Das Schweigen der Waffen – Gedanken zu 70 Jahren NVA

Heute vor genau 70 Jahren, am 1. März 1956, trat die Nationale Volksarmee auf die weltpolitische Bühne. Eine Armee, die für viele junge Männer im Osten Deutschlands prägende, oft zermürbende und manchmal absurde Monate bedeutete. Politischer Drill, der strenge Alltag in der Kaserne und die ständige Mahnung vor dem westlichen „Klassenfeind“ gehörten zum Standardprogramm einer ganzen Generation.

Die NVA war keine gewöhnliche Armee in einem demokratischen Staat. Sie verstand sich als das bewaffnete Schild der SED-Diktatur, hochgerüstet und starr eingebunden in die nukleare Abschreckungslogik des Warschauer Paktes. Sie stand an der gefährlichsten Nahtstelle der Weltgeschichte: direkt am Eisernen Vorhang, im geteilten Deutschland, Auge in Auge mit der Bundeswehr. Wer heute mit Zeitzeugen spricht, hört Geschichten von Manövern in klirrender Kälte, von der Monotonie des Dienstes und der tiefen, kaum stillbaren Sehnsucht nach dem Tag der Entlassung.

„Das wohl größte historische Verdienst der Nationalen Volksarmee ist ironischerweise das, was sie am Ende nicht getan hat.“

Als im Herbst 1989 hunderttausende Bürger in Leipzig, Berlin und unzähligen anderen Städten für ihre Freiheit auf die Straße gingen, knisterte die Luft vor Spannung. Die Truppen waren in Alarmbereitschaft versetzt, die Lage hätte jeden Moment kippen können. Doch der befürchtete Befehl, die eigene Bevölkerung mit Waffengewalt aufzuhalten, wurde letztlich nicht umgesetzt – und dort, wo er im Raum stand, verweigerten sich viele der Eskalation. Die Waffen blieben stumm. In diesen schicksalhaften Tagen bewies sich, dass in den Uniformen Söhne, Brüder und Nachbarn steckten, die keinen Krieg gegen das eigene Volk führen wollten.

Heute, über drei Jahrzehnte nach ihrer Auflösung, ruhen die Stahlhelme und Uniformen der NVA längst in den Vitrinen der Museen. Wenn wir heute auf dieses 70-jährige Jubiläum blicken, spüren wir vor allem eine tiefe, aufrichtige Erleichterung. Die bedrohlichen Gräben des Kalten Krieges existieren nicht mehr. Aus ehemals ideologischen Gegnern, die durch eine unmenschliche Grenze getrennt waren, sind längst Mitbürger, Nachbarn und Freunde geworden.

Der Rückblick auf die NVA ist damit auch eine Erinnerung an unsere eigene Stärke: Er zeigt uns, dass selbst die am schwersten bewaffneten Systeme durch den friedlichen Mut von Menschen überwunden werden können. Dass sich Gewaltlosigkeit und der tiefe Wunsch nach Freiheit am Ende durchsetzen, ist ein wunderbarer Triumph der Menschlichkeit – und ein wunderbares Fundament, auf dem wir jeden Tag aufs Neue unsere gemeinsame, friedliche Zukunft gestalten.

Und so sollte es hoffentlich auch in Zukunft bleiben können.

Dreharbeiten auf der J.G. Fichte: Die Entstehung der DDR-Serie „Zur See“

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Es gibt Bilder, die sich im kollektiven Gedächtnis festsetzen, und doch erzählt das, was hinter der Kamera geschah, eine ganz eigene Geschichte. Teaser: Wer an die Serie „Zur See“ denkt, hat oft die eingängige Melodie im Ohr und die Gesichter von Horst Drinda oder Günter Naumann vor Augen. Doch die Realität der Dreharbeiten im Jahr 1974 auf dem Frachter „J.G. Fichte“ hatte wenig mit der Romantik zu tun, die später über die Bildschirme flimmerte. Die Bedingungen an Bord waren hart, geprägt von Hitze, Lärm und der Enge eines Schiffes, das seine besten Tage längst hinter sich hatte. Die Entscheidung für dieses alte Schiff war keine künstlerische, sondern eine rein pragmatische. Moderne Schiffe der DDR-Handelsflotte boten schlicht keinen Raum für ein Filmteam. So fand sich die prominente Riege der DDR-Schauspieler in einer Situation wieder, die keinen Rückzug erlaubte. Sie lebten Tür an Tür mit der echten Besatzung, teilten den begrenzten Komfort und die langen Abende auf See. Aus dieser Zwangsgemeinschaft entstand eine Atmosphäre, die sich wohl kaum künstlich herstellen ließ. Bemerkenswert ist, wie sehr der politische Arm des Staates auch auf den Weltmeeren präsent blieb. Die Angst vor Republikflucht bestimmte die Auswahl des Personals ebenso wie die Reiseroute. Selbst bei technischen Pannen im „kapitalistischen Ausland“ blieb der Bewegungsradius der Crew strikt reglementiert. Die Serie sollte Weltläufigkeit zeigen, entstand aber unter den Bedingungen strenger innerer Kontrolle. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus realer harter Arbeit, politischer Begrenzung und der großen Sehnsucht nach der Ferne, die den Kern dieser Produktion ausmachte. Die Zuschauer spürten, dass hier nicht nur Theater gespielt wurde. Die Arbeit an den Maschinen, der Umgang mit der Fracht – vieles davon entsprach den tatsächlichen Abläufen an Bord eines DSR-Frachters. Es bleibt das Dokument einer Zeit, in der die Grenzen eng waren, der Blick aber dennoch nach draußen ging. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Die Produktion der erfolgreichsten DDR-Fernsehserie war weit mehr als ein logistischer Kraftakt auf hoher See. Teaser: Als 1974 die Dreharbeiten zu „Zur See“ begannen, traf der kulturelle Auftrag des DDR-Fernsehens auf die nüchterne Realität der Schifffahrt. Die Serie sollte den Alltag der Handelsmarine glorifizieren und gleichzeitig das Fernweh der Bevölkerung stillen. Doch schon die Wahl des Drehortes zeigte die Grenzen auf: Statt eines modernen Vorzeige-Schiffes diente ein alter Truppentransporter als Kulisse, weil nur dort genug Platz für das Filmteam war. Die politischen Rahmenbedingungen waren ebenso eng wie die Kabinen. Die Stasi überprüfte jeden Beteiligten, die Reiseroute mied westliche Häfen, und selbst der Kontakt zum „Klassenfeind“ wurde administrativ unterbunden. Dennoch – oder gerade deshalb – entwickelte die Serie eine Authentizität, die bis heute nachwirkt. Die Geschichten basierten oft auf realen Logbucheinträgen, und die Schauspieler verschmolzen über Wochen mit der echten Besatzung. Interessanterweise lieferte dieses ostdeutsche Format, das die harte Arbeit in den Mittelpunkt stellte, die Blaupause für das westdeutsche „Traumschiff“. Während dort jedoch der Luxus regierte, blieb „Zur See“ ein Abbild der DDR-Gesellschaft: Man improvisierte, arbeitete hart und träumte sich für die Dauer einer Fernsehfolge in eine andere Welt. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Wer in der DDR zur See fuhr, besaß ein Privileg, das Millionen anderen verwehrt blieb. Teaser: Die Serie „Zur See“ bediente dieses Privileg visuell, während die Produktion selbst den Restriktionen des Landes unterworfen blieb. Die Schauspieler auf der „J.G. Fichte“ erlebten eine Freiheit zweiter Klasse: Sie waren unterwegs und doch eingesperrt, kontrolliert von politischen Vorgaben, die selbst auf dem Atlantik nicht endeten. Dass die Serie dennoch zum Straßenfeger wurde, lag an der Projektionsfläche, die sie bot. Sie zeigte eine Welt, in der ostdeutsche Tugenden global bestanden, auch wenn die Realität an Bord oft aus Rost, Schweiß und strenger Überwachung bestand. Es war der Versuch, die Weite zu inszenieren, ohne die eigenen Grenzen zu verlassen.