gewordenen Fußballclubs.

Das Urteil unter Druck Im Sommer 1970 gerieten die „verkappten Profistrukturen“ ins Visier der Staatsführung. Spione des Turn- und Sportbundes wurden ausgeschickt, um den Trainingsalltag der Vereine penibel zu dokumentieren und festzustellen, ob während der Arbeitszeit trainiert wurde. Brandenburg, der damalige BDST-Vorsitzende, soll sogar persönlich Trainings beobachtet haben.

Der Verband stand unter enormem Druck. Der drohende Protest der Niederländer, die zufällig in der EM-Qualifikation auf die DDR trafen, zwang den Ost-Verband zu schnellem Handeln. Das Hauptziel war, die angestrebte Medaille der „Staatsamateure“ bei den Olympischen Spielen 1972 nicht zu gefährden.

Im September 1970, nach dem zweiten Spieltag, fiel das Urteil: Über Nacht wurden Pumpe und Eisenhüttenstadt herabgestuft. Die Vorwürfe gegen beide Vereine lauteten annähernd gleich: „Finanzielle Fonds ihrer Trägerbetriebe für sportfremde Zwecke verausgabt, ungerechtfertigte Zuwendungen gezahlt und die gesetzlichen Arbeitszeitregelungen gröblichst missachtet zu haben“.

Bauernopfer und das Erbe Hütte und Pumpe wurden zu „Bauernopfern“. Die etablierten Clubs, in deren Reihen sich Nationalspieler befanden, durften weitermachen. Eine Bestrafung aller Vereine war für die Führung offenbar keine Alternative, denn „dann hätte man den DDR-Fußball zu schließen müssen“. So aber klappte es mit der Olympia-Teilnahme und der angestrebten Medaille: Der Dresdner Kreische schoss die DDR-Auswahl 1972 zu Bronze.

Heute heißt der Nachfolgeverein der BSG Stahl FC Eisenhüttenstadt und kämpft in der Brandenburg-Liga gegen den Abstieg in Liga sieben. Gespielt und trainiert wird ausschließlich nach Feierabend – alles echte Amateure.

Die Organisation der Kraftstoffversorgung in der DDR durch das Kombinat Minol

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL: Hook: Das System der Kraftstoffversorgung in der DDR funktionierte nach Regeln, die sich nicht an Marktkräften, sondern an Planvorgaben orientierten. Teaser: Wer heute an die rot-gelben Säulen zurückdenkt, erinnert sich oft an den spezifischen Geruch des Zweitaktgemischs und den obligatorischen Reservekanister im Kofferraum. Die Versorgungssicherheit war ein ständiges Thema in einer Gesellschaft, in der Mobilität zwar gewünscht, aber infrastrukturell oft limitiert war. Das Netz der Tankstellen war dünn, die Wege oft weit, und die Organisation des Tankens erforderte vorausschauendes Handeln. Die Marke Minol stand dabei symbolisch für den Versuch, innerhalb der Mangelwirtschaft eine verlässliche Struktur zu bieten. Lösungen wie die Nachttankbox zeugen von einem Pragmatismus, der notwendig war, um Lücken im System zu schließen. Gleichzeitig offenbarte die Existenz der Intertank-Stationen die wirtschaftliche Notwendigkeit, Devisen zu generieren. Nach 1989 vollzog sich der Wandel radikal. Die Privatisierung und der Verkauf der ostdeutschen Mineralölwirtschaft beendeten nicht nur ein staatliches Monopol, sondern veränderten auch die physische Landschaft entlang der Straßen nachhaltig. B) SEITE 1 und 2 (Kontext); Hook: Die staatlich fixierten Preise für Benzin blieben in der DDR über fast drei Jahrzehnte hinweg unverändert stabil. Teaser: Hinter dieser Preisstabilität stand ein komplexes Subventionssystem, das die realen Kosten der Energieversorgung verschleierte. Das Kombinat Minol verwaltete als Monopolist die gesamte Kette von der Raffinerie bis zum Endverbraucher. Mit nur etwa 1.300 Tankstellen für das gesamte Land war die Infrastruktur jedoch chronisch unterdimensioniert. Der Übergang in die Marktwirtschaft in den frühen neunziger Jahren offenbarte den massiven Investitionsstau und führte zur vollständigen Neuordnung des Marktes, in deren Folge die traditionelle Marke fast gänzlich verschwand.