Ostdeutschland im Pflege-Report 2024: Bedürfnisse und Herausforderungen

Die Pressekonferenz am 16. Dezember 2024 stellte den neuen Pflege-Report 2024 vor, der sich mit den aktuellen Herausforderungen im Bereich der Pflege in Deutschland auseinandersetzt. Der Bericht beleuchtet insbesondere die stark steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen und die regionalen Unterschiede in der Pflegeversorgung sowie mögliche Lösungsansätze, um der Entwicklung gerecht zu werden. Diese Pressekonferenz, an der Experten und Verantwortliche aus der Politik sowie der Pflegebranche teilnahmen, verdeutlichte einmal mehr, dass die Gesellschaft vor der dringenden Aufgabe steht, die Pflegeversorgung zukunftsfähig zu gestalten.

Steigende Pflegebedürftigkeit
Der Pflege-Report 2024 zeigt eine dramatische Zunahme der Pflegebedürftigen in Deutschland. Die Zahl der Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, ist in den letzten sechs Jahren von 3,3 Millionen im Jahr 2017 auf 5,2 Millionen im Jahr 2023 angestiegen – ein Anstieg von 57 Prozent. Dies ist nicht nur auf die demografische Alterung zurückzuführen, sondern auch auf den 2017 eingeführten neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff. Dieser Begriff hat eine größere Zahl von Menschen als pflegebedürftig eingestuft, die zuvor nicht als solche galten. Zusätzlich spielen die steigende Zahl an Demenzerkrankungen und die zunehmende Bekanntheit von Pflegeangeboten eine Rolle. Der Report macht deutlich, dass die Pflegebedürftigkeit nicht mehr nur eine Frage des Alters ist, sondern zunehmend auch mit chronischen Erkrankungen und mentalen Gesundheitsproblemen wie Demenz einhergeht.

Regionale Unterschiede in der Pflegeversorgung
Ein weiteres zentrales Thema der Konferenz waren die regionalen Unterschiede in der Pflegeprävalenz und der Inanspruchnahme von Pflegeleistungen. Die Daten aus dem Report belegen große Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen Deutschlands. In einigen Landkreisen, besonders in Ostdeutschland, ist etwa jede sechste Person pflegebedürftig, während in Regionen wie München oder Rosenheim nur jede 27. bis 29. Person auf Pflege angewiesen ist. Diese regionalen Unterschiede spiegeln sich nicht nur in der Pflegebedürftigkeit wider, sondern auch in der Art und Weise, wie Pflege in Anspruch genommen wird. In der Westhälfte Deutschlands beziehen mehr Pflegebedürftige ausschließlich Pflegegeld, während in der Osthälfte häufiger ambulante Pflegedienste genutzt werden.

Ein besonders auffälliges Phänomen ist der starke Anstieg der Pflegebedürftigkeit in bestimmten Regionen. In Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und in Teilen Sachsens stieg die Zahl der Pflegebedürftigen zwischen 2017 und 2023 um 81 bis 144 Prozent. Dies stellt für die betroffenen Kommunen eine enorme Herausforderung dar, da die Pflegeinfrastruktur nicht in allen Fällen mit dieser Entwicklung Schritt gehalten hat. Die regionalen Unterschiede in der Pflegeversorgung sind vor allem durch demografische, sozioökonomische und geografische Faktoren bedingt. In ländlichen Gebieten, wo häufig weniger ambulante Pflegedienste zur Verfügung stehen, greifen die Menschen eher auf häusliche Pflege oder informelle Unterstützung durch Familienmitglieder zurück. In Regionen mit hohem Anteil an Demenzerkrankungen werden wiederum vermehrt ambulante Pflegedienste benötigt, da diese die spezialisierten Pflegeleistungen bieten.

Lösungsansätze und innovative Konzepte
Angesichts der enormen Herausforderungen, die mit der steigenden Zahl an Pflegebedürftigen einhergehen, wurden im Rahmen der Pressekonferenz verschiedene Lösungsansätze präsentiert, die im Pflege-Report 2024 hervorgehoben wurden. Ein zentraler Ansatz ist die Förderung von sogenannten „Caring Communities“, also solidarischen Gemeinschaften, die sich gemeinsam um die Pflegebedürftigen kümmern. Dabei sollen Kommunen eine tragende Rolle übernehmen, indem sie entsprechende Infrastrukturen schaffen, Beratungsangebote bereitstellen und den Austausch von freiwilligen Helfern und professionellen Pflegekräften fördern.

Eine wichtige Grundlage für die Umsetzung dieses Ansatzes ist eine transparente, datenbasierte Planung der Pflegeinfrastruktur auf kommunaler Ebene. Der Pflege-Report 2024 bietet dafür wertvolle Daten aus Kranken- und Pflegekassen, die eine detaillierte Analyse der regionalen Bedürfnisse ermöglichen und die Planung der Pflegeversorgung verbessern können. Um eine flächendeckende Umsetzung von Caring Communities zu erreichen, ist jedoch eine kontinuierliche Finanzierung erforderlich. Derzeit sind die im Pflegekompetenzgesetz vorgesehenen Modellvorhaben zeitlich begrenzt, was bedeutet, dass dauerhaft strukturelle Entwicklungsbudgets zur Verfügung gestellt werden müssen, um die notwendige Infrastruktur zu schaffen und zu erhalten.

Die Rolle der Babyboomer-Generation
Ein besonders innovativer Aspekt des Konzepts von Caring Communities ist die Einbindung der Babyboomer-Generation, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand geht. Diese Generation könnte einen wichtigen Beitrag zur Pflege leisten, insbesondere im Bereich der ehrenamtlichen Hilfe. Eine Forsa-Umfrage hat gezeigt, dass 64 Prozent der Babyboomer bereit wären, sich in der Pflege zu engagieren. Dies könnte dazu beitragen, den Fachkräftemangel in der Pflege zu lindern und gleichzeitig die soziale Integration von Senioren zu fördern. Die Idee ist, dass ältere Menschen nicht nur als Empfänger von Pflege betrachtet werden, sondern aktiv an der Unterstützung von anderen Pflegebedürftigen beteiligt sind.

Kommunen spielen bei der Umsetzung dieses Konzepts eine zentrale Rolle. Sie sind nicht nur für die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur verantwortlich, sondern auch für die Unterstützung von Beratung und individueller Hilfeleistung. Dabei geht es nicht nur um die Bereitstellung von Pflegeeinrichtungen, sondern auch um die Förderung von flexiblen Wohnkonzepten, die es Pflegebedürftigen ermöglichen, möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld zu bleiben.

Finanzielle Herausforderungen und nachhaltige Lösungen
Die Finanzierung der Pflege stellt weiterhin eine der größten Herausforderungen dar. Besonders kleinere Kommunen haben Schwierigkeiten, die nötigen Ressourcen bereitzustellen, um eine ausreichende Pflegeinfrastruktur zu gewährleisten. Eine nachhaltige Lösung könnte die Einführung eines gemeinsamen Strukturentwicklungsbudgets sein, das den Kommunen ermöglicht, die benötigten Ressourcen für die Pflegeinfrastruktur langfristig zu sichern. Der Pflege-Report 2024 betont, dass es nicht nur um die Verbesserung der Pflegebedingungen geht, sondern auch um die Entwicklung von flexiblen, bedarfsgerechten Versorgungskonzepten, die den spezifischen Anforderungen der einzelnen Regionen gerecht werden.

Ein weiteres Thema, das auf der Pressekonferenz angesprochen wurde, war die Notwendigkeit einer besseren Verzahnung der verschiedenen Pflegeangebote. Dabei geht es darum, die Angebote der ambulanten Pflege, der stationären Pflege und der häuslichen Pflege besser miteinander zu verknüpfen, um eine lückenlose Versorgung der Pflegebedürftigen sicherzustellen. Hierfür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Pflegekassen, sozialen Trägern und ehrenamtlichen Initiativen erforderlich.

Der Pflege-Report 2024 und die Pressekonferenz haben einmal mehr gezeigt, dass die steigende Zahl an Pflegebedürftigen eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahre darstellen wird. Es ist zwingend erforderlich, dass alle Akteure – von der Politik über die Kommunen bis hin zu den Pflegeeinrichtungen – eng zusammenarbeiten, um innovative Lösungsansätze zu entwickeln. Die Schaffung von Caring Communities, die die Pflege als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstehen, könnte dabei eine Schlüsselrolle spielen. Nur durch eine nachhaltige, flexible und solidarische Pflegeversorgung kann sichergestellt werden, dass auch in Zukunft alle Menschen in Deutschland die Pflege erhalten, die sie benötigen.

Schokoladentradition in Dresden zwischen VEB Elbflorenz und Neuanfang

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Wenn Werner Mühle von früher erzählt, kann er die Temperatur der Schokolade noch immer an der Oberlippe spüren. Teaser: Fast vierzig Jahre lang stand er in den Hallen des VEB Elbflorenz, erst als Lehrling, später als Obermeister. Seine Biografie ist typisch für eine Generation, die ihre Bestätigung nicht im politischen System, sondern in der Qualität ihrer Hände Arbeit fand. Sie produzierten Pralinen für den Export, "Weltniveau" nannten sie das, während die eigene Bevölkerung oft mit einem eingeschränkten Sortiment vorliebnehmen musste. Der Stolz auf das geleistete Handwerk war echt, unabhängig von den Mängeln der Planwirtschaft. Dann kam das Jahr 1990. Über Nacht stornierten die Händler die Verträge, die Produktion stand still, die Maschinen verstummten. Für Mühle und seine Kollegen bedeutete das nicht nur Arbeitslosigkeit, sondern den Verlust eines sozialen Gefüges, das über Jahrzehnte gewachsen war. Dass heute wieder alte DDR-Maschinen in Dresden laufen, diesmal in kleinen Manufakturen, ist eine späte Pointe der Geschichte. Der Geruch von gerösteten Kakaobohnen zieht wieder durch die Stadt, anders als früher, aber die Erinnerung an die alten Werkhallen bleibt bestehen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Dresden war einst die Schokoladenhauptstadt Deutschlands, bevor Enteignung und Planwirtschaft die Strukturen veränderten. Teaser: Die Geschichte der Dresdner Süßwarenindustrie ist ein Lehrstück über den industriellen Wandel in Ostdeutschland. Nach der Verstaatlichungswelle 1972 verschwanden traditionsreiche Familienunternehmen im VEB Elbflorenz. Was folgte, war eine Zeit der Widersprüche: Einerseits technischer Erfindergeist und hochwertige Exportware, andererseits Rohstoffknappheit und "Bückware" für den Binnenmarkt. Der radikale Bruch erfolgte 1990. Anders als in anderen Branchen, die sich langsam transformierten, traf die Marktwirtschaft die ostdeutsche Schokoladenindustrie mit voller Härte. Die Insolvenz des VEB Elbflorenz steht exemplarisch für die Deindustrialisierung der frühen 90er Jahre. Dass Marken wie Nudossi heute wieder erfolgreich sind, war damals nicht absehbar und ist eher dem Eigensinn einzelner Unternehmer zu verdanken als politischer Planung. Die alten Rezepturen haben überlebt, die industriellen Großstrukturen von einst sind jedoch Geschichte. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die alten Maschinen des VEB Nagema heute wieder begehrt sind. Teaser: Jahrzehntelang galten die massiven DDR-Anlagen als veraltet, laut und ineffizient im Vergleich zur westlichen Hochtechnologie. Doch in der Nische zeigt sich ein anderes Bild. Die Langlebigkeit und die spezifische Art, wie diese Walzwerke die Schokoladenmasse verarbeiten, werden heute von Manufakturen wieder geschätzt. Es wirft ein interessantes Licht auf das industrielle Erbe der DDR: Was wurde zu schnell verschrottet? Die Wertschätzung für die technische Substanz kommt spät, oft erst, nachdem die ursprünglichen Betriebe längst abgewickelt wurden. Die Qualität war da, sie konnte sich unter den Bedingungen der Mangelwirtschaft und des abrupten Systemwechsels nur schwer behaupten. Vielleicht liegt in dieser späten Rückbesinnung auf die Technik eine Art Versöhnung mit der eigenen Industriegeschichte.

Staatliche Repression und ihre Folgen für zwei Ost-Biografien

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Manchmal entscheidet ein einziger Tag darüber, ob man Opfer oder Täter wird, wenn ein Staat beschließt, dass man nicht mehr dazugehört. Teaser: Nadja Klier war 15 Jahre alt, als sie ihre Heimat verlor. Nicht freiwillig, sondern durch staatlichen Zwang. Als Tochter der Bürgerrechtlerin Freya Klier wurde sie 1988 über Nacht aus ihrem Leben in Ost-Berlin gerissen und in den Westen abgeschoben. Was politisch wie eine Lösung aussah, war für die Jugendliche ein traumatischer Bruch: keine Freunde mehr, keine vertraute Umgebung, nur Fremde. Zur gleichen Zeit saß Ingo Hasselbach in einem DDR-Gefängnis. Er war als „Rowdy“ verhaftet worden, weil er gegen sein linientreues Elternhaus rebellierte. Doch statt ihn zu brechen, formte ihn der Knast neu. In den Zellen traf er auf Alt-Nazis, die den jungen Mann radikalisierten. Der Hass auf den SED-Staat wurde zum Motor für eine neue, rechtsextreme Ideologie. Während Nadja im Westen versuchte, Boden unter den Füßen zu bekommen, bereitete sich Hasselbach darauf vor, im Machtvakuum der Wendezeit Neonazi-Strukturen aufzubauen. Es sind zwei Geschichten, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch denselben Ursprung haben. Sie erzählen von der Unbarmherzigkeit eines Systems, das keine Abweichung duldete, und von den langen Schatten, die diese Erziehungsmethoden bis heute werfen. Die Narben bleiben sichtbar, auch wenn die Mauern längst gefallen sind. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Dass Gefängnisse in der DDR oft als Brutstätten für Rechtsextremismus fungierten, widersprach der offiziellen Staatsdoktrin, war aber bittere Realität. Teaser: Die Biografien von Nadja Klier und Ingo Hasselbach stehen exemplarisch für das Versagen der DDR-Pädagogik und die Härte des staatlichen Zugriffes. Während Klier als Jugendliche 1988 zwangsausgesiedelt wurde, weil ihre Mutter Freya Klier Reformen forderte, durchlief Hasselbach eine Radikalisierung im Strafvollzug. Historisch interessant ist hierbei der Mechanismus der Haftanstalten. Hasselbach, ursprünglich wegen unpolitischer Delikte („Rowdy“) inhaftiert, kam dort in Kontakt mit NS-Kriegsverbrechern. Der staatlich verordnete Antifaschismus verhinderte eine offene Auseinandersetzung mit diesem Phänomen; stattdessen wuchs im Verborgenen eine Szene heran, die nach 1989 gewaltbereit das öffentliche Bild dominierte. Hasselbachs Weg vom Häftling zum Anführer der „Nationalen Alternative“ und sein späterer Ausstieg über EXIT-Deutschland zeichnen diese Entwicklung präzise nach. Es zeigt sich, wie staatliche Repression Dynamiken freisetzen kann, die später kaum noch kontrollierbar sind. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Eine Abschiebung ist kein Umzug, und ein Gefängnis ist keine Schule – beides sind Orte, an denen Biografien brechen. Teaser: Wir sprechen oft über die Wende als Moment der Befreiung. Für Nadja Klier war das Jahr 1988 bereits das Ende ihrer Kindheit, erzwungen durch die Ausbürgerung aus der DDR. Für Ingo Hasselbach waren die Wendejahre der Startschuss für organisierte Gewalt. Diese Gleichzeitigkeit von Verlust und Radikalisierung wirft Fragen auf. Wie geht eine Gesellschaft damit um, dass der Staat manche Kinder vertrieb und andere zu Extremisten erzog? Die Aufarbeitung dieser individuellen Brüche ist oft komplexer als die rein historische Betrachtung von Daten und Fakten. Die Spuren dieser Jahre verblassen nur langsam.