Ein Blick zurück auf die Jugend am DDR-Bau

Ein historisches Filmdokument aus Altenburg zeigt, wer die DDR wirklich gebaut hat. Statt grauer Tristesse begegnen wir einer Jugend voller Ambitionen, Stolz und dem festen Willen, nicht nur Wände, sondern die eigene Zukunft zu gestalten.

Altenburg. Es ist staubig, es ist laut, und der Wind pfeift durch den Rohbau. Wir befinden uns in den 1980er Jahren auf einer Baustelle in Altenburg-Nord. Hier entsteht Wohnraum, die berühmte „Platte“. Doch wer sind die Menschen unter den gelben Schutzhelmen? Ein bemerkenswertes Zeitdokument, veröffentlicht von altenburg.tv, wischt den Staub der Geschichte beiseite und lässt die zu Wort kommen, die damals anpackten: die Lehrlinge. Und die haben mit dem Klischee des stumpfsinnigen Bauarbeiters rein gar nichts zu tun.

„Wer nichts kann, geht zum Bau?“ – Von wegen!
Der Reporter im Video konfrontiert die jungen Männer und Frauen direkt mit dem damals gängigen Vorurteil: „Wer nichts will und wer nichts kann, geht zum Bau oder zur Bahn.“ Die Reaktionen der Jugendlichen sind so direkt wie entwaffnend.

Da ist kein Schulterzucken, sondern Berufsstolz. „Da gehört schon ein bisschen mehr dazu“, entgegnet ein junger Lehrling selbstbewusst. Er spricht von maschineller Fertigung, von Technik und dem nötigen Einblick in komplexe Abläufe. Ein anderer wird noch deutlicher: Er ist hier, weil er Abitur mit Berufsausbildung macht. Er will nicht nur „hinter Büchern hängen“, sondern sehen, wie Dinge entstehen. Für diese Generation ist der Bau keine Sackgasse, sondern ein Startblock.

Mehr als nur Beton: Bildhauer und Ingenieure in spe
Was den Zuschauer heute wohl am meisten überrascht, sind die Träume, die zwischen Mörtel und Schalung blühen. Diese jungen Menschen sehen ihre Arbeit auf der „Taktstraße“ nicht als Endstation.

Einer der Interviewten plant fest ein Hochschulstudium in Cottbus – Fachrichtung Bauwesen. Ein anderer hat noch künstlerischere Ambitionen: Er will an die Kunsthochschule in Dresden, um Bildhauer zu werden. „Ich war schon lange in Zirkeln tätig“, erzählt er mit leuchtenden Augen. Die Baustelle ist für ihn kein Ort der Abstumpfung, sondern eine Schule der Formgebung, ein erster Schritt zur Kunst. Es ist dieser unerwartete Funke von Individualität und Kreativität, der das Video so sehenswert macht.

Frauen in der Männerdomäne
Auch junge Frauen stehen ihren „Mann“ auf dem Gerüst. Barbara und Sabine, zwei Lehrlinge im Interview, geben unumwunden zu: Ja, es ist hart. Besonders im Winter, wenn die Kälte in die Knochen kriecht, oder im Sommer bei brütender Hitze. „Man muss sich schon manches Mal überwinden“, gesteht eine der beiden ehrlich.

Doch warum tun sie es? Aus Neugier. Aus dem Wunsch, dort zu sein, wo Neues entsteht. Sie wollen später Bauwesen studieren, gemeinsam. Ihre Präsenz auf der Baustelle ist kein politisches Statement, sondern gelebte Realität. Sie sind Teil des Teams, und sie wissen genau: Ohne Fleiß kein Preis.

Das große Ziel vor Augen
Über allem schwebt das große politische Versprechen der DDR: Die Lösung der Wohnungsfrage bis 1990. Aus heutiger Sicht wissen wir um die historischen Brüche, die nur wenige Jahre später folgen sollten. Doch im Moment der Aufnahme ist der Optimismus der Jugendlichen greifbar.

„Es liegt an jedem Einzelnen selbst“, sagt ein Lehrling. Sie glauben daran, dass sie es schaffen können – quantitativ und qualitativ. Auch der Taktstraßenleiter, Kollege Lang, lobt seine Schützlinge. Ganze Bauabschnitte, vom Keller bis zum Dach, werden von Lehrlingsbrigaden eigenverantwortlich hochgezogen. Das schafft Vertrauen und Selbstwertgefühl.

Ein Fundament, das bleibt
Wenn man diese jungen Gesichter sieht, blickt man nicht auf eine verlorene Generation, sondern auf junge Menschen voller Tatendrang. Sie haben gefroren, geschwitzt und hart gearbeitet, aber sie haben auch gelacht, geplant und geträumt.

Viele der Wohnungen, die sie damals in Altenburg und anderswo errichteten, stehen noch heute. Sie wurden saniert, modernisiert und bieten nach wie vor tausenden Menschen ein Zuhause. Das ist das eigentliche Vermächtnis dieser Jugend: Sie haben nicht nur Pläne erfüllt, sondern Lebensräume geschaffen. Der Blick zurück auf diese Aufnahmen hinterlässt daher ein warmes Gefühl – Respekt vor der handwerklichen Leistung und die tröstliche Gewissheit, dass jugendlicher Optimismus und der Wille, die Welt mit den eigenen Händen zu formen, zeitlos sind.

Bärbel Bohley im ZDF: Ein Zeitdokument vom Vorabend des Mauerfalls

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Am 8. November 1989 schien Zeit die wichtigste Ressource zu sein, um die die Opposition in der DDR rang. Teaser: Einen Tag vor dem Fall der Berliner Mauer gab Bärbel Bohley, Mitbegründerin des Neuen Forums, ein Interview im ZDF-Magazin „Kennzeichen D“. Es ist ein Gespräch, das heute wie eine Flaschenpost aus einer untergegangenen Welt wirkt. Bohley analysierte die Lage im Land mit einer bemerkenswerten Nüchternheit. Sie sprach nicht von Einheit oder blühenden Landschaften, sondern von der Gefahr eines unkontrollierten Zusammenbruchs. Ihre Skepsis gegenüber den kosmetischen Personalwechseln in der SED-Führung drückte sie mit der Metapher eines „verdünnten Suds“ aus, der lediglich mit einem Feigenblatt versehen wurde. Was dieses Dokument so besonders macht, ist die Diskrepanz zwischen Bohleys Forderungen und den Ereignissen, die unmittelbar bevorstanden. Sie wünschte sich Zeit für einen „politischen Bildungsprozess“. Sie sah die Notwendigkeit, dass die Menschen, deren Forderungen 40 Jahre lang unterdrückt worden waren, erst lernen mussten, diese öffentlich zu artikulieren und politisch zu gestalten. Die Bürgerrechtlerin hoffte auf eine innere Erneuerung der DDR, getragen von einem Dialog zwischen Basis und Führung, wenngleich sie den Apparat als starr und reformunwillig beschrieb. Der Wunsch nach Entschleunigung und einem geordneten Übergang stand im Raum, während die Geschichte bereits den Turbogang eingelegt hatte. Das Interview zeigt eine Momentaufnahme der Bürgerbewegung, die Verantwortung für das eigene Land übernehmen wollte, bevor die Grenzen fielen. Die Ereignisse des nächsten Tages haben diese Überlegungen überrollt und eine andere Realität geschaffen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Es war ein mediales Novum, als sich eine Gründerin des Neuen Forums im westdeutschen Fernsehen zur Lage der Nation äußerte. Teaser: Im Gespräch mit Dirk Sager am 8. November 1989 sezierte Bärbel Bohley den Zustand der SED und die Stimmung in der Bevölkerung. Ihre Analyse der Machtstrukturen war präzise: Sie sah den Riss, der nicht nur zwischen Volk und Führung, sondern auch durch die Partei selbst ging. Während die Basis zweifelte, verharrte das Politbüro in alten Mustern. Bohley forderte in diesem historischen Moment keine schnelle Lösung, sondern ein „Aktionsprogramm“ und die Hinterfragung des verfassungsrechtlichen Führungsanspruchs der SED. Ihre Sorge galt der Stabilität des Landes; sie warnte davor, dass ohne einen geordneten politischen Bildungsprozess das System kollabieren könnte. Es war der Versuch, den Wandel von innen heraus zu steuern und den Bürgern die Hoheit über ihre eigene Geschichte zurückzugeben. Das Dokument bleibt als Zeugnis jener Pläne bestehen, die kurz vor der Grenzöffnung in den Köpfen der Opposition existierten. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Bärbel Bohley sprach von der Angst vor dem Zusammenbruch und der Notwendigkeit einer politischen Atempause. Teaser: Nur Stunden vor dem Mauerfall mahnte die Bürgerrechtlerin im ZDF zur Besonnenheit. Sie sah die Gefahr, dass die über Jahrzehnte aufgestauten und nun hervorbrechenden Forderungen der Bevölkerung die Strukturen überlasten könnten, wenn kein geordneter Dialog stattfindet. Ihr Plädoyer für Zeit und Reflexion steht im scharfen Kontrast zur Beschleunigung, die das Jahr 1989 in seinen letzten Wochen erfuhr. Ihre Worte markieren den Punkt, an dem die Reform der DDR noch als realistische Option gedacht wurde.