Das teure Versprechen des Erich Honecker


Als Erich Honecker 1971 die „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ ausrief, kam das bei vielen DDR-Bürgern gut an. Nach Jahren, in denen vor allem Produktionszahlen und Wirtschaftspläne im Mittelpunkt gestanden hatten, rückte nun der Alltag der Menschen stärker in den Fokus. Neue Wohnungen entstanden in den großen Neubaugebieten, Renten wurden erhöht, Familien gefördert. Die Miete für eine Dreiraumwohnung blieb oft über Jahrzehnte nahezu unverändert. Ein Brot kostete wenige Pfennige, auch Strom, Gas und Fahrkarten waren für viele erschwinglich.

Für die Menschen bedeutete das Verlässlichkeit. Wer morgens zur Arbeit ging, musste sich über steigende Mietpreise oder hohe Energiekosten kaum Gedanken machen. Die niedrigen Preise gehörten zum Alltag wie die Kaufhalle um die Ecke oder die Straßenbahn auf dem Weg in den Betrieb.
Doch die Rechnung dafür wurde nicht an der Ladenkasse bezahlt. Der Staat glich die tatsächlichen Kosten mit immer höheren Zuschüssen aus. Jahr für Jahr flossen größere Summen in die Stützung von Mieten, Lebensmitteln, Energie und Dienstleistungen.

Gleichzeitig fehlte dieses Geld an anderer Stelle. In vielen Betrieben liefen Maschinen, die längst ersetzt werden mussten. Werkhallen wurden notdürftig instand gehalten, Ersatzteile improvisiert oder selbst angefertigt. Während in westlichen Fabriken moderne Anlagen Einzug hielten, arbeiteten viele DDR-Betriebe mit Technik, die oft schon Jahrzehnte alt war.

Für die Beschäftigten war dieser Widerspruch täglich sichtbar. Auf der einen Seite günstige Preise und soziale Sicherheit, auf der anderen Seite verschlissene Produktionsanlagen, Materialengpässe und immer wieder Probleme bei der Versorgung.

Um die Wünsche der Bevölkerung dennoch zu erfüllen, kaufte die DDR zunehmend Waren und moderne Technik im Ausland ein. Dafür wurden Kredite aufgenommen und Devisen benötigt, die die eigene Wirtschaft immer schwerer erwirtschaften konnte.

Ende der 1980er Jahre zeigte sich die Schieflage immer deutlicher. Die Wohnkosten blieben niedrig, viele Preise unverändert – doch gleichzeitig wuchs der Investitionsstau in Betrieben, Städten und Gemeinden. Straßen, Gebäude und Industrieanlagen zeugten vielerorts davon, dass über Jahre mehr Geld in den laufenden Verbrauch als in die Erneuerung geflossen war.

So entstand ein System, das den Alltag vieler Menschen absicherte, dessen wirtschaftliche Grundlage jedoch zunehmend unter Druck geriet. Die sozialen Versprechen blieben bestehen, während die Möglichkeiten, sie aus eigener Kraft zu finanzieren, immer kleiner wurden.