Neues Depot des DDR-Museums in Marzahn: Ein lebendiger Ort der Erinnerung

Berlin – Mit dem jüngsten Umzug des beliebten DDR-Museums an den Berliner Dom wurde auch die Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik um ein neues Kapitel bereichert. In Marzahn hat das Museum sein modernes Depot bezogen und öffnete am vergangenen Sonntag erstmals seine Türen für Besucherinnen und Besucher. Was einst als Lagerhalle in Spandau diente, hat sich in einen Ort verwandelt, der weit über die reine Aufbewahrung historischer Objekte hinausgeht.

Ein Umzug mit großer Wirkung
Der Standortwechsel von Spandau nach Marzahn erfolgte aus mehreren Gründen. Zum einen entfielen die Mietzahlungen für die alte Halle, deren Zustand und bevorstehender Abriss keinen Raum für die Zukunft boten. Zum anderen wurde der Wunsch nach einem eigenen Depot im Besitz der Museums-GmbH immer stärker. In Marzahn stand schließlich ein Gelände zur Verfügung, auf dem sich bereits eine geeignete Halle – früher genützt als LKW-Werkstatt des VBB Kraftverkehr – befand. Nach einer rasanten Bauphase, die nach der Grundsteinlegung im April 2024 zügig zum Einzug führte, konnte der aufwendige Transport von über 3000 Umzugskartons, 1400 Paletten und rund 140 LKW-Ladungen bereits im Dezember abgeschlossen werden.

Lebendige Erinnerungskultur und Bildungsangebote
Das neue Depot bietet mehr als nur modernen Lagerraum: Es versteht sich als lebendiger Begegnungsort. Mit regelmäßigen Führungen an drei Tagen in der Woche – Dienstag, Donnerstag und Sonntag – haben Besucher die Möglichkeit, in die umfangreiche Sammlung des Museums einzutauchen. Anders als im „Infotainment“-Bereich des Hauptmuseums am Berliner Dom wird hier ein tieferer Einblick in die Materie ermöglicht. Im „Club der Funktionäre“, einem rund 80 Quadratmeter großen Showroom, werden ausgewählte Objekte wie historische Möbel, Spielzeug oder gar ein Stück der Berliner Mauer präsentiert – Exponate, die normalerweise in Kartons lagern würden.

Insbesondere Zeitzeugen, die die DDR selbst erlebt haben, finden in der persönlichen Begegnung mit den Objekten und den Geschichten der Spender einen emotionalen Zugang zu ihrer Vergangenheit. Auch das wissenschaftliche Interesse kommt nicht zu kurz: Langfristig ist geplant, das Depot zu einem Forschungstempel auszubauen, der Forschenden den Zugang zu umfangreichen Beständen, insbesondere Papierobjekten und Ego-Dokumenten, erleichtert. Workshops für Schulklassen sollen zudem Geschichte auf eine anschauliche und interaktive Weise vermitteln.

Herausforderungen und Zukunftsvisionen
Neben der beeindruckenden physischen Präsenz der Sammlung stehen auch Zukunftsprojekte im Fokus. Das DDR-Museum setzt darauf, die digitale Erfassung der ca. 360.000 historischen Objekte weiter voranzutreiben. Bereits jetzt existiert eine Online-Datenbank mit 12.000 erfassten Objekten, die jedoch angesichts begrenzter Ressourcen noch lange nicht das volle Potenzial ausschöpft. Erik Strohmeier-Wimmer, wissenschaftlicher Leiter der Sammlung, betont: „Das Vor-Ort-Erlebnis, der Geruch des Linoleums, der an DDR-Wohnungen erinnert, und das Staunen über die schiere Masse von Exponaten – all das lässt sich online kaum vermitteln.“

Ein Ort der Begegnung und des Austauschs
Darüber hinaus kommt dem neuen Depot eine wichtige Rolle in der Vermittlung von Erinnerungen und Bildung zu. Neben der Ausstellung und den Führungen wird der Ort auch als Austauschplattform dienen. Mitarbeitende des Museums erläutern Einblicke in die Sammlung, die Kriterien für die Aufnahme neuer Objekte und die Methoden der Konservierung. Gleichzeitig profitieren auch externe Institutionen: Das DDR-Museum verleiht regelmäßig Objekte wie Mauersteine und markante Gegenstände wie das Handrührgerät RG 28 an Museen im In- und Ausland.

Das neue Depot in Marzahn steht sinnbildlich für einen modernen Umgang mit der Erinnerungskultur der DDR. Es zeigt, dass Geschichte lebendig bleibt, wenn sie erfahrbar, erforscht und weitergegeben wird. Besucherinnen und Besucher – ob Geschichtsinteressierte, Zeitzeugen oder junge Menschen – finden hier einen Ort, der nicht nur informiert, sondern auch emotional berührt. Damit setzt das DDR-Museum ein klares Zeichen: Die Erinnerung an die Vergangenheit ist ein kostbares Gut, das es zu bewahren und erlebbar zu machen gilt.

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