Ein Blick hinter den Eisernen Vorhang: Alltag und Härte der DDR-Grenztruppen

Ein ehemaliger Offizier der DDR-Grenztruppen gewährt seltene Einblicke in den harten und von Misstrauen geprägten Alltag an der innerdeutschen Grenze und der Berliner Mauer. Die Informationen stammen aus einem Video auf dem YouTube-Kanal „Zurückgespult – Geschichte auf VHS-Band“, das die Mechanismen des Überwachungsstaates beleuchtet.

Alltag im Grenzdienst: Beobachtung und Diffamierung von Flüchtlingen
Der Dienst an der Grenze war für die Soldaten eine intensive Aufgabe: In der Regel verbrachten sie 8 bis 10 Stunden täglich direkt an der Grenze. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, in der sogenannten „feindfertigen Richtung“ – also in Richtung Bundesrepublik – zu observieren. Ziel war es, Angehörige des Bundesgrenzschutzes (BGS), des Zolls, zivile Personen oder Truppenansammlungen zu identifizieren und zu melden.
Besondere Vorsicht war geboten, wenn es um die Flucht aus der DDR ging. Der ehemalige Offizier berichtet, dass Flüchthilfen meist schon vorab als „Vorfahndungsmeldungen“ bekannt waren, die den Soldaten die wahrscheinlichen Abschnitte nannten, in denen mit Grenzübertritten zu rechnen sei. Um die Soldaten psychologisch vorzubereiten, wurden potenzielle Flüchtlinge systematisch dämonisiert: Sie wurden als „Verbrecher“, „mehrfach vorbestraft“ und „bewaffnet“ dargestellt, obwohl die Beschaffung einer Waffe in der DDR nahezu unmöglich war. Diese Darstellungen sollten die Soldaten „heiß machen“.

Die Festnahme von Flüchtlingen wurde von der DDR-Führung großzügig belohnt. Soldaten erhielten Auszeichnungen in Form von Medaillen, Orden, Urlaub, Geldprämien von etwa 150 Mark oder sogar Kaffeemaschinen.

Der Schießbefehl: Eine grausame Realität bis zuletzt
Trotz eines neuen Grenzgesetzes von 1982, das die Schusswaffenbrauchsordnung formell festlegte, blieb der berüchtigte „Schießbefehl“ bis zuletzt in Kraft. Die Soldaten erhielten bei jeder „Vergatterung“ – der täglichen Befehlsausgabe vor dem Einsatz – die Anweisung, Grenzverletzer aufzuspüren, festzunehmen „oder zu vernichten“.

Die Geschichte der Grenztruppen: Vom Polizeiapparat zur „Elitetruppe“
Die Ursprünge der DDR-Grenzsicherung reichen weit zurück. Bereits 1946 erteilte die sowjetische Besatzungsmacht Anweisungen zur Aufstellung einer Grenzpolizei. Bis zur Gründung des Bundesgrenzschutzes 1951 umfasste die deutsche Grenzpolizei der DDR bereits rund 20.000 Mann. Ihre Zugehörigkeit wechselte mehrfach zwischen dem Ministerium des Innern und dem Ministerium für Staatssicherheit.

Mitte der 1950er Jahre erfolgte eine Umstrukturierung von einer Polizeieinheit zu einer Grenztruppe. Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 wurden sie im September desselben Jahres als „Kommando Grenze der NVA“ in die Nationale Volksarmee (NVA) integriert. In den 1960er Jahren galten sie als „Garde der nationalen Volksarmee“ – eine Art Elitetruppe. Aus strategischen Gründen, um die 50.000 Mann starke Truppe nicht bei den Wiener MBFR-Verhandlungen (Verhandlungen über einen Truppenabbau in Europa) ausweisen zu müssen, wurden die Grenztruppen Experten zufolge entweder 1972/73 oder ein Jahr später wieder aus der NVA ausgegliedert.

Die Berliner Mauer: Ein „Stachel im Fleisch“
Die 162 Kilometer lange Grenze der DDR zu West-Berlin war ähnlich aufgebaut wie die innerdeutsche Grenze, mit ausgeklügelten Überwachungs- und Sperrsystemen, einschließlich Hundelaufanlagen. Selbst in Flüssen und Seen markierten Grenztonnen die Demarkationslinie, an die sich Wassersportler und Angler gewöhnen mussten. Trotzdem blieb diese Grenze „der Stachel im Fleisch der Deutschen“ und ein Zeichen „rücksichtsloser Entschiedenheit“.

Die 44,8 Kilometer lange Berliner Mauer, die Sektorengrenze zwischen Ost- und West-Berlin, galt als praktisch unüberwindbar und aus östlicher Richtung kaum durchlässig. Immer wieder gab es Sprengstoffanschläge auf das „hässliche Bauwerk“, zuletzt offenbar von Rechtsradikalen. Ein dramatischer Vorfall während der Dreharbeiten im Juni 1986 zeigte die Härte dieser Grenze: Ein 17-jähriger West-Berliner raste mit seinem Auto gegen die Mauer, durchbrach zwei Betonplatten und landete verletzt auf DDR-Gebiet. Während der Fahrer medizinisch versorgt und in Gewahrsam genommen wurde, schoben DDR-Grenztruppen den PKW umgehend durch das Mauerloch auf West-Berliner Gebiet zurück.
Die Mauer bleibt ein Symbol der Trennung, poetisch beschrieben als „Mauer die Mauer grau und kahl“, „schmutzige Schande“ und „aus Hassbeton“. Eine „Röhre aus Stahlbeton“ auf der Mauer, an der „die Hände abrutschen“ und „die Blicke abgleiten“, verdeutlichte die Unüberwindbarkeit.

Der Aufruf der Widerstandskämpfer im Dezember 1989

Journalistischer Text - Profil (Teaser Seite 1) Warnung vor Neonazis in der Wendezeit In einer Zeit des politischen Vakuums veröffentlicht die Junge Welt am 21. Dezember 1989 einen Text, der explizit vor zunehmenden neonazistischen Umtrieben in Stadt und Land warnt und diese als Gefahr für die humanistischen Werte bezeichnet. Ich betrachte dieses Dokument heute als ein spätes Eingeständnis einer Realität, die viele Menschen in ihrem Alltag längst wahrgenommen hatten, die aber staatlich ignoriert wurde. Es scheint, als ob die Thematisierung der rechten Gefahr in diesem Moment für manche auch den Zweck erfüllte, die Existenzberechtigung der DDR als antifaschistisches Bollwerk neu zu begründen. Für den heutigen Betrachter offenbart sich hier die Zerrissenheit jener Tage. Während die einen die Wiedervereinigung herbeisehnten, sahen andere in der Bewahrung der DDR-Eigenstaatlichkeit den einzigen Schutz vor historischen Fehlentwicklungen. Dieser Text markiert den Versuch, in der Unübersichtlichkeit der Wendezeit einen moralischen Halt zu bieten. Journalistischer Text - Seite (Teaser Seite 2) Ein Programm der Hoffnung im Dezember 89 Kurz vor dem Jahreswechsel 1989 bezeichnet ein Aufruf des Komitees der Widerstandskämpfer den Antifaschismus als das entscheidende Programm der Hoffnung für den Erhalt und die Erneuerung des Staates. Mir erscheint dieser Appell rückblickend wie der Versuch einiger Akteure, die drohende Auflösung ihres Staates durch die Rückkehr zu den ideellen Wurzeln aufzuhalten. Es war eine Perspektive, die sicherlich von jenen geteilt wurde, die eine reformierte DDR wollten, auch wenn die politische Realität bereits eine andere Sprache sprach.