Gutshaus Löwitz: Neugotische Eleganz im Wandel der Zeiten

Mitten in der malerischen Landschaft nahe Rehna thront das Gutshaus Löwitz – ein beeindruckendes Bauwerk, das im Stil der Neugotik errichtet wurde und bis heute Zeugnis einer bewegten und abwechslungsreichen Geschichte ablegt. Dieses prachtvolle Gutshaus ist nicht nur ein architektonisches Highlight seiner Epoche, sondern auch ein Symbol für den stetigen Wandel der Zeiten und die wechselnden Schicksale, die es im Laufe der Jahrhunderte durchlebte.

Bereits im Ratzeburger Zehntregister taucht das Gutshaus unter dem Namen „Lovetse“ im Jahr 1230 erstmals auf. Diese uralten Aufzeichnungen deuten darauf hin, dass der Ort seit jeher eine besondere Bedeutung in der regionalen Geschichte innehatte. Hinter dem heutigen Gutshaus erstreckte sich einst ein weitläufiger Gutspark, in dem die geheimnisvollen Reste der Burg Lovetze Godefridus zu finden sind – eine Überreste, die die Besucher in vergangene Zeiten entführen und von längst vergangenen Machtstrukturen und Herrschaftsansprüchen berichten.

Im August 1855 änderte sich das Schicksal des Anwesens maßgeblich, als Joachim Heinrich Koch das Gut erwarb. Nur ein Jahr später – genauer in den Jahren 1856 und 1857 – beauftragte er den Schweriner Architekten Georg Daniel mit einem ambitionierten Umbau des Gutshauses. Unter seiner Feder entstand ein zweigeschossiger, rechteckiger Putzbau, der durch seinen flachen Walmdach und den hohen Kellergeschoss besticht. Besonders markant sind die Türme an den beiden Schmalseiten des Gebäudes: Während der östliche Turm in einer ungewöhnlichen achteckigen Form erstrahlt, präsentiert sich der westliche Turm, der ursprünglich quadratisch konzipiert wurde, mittlerweile größtenteils als überwucherte Ruine. Beide Türme, versehen mit Zinnenkränzen und eleganten Balkonen, verleihen dem Bauwerk seinen neugotischen Charakter und unterstreichen den architektonischen Anspruch der damaligen Zeit.

Doch nicht nur die äußere Erscheinung des Gutshauses überzeugt: Rund um den gesamten Bau wurden kunstvolle Ornamente angebracht, die dem Gebäude einen zusätzlichen Hauch von Exklusivität und Raffinesse verleihen. Zwei imposante, achteckige Säulen rahmen den zentralen, zweigeschossigen Risalit ein – ein hervorstechendes Element, das durch die prächtigen Arkaden noch weiter betont wird. Der Eingang zum Gutshaus besticht durch eine offene Halle, in der spitzbogige Arkaden von massiven Granitpfeilern getragen werden. Dieses Zusammenspiel aus robusten Materialien und filigranen Bögen setzt nicht nur architektonische Akzente, sondern erzählt auch von einer Ära, in der Handwerkskunst und Bauästhetik eng miteinander verknüpft waren. Das beeindruckende Kreuzgratgewölbe, das den Raum überspannt, ruht auf zwei weiteren Säulen und zeugt von der technischen Raffinesse der Bauzeit. Ergänzt wird das Ensemble durch eine Freitreppe aus Granit, die den Zugang zu den einzelnen Ebenen ermöglicht und gleichzeitig als eleganter Blickfang fungiert.

Die Geschichte des Gutshauses Löwitz ist von zahlreichen Eigentümerwechseln und dramatischen Schicksalswendungen geprägt. Nach dem Tod von Joachim Heinrich Koch im Jahr 1868 blieb das Gut zunächst in der Familie und wurde über mehrere Generationen hinweg gepflegt und weiterentwickelt. Erst im Jahr 1919 wechselte der Besitzer, als Alfred Graf von Soden das Anwesen übernahm. Ein weiterer bedeutender Einschnitt erfolgte 1932, als Editha Freifrau von Forstner – die Tochter des Grafen – gemeinsam mit ihrem Ehemann das 403 Hektar große Gut in Besitz nahm. In jenen Tagen drohte eine Zwangsversteigerung, die das Fortbestehen des Guts in Gefahr brachte. Mit großem Engagement und Geschick gelang es dem Ehepaar von Forstner jedoch, diese dramatische Situation abzuwenden, während Graf von Soden sich dazu entschied, mit seiner Frau nach Lübeck zu ziehen.

Die Ereignisse des 20. Jahrhunderts hinterließen ebenfalls ihre Spuren auf dem Gutshaus. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der damit einhergehenden Bodenreform im Herbst 1945 wurde das einst prächtige Anwesen zur vorübergehenden Heimat für Flüchtlinge. In dieser Zeit wandelte sich der Zweck des Gutshauses grundlegend: Von 1945 bis zur Wende diente es als Kindergarten, in dem Generationen von Kindern ihre ersten Schritte in der Welt machten. Ab dem Jahr 1972 übernahm die LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) die Nutzung der Räumlichkeiten, wodurch sich das Gutshaus erneut in den Dienst einer anderen gesellschaftlichen Aufgabe stellte.

Mit dem Fall der Mauer und dem Ende der DDR-Ära änderte sich auch die Besitzsituation des Gutshauses Löwitz grundlegend. Das Anwesen ging in den Besitz der Treuhand über, welche über einen Zeitraum von sieben Jahren vergeblich nach einem geeigneten Käufer suchte. Schließlich kam es zu einer Versteigerung, bei der ein neuer Eigentümer aus Berlin den Zuschlag erhielt. Doch die Geschichte nahm noch eine weitere Wendung: Im Jahr 2018 wurde das Gutshaus von diesem Berliner Investor erneut versteigert – diesmal an einen Hamburger Investor, dessen Sanierungspläne jedoch im Sande verliefen.

Erst Ende 2022 fand sich ein neuer Besitzer, der den Blick nicht nur auf das historische Erbe, sondern auch auf das große Sanierungspotenzial richtete. Trotz des mittlerweile ruinösen Zustands des einst so imposanten Bauwerks begann der neue Eigentümer umgehend mit den Restaurierungsarbeiten. Parallel dazu wurde auch der ehemalige Park wieder freigelegt, um das historische Ensemble des Guts in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Die wechselvolle Geschichte des Gutshauses Löwitz zeigt eindrucksvoll, wie ein Bauwerk über die Jahrhunderte hinweg immer wieder neue Bedeutungen und Nutzungen erfahren kann. Von seiner ursprünglichen Erwähnung im 13. Jahrhundert über die neugotische Umgestaltung im 19. Jahrhundert bis hin zu den turbulenten Ereignissen der Nachkriegszeit – das Gutshaus hat alle Höhen und Tiefen der Geschichte miterlebt. Heute steht es als Mahnmal vergangener Zeiten und als Symbol für die unvergängliche Verbindung von Architektur, Geschichte und der stetigen Veränderung menschlicher Schicksale. Die Sanierungsarbeiten, die derzeit in vollem Gange sind, lassen hoffen, dass dieses kulturelle Erbe auch in Zukunft seine Pracht und Bedeutung bewahren wird und erneut als lebendiger Ort der Begegnung und Inspiration dienen kann.

Autor/Redakteur/KI-Journalist: Arne Petrich
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