Kennst du noch das Lied vom Vaterland 1973?

Kennst du das Land mit seinen alten Eichen
Das Land von Einstein, von Karl Marx und Bach
Wo jede Antwort endet mit dem Fragezeichen
Wo ich ein Zimmer hab‘ unterm Dach

Wo sich so viele wegen früher oft noch schämen
Wo mancher Vater eine Frage nicht versteht
Wo ihre Kinder ihnen das nicht übelnehmen
Weil seine Antwort im Geschichtsbuch steht

Hier schaff‘ ich selber, was ich einmal werde
Hier geb‘ ich meinem Leben einen Sinn
Hier hab‘ ich meinen Teil von uns’rer Erde
Der kann so werden, wie ich selber bin

Kennst du das Land, wo die Fabriken uns gehören
Wo der Prometheus schon um Fünf aufsteht
Hier kann man manche Faust auf manchen Tischen hören
Bevor dann wieder trotzdem was nicht geht
Wo sich auf Wohnungsämtern Hoffnungen verlieren
Und ein Parteitag sich darüber Sorgen macht
Wo sich die Leute alles selber reparieren
Weil sie das Werkzeug haben, Wissen und die Macht

Hier schaff‘ ich selber, was ich einmal werde
Hier geb‘ ich meinem Leben einen Sinn
Hier hab‘ ich meinen Teil von uns’rer Erde
Der kann so werden, wie ich selber bin

In diesem Lande lernte ih das Laufen
Ich lernte richtig sprechen, richtig denken
Ich lernte, nur das Brauchbare zu kaufen
Und, dass es Freude macht, auch etwas zu verschenken
Hier lernte meine Mutter das Regieren
Als sie vor einem Trümmerhaufen stand
Ich möchte dieses Land niemals verlieren
Es ist mein Mutter und mein Vaterland

Hier schaff‘ ich selber, was ich einmal werde
Hier geb‘ ich meinem Leben einen Sinn
Hier hab‘ ich meinen Teil von uns’rer Erde
Der kann so werden, wie ich selber bin

Der kann so werden, wie ich selber bin
Der kann so werden, wie ich selber bin
Der kann so werden, wie ich selber bin

Der kann so werden, wie ich selber binDer kann so werden, wie ich selber binDer kann so werden, wie ich selber bin

Henry Hübchen über die DDR und die Arroganz des Überlebens

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Wenn Henry Hübchen über die DDR spricht, vergleicht er das Land mit Atlantis – einem versunkenen Kontinent, dessen Konturen im Nebel der Geschichte langsam unscharf werden. Teaser: In der Rückschau auf sein Leben, das er zu gleichen Teilen in zwei verschiedenen Systemen verbracht hat, verweigert sich der Schauspieler den einfachen Kategorien von Täter und Opfer. Vielmehr beschreibt er eine Haltung der „Renitenz“, die sich nicht in politischem Widerstand, sondern in einer spezifischen Arbeitshaltung ausdrückte. Besonders eindrücklich ist seine soziologische Beobachtung der Machtverhältnisse: Während er den Westdeutschen als Souverän in der Freizeit, aber als angepasst im Berufsleben wahrnahm, war es im Osten genau umgekehrt. Der Mangel zwang im Privaten zur Unterordnung, doch im Betrieb herrschte oft eine anarchische Gleichheit, in der der Arbeiter dem Meister die Stirn bot. Diese Erfahrung eines Zusammenbruchs und Neuanfangs hat bei Hübchen keine Unsicherheit hinterlassen, sondern eine „große Arroganz“ des Überlebenden. Wer das Scheitern eines Staates erlebt hat, blickt mit anderen Augen auf die Krisen der Gegenwart. Seine Skepsis gegenüber aktuellen politischen Narrativen ist keine bloße Laune des Alters, sondern das Resultat einer Biografie, die gelernt hat, hinter die Kulissen der Macht zu schauen. Es ist der Blick eines Mannes, der weiß, dass keine Ordnung für die Ewigkeit gebaut ist. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Der Systemwechsel 1989 war für viele Ostdeutsche ein Schock, für Henry Hübchen jedoch eher die Bestätigung eines Erfahrungsvorsprungs. Teaser: Der Schauspieler spricht von einer inneren Unabhängigkeit, die weit vor dem Mauerfall begann. Interessant ist dabei seine Analyse der Anpassungsleistungen nach der Wende: Während man sich ökonomisch und beruflich in die Bundesrepublik integrierte, blieb eine kulturelle und mentale Differenz bestehen. Hübchen identifiziert dies nicht als Defizit, sondern als Ressource. Die Erfahrung, dass gesellschaftliche Verhältnisse fragil sind und Ideologien wechseln können, schützt vor einer allzu naiven Haltung gegenüber der Gegenwart. Diese ostdeutsche Skepsis, die sich heute oft in politischen Dissonanzen zeigt, wurzelt tief in der Erkenntnis, dass Wahrheit oft eine Frage der Perspektive und des Zeitgeistes ist. Die Geschichte lehrt hier nicht Eindeutigkeit, sondern Vorsicht. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Im Osten war der Arbeiter im Betrieb oft der König, während er in der Mangelwirtschaft der Freizeit zum Bittsteller wurde – eine Umkehrung der westlichen Verhältnisse. Teaser: Henry Hübchen analysiert präzise, wie diese spezifische Sozialisation bis heute nachwirkt. Die im Arbeitsleben der DDR erlernte Respektlosigkeit gegenüber Hierarchien und die Fähigkeit, Autoritäten infrage zu stellen, sind geblieben. Es ist eine Form der Renitenz, die sich schwer in gesamtdeutsche Strukturen einfügen lässt, weil sie aus einer völlig anderen Logik von Abhängigkeit und Freiheit entstanden ist. Das Verständnis für diese feinen Unterschiede schwindet, je weiter das Land in der Vergangenheit versinkt. https://www.ardmediathek.de/video/suite-der-kulturtalk-mit-serdar-somuncu/muessen-wir-uns-an-die-ddr-erinnern-henry-huebchen/rbb/Y3JpZDovL3JiYl83YzUyNmMwYy00MzZmLTQyNzItOWYzMi04NDMyNjE0ODFiN2NfcHVibGljYXRpb24