Eine Analyse der Programmzeitschrift aus dem März 1988 offenbart Strukturen des medialen Alltags zwischen Schichtarbeit und Unterhaltung.
Die Programmzeitschrift „FF dabei“ nahm im medialen Gefüge der DDR eine zentrale Stellung ein, die weit über die reine Information über Sendezeiten hinausging. Als einziges umfassendes Printmedium für das Fernseh- und Radioprogramm war das Heft, das wöchentlich für 50 Pfennig verkauft wurde, oft schwer erhältlich und galt vielerorts als Bückware. Eine Betrachtung der Ausgabe 12 vom März 1988 ermöglicht heute, fast vier Jahrzehnte später, einen detaillierten Blick auf die Synchronisierung von Medienangebot und gesellschaftlichem Arbeitsrhythmus sowie auf die strategische Platzierung politischer Inhalte innerhalb eines unterhaltenden Rahmens. Der Aufbau des Heftes orientierte sich dabei durchaus an internationalen Standards, bot Leserbriefe, Hintergrundberichte zu Produktionen sowie Service-Rubriken, die von Gesundheitstipps bis zu Ratschlägen für den Kleingarten reichten.
Auffällig bei der Analyse des Programmschemas ist die enge Verzahnung des Rundfunks mit den Erfordernissen der industriellen Arbeitswelt. Anders als in der Bundesrepublik, wo Morgensendungen oft erst um sechs Uhr begannen, starteten die Radioprogramme der DDR, etwa das „Magazin am Morgen“, teilweise bereits um vier Uhr früh. Dies reflektierte den Lebensrhythmus der Werktätigen, deren Schichtbeginn oft in den frühen Morgenstunden lag. Auch die Mittagsmagazine waren entsprechend früher angesetzt. Gleichzeitig existierte im Rundfunk noch ein klassischer Sendeschluss, der selbst bei jugendorientierten Sendern wie DT64 um Mitternacht den Sendetag beendete. Diese Taktung des Programms verdeutlicht, wie sehr die Medienfunktionäre den Alltag der Bevölkerung nicht nur begleiteten, sondern ihn strukturell in die Sendeplanung integrierten.
Im Fernsehbereich, der sich in das 1. und 2. Programm gliederte, zeigt sich eine klare Trennung der Sendeaufträge. Während das erste Programm bereits am Vormittag den Sendebetrieb aufnahm, startete das zweite Programm wochentags erst am späten Nachmittag. Die Vormittagsstrecken und Sendepausen waren intensiv mit Bildungsfernsehen gefüllt. Formate wie „English for You“, „Russisch“ oder „Staatsbürgerkunde“ waren fester Bestandteil des Sendeschemas und dienten der schulischen Ergänzung sowie der ideologischen Schulung. Diese Sendungen füllten die Lücken zwischen den Nachrichtenblöcken und den Wiederholungen des Vorabends, die speziell für Schichtarbeiter ausgestrahlt wurden, die das Abendprogramm verpasst hatten.
Ein wesentliches Merkmal der Programmplanung war die gezielte Platzierung politisch relevanter Sendungen vor publikumsstarken Unterhaltungsformaten. Ein prominentes Beispiel hierfür ist „Der schwarze Kanal“ mit Karl-Eduard von Schnitzler. Die Sendung wurde strategisch so platziert, dass sie unmittelbar vor beliebten Spielfilmen oder Unterhaltungsshows lief, um den sogenannten Audience Flow zu nutzen und die Zuschauer bei den politischen Kommentaren zu halten. Auch die strikte Setzung des Hauptabendprogramms auf 20 Uhr unterschied sich vom westdeutschen Standard von 20:15 Uhr, was als Versuch gewertet werden kann, die Zuschauer vor Beginn der Tagesschau im Westfernsehen an das eigene Programm zu binden.
Inhaltlich bot das DDR-Fernsehen im März 1988 eine Mischung aus Eigenproduktionen, Lizenzware und klassischer Hochkultur. Neben populären Reihen wie „Polizeiruf 110“ oder der langlebigen „Rumpelkammer“ fanden sich auch internationale Produktionen im Heft, etwa Übertragungen des Sanremo-Festivals oder brasilianische Serien. Gleichzeitig wurde der Bildungsauftrag auch im Unterhaltungssektor ernst genommen, etwa durch Ratgebersendungen oder anspruchsvolle Fernsehspiele. Die Koexistenz von propagandistischen Inhalten und handwerklich soliden Unterhaltungsformaten prägte das Seherlebnis. Die „FF dabei“ dokumentiert somit nicht nur, was gesendet wurde, sondern auch, wie der Staat versuchte, durch eine Mischung aus Information, Bildung und Zerstreuung die Deutungshoheit im Wohnzimmer zu behalten.
Das Heft selbst spiegelt in seiner Aufmachung und in den redaktionellen Texten den Versuch wider, eine Normalität abzubilden, die den politischen Anspruch mit den realen Interessen der Zuschauer versöhnen sollte. Die Programmstruktur war dabei nie zufällig, sondern folgte einer Logik, die den sozialistischen Alltag in seinen zeitlichen und inhaltlichen Dimensionen abbilden und formen wollte. Der Rückblick auf diese eine Woche im März 1988 zeigt ein Mediensystem, das funktional und ideologisch durchgeplant war, dabei aber stets darauf angewiesen blieb, durch attraktive Inhalte die Akzeptanz beim Publikum zu sichern.