Wie die KI uns unsere Einheitslügen über den Osten zurückspielt

„Saxony-Anhalt is the Worst“ – so heißt die neue Studie der KI-Forscherinnen Anna Kruspe und Mila Stillman. Und sie zeigt, wie tief alte Vorurteile inzwischen in digitale Systeme eingesickert sind. Große Sprachmodelle wie ChatGPT oder LeoLM bewerten ostdeutsche Bundesländer systematisch schlechter – egal ob es um Intelligenz, Freundlichkeit oder Fleiß geht. Was wie ein Kuriosum klingt, ist in Wahrheit ein Spiegel.
Die Modelle urteilen nicht – sie berechnen Wahrscheinlichkeiten. Doch wenn sie aus Abertausenden Texten lernen, dass „Ostdeutschland = Problemzone“ gilt, wird daraus ein statistisches Gesetz. Selbst Körpertemperaturen fielen im Osten niedriger aus – ein absurdes, aber symbolträchtiges Detail. Es zeigt, dass Daten nicht neutral sind, sondern Geschichte und Machtverhältnisse fortschreiben.

Besonders beunruhigend ist, dass solche Verzerrungen unsichtbar bleiben. Wenn ein Bewerbungs-Algorithmus oder eine Kredit-KI ähnlich „lernt“, wer als leistungsfähig oder vertrauenswürdig gilt, dann verwandelt sich kulturelle Voreingenommenheit in technische Diskriminierung – ohne böse Absicht, aber mit realen Folgen.

Mir ist das bei meinen eigenen Recherchen ebenfalls schon oft begegnet: Man muss immer sehr genau prüfen, mit welchen Quellen man arbeitet, woher die Informationen stammen und wie sie gefärbt sein könnten. Erst nach dieser Nachrecherche kann ein Beitrag überhaupt entstehen. Es bringt nichts, hier nur seine Meinung zu vertreten – die kann man in den Kommentaren lesen. Entscheidend ist, auf welche Daten und öffentlich zugänglichen Quellen man sich bezieht. Nur so lassen sich Aussagen überprüfen und gegebenenfalls korrigieren. Und wenn jemand etwas besser weiß – nachweislich, mit Quelle – sollte er oder sie sich ruhig melden. Somit können dann Beiträge auch laufend aktualisiert werden.
Denn auch diese Texte, die wir heute schreiben, fließen in das Gedächtnis der kommenden KIs ein. Und vielleicht entscheidet sich genau dort, ob sich alte Vorurteile wiederholen – oder ob wir endlich beginnen, sie zu überschreiben.

Eine atmosphärische Vermessung der ostdeutschen Gegenwart

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Manchmal muss man vom Rad steigen oder in einer Lokalredaktion anheuern, um wirklich zu verstehen, wie sich der Wind gedreht hat. Teaser: Wenn wir über den Osten sprechen, landen wir oft schnell bei Wahlergebnissen und Prozentzahlen. Aber was liegt darunter? Was passiert in den Dörfern, an den Stammtischen, in den Vereinen, wenn die Kameras weg sind? Für das Buch „Extremwetterlagen“ haben sich drei Autorinnen und ein Soziologe auf eine intensive Reise durch Sachsen, Brandenburg und Thüringen begeben. Sie waren als „Überlandschreiberinnen“ unterwegs, ganz nah dran an den Menschen. Tina Pruschmann fuhr mit dem Rad durchs Erzgebirge, Barbara Thériault arbeitete in einer Thüringer Lokalzeitung, Manja Präkels besuchte Initiativen in Brandenburg. Was sie mitgebracht haben, sind keine schnellen Urteile, sondern feine Beobachtungen über ein gesellschaftliches Klima, das rauer wird. Es geht um die Normalisierung von Dingen, die früher undenkbar waren. Um das Schweigen im Alltag und die historischen Linien, die bis in die DDR zurückreichen. Alexander Leistner ordnet diese Beobachtungen soziologisch ein und zeigt: Nichts davon kommt aus dem Nichts. Es ist eine Bestandsaufnahme der Gegenwart, die zeigt, wie anstrengend es sein kann, gegen den Wind zu atmen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Eine literarische und soziologische Vermessung der ostdeutschen Zustände jenseits der üblichen Schlagzeilen. Teaser: Im Vorfeld der letzten Landtagswahlen startete ein besonderes Projekt: Die Autorinnen Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault sowie der Soziologe Alexander Leistner erkundeten als „Überlandschreiberinnen“ die gesellschaftliche Atmosphäre in Ostdeutschland. Ihr Buch „Extremwetterlagen“ (Verbrecher Verlag) dokumentiert Kipppunkte und Brüche in der Gesellschaft. Die Texte verbinden reportageartige Nähe mit analytischer Distanz. Sie thematisieren die schleichende Normalisierung rechtsextremer Narrative ebenso wie die Resilienz der Zivilgesellschaft. Besonders wertvoll ist dabei die historische Einordnung, die mentale Kontinuitäten bis in die DDR-Zeit sichtbar macht. Eine wichtige Lektüre für alle, die die aktuellen Entwicklungen in Ostdeutschland fundiert verstehen wollen. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Der Begriff „Extremwetterlagen“ meint hier keinen Regen, sondern das soziale Klima einer Region im Umbruch. Teaser: Wie lernt man, gegen den Wind zu atmen, wenn er einem direkt ins Gesicht bläst? Die Reportagen von Präkels, Pruschmann, Thériault und Leistner beschreiben den Osten nicht als Problemzone, sondern als Seismograph. Sie zeigen, wie sich das Miteinander verändert, wenn politische Extreme zum Alltag werden. Ein ruhiges, aber eindringliches Buch über die Temperatur unserer Gesellschaft. QUELLE: https://www.verbrecherverlag.de/wp-content/uploads/2025/05/Leseprobe-Extremwetterlagen.pdf